20.09.2011 12:00 MDT
So viel Attraktionen Zion Canyon auch bewerben mag – wir hatten uns den echten Höhepunkt herausgepickt und so war heute nach zwei Übernachtungen schon wieder Abreise angesagt. Mit separat geschnürtem Bündel für eine einzelne Übernachtung und einem bewältigbaren und deshalb auch vollständig vertilgtem Frühstück intus fuhren wir erst noch einmal in den Park. Mit dem Auto.
Der betriebene Aufwand war für das Ergebnis etwas hoch. “Court of the Patriarchs”, zu bewundern von einem Aussichtspunkt ganze 50ft1 von der Bushaltestelle entfernt. Doch statt am Eingang ins Shuttle zu steigen, fuhren wir erst mal zum Museum und Besucherzentrum, das entgegen Annettes Annahme dann doch nur Kurzzeitparkplätze anbot. Zurück am Eingang dann das Gejuckel mit dem Bus für ein paar Meter, dann wenige Schritt laufen und es gibt die imposante Aussicht. Naja, für sich betrachtet. Nach dem, was gestern allerdings geboten war und was man dafür tun musste, war das dann doch wie Postkartengucken am Souvenirkiosk. Ok, Aufbruch.
Geplant war, über die Straße ohne Shuttlebuspflicht zum Ostausgang des Parks2 zu fahren. Nach Amiskala eine fiese Bergstraße für Wagemutige. In Südtirol würden die Italiener fast eine Autobahnschild dranschrauben und Maut verlangen. Gut, Maut zahlt man hier auch in Form des Parkeintritts. Und es gibt doch noch ein Abenteuer: Ein kleiner unbeleuchteter Tunnel. So schmal, daß Fahrzeuge ab einer gewissen Größe3 im Vorfeld einen Lotsenservice buchen müssen. Denn sie müssen in der Mitte fahren, um nicht an der Decke entlangzuschrammen, was bei Gegenverkehr nun einmal nicht geht. Und hier offenbarte sich das eigentliche Abenteuer: Gelassen zu bleiben angesichts des Staus vorm Tunnel, weil wegen des hohen Aufkommens an übergroßen Fahrzeugen pauschal auf Einbahnsystem mit Walkie-Talkie-Steuerung4 umgestellt worden war.
Nach dem Tunnel sollte ein Parkplatz sein, von dem aus man zum Canyon Overlook, einem Aussichtspunkt mit ganz anderer Perspektive, laufen kann. Laufen können soll. Whatever. Den verpassten wir natürlich, wie wir einige Kilometer weiter am Parkausgang feststellen mussten. Also retour. Und wieder in die Schlange vorm Tunnel einreihen. Ganz großes Kino. Kurz vorm Tunnel dann etwas, das der Überlaufparkplatz sein musste. Also der etwas abseits für den Fall, daß der eigentliche Parkplatz voll ist. Auch der war dank raumgreifend Parkender praktisch voll, aber wir drückten uns noch rein. Tip: Der eigentliche Parkplatz mit seinen zwei Plimpsklos ist tatsächlich direkt hinterm Tunnel rechts. Und winzig, 10 Autos haben wohl Platz. Dem direkt gegenüber liegt dann auch relativ unscheinbar der Einstieg zur Wanderung.
Tat dann auch gut, endlich wieder aus dem Auto rauszukommen. Auch wenn der Verkehr auf dem Pfad auch nicht gering war, jedoch immerhin weniger als gestern auf dem Angel’s Landing Trail. Das honorierte die lokale Huftierpopulation mit dem Erscheinen eines Abgesandten zwecks Ablichtung durch die Touristen. Oder man war einfach nur neugierig und lungerte auf einem Felsbogen rum, wohl wissend, daß da so schnell kein Mensch hochkommt, sondern alle brav unter den Hufen durchlaufen. Auch die eine oder andere Echse ließ sich blicken. Gefüttert wird hier wohl nicht, weshalb Hörnchen allenfalls zu hören waren. Wenn es denn welche waren.
Der Aussichtspunkt selbst ist mal wieder ein Amikuriosum, finde ich. Natürlich ist die Aussicht schön. Und es gibt einen brusthohen Zaun, damit niemand mehrere hundert Meter tief runterfällt, denn er leigt mal wieder am oberen Ende einer Klippe. Kurios ist, daß dieser Zaun sich über wenige Meter Breite zwischen zwei Felsen erstreckt und die Lücke schließt, auf die man direkt zuläuft. Oder auch mit dem Rollstuhl fast fahren könnte mit ein wenig Hilfe. Der ganze Rest des Klippenrands, den man locker erreichen kann5, ist unverbaut. Zum Glück für diese mal wieder grandiose Landschaft. Annette hat es nicht ganz so gut geschmeckt. Weniger wegen ihrer gestern so bravourös verkniffenen Höhenangst als deswegen, daß sie nicht glauben konnte, daß ich keinen Fuß bewege während ich durch den Sucher schaue und somit auf dem ebenen Boden auch einen halben Meter vom Klippenrand entfernt nicht in Gefahr war. So gabs halt einen Anschiß für den angeblich so fahrlässigen Kerl.
Auf gleichem Weg gings dann zurück zum Parkplatz und raus aus dem Park. Wir haben noch ein wenig Wegstrecke vor uns nach Page, Arizona.
- Court of the Patriarchs am Morgen
- Einstieg vom Parkplatz aus. Die Fahrzeuge im Bild parken nicht, das ist der Stau.
- Mal was größeres als ein Hörnchen
- Und noch einmal von der anderen Seite.
- Echsen dürfen nicht unfotografiert bleiben.
- Beim Aussichtspunkt
- Die Aussicht entlang des Seitencanyons, durch den die Straße führt.
- Die unschwer zu erklimmenden Felsen neben dem Zaun.
- Noch weit bis zum Abgrund…
- Aber tief runter geht es schon!
- nur Annette war sich wohl nicht bewusst, daß das keine 20m sind [↩]
- der Park hat nur einen Eingang im Süden, es zweigt eine Straße nach Osten ab und die Straße nordwärts ist eine Sackgasse [↩]
- Wohnmobile z.B. [↩]
- stimmt nicht ganz, der letzte der Kolonne hatte noch eine Art Staffelstab [↩]
- vorausgesetzt, man kann so gut klettern, daß es für eine handelsübliche Treppe in einem Wohnhaus reicht [↩]










