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The long way round

24.09.2011 22:05 PDT

Kommentar von Peter: Eigentlich ein Irreführender Titel, wir sind fast Luftline gefahren, keinen Umweg. Aber weit…

Heute beginnt unsere große Fahrt nach Westen zum Mono Lake, einem Salzsee, der an seinen Süßwasserzuflüssen seltsame Säulen aus Kalk bildet. Die Fahrt zu diesem See setzt Peter mit 6 Stunden reiner Fahrzeit an1, dazu müssen wir durch eine Wüste und 3 Bundesstaaten!

Wir sind früh auf und packen zusammen, so daß wir um 7:35 am Frühstückstisch sitzen. Trotz der frühen Stunde ist fast jeder Tisch belegt. Ob das amWochenende liegt? Während ich noch in aller Ruhe meinen 2. Creamcheesbeagel esse, geht Peter schon mal zurück zur Hütte, um uns eine Übernachtung für den heutigen Abend zu sichern. Urspünglich wollten wir die nächsten beiden Übernachtungen spontan angehen, merken aber, daß das an einem Wochenende ins Auge gehen könnte, zumal der Mono Lake im unmittelbaren Einzugsgebiet von Yosemite Nationalpark liegt.2

Am Frühstückstisch bleibt ich nicht lang alleine, eine ältere Frau, die ich zuerst für eine Holländerin halte, fragt, ob frei wäre und belegt dann den Platz mit ihrem Becher. Das gleiche tut kurz darauf ein älterer Mann mit asiatischem Aussehen, der allerdings kein Wort zu mir sagt. Tags zuvor war bereits eine 3-köpfige asiatische Familie beim Frühstück, also rechne ich schon damit, daß man sich gleich in die Quere kommen wird, aber die beiden gehören zusammen und sind Amerikaner. Während ich mit der Frau noch so nett ins Plaudern komme, daß ich befürchte Peter sauer zu machen, weil er auf mich warten muß, sagt ihr Freund fast nichts. Ihn interessiert schließlich nur, ob wir Individualreisende sind. Ich bejahe und dann will er wissen, ob die anderen vielen Deutschen auch alles selbst planen würden. Tatsächlich fallen nur die Asiaten auf, die stets mit Bussen anreisen und im 10er-Pack vor die Attraktion der Gegend geführt werden, 5 Minuten Zeit zum Staunen haben, bevor sie zurück zum Bus geführt werden, wo sich eine andere 10er-Gruppe zum Ausstieg bereit macht. Am Sunset Point hatte der Reiseführer nicht nur eine gelbe Fahne mit Schriftzeichen, um die er seine Herde scharte, sondern sogar eine Pfeife, mit der er Signale zum Sammeln gab!

Schließlich kann ich mich von dem ungleichen Paar am Frühstückstisch losmachen. Zum Glück hat Peter inzwischen, dank Internetrecherche ein Zimmer in Lee Vining, direkt am Mono Lake für uns gefunden und per Telefon reserviert. Jetzt bringen wir noch die letzten Sachen ins Auto, dann geht es los!

Zum letzten mal fahren wir an den saftigen Viehweiden von Utah vorbei, auf denen überwiegend Bullen mit langen Hörnern stehen, einer schöner wie der andere. Die Landschaft wird bald offener und unsere Straße führt über weiche Hügel an bunten Wiesen und lichten Wäldern vorbei. Am Panguitche Lake, der uns sehr an eine Gegend in Norwegen erinnert, halten wir zu einem Pippistopp und ich bekomme dort auch noch ein 2. Frühstück in Form einer Polish genannten herzhaften Wurst in einem Hotdogbrotchen. Weiß der Himmel, warum ich in diesem Land immer hungrig bin – da muß doch irgendwas im Essen sein?!

Weiter geht’s in der zunehmend norwegisch anmutenden Landschaft: Nadelbäume und herbstlich gefärbte Birken und duftende Blumenwiesen. Plötzlich springt ein Hase aus der Wiese und rennt über die Straße. Peter versucht einen Zusammenprall zu verhindern, das Auto erfaßt ihn aber doch. Ein satter Knall, der Hase fliegt in hohem Bogen in die Wiese. Keine 10 Meter dahinter quert ein Hörnchen und kommt vor unserem abbremsendem Wagen mit dem Leben davon. Peter ist geschockt, aber nach dem Hasen brauchen wir nicht mehr zu sehen, der ist hinüber :-( Während Peter am Straßenrand seine Nerven sortiert, überholt der hinter uns fahrende Polizeiwagen. Immerhin will der nichts von uns. Wir können weiterfahren.3

Zur Weiterfahrt bieten sich 2 Möglichkeiten an, die längere Strecke nach Norden oder südlich durch die Cedar Breaks, die als National Monument kostenpflichtig sein werden. Vielleicht ist diese Strecke dafür aber reizvoller?! Wir entscheiden uns also für die Südrute. Am Kassenhäuschen erfahren wir hoch erfreut, daß heute der Tag im Jahr ist, an dem alle Nationalparks freien Einritt haben. Wir lassen uns nicht lange bitten, werfen noch einen Blick auf das Cedar Breaks Amphitheater, also die örtliche Hoodooansammlung am Hang, die aber mit unserem Bryce Erlebnis nicht konkurrieren kann. Ein Parkranger erklärt den Besuchern die Entstehung dieses Naturwunders und beantwortet Fragen, z.B. nach den vielen toten Bäumen. Tatsächlich ist der Teil des Waldes, den wir mit dem Auto noch vor uns haben, sehr vom Waldsterben betroffen. Jetzt wissen wir, daß dafür ein Käfer, der Pine Beetle (Bergkiefernkäfer) verantwortlich ist. Doch bei den jungen, kräftig nachwachsenden Bäumen hat der Schädling keine Chance.

Der Speicherchip der Kamera ist voll schöner Blumen- und Waldbilder als wir die Breaks Richtung Cedar City, der letzten großen Stadt vor der Wüste verlassen. Dort will Peter noch den Wagen auftanken. Doch ein verlockendes Schild verführt uns erneut zu einem Zwischenstopp: Game Jerky, also getrocknetes Wildfleisch wird auf einem Schotterparkplatz angeboten. Der Anhänger eines Geländewagens ist Schaufenster und Kassentresen in einem und die beiden Männer am “Stand” haben nichts gegen ein nettes Pläuschchen. “So, this is where the roadkills goes!” (Das wird also aus den überfahrenen Wildtieren), spaße ich mit den beiden und erzähle ihnen von dem Hasen, der unseren ansonsten freien Eintritt zu den Cedar Breaks mit seinem Leben bezahlen musste. Das Eis ist gebrochen, ein woher und wohin wird erfragt und jeder von den beiden weiß einen schöneren, schnelleren oder besseren Weg an unser Ziel, den Mono Lake. Nur daß es ein langer, weiter Weg sein wird, darüber sind wir uns einig. Wir erstehn je eines der 3 angebotenen Wildtierjerky-Sorten, bevor wir endlich in der Stadt Wagen mit Benzin und Peter mit Koffein versorgen. Ab jetzt wird es einsamer werden.

Doch erst einmal sieht die Landschaft sehr schön aus, diesmal irgendwie italienisch.4 Bäume und Büsche wachsen dicht an dicht, es ist sommerlich heiß aber nicht lebensfeindlich. Die wenig befahrene Straße 56 ist geraaaade – eine Kurve bereits so sensationell, daß sie dem Autofahrer mit Warnhinweisen angekündigt wird. Peter zählt die Meilen bis zur nächsten Kurve: die längste Gerade beträgt 20 Meilen, also über 32 km! In der Karte eingezeichnete Orte sind manchmal 2-3 Häuser. Die Vegetation wird spärlicher und Straßenschilder warnen: Vor Ihnen liegt die Wüste! Na gut, wir fühlen uns mit quasi vollem Tank, Proviant, ca. 15 Litern Wasser an Bord und der Auslandskrankenversicherung im Rücken sicher und starten durch.

Die Wüste ist zuerst alles andere als wüst: Die Joshuatrees mit ihren seltsamen Echsenschuppen stehen als bizzare Fotomotive zur Verfügung und zumindest direkt an der Straße blüht es üppig gelb und riecht nach Trockenblumen. Wir beobachten 2 kleine Staubwirbel, die offenbar der Wind auf der ausgetrockneten Ebene formt, da kein Geländewagen zu sehen ist. Die Nummern der Staßen wechseln, in Nevada wird die 56 zur 319, biegt dann in die Interstate 93 ein und geht in die 375 über, die schließlich zur Interstate 6 wird. Langsam habe wir uns an den Anblick der Gegend gewöhnt, es wird langweilig, obwohl dies der Extraterrestrial Highway, also die Schnellstraße der Außerirdischen ist. Nie gesehene Flug- bzw. Lichteffekte auf dem streng bewachten Militärgeländes jenseits der Straße, zogen UFO-Anhänger jahrelang magisch an und waren namensgebend für diesen Straßenverlauf zwischen Crystal Springs und Warm Springs. Davon zeugen sogar offizielle Straßenschilder. Ein Anlieger hat auf seinem Grundstück einen riesigen metallenen Außerirdischen aufgestellt und die Ortschaft Rachel, die ansonsten völlig trostlos wirkt, lockt den Touristen mit ET-Burgern oder ähnlichem. Doch so lecker kann kein Burger sein, daß man dieses öde, verkommene Kaff besuchen will. Das mag auch bei Warm Springs und Coaldale der Fall gewesen sein. Obwohl als offizieller Orte auf der Landkarte geführt, sind hier nur noch leerstehend Häuser und Müll zu sehen. Nicht einmal ein Klohäuschen lockt den Fahrer hinter dem Lenkrad hervor.

Linker Hand wird der Himmel immer dunkler und vor uns zuckt in der Ferne ein Blitz. Erste Regentopfen fallen, dann wird ein ordentlicher Regenguß daraus. Es Regnet in der Wüste! Zum Glück muß ich nicht fahren, denn ich nicke dauernd ein, so langweilig ist es hier. Plötzlich tauchen im Kilometerabstand am Wegesrand Briefkästen und Schotterwege auf, die zu abgelegenen Ranches führen – erste Anzeichen der Zivilisation. Tonapah scheint zwar auch die beste Zeit hinter sich zu haben, aber wenigstens gibt es hier eine nennenswerte Ansammlung von Häusern, ja sogar Tankstellen. Peter bekommt einen neue Koffeinration, wir teilen uns ein Sandwich und weiter geht’s.5

Wir passieren die Staatsgrenze nach Californien 6, doch die Natur denkt gar nicht daran jetzt üppiger daher zu kommen, wie ich es mir erhofft hatte. Kleine Seen haben weiße Ränder – Salzseen wie der Mono Lake, doch sind unspekakulär anzusehen. Erst kurz vor unserem Ziel wird die Landschaft gefälliger, aber sie ist immer noch fast menschenleer. Die Straße wird kurvig, links vor uns sind Berge mit schneebedekten Gipfeln zu sehen, die an die Alpen erinnern. Im letzten Sonnenlicht sehen wir den Mono Lake aufglänzen, der aus der Entfernung auch nur wie ein gewöhnlicher See aussieht. Da wir unsere Unterkunft im nahen Lee Vining noch vor 8 pm erreichen müssen, fahren wir weiter – morgen ist Zeit den See zu erkunden.

Wir checken in Murphy’s Motel ein und unterhalten uns noch mit 2 älteren Harley Davidson Motorradfahrern, denn ich muß schmunzeln, als ich sehe, wie einer der beiden sorgfältig den von der Fahrt zerzausten Bart kämmt, während auf dem Kopf keine Haare mehr zu ordnen sind. Der andere hat dagegen einen hüftlangen Zopf und keinen Bart. Unser Zimmer ist mit 2 Doppelbetten, Kaffemaschine, 2 Waschbecken und Kühlschrank viel zu üppig für eine Nacht, doch wir sind froh, vorab gebucht zu haben, denn der Ort ist ausgebucht. Peter lag mit seiner Vermutung also goldrichtig.

Glücklich ziehen wir zum Essen im Bodie Mike’s Restaurant los, wo wir sogar kurz auf einen freien Tisch warten müssen – so voll ist der Laden. Vorneweg gibt es wieder frittierte Japanelos, die dieserorts mit den fiesen scharfen Kernen zubereitet werden, so daß ich vom Hauptgang, dem hausgemachten Chili nicht mehr viel mitbekomme, weil mein Mund noch immer brennt. Daran ändert auch der wunderbare Coleslaw nichts, den ich Peter stibitze, um den Brand zu löschen. Peter ist mit seinem großen Burger sehr zufrieden. Während draußen in der Dunkelheit ein älteres Pärchen im Auto Landkarte und Laptop bemüht, um noch ein Bett für die Nacht zu finden, dürfen wir uns in eines der Doppelbetten kuscheln und einschlafen.

  1. 9h30 um genau zu sein, Annette und Zahlen ;-) (Peter) []
  2. Peter: Genauer gesagt liegt der Ort zwischen dem Park und dem See, sonst ist da nichts []
  3. Peters Version: Das Auto, das sich als Polizeiwagen entpuppen sollte, fuhr schon ne Weile an der Stoßstange hinterher, nachdem es rapide aufgeholt hatte. Darum zögerte ich auch bei der Vollbremsung, die dem Hasen wahrscheinlich eh nicht mehr geholfen hätte. Ich machte dann langsam, um die Reaktion der Polizisten abzuwarten und so entkam das Hörnchen. Die haben dann einfach überholt. []
  4. Peter: Ich dachte, das war auf dem letzten Stück zur Pazifikküste am nächsten Tag? []
  5. Peter: Und ich habe nicht voll getankt, weil mir die Preise hier so haoch vorkamen. Dabei hatte der Hertz-Mitarbeiter in Las Vegas doch noch gesagt, daß der Sprit in Kalifornien teurer ist! []
  6. Peter: Inklusive einer Art Grenzkontrolle! Wir werden nach Obst und Gemüse gefragt, Annette gibt die mitgebrachten Äpfel an und wir dürfen problemlos passieren – seltsam. []

1 comment to The long way round

  • Eine Kleinigkeit noch: Unser Tag war mal wieder 25 Stunden lang. Mit überqueren der Grenze zwischen Utah und Nevada hatten wir wieder eine Stunde gewonnen. Dabei wird es bis zur Jetlag-Rückreise nach Deutschland dann auch bleiben.

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