“Das soll Schwierigkeitsgrad 41 sein? Das ist doch ein Nachmittagsspaziergang!” Das waren Annettes Worte vor der Wanderung.
Für die ersten knapp 4km traf das auch locker zu. Da gings nahe der Küste über einen gut ausgebauten Weg, in dessen feuchteren Passagen sogar Stollenreifenabdrücke zu sehen waren. Stammten wohl von der XT, die am Parkplatz passenderweise am Schild “Unsuitable for vehicles” angekettet war. Doch dann war Schluß mit lustig. “Such Dir nen Weg bergauf” stand sinngemäß in der Beschreibung und wir suchten in der Nähe der GPS-Route sowas wie einen Weg. Fanden aber nur wegloses Heidegestrüpp am steilen Hang. So kämpften wir uns dann bergauf. Gut eine Stunde später und grad mal einen km weiter (und 200m höher) flachte das Gelände etwas ab, aus Heide wurde ein Gewirr von Sumpflöchern. Wieder keinen Kilometer weiter gings dann abermals frontal in den Hang. Komische Vorstellungen haben die Briten. Wetter, Zeitaufwand, Gelände – ich suchte bereits intensiv nach Ausweichstrecken und Abkürzungen. Aber so richtig sinnvoll war da nichts. Immerhin haben wir kurz vor dem Kamm beschlossen, den Nebengipfel wortwörtlich links liegen zu lassen und sind querfeldein schon etwas auf den Pfad zum Hauptgipfel eingeschwenkt. Immerhin mit einem kleinen Abstecher, der uns einen Blick auf Ullapool gewährte. Beinn Ghobhlach liegt nämlich zwischen Loch Broom2 und dem Little Loch Broom3.
Und da oben blies es mal wieder gar fürchterlich! Vom Grat bis zum Gipfel war ein ziemlicher Kampf. Den Gipfel begutachteten wir auch nur kurz. Nix wie runter lautete die Devise. Der Absteig war dann auch wieder entsprechend steil. Zwei Seen gaben einen guten Orientierungspunkt4 und so konnte ich das GPS mal sein lassen. Auch waren stellenweise immerhin wieder Stiefelabdrücke erkennbar. Zwischen den Seen war es dann sogar windstill genug, daß wir eine Vesperpause genießen konnten. Ein letzter steiler Abstieg führte uns dann wieder zurück auf den Küstenpfad, auf dem wir dann nur noch knapp 2km bis zum Parkplatz vergleichsweise entspannt zurückschlendern konnten.
Der Schierigkeitsgrad der Wanderung ist sicher auf das Gelände zurückzuführen. Im Allgäu auf trockenem Untergrund bzw. dann auch auf einem noch so schmalen Pfad wäre es wirklich ein Spaziergang. Und wir haben uns noch den zusätzlichen Kick der hohen Windgeschwindigkeiten gegeben. Nur zu schade, daß es dennoch recht rüb blieb. Es war geradezu dämmrig dunkel die meiste Zeit.
Edit: Monsieur wollen wir nicht vergessen. Auf den ewig langwierigen Single Tracks gabs auf einer Weide nicht nur ein paar Kühe. Irgendwann kam uns auf der Straße ein Bulle entgegen. Ein muskulöses Riesenvieh, cremefarben wie alter Marmor. Ein vierbeiniger David5 sozusagen, bis hin zum Anhängsel und den leicht krausen Kopfhaaren. Da er nicht gewillt war, sich um sowas wie eine Ausweichstelle zu kümmern, blieb ich deeskalierend einfach mit dem Auto stehen. Er lief dann ultraknapp am Wagen vorbei und klappte mit beiläufigem, aber absichtlich wirkendem Hüftschwung den Außenspiegel ein. Auf dem Rückweg war er auch wieder zur Stelle, dann aber weniger provokant und wir waren mit einer Kamera bewaffnet. Bilder dann wieder mit dem Update.







