Meine Herren, was für eine Ochsentour! Laut Schwiergkeitsskala1 ebenso schwer wie die Tour gestern und sogar eine Stufe weniger sumpfig. Schön wärs gewesen. Und innerhalb der Zeitvorgabe blieben wir diesmal auch nicht.
Doch zuerst gabs eine schöne, bequeme Fahrt, leider ohne viel Aussicht, am Westufer des Loch Lomond entlang. Irgendwo an einem Parkplatz muß meiner Erinnerung nach “Robert the Bruce’s Tree” samt Geocache sein. Aber den Cache hatte ich nicht gespeichert und ohne Onlinezugang wurde auch das nichts. Ich sehe schon, daß ich Schottland noch ohne Fund verlassen werde. Am Wanderparkplatz dann eine böse Überraschung: “Pay & Display”, also Parkschein ziehen. Doch halb so schlimm, ein Pfund fürs Tagesticket kann man verschmerzen.
Die Wanderung beginnt direkt auf der anderen Straßenseite und geht gleich recht knackig los mit ordentlicher Steigung auf einer Art Wirtschaftsweg2 und zieht sich so eine Weile hin. Dann gehts an einem Bach entlang das Tal hoch. Wir hatten übrigens tiefhängende Wolken oder Nebel, jedenfalls keine Aussicht. Die passable Zahl an anderen Wanderern3 ließ aber hoffen, daß es besser werden könnte. Die können sich ja nicht alle irren.
An einer Abzweigung jedoch bogen alle nach links ab, direkt in den Anstieg zum Gipfel4 während unser Wanderführer5 wollte, daß wir rechts rum gehen, um den selben Punkt quasi hintenrum zu erreichen. Da Dank Nebel eh keine Aussicht runter zum Loch zu erwarten war, nahmen wir dann auch gehorsam den Weg hintenrum.
Der geht eine Weile wie gehabt weiter, also immer wieder relativ steile Anstiege auf passablem Schotterweg. Doch mit dem Abzweig Richtung Cobbler wirds dann doch nochmal heftiger. Etliche Steinstufen schleppten wir uns hinauf, durchsetzt mit kurzen Quergängen mit moderater Steigung. Irgendwann durften wir uns dann im Nebel den Weg durch eine Art steinige Wiese suchen. Dank GPS und mit guten Augen ging das auch im Nebel gut. Auf dem Gipfelgrat riss es dann auf, die Wolken hatten sich wohl mit uns zusammen von Norden her auf den Kamm geschleppt. Der Hauptgipfel war dann schnell erreicht. Besser gesagt eine kleine Kuppe in seiner Nähe, denn der eigentliche Gipfel ist etwas spezieller. Auf ihm standen dann auch schon zwei Männer und ich legte mein Gepäck ab, um deren Treiben zu beobachten und auf Annette zu warten. Wir futterten dann noch ein paar Chips während sich eine Gruppe6 am Gipfel vergnügten, d.h. vor ihm und am Zugang für Fotos posierten.
Ja, was ist so besonders an diesem Gipfel? Nun, der höchste Punkt liegt auf einer Art Felswand, die relativ frei vor der vermeintlichen Gipfelkuppe steht und mit der schmalen Seite auf diese zeigt. Von links7 ist sie über ein paar Felsblöcke erreichbar. In der Wand ist nun ein Loch8 durch das man auf die andere Seite der Wand kriechen kann. Von dem Absatz dort geht es zwar einige Meter weiter senkrecht runter als auf der anderen Seite, dafür aber steigt dieser Absatz an der Wand entlang auf. Man kann hier also hochkraxeln und erreicht nach einer Kehrtwende das Plateau auf der Wand. Schon beeindruckend, dort zu stehen. Zudem hatte die Wolkendecke aufgerissen und gab fantastische Aussichten gen Süden frei.
Zurück auf der Kuppe schnürten wir unser Bündel um den Nordgipfel auch zu besuchen. Unsere vermeintliche Abkürzung9 endete als Sackgasse am oberen Ende einer steilen Felswand. Der Anstieg zum Nordgipfel auf dem direkteren Weg hat auch ein paar nette Klettereinlagen. Oben war Annette ein wenig enttäuscht, zumal sie glaubte, wir wären schon auf dem Weg nach unten. Ich platzierte meinen mitgebrachten Stein auf dem dortigen Haufen und ärgerte mich über die wieder verhangene Aussicht. Runter zum Grat nahmen wir dann einen etwas weiteren, aber einfacheren Weg. Dann gings endlich abwärts. Über den Weg, den alle anderen zum Aufstieg genutzt hatten.
Der hatte es dann auch in sich. So oft habe ich schon lange nicht mehr die Hände zu Hilfe genommen. Ich weiß nicht genau, wie es Annette erging, da sie drauf bestand, alleine klarzukommen und ich so immer gute 10m unter ihr war und immer nur so lange wartete, bis ich sie wieder sah. Testweise bin ich ein paar kniffligere Passagen wieder hochgeklettert. Völlig harmlos. Oder anders gesagt: Man muß einfach die Laufrichtung umdrehen. Auch wenn man dann auf dem Rückweg mehr unspektakulären Schotterweg hat. Als wir den übrigens wieder erreichten, waren wir erst mal heilfroh. Dann aber machte sich Langeweile breit, denn die Strecke den Hinweg zurück zog sich wie Kaugummi. Außerdem mussten wir ja auch irgendwann mal im B&B ankommen. Wir setzten einen kurzen Infoanruf von unterwegs ab und müssen uns jetzt sputen, um zur vereinbarten Zeit10 dort zu sein.
- des selben Anbieters natürlich [↩]
- von der Optik her, aber wohl nicht von der Nutzung [↩]
- die meisten sahen wir, als sie uns überholten [↩]
- bzw. zum Grat zwischen Haupt- und Nordgipfel, der Südgipfel ist eh nur mit Kletterausrüstung erreichbar [↩]
- besser gesagt die Wanderbeschreibung von einer recht guten Website [↩]
- vermutlich Studenten auf Ausflug [↩]
- von der Kuppe aus gesehen [↩]
- eigentlich zwei, aber das andere ist schwer erreichbar und eins reicht [↩]
- O-Ton Annette: “Warum soll ich bis da runter laufen, hier geht doch auch ein Weg in die Richtung führt?” [↩]
- 18:00Uhr [↩]

















