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Wir wollten mal wieder brunchen mit Freunden. Sushi wurde dieses Mal ausgeklammert. $Freund kümmerte sich um die Reservierung, was so spontan wohl nicht einfach war. Immerhin war es noch ein Lokal unserer Wunschliste.
Das Cubanita, in dem ich eh noch nie gewesen war, eröffnete gestern unter neuer Führung. Warum also nicht mal den neuen Brunch testen? Kurz: Für die aufgerufenen 8,90€ pP inkl. einem Gläschen O-Saft war es ok. Aber auch nicht mehr. Der Brunch beginnt um 10Uhr, wir hatten für 11Uhr reserviert und waren pünktlich da. Der Service war offensichtlich noch nicht so eingespielt, so daß es etwas dauerte, bis wir unseren Tisch bekamen. Nicht, daß nicht noch genug andere der selben Größe auch noch frei und womöglich nicht reserviert gewesen waren.
Das Buffet erinnerte mich dann größtenteils doch an meinen Hotelaufenthalt in den letzten Wochen. Käse, Aufschnitt und Salami auf Platten drängten sich da vor. Und wie so oft wünschte ich mir kleine Schildchen, die das bezeichnen, was da liegt. Zwischen Salami und Truthahnsalami gibt es nun mal für einen Geflügelallergiker einen gewaltigen, aber eben nicht immer sichtbaren Unterschied. Der ganze komplette Fisch, typisch für solche Buffets, war schon recht geplündert. Zwischendrin tummelten sich ein paar Oliven und gefüllte Pepperonischoten. Irgendwie unausgegoren, mit allem ein wenig angefangen, aber nichts konsequent umgesetzt. Das war bezeichnend bei den Weißwürsten: Die waren schon gut, aber an den offensichtlich selbst aufgebackenen und salzarmen Tiefkühlbrezeln fings dann schon wieder an, nachzulassen und das Fehlen von süßem Senf unterstreicht eben diese Stückwerkerei.
Auch die Bratkartoffeln waren zwar lecker, nur etwas ölig. Was auch vom auf Bestellung zubereiteten Rührei von den Mitessern behauptet wurde, weswegen ich es ebenso ausließ wie die hartgekochten Eier. Da konnte ich am Tisch beobachten, daß die bis zu einer durchgehenden Blaufärbung des Ei”gelbs” verkocht waren. Ach ja, bei den Bratkartoffeln stand noch ein Schälchen mit einer roten Soße, die ich gerne probierte. Stand doch daneben ein Aufsteller, der von karibischer Küche schwärmte und in dem das Wort Salsa vorkam. Im Sinne von Soße. Die vorgesetzte entpuppte sich dann doch als ordinärer Ketchup.
Zum Süßen. Waffeln hätte man sich backen können und es gab einen Schokobrunnen. Mich lockte jedoch der Milchreis und der Kuchen. Ersterer war bockelhart und ließ sich nur mit reichlich Brühe der Kirschen daneben erweichen. Und letzterer war der klassische Kastenkuchen aus der Folie vom Discounter. Nicht wirklich schlecht, aber auch ein wenig enttäuschend, das so vorzufinden.
Apropos Fertigkram. Vieles machte irgendwie den Eindruck, einfach ausgepackt gewesen zu sein. Und so komme ich zum Fazit: Mit viel Hunger oder wenn man vergessen hat, einzukaufen, kann man solide sich sättigen. Ich glaube, man wird künftig auch spontan noch einen Platz bekommen. Günstiger als zwei Frühstücksportionen anderswo ist es allemahl und nicht schlechter. Nur wird es mich wohl nicht mehr hinterm Ofen vorlocken.
Nachtrag: Erst hinterher habe ich mir eine dieser Restaurantrettershows angesehen, die $Freund aufgezeichnet und das Cubanita zum Thema hatte. Gut, das war der Zustand vorher. Nach der Intervention war angeblich alles top. Zumindest klang es besser als es am Sonntag aussah.
01.10.2011 14:10 PDT
Ostwärts gehts wieder. Erstmals seit langem nennenswert. Grad passieren wir mehr oder weniger Sacramento, CA.
Wie lief es heute bisher? Gemischt. Duschen und Fertigpacken war ja so weit kein Problem. Frühstück war dann aber so eine Sache. Annette wollte dann doch nicht im Hotelrestaurant frühstücken und so zogen wir die Sutter Street entlang. Wir hattens uns dann für ein Cafe entschieden und waren sogar schon am Bestellen, als ich keine Kreditkartenlogos entdecken konnte und der Typ an der Kasse auf meine Frage hin bestimmt auf ein handgeschriebenes Pappschild “Cash Only!” zeigte. Mist. Mit gerade mal $9 und Klimpergeld in der Tache ist das doof. Wir wollten schon mit Karte zahlen, hat sich ja als bequem erwiesen. Also weiter, um schließlich wieder in Thady’s Cozy Cafe zu landen. Mike hatte und schon auf der anderen Straßenseite vorbeilaufen sehen und gegrüßt. Faszinierend, der Kerl. Ich tippe mal auf milden Authismus, er vergisst wohl so schnell kein Gesicht.
Wir futterten wieder Granola, dieses Mal mit Joghurt und wieder Bagel mit Lachs. Heute war nebenbei ein anderer am Putzen und so leicht abgegriffen wie beide aussahen, scheint man hier wohl Leuten von der Straße die Möglichkeit zu bieten, sich etwas Kleingeld oder Essen zu verdienen. Ein weiterer Gast und wohl auch Stammkunde erzählte von seiner geplanten Chinareise und wusste zu unserer Herkunft hinzuzufügen, daß er selbst eine Zeit lang in Herzogenaurach war, wohl als Soldat. In den 80ern. Wirklich familiär dort.
Im Hotel lungerten wir nur noch kurz auf dem Zimmer rum. Auf 10Uhr war das Shuttle bestellt. Ab 09:45Uhr sollten wir uns bereit halten. Um in Ruhe auszuchecken wollten wir um halb unten sein und just auf dem Weg zum Aufzug klingelt mein Telefon. Der Bus wäre da. Gut, man sollte sich bei so einer Zeitgestaltung dann die Musse nehmen beim Auschecken, aber beim flüchtigen Blick über die Rechnung fiel kein größerer Betrag auf, der da nicht hingehörte. Steuern und Abgaben trugen jedoch jeden einzeln aufgelisteten Tag ihren Teil zu den fast zwei Seiten Rechnungsposten bei und so summiert sich dann doch eine kleine Summe. Eigentlich nur die Übernachtungen und die zwei Orangensäfte bei unserem zweiten Frühstück. Aber zum Hotel muß ich eh noch mal separat was schreiben.
Im Bus saß dann bereits eine weitere Passagierin, aber der Kurs sah verdächtig nach Flughafen aus. Sehr flugs waren wir dann auch dort. Ziemlich genau zu der Zeit, als wir eigentlich abgeholt werden sollten. Aber egal. Koffer waren schnell eingecheckt, ein wenig in den Flughafenshops rumgestöbert und schon gings durch die Sicherheitskontrolle. Dabei gabs gleich mal was Neues. Schuhe ausziehen mal wieder, aber dieses Mal musste auch der Kunststoffgürtel aus und aller Kleinkram aus den Taschen, selbst die Papiertaschentücher. Grund für den Humbug: Wir hatten die Schlange mit dem Körperscanner statt Metalldetektor erwischt. Und das, wo ich inzwischen das Prozedere perfektioniert hatte. So gabs halt wieder Gehampel mit dem Gürtel und so. Dafür gabs keine Mecker mit der Bleitasche für die Filme, die Annette prophezeiht hatte. Naja, dafür hat die Trulla just den Teil des Bandes, auf dem mein Rucksack lag, mehrere Male hin und her laufen lassen und genau hingesehen. Wahrscheinlich hat sie die Dosis hochgeregelt, um ja alles zu Grillen. Bin mal auf die Bilder gespannt. Den Bildschirm konnte ich leider nicht sehen.
Zweites Frühstück bzw. Mittagessen to go gabs dann noch in einem Cafe hinter der Kontrolle und der Rest war Warten. Boarding ab 12:40Uhr, Pushback pünktlich um 13:15Uhr und dann hieß es wegen der Windverhältnisse Schlange stehen an einer seltener genutztn, abgelegenen Piste. Das verzögerte den Start um ca. 20 Minuten, die von unseren 65 Minuten Umsteigezeit in Toronto abgehen dürften. Andererseits brauchen wir uns dort nicht um unsere aufgegebenen Koffer zu kümmern und müssen auch nicht durch die Sicherheit, was also zu einem zügigen Umsteigen führen dürfte.
Einen letzten Blick gabs nach rechts aus dem Fenster noch auf die Skyline von San Francisco. Die Transamerica Pyramid war noch auszumachen, dann drehte der Flieger nord- und schließlich ostwärts. Adios, California!
27.09.2011 22:00PDT
… das ist natürlich nicht zu schaffen. Wenn ich auf den heutigen Tag zurückblicke, dann haben wir es aber wohl zumindest versucht.
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23.09.2011 20:00 Uhr MDT
Heute morgen sind wir pünktlich beim Frühstück um kurz nach halb acht. Trotzdem sitzt schon ein Pärchen an einemTisch. Egal, für uns bleiben ja noch genug andere zur Auswahl. Diesmal wissen wir auch schon bescheid, was wir essen werden. Mir mundet der Grüntee mit Ingwer und Zitrone, der ist echt fruchtig-erfrischend und hat nicht den staubigen Charakter, der mir z.B. auf der Insel der Teetrinker (GB) untergekommen ist. Essenstechnisch wiederhole ich den Vortag (Beagel & Creamchees), Peter nur die Cerials. Das sichert uns einen frühen Start, der uns bei der langen und als anstrengend ausgewiesenen Wanderung zu Gute kommen wird. Weiterlesen
22.09.2011 20:30 MDT
Der Morgen beginnt für uns gegen 6 am, noch bevor sich die Sonne blicken läßt, mit der Fortsetzung des Reisetagebuches am Laptop. Ich arbeite bereits mehrere Tage an einem Bericht von nur einem Tag in NY – so wird das ja nie fertig :-/ Tatsächlich bleibt der Bericht auch diesmal unvollendet und ich habe Mühe mich noch einigermaßen rechtzeitig zum Frühstück um 7:30 am fertig zu machen. In der Nacht hat es ganz schön abgekühlt, und ich beschließe heute die langen Sachen herauszuholen, die bis jetzt unbenutzt im Koffer lagen. Oh Schreck, wer hat denn meine Hose enger genäht? Dabei habe ich mich beim Süßkram, der all über all lockt, zurückgehalten und Softdrinks, wie Peter sie liebt, sind mir ein Graus. Anscheinend verwandeln sich auch gewöhnliche amerikanische Speisen bei Verzehr zu Hüftgold Weiterlesen
21.09.2011 22:05 MDT
Ich gebe es zu, das ist wieder so ein nachträglich reingeschobener Artikel. Eine Zusammenfassung gab es ja schon, ich wollte nur noch den Rest des Tages etwas ausführen.
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21.09.2011 22:00 MDT
Utah Time, so nennt man das hier in der Gegend. Im Gegensatz zu Arizona Time. Was zwar die selbe Zeitzone ist, nur in Arizona gibts keine Sommerzeit und somit derzeit eine Stunde Zeitversatz. Allerdings nicht in ganz Arizona. Die Navajos machen die Sommerzeit dann doch mit, und schon ist alles sehr sehr lustig. Und führt dazu, daß man gerade bei den Unterkünften gerne mal gefragt wird, was denn die eigene Uhr anzeigt, um einem dann ggf. die richtige Ortszeit zu nennen.
Aber zum kurzen Zwischenbericht: Gestern gabs nach einem nicht ganz so reichhaltigen Frühstück einen kleinen Abstecher mit dem Shuttle zum Viewpoint “Court of the Patriachs”, dann gings mit dem Auto zu einer kleinen Wanderung zu einem Aussichtspunkt in den Zion Canyon hinein. Dann zog sich die vermeintlich zweieinhalb Stunden lange Fahrt nach Page ewig hin. Mittagessen in einem urigen Diner in Kanab, Utah. Immer wieder kurze Stops zum Sehen, Staunen und Fotografieren. Kaibab National Forest, Vermillion Cliffs und was alles im Weg war. Es war eben die landschaftlich schöne Strecke. In Page dann erst getankt, Horseshoe Bend fotografiert, B&B bezogen, frisch gemacht, im Schaufelraddampfer gefuttert und Walmart heimgesucht.
Frühstück mit leckeren Pancakes nach Familienrezept, noch mal Horseshoe Bend, noch mal Walmart und ab zum Antelope Canyon. Dort lief alles besser, als alle uns weiß machen wollten. Und dann wieder fahren, fahren, fahren. Dieses Mal die “offizielle”, direktere Strecke bis Kanab bzw. Mt. Carmel Junction. Einchecken in der Hütte in Tropic, UT. Was für ein Winzdorf, was für eine Weite hier überall! Wenn die Fahrt mal nicht durch die Berge ging, dann ewig geradeaus. Tempomat auf 65 Meilen oder was grad erlaubt war und rollen lassen. Wie angekündigt war in einem der beiden Futtertröge des Ortes ordentlich Andrang. “Please wait to be seated” – “Bitte warten Sie, bis man Sie zum Tisch bringt”: Und wie, 15 Minuten Wartezeit oder so. Mindestens. Aber ganz lecker. Morgen gehts in den Bryce Canyon hier um die Ecke, der ja eigentlich keiner ist.
20.09.2011 14:00 MDT
Fast. In ein paar Kilometern werden wir die Uhr auf offener Landstraße umstellen müssen. Ein seltsamer Gedanke, so gewöhnlich er doch nach einem Flug ist. Aber noch verlassen wir gerade Kanab und sind somit noch in Utah. Sobald wir jedoch Arizona erreichen, wird die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Praktisch, so ist der Tag eine Stunde länger, obwohl wir uns eher ostwärts bewegen! Schuld daran ist die Weigerung Arizonas, so einen Unfug wie Sommerzeit mitzumachen.
Jetzt sind wir aber erst einmal satt und zufrieden. Kanab, der erste nennenswerte Ort seit wir Springdale nach dem Frühstück verlassen haben, bot auf der Durchgangsstraße ein paar Futtertröge an. Naja, aufgedrängt haben sich kaum welche, aber dieser historisch aufgebrezelte (oder erhaltene?) Diner war dann doch deutlich einladender als alles andere. Und nun wissen wir, daß es hier in der Gegend wohl ein deutsches Erbe gibt, das sich auch in der Statur der hiesigen Kellnerinnen manifestiert, die mit bajuwarischen Maßkrugstemmerinnen locker mithalten können. Auch beherrscht der Ami in solch urtypischen Gegenden seinen Burger deutlich besser als seine Pasta. Zum Leidwesen von Annette, der als Konsumentin es stellvertretend für alle italienischen Köche die Fußnägel hochrollte. Aber satt ist sie geworden und aufgegessen hat sie auch. Dafür ist aber hausgemachte Limonade wiederum etwas, bei dem man getrost zugreifen kann.
Aufgeheitert wurden wir eben bei der Abfahrt noch durch ein Vehikel, dessen Sinn uns einfach nicht erschließen mag. Zur Verdeutlichung: Für Staurraum ist der Hänger zu unförmig und es war auch keine Öffnungsmöglichkeit erkennbar. Zur Personenbeförderung wie ein Beiwagen kann er auch nicht dienen. Bleibt nur eins: Pure, nutzlose Gaudi.
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Leckerer Burger in urigem Ambiente
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Das ist nicht Italien. So schmeckt auch die Pasta!
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Weites Land, weiter Himmel, große Parkplätze: Kanab
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Wasauchimmer…
19.09.2011 21:00 MDT
Erst mal ein Nachtrag zu gestern: Mit dem Duschen wurde es nichts, hab mich nicht getraut. Bzw. Annette wurde kurz wach und rief mich zu sich. Böser Fehler. Ich hatte wegen der Dehydration ordentlich getrunken und tat dies in der Nacht weiter. Jedesmal, wenn ich zum Pullern raus musste. Haken an der Sache: Das Bett schaukelt dermaßen, daß Annette jedes Mal mit wach und mordfähig war. Andererseits hat sie insgesamt gut zwölf Stunden gepennt. Weiterlesen
13.09.2011 22:30EDT
Es ist Dienstag, die Leuchtanzeige des Radioweckers bestätigt die Abwesenheit des Sonnenlichtes: 4:30! Tja, das ist hier wohl die Europäische Krankheit – daheim wäre es jetzt 9:30 und eine angemessene Urlaubstag Aufstehzeit. Aber nicht hier, also nochmal rumdrehen. Das ist dann irgendwann auch nicht mehr gewinnbringend und da wir nun zu zweit wach sind kann der Tag gegen 5 Uhr mal in Angriff genommen werden. Der Wetterbericht versichert uns eines heißen und trockenen Tages, doch trotzdem sind Jacke und Unterhemd Pflicht, denn der US-Amerikaner beeinflußt das Klima gerne wo er kann, also auch bei diversen Innenraumtemparaturen und so drohen Schnupfen und Halskathar jede, der nicht glauben kann, daß ein Temparaturunterschied von 10°C hier von den Eingeborenen als angenehm empfunden wird. Solange das Wetter so gut ist, spricht alles für Outdooraktivität. Wir entscheiden uns geografisch für die entgegengesetzte Richtung zu gestern, also für den Süden von Manhatten, wo Soho, Brooklyn Bridge, Staten Island usw. locken. Die jüngst erworbene U-Bahnkarte bringt uns schnell in die gewünschte Richtung und zwar erstmal zum Frühstücken in die Lower East Side. Dort preist der Reiseführer mehrere Lokalitäten an: Yonah Schimmel’s macht wohl die besten Knishes, also Kartoffelkrapfen der Stadt, hat aber noch geschlossen. Also weiter zu Katz’s Delicatessen, ein jüdischer Deli von 1888. Es fällt auf, daß diese Gegend nicht die Schokoladenseite der Stadt ist, was hat man da von einem Delikatessengeschäft zu erwarten? Äußerlich fügt sich das langgestreckte Gebäude nahtlos in die etwas heruntergekommene Gegend ein. Beim Betreten fragt der junge Mann von Service, ob man das Bezahlsystem von Katz kenne und erklärt dem Uneingeweihten, daß das ausgehändigte Ticket bei jeder Bestellung an der langgestreckten Theke mit dem entsprechenden Betrag beschriftet wird und zum Schluß an der Kasse abgerechnet wird. Dann überläßt er uns dem Studium der altertümlichen Tafeln, die eine Speisearte ersetzen. Viele Worte sind jiddisch und daher dem Deutschen verwandt. Was eine Liverwurst ist, muß also nicht weiter erklärt werden. Dennoch ist meine Überraschung groß, als die Kartoffelpfannkuchen 3 knusprige Kartoffelpuffer mit einem Schälchen Apfelmus bzw. Sauerrahm darstellen. Eigentlch logisch, aber so vertraut, so deutsch wie daheim bei Mama, eben doch ganz unerwartet. Peter tut sich an klassisch britisch-amerikanischer Kost gütlich, doch eine würzige gebratene rote Rindswurst bildet ein wilkommenes upgrade zu den scrambled eggs und den Toastscheiben. Obwohl Katz’s eine New Yorker Berühmtheit ist, sitzen wir einigermaßen verloren an einem der vielen Tische. Abgesehen von den Fotos unzähliger Berühmtheiten, unter denen wir nur die die wenigsten wie Clinton oder Streisand erkennen, fällt auch ein Deckenhänger mit einem Pfeil auf: “That’s were Harry met Sally. We hope that you have what she had”. Ok, an diesem saugewöhnlichen Würstelstandtisch fand also eine der witzigsten Begegungen der Hollywood-Filmgeschichte statt … und die Geschichte geht weiter: Ein paar Beschucher entpuppen sich als Filmteam, die vor unseren erstaunten Augen einen Kamara auspacken und Puschelmikrofone auspacken. Ein Filmregisseur instruiert zwei sehr schlanke hübsche Mädchen, die ihre Filmgardarobe in den Händen halten. Im Hintergrund werden die alten Leuchtreklamen von Budweiser und Co in die genauso alten Steckdosen gesteckt. Das Personal macht von all dem keinerlei Aufhebens. Ungerührt werden riesige Pakete mit Lebensmitteln gepackt und halbe Rinderhälften zu Roastbeef tranchiert. Man hat eher zu wenig als zu viel zu tun und es kann noch ein bissl geblödelt werden, indem man den Vordermann von hinten an der Wampe packt und daran rüttelt. Wir sind mit unserem Frühstück fertig und bezahlen unsere Tickets wie geheißen. Draußen erwarten uns nebst weiter gestiegenen Temperaturen, die einen heißen Sommertag ankündigen auch der “Rest” vom Filmteam. Die haben wohl noch Großes vor, denn weitere 10 Personen sind gerade erst im Abrödeln begriffen. Sogar ein Polizeiwagen mit der Aufschrift “movie-tv” vervollständigt die skurile Szenerie. Wir machen ein paar Fotos von der ungewöhnlichen Szenerie und gehen dann zwecks sightseeing “the long way down” zur übernächsten Subwaystation. Dieser zufällig gewählte Weg, die Ludlow Street führt uns durch eine überaus sehenswerte Gegend voller alter Brownhouses mit Stuckverzierungen und den eisernen Fluchtleitern, die man aus Film und Fernsehn kennt. Hier ist es alles andere als schick oder auch nur aufgeräumt, aber alles strahlt die Atmosphäre eines uralten von Generationen geliebte englischen Pubs aus. Man fühlt sich sofort heimisch oder möchte es zumindest. Schließlich erreichen wir die Subwaystation und entscheiden uns für die falsche Richtung, wie wir bemerken, als wir nicht Richtung downtown Manhatten zur Staten Island Fähre, sondern nach Brookelyn fahren. Wir kommen über die Wiliamsburg Bridge und jetzt erkennen wir im Abstand zu Manhatten, daß die Fernsicht trotz des heißen sonnigen Tages alles andere als gut ist – die Häuser verschwinden im Dunst. So hat es sogar ertwas Gutes, daß wir den falschen Zug genommen haben, den wir können umdisponieren und entscheiden uns für Chinatown, Little Italy und das Lower East Side Tenement Museum, das in einer interessanten Führung die Lebensumstände der Einwanderer in einem rekonstruierten Brownhouse beleuchtet. Doch nach einem kurzen Fernblick auf das Justizviertel lockt erstmal das überaus fremdländische Chinatown. Hier könnte man die Gassen getrost nach den vornehmlich ansässigen Berufsgruppen benannt werden, denn der Chinese hat wohl gerne Beerdingungsinstitute, Friseureure, Restaurants, Frischwaren und Gemischtwaren nach Straßen getrennt. Vielleicht lassen sich so die Angebote besser vergleichen?! Ich stolpere staunend und fotografierend hinter Peter durch das Straßengewirr, die Hitze macht mir zu Schaffen und so gibt es endlich eine willkomme Verschnaufpause bei erfrischendem Wassermelonensaft und leckerlockerer Zitronenbisquitrolle für mich und kaltem Grüntee und Kokosmilchmuffin für Peter. Seeehr empfehlenswert, im Gegensatz zu dem daneben liegenden Buddahschrein, der sich im Reiseführer doch deutlich interessanter las! Wer möchte, darf beim Chinabäcker übrigens gerne die internationale Spezialitäten wie Schwarzwälder Kirschtorte oder ähnliches testen. Gegenüber findet sich ein vom Reiseführer wärmstens empfohlenes Restaurant “Big Wong King” und ein Aushang empfielt 2 Hummer für $20, da die Hummerhochsaison diesen überaus günstigen Preis für die Kundschaft möglich mache. Das wollen wir uns doch gleich mal für den Abend vormerken! Doch erstmal klappern wir den nächsten Programmpunkt der Wellerschen Sightseeingliste ab: einen Laden mit “frischem” Jerky, also getrocknetem Fleisch. Wir gedachten uns dort einen Vorrat für die Nationalparktouren zuzulegen, gar als Mitbringsel für Schwager Patrick, aber müssen feststellen daß auch dem haltbar gemachten Fleisch erstaunlich kurze “Verfallswerte” gesetzt sind – nur 5 Tage ohne Kühlung sind empfohlen. Einen kleinen Beutel läßt sich Peter trotzdem packen, obwohl einem in New York das Verhungern – zumindest mit Geld – unmöglich sein dürfte, denn an allen Ecken gibt es die leckersten Dinge zu kaufen. Kaum hat man die eine Leckerei verdrückt, lockt schon die nächste und macht Lust auf’s Probieren – kein Wunder ähneln hier die Menschen oft wandelnden Fleisch, bzw. Fettbergen. In einem kleinen Park um die Ecke finden wir eines der raren Schattenbänkchen und verdrücken ein wenig von Peters spicy Jerky. Ja, doch, lecker … deutlich besser als die aus der Tüte beim Metro daheim. Um uns herum sitzen die älteren Chinesen zum Lesen oder Kartenspielen. Die Zeitung ist in chinesischer Schrift, man hört kein verständliches, sprich englisches Wort. Es stimmt, dieses Viertel ist einen chinesische Exklave mit Wahlrecht. Wir gehen weiter Richtung Tenemetmuseum und nehmen an besagter Führung teil. Die junge Dame leitet die Führung sehr engagiert, man merkt, das Publikum ist interessiert, stellt viele Fragen. Zum Glück bekomme ich schriftlich auch eine deutsche Übersetzung, ich kann dem Gesagten oft nicht folgen. Obwohl es in dem Tenement nie ein Wasserklosett und lange kein Licht gab oder fließendes (kaltes) Wasser gab, wirken die Wohnungen doch netter und anheimelnder, als ich erwartet hatte. Zurück im Museumsshop findet sich zwar kein Souvenir, aber ein sauberes WC, das man nach dem Erzählten doppelt zu schätzen weiß und treffen draußen unsere Museumsführerein apfelkauend auf dem Pausenbänkchen. In jedem von uns löste der Besuch der alten Wohnungen alte Erinnerungen an die Kindheit, an die Großeltern aus und das sprudelt einfach so aus uns heraus, als wir vor ihr stehen. Interessiert hört Keren uns zu, ist solche Reaktionen auf die Konfrontation mit der Vergangenheit wohl gewohnt, deutet ähnliche Erfahrungen bei sich selbst an – rührend! Schließlich bekommen wir noch eine Empfehlung, wie wir am besten nach Little Italy kommen, doch das verdummbeuteln wir wohl irgendwie und gelangen in eine langweilige Gegend. Endlich gibt die Karte ein wenig Orientierung, zumal ich mich erinnere, auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Chinatown eine italienische Girlande gesehen zu haben, die für das Fest des heiligen Gennaro aufgehängt wurde. Also suchen wir die Mullberry Street und werden schließlich fündig. Am 15.9. beginnt das Heiligenfest und die Straße eine einzige Baustelle! Überall werden Bretterbuden aufgestellt oder dekoriert und eine vorfreudig gestimmte Italienergemeinde strömt durch das stark verengte Sträßchen. Aus den Restaurants duftet es verführerisch und erinnert mich daran, daß einen Bisquitkuchen und ein Melonensaft am frühen Mittag nicht als vollwertige Mahlzeit betrachtet werden kann. Peter ist skeptisch – er sicht das Hummerabedessen in Gefahr. Ich verspreche mich zurückzuhalten, führe ihm aber die Gefahr eines mir demnächst bevorstehenden Schwächeanfalls deutlich genug vor Augen, um sein Einlenken zu erwirken. Das S.P.Q.R. ist tatsächlich eine gute Wahl – die Bolognese schmeckt lecker und Peter ist mit den Penne in Pilzsahnesauce auch zufrieden, so daß er den um sich tobenden Krach der Aufbauarbeiten verdrängen kann. Gestärkt und erfrischt ziehen wir weiter und beschließen die Zeit vor dem Abendessen mit der am Morgen geplanten Fährfahrt zu nutzen, da die Luft inzwischen nicht mehr so trüb wirkt. An der U-Bahnstation macht Peter noch unliebsame Bekanntschaft mit der Barriere, die verhindern soll, daß ein gerade eben genutzes Ticket nochmals (z.B. für den Kumpel ohne eigene Karte) genutzt werden kann. Das Drehkreuz akzeptiert fälschlicherweise seine U-Bahnkarte nicht und auch alle anderen Schranken blockieren seinen Durchgang! Ich bin bereits auf der anderen Seite des Gitters, also ist meine Karte auch nutzlos für ihn. So muß ich wieder herauskommen und draußen auf der Straße 15 Minuten abwarten, bis Peters Karte wieder ihre Gültigkeit erreicht hat. Wer schon einmal in den unglaublich stickig-heißen und höllen-lauten U-Bahnschächten wer, weiß, warum wir lieber draußen an der vielbefahrenen sommerheißen Straße warten. Auch der nächste Versuch stellt uns eine Gedultsprobe – anscheinend sind die 15 Minuten noch nicht ganz vergangen – dann könen wir endlich passieren. Da von Chinatown aus nicht direkt an den Pier der Fähre zu kommen ist, müssen wir uns erst noch vom Bankenviertel den Weg suchen. Dank GPS ein leichtes Spiel für Peter. Es ist Feierabend für die New Yorker und die Fähre ist kurz vor der Abfahrt, da bekommt man schon Angst um einen Platz an Deck, aber dann ist das Schiff doch so riesig, daß sich die Masse fast schon verflüchtigt. Sogar Festerplätze sind noch zu haben, denn die Einheimischen haben die Show ja jeden Tag und wolen einfach nur nach Hause. Hinter uns wird Manhatten imer kleiner und die Abensonne spiegelt sich in den Glitzerfassaden der Wolkenkratzer – ein tolles Bild! Doch für Lady Liberty kommt das Licht nun leider von der falschen Seite Wir beschließen, am nächsten Tag auch die grüne Dame ins rechte Licht zu rücken und die kostenlose Fährfahrt im Morgenlicht zu wiederholen. Einstweilen begnügen wir uns mit Gegenlichtstudien und steigen auf Staten Island in die nächste Fähre zurück nach Manhatten. Das Timing für das Abendessen in Chinatown ist perfekt, bei angehender Dunkelheit finden wir einigermaßen zügig das gesuchte Restaurant Big Wong King wieder und ergattern glücklich einen der letzten Tische im brechend vollen Lokal. Drinnen sind die Temperaturen gefühlte 20°C niederer und zum ersten mal freue ich mich heute über das Unterhemd, das ich trage und schnüre die Jacke um meinen Bauch fester. Das Studium der Speisekarte festigt die Entscheidung für den Hummer – ja, bestätigt uns die freundliche Bedienung, der Hummer ist für 2 Personen, ja, das Ganze für $20. Na denn! Während wir auf das Essen warten fällt wieder einmal auf, wie laut die Stadt ist. Diesmal ist es eine chinesische Großfamilie die lautstark und keinesfalls in der sonst üblichen Landessprache parliert, gepaart mit dem schwungvollen Abräumen der Tische, die ebenso schnell, gründlich und geräuschvoll auch von einem Hurrican abgetragen worden wären. Sehr schnell steht auch das bestellte Krustentier vor uns. Umhüllt von einer lecker duftenden Sauce und kurz angebratenen Lauchstücken wartet es nebst gedämpftem Reis für mich und gebratenem Gemüsereis als Sideorder für Peter auf Verzehr. Gespannt nehme ich die kleine Gabel in die Hand um den ersten Hummer eines Lebens zu kosten und stelle fest, daß das Tier wohl keinesfalls freiwillig gegessen werden wollte – selbst nach seinem Tod wehrt es sich mit einem Panzer von der Härte einer Kokusnuß und die Fleischstückchen verstecken sich in kleinen Gliedern und Höhlen aus Schale, daß selbst das zerlegte Tier schwer zu essen ist. Irgendwann lege ich die Gabel beiseite und arbeite mit Zähnen und Fingernägeln weiter. Etikette hin oder er, ich will ja die $20 nicht verschenken. Am Nachbartisch grinst man wohlwollend herüber, so quasi: “Na also, geht doch”. Wir werden gerade noch rechtzeitig mit unserem Mahl fertig und entkommen so einer Zwangsumsiedlung, die aus unbekannten Gründen an den Nachbartischen vorgenommen wird und die Rechnung weist außer den besagten $20 für den Hummer nur einen weitern Posten aus, vermutlich den Gemüsereis. Können wir aber mangels chinesischer Schriftkenntnisse nicht verifizieren. Jedenfalls geben wir der netten chinesischen Bedienung ein sattes Trinkgeld und verlassen das Lokal. Draußen erwartet uns eine tropische Nachtluft, die unseren tiefgekühlten Körper im nu zum schwitzen bringt. Die U-Bahn leistet diesmal keinerlei Gegenwehr beim Betreten und so kommen wir satt und müde zurück in unser Hotel in der East 17. Die abendliche Dusche im Gemeinschaftsbad bringt nur kurze Abkühlung, dann sinken wir in wohlverdienten Schlaf.
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Katz’s Delicatessen. Ein Klassiker.
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Verhungern muß bei Katz’s niemand!
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Irgendwie alle Originale in dem Laden…
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Lecker Schmackofatz!
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Filmset neben Katz’s
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Chinatown. Irgendwas ist immer los.
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Alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, kommt in den Wok.
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Wie man sich das klassische Wohngebiet so vorstellt. Man beachte den “verkleideten” Parkscheinautomaten.
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Alles bastelt für San Gennaro
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Lady Liberty und der moderne Warenumschlag
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Abendstimmung im Hafen. Die bekannte Dame ist ganz rechts versteckt.
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Südspitze Manhattens mit WTC-Baustelle
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Wassershow durch Feuerwehrschiff im Abendrot vorm Battery Park
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Geschützt Manche Artikel sind nicht für jedermann gedacht, sondern nur für den Bekanntenkreis. Warum, tut nichts zur Sache. Wer das Kennwort haben möchte, kann mir eine Mail schicken. Oder sich an mich an die Zeit vor dem 05.06.2007 erinnern. Umlaute und Großbuchstaben sind hinderlich.
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