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Il Caminetto

Sowohl der Reiseführer als auch die Wirtin unseres B&B empfehlen das Lokal und es ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Also war klar, daß wir dort essen. Und es hat sich gelohnt. Wobei ich anfangs beim Risotto a la Pescatore skeptisch war. In den Miesmuschelschalen fand sich alles mögliche, inklusive Venusmuscheln1, nur kein Miesmuschelfleisch. Das lungerte so zwischen den Reiskörnern rum. Aber lecker wars, genau so wie landestypische Pasta, die Annette hatte. Salat und Gemüse2 kam dann vor dem Hauptgang, quasi mehr Zwischengang als Beilage. Auch recht. Hinterher dann Calamari, ein mal gegrillt und ein mal frittiert. Wobei man hier nicht an die knusprig panierten Dichtungsringe daheim denken darf. Die frittierten sind einfach nur kurz in Mehl gewendet gewesen. Und es gibt das ganze Tier inklusive Saugnäpfen, nicht nur den Körper in Ringen. Besonders bei den gegrillten fiel das auf, da war ein Riesenvieh am Stück dabei. Aber lecker auf den Punkt gegrillt ohne all zu knusprige Stellen, selbst die “Flügelchen” am Körper und die Armspitzen waren nicht holzkohlig. Der Schoppen des weißen Hausweins mundete dazu ausgezeichnet und zum Kaffee gabs reichlich und offensichtlich selbstgemachte Süßigkeiten. Wir schließen uns hiermit der Empfehlung der oben genannten an.

  1. am Stück mit Schale []
  2. roh []

Ein Fressen für die Geier

Heute hieß es Abschied nehmen vom Rocce Bianche und den Enduristen. Sogar der Himmel weinte. Es goß aber nicht lange, kaum waren wir an der Küste, war wieder alles trocken. Die Küste entlang nordwärts ging es, an Oristano vorbei auf der Schnellstraße wieder landeinwärts und nach einem kleinen Abstecher zum Parkplatz des Brunnenheiligtums von Sta. Christina über kleine kurvige Straßen hoch zu einer RAI-Sendeanlage im Monte-Ferru-Massiv. Dort hat es einen Parkplatz und den Startpunkt der Wanderung.

Die war dann vergleichsweise einfach. Immer um den Berg rum auf gut ausgebauten Wegen. Ein Abstecher zu einem “Gipfelhäuschen”, wohl ein Waldbrandbeobachtungsposten, war die einzige Herausforderung. Aber es gab schöne, wenn auch teilweise leider diesige Aussichten bis zum Meer und weit landeinwärts. Zudem gab es reichlich Raben oder Bergdohlen oder sowas, die in einem riesigen Schwarm mal um den einen, mal um den anderen Gipfel kreisten. Das Gestein, hier mal vulkanisch, war mal wieder bizarr. Auch ein wenig schräg ein kleiner versteckter Höhepunkt der Tour: Schon auf dem Weg zurück liegen etwas abseits verfallende Volieren. Hier wurden vor etlichen Jahren Gänsegeier ausgewildert. Schon am Eingangstor warnen zwei verwitterte und bröckelige Rinderschädel und das ganze Gelände ist voll mit morschen Knochen. Hier wurde wohl mehr gefüttert als aufgeräumt.

Auf gleichem Weg ging es dann wieder zurück bis Cabras, einem kleinen Fischerdorf nördlich von Oristano. Hier hat es auch eine große und fischreiche Lagune. Meeräschen laichen hier wohl und deren Kaviar, Bottega di Muggine1 ist eine lokale und teure Delikatesse. Ansonsten hat es im Ort ein nettes kleines B&B direkt am großen Platz bei den alten Wassertürmen2 an der Lagune. Aussicht gibt es hier zwar keine, es sei denn auf den liebevoll angelegten kleinen Garten. Aber das Leben spielt sich hier im Süden eh auf der Straße und öffentlichen Plätzen ab.

Wobei das Einchecken noch etwas holprig war. Ich hätte vor ein paar Tagen bescheid geben sollen, wann wir vorraussichtlich eintreffen, da die junge Wirtin in Oristano im Internetcafe ihres Freundes mithilft und deshalb nicht vor Ort präsent ist. So mussten wir nach dem Anruf halt noch eine halbe Stunde warten, bis uns aufgetan wurde.

  1. wenn ich das richtig behalten habe []
  2. ein Wahrzeichen, wenn auch unspektakulär, man sieht sie praktisch auf jedem Bild aus Cabras []