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Gletscherwanderung

Wir waren ja sehr zeitig vor Ort und konnten so den Ablauf anhand der Tour beobachten, die eine halbe Stunde vor unserer startete. Zuerst wurde von unseren Tickets ganz wie im Kino ein Abschnitt abgerissen. Dann wurden die Steigeisen angepasst und verteilt. Zusätzlich bekam jeder noch einen Eispickel und die, die meinten mit leichten Laufschuhen teilnehmen zu müssen auch noch mehr oder weniger passendes, dafür aber stabiles Schuhwerk. Jeder musste dann noch ein Papier unterzeichnen auf dem Stand, daß man die geliehene Ausrüstung nicht kaputtmachen oder verlieren soll (weils sonst kostet), daß das Wort des Führers Gesetz ist1 und man selbst schuld ist, wenn einem die Tour doch zu schwer sein sollte. Wobei sie auf der Skala “sehr leicht” – “leicht” – “mittel” – “schwer” mit “leicht” ausgewiesen ist.
Die erste Etappe war dann auch wirklich ein Kinderspiel: Es ging über den Parkplatz und wenige Meter weiter zum Bootsanleger. Das Boot brachte uns dann bis “kurz” vor den Gletscher. Zum Glück fehlten Helme und eine Klappe am Bug, sonst hätte mich das Bild der berucksackten und schwer ausgerüsteten Leute zusammen mit dem Motorengeräusch irgendwie an den Anfang von “Saving Private Ryan” erinnert. Doch der Empfang an der Landungsstelle war dann doch etwas freundlicher :-)
Die nächste Etappe führte uns dann über blankgeschliffene Felsen etwa 20 Minuten lang bis zum Fuß des Gletschers. Dort wurde Gurtzeug verteilt und das dessen korrektes Anlegen demonstriert. Doch ebenso wie bei den Steigeisen, die darauf erklärt wurden, war mir irgendwie alles schlüssig, das hätte ich auch so hinbekommen. Ob ich für sowas geschaffen bin? Schließlich wurden zwei Gruppen an zwei Seilen eingehakt. Wir waren etwas spät dran und kamen ans Ende eines der Seile. Zumindest dachten wir das. Doch dann klinkte sich “hinter” uns der Führer ein. Wir hatten also Logenplätze! Dieser Führer, den wir da abbekamen, war uns vorher schon aufgefallen. Er sieht irgendwie überhaupt nicht norwegisch aus und in der Tat, er arbeitet nur diese Saison hier. Ansonsten führt er Gruppen in seiner Heimat Nepal und bezeichnet die Berge hier auch gerne als “hills”. Wir hatten also für unsere Gletscher”expedition” einen echten Sherpa!
Am Gletscherrand selbst führte er uns dann auf den ersten Metern Eis vor, wie man mit Steigeisen und Pickel auf dem Eis zu gehen hat. Wieder kam mir alles selbstverständlich vor. Auf den ersten Metern merkte ich dann auch, daß die Gangart auf Eis fast so ist wie meine Art, auf unsicherem Gelände zu gehen. Praktisch keine Umstellung.
Die Gletscherwanderung selbst ist schwer zu beschreiben. Die Eisoberfläche ist deutlich bröckeliger, als ich mir das vorgestellt hatte und in der Tat eher “dreckig”. Scheinbar Ruß und Staub aus der Luft, der sich dann auch manchmal an Stellen sammelt und sich dann regelrecht ins Eis frisst, da er sich durch die dunkle Farbe stärker aufheizt als das reflektierende Eis. Auch die Spalten lassen aus der Nähe ihre Tiefe nicht so erkennen, wie man sie aus der Ferne wahrnimmt. Klingt zwar jetzt ernüchternd, aber es war doch ein beeindruckendes Erlebnis. Besonders der Gang durch einen Eistunnel, in dem man die blaue Färbung des kompakteren Eises sehr gut sehen konnte. Mehr Sonnenschein hätte das sicher noch beeindruckender gemacht, aber wir waren ja schon froh, daß es nicht geregnet hat.
An so einer Gletscherspalte wurde es dann auch etwas heikel. Nein, nicht gefährlich, denn die beiden Führer der Seilschaften legten zu beiden Seiten Treppen an, so daß man ein wenig hinabsteigen, mit einem kleinen Schritt hinüberkommen und dann wieder hochklettern konnte. Doch eine Dame meuterte in breitestem hessisch und versuchte ihren Mann dazu zu bewegen, daß der den Führern verklickert, daß sie da nicht rübergehen würde, das wäre ihr zu breit. Doch nachdem Annette als erste hinter unserem Sherpa mit ihren kurzen Beinen problemlos rübergekommen war und man ihr mit allen Kräften half, klappte es doch. Auf dem Rückweg war die Stelle übrigens völlig unspektakulär.
Das einzig knifflige am Rückweg war das Bergabgehen auf dem Eis. Seinen Hintermann versehentlich am Seil ziehen war so noch weniger nett und gleich am Anfang rutschte Annette gleich mal weg. Ich konnte sie aber gut am Seil halten.
Wieder unten angekommen wurden erstmal Seil und Gurtzeug abgelegt und es ging im losen Haufen gen Boot wobei die Führer nun hinterherliefen und sicherstellten, daß niemand zurückblieb. Zum Leidwesen so manchen Blasengeplagtens, denn während der gut drei Stunden auf dem Eis am Seil war Pullern nicht möglich und die ersten Büsche und Bäume sehr verlockend. Wir aber erwischten das erste Boot und waren dann auch als erste am Klo beim Treffpunkt. Die Gesichtsausdrücke der Damenwarteschlange waren köstlich.
Alles in allem ein beeindruckendes Erlebnis. Für 475NOK pro Person sicher kein Vergnügen, daß man sich alle paar Wochen mal gönnt, aber so oft sind wir ja auch nicht in Gletschernähe. Auf jeden Fall seinen Preis wert. Weitere Infos übrigens hier. Wir hatten die lange Blaueistour.

  1. das bitte jetzt nicht falsch verstehen ;-) []

Jøstedal Rally

Kein guter Start in den Tag. Wir sind beizeiten aufgestanden, denn Pflichttermin war das Breheim Nationalparkcenter um 11:15. Das liegt gute 50km weit im Jøstedal drin und die Straße dahin sieht auf der Karte so aus, als käme man mal wieder nur mit einem 30er Schnitt voran. Und zum Frühstücken hatten wir ja auch nichts, da wir ja sonntagabends angekommen waren und somit nicht einkaufen konnten. Die Auswahl des Campingplatzkiosk war auch völlig disjunkt von unseren Wünschen. Sollte aber alles kein Problem sein. Unsere Erfahrung besagt, daß um 7 oder 8Uhr morgens die Supermärkte öffen. Also gegen halb 9 anrücken, Frühstück und Vesper einkaufen und losfahren sollte klappen.
Dann der erste Haken: Beide Supermärkte in Gaupne öffnen um 9Uhr. So blieb uns nichts anderes übrig, als im offenen Einkaufcenter, das um den Sparmarkt herum gebaut ist, vor verschlossenen Läden einen Schaufensterbummel zu machen. Bis dann die Einkäufe erledigt waren – an der Kasse wurde wohl gerade eine ganz frische Praktikantin angelernt – war dann schon fast 9:30Uhr. Und Annette entsprechend unleidig. Denn die Zeit schien nun knapp und das Frühstück war noch nicht eingenommen. Dann bog auch noch vor uns ein fetter Baustellenlaster samt Anhänger ins Tal. Doch der legte offensichtlich unbeladen ein flottes Tempo vor und bog auch schon nach wenigen Kilometern in ein Schotterwerk ab. Der Rest der Strecke war dann recht lange noch recht offen und komplett verkehrsfrei. Das letzte, engere Teilstück legten wir im Rallymodus zurück, d.h. Annette sagte in Linkskurven den Straßenverlauf und Verkehrslage an. So erreichten wir dann kurz vor 10Uhr das Nationalparkzentrum, welches um 10Uhr öffnet, wie sich herrausstellte. Und schon hatten wir reichlich Zeit fürs Frühstück und zum Brote belegen.
Beim Kauf der Karten für die Tour – wir hatten uns gestern telefonisch angemeldet – stellte sich dann raus, daß wir doch nochmal 3km weiter fahren müssen. Laut Garmin eine unbefestigte Straße. Aber das sollte uns auch nicht mehr schocken. Zumal es inzwischen hieß, daß wir zwar die Karten bis 11:15Uhr hätten abholen sollen, auch damit wir reichlich Zeit bis zum Treffpunkt hätten, denn dahin könne man ja auch laufen. Aber dort brauchten wir erst um 11:45Uhr sein, also eine halbe Stunde vor Beginn, wie auch im Internet nachzulesen ist.

Casual Thursday

Heute war nicht viel los.Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes und so haben wir auch schon fast den ganzen Tag mal mehr mal weniger heftigen Nieselregen. Die Wolken hängen so tief, daß von der Aussicht nichts mehr übrig ist. Wir haben die Zeit also genutzt, um die kommende Woche etwas zu präzisieren, eine Ladung Wäsche zu waschen und noch ein paar kleinere Einkäufe für die letzten Mahlzeiten hier zu erledigen. Dabei stellte sich raus, daß der zweite Laden hier oben am RV27 genau gar nichts taugt. Naja, doch, zum Pfandflaschen abgeben hats noch gereicht.
Nervig ist, daß ich schon seit Tagen keine richtige Verbindung zu einem bestimmten Webserver bekomme. Wir hatten neulich nacht ja mit Picasa eine kleine Bilderseite erstellt und wollten die statt Postkarten zu verschicken ins Netz stellen und die entsprechenden Leute per Mail informieren. Aber das wird wohl nichts. Mal sehen, wie das beim nächsten offenen WLAN auf der Reise so wird.
Die Blogeinträge schreibe ich übrigens entsprechend auch schon seit Tagen “auf Vorrat” und lauere auf die passende Gelegenheit, sie loszuwerden.

Rysstad Feriessenter Motellrom

Eigentlich heißt die Anlage wohl inzwischen Sølvgarden, liegt aber eben in Rysstad. Sie bietet praktisch alles: Hotelzimmer, Hütten unterschiedlicher Größen und Ausstattungen, Zelt- und Wohnwagenstellplätze und eben auch ein paar Motelzimmer. Abgerundet mit einem Restaurant. Dieses bietet zwar keine übermäßig große Auswahl, aber sie ist solide und durchaus regional bzw. landestypisch.
Aber zuerst zum Zimmer: Gedacht für Durchreisende und Kurzaufenthalte bietet es dafür alles, was man braucht. Die Größe ist genau richtig für zwei Erwachsene und ggf. bis zu zwei Kinder. Dusche und WC sind ideal. Nach vorne eine kleine Veranda und Fenster, nach hinten raus noch ein zweites Fenster. Von da hat man übrigens freie und formatfüllende Aussicht auf den Friedhof des Ortes. Sehr speziell, zumal es ja nicht richtig dunkel wurde. Das dritte Fenster, das man auf der Webseite sieht, hat übrigens nur der erste Raum. Alle anderen hätten sonst einen Blick ins Nebenzimmer. Als Nachbarn hatten wir einen reisenden Handwerker der E-Werke und einen älteren Herrn mit vollgepacktem Rad, der sich abends auf der Veranda mit dem Campingkocher was köchelte.
Wir aber testeten erfolgreich das Restaurant. Gebratenen Fisch aus der Gegend und Elchfrikadellen gab es, jeweils mit Gemüsebeilage und Kartoffeln. Lecker, auch wenn der Elch etwas trocken war. Das glich jedoch die leckere und reichlich vorhandene Soße wieder aus.

Im Bereich des Servicegebäudes (welches Restaurant, Rezeption, Kiosk etc. beherbergt) gibt es übrigens ein offenes WLAN.

Fazit: Das Setesdal ist eh eine schöne Gegend und liegt oft irgendwie am Weg. Wenn man dort also eine Zwischenstation für eine Nacht sucht oder gar zwei Nächte und einen Tag was vor Ort unternehmen will, dann ist man dort genau richtig. Erwähnte ich schon das überaus freundliche Personal?

Kjeraggbolten

Gestern auf dem Preikestolen hatten wir Gesprächsfetzen aufgeschnappt, wonach ein deutsches Pärchen tags zuvor am Kjerag war und jene Wanderung doch etwas anstrengender gewesen sei als die zum Preikestolen. Nun war es an der Zeit, das selbst zu überprüfen. Nach kurzer Zeit bzw. wenigen Metern stellte sich herraus, worin sich diese Wanderung fundamental unterscheiden wird: Rumpelige Felsbrocken in Morast sind als Weg der kleinere Teil. Hauptsächlich blankgeschliffener Granit bildet den Untergrund. Und die Anstiege sind dann so steil, daß sogar Eisenpfosten aufgestellt wurden, die mit Ketten verbunden sind, an denen man sich hochziehen kann. Wir waren froh, daß es nicht regnete und auch der Fels weitgehend trocken war. Erneut sind wir überrascht, welch unwegsame Wege für den Norweger eine ganz normale Wanderung darstellen, deren Tücken keiner weiteren Erwähnung bedürfen. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Hochebene sind zwei Täler zu durchqueren. Somit folgt auf den ersten Anstieg gleich wieder ein leichter Abstieg, der zwei Drittel der gewonnenen Höhenmeter wieder zunichte macht. Auf den zweiten Anstieg, diesmal nicht so blankgeschliffen, folgt nur noch ein kleiner Abstieg ins zweite Tal, dann geht es endgültig hinauf zum Gipfelplateau. Wobei der Ausdruck nicht ganz korrekt ist. Den eigentlichen Kjerag-Gipfel ließen wir aus, wir zweigten vorher zum Kjeragbolten ab. Über den glattgeschliffenen Granit lässt es sich gut laufen, solange er nur relativ eben ist wie dort oben. Auch die Schneefelder, die wir gelegentlich durchqueren müssen, waren so verharscht, daß wir kaum einsanken. Egal ob wir in den vorgetrampelten Pfaden folgten oder eine eigene Spur zogen.

Ein letztes Schneefeld führte uns dann auch hinab zu dem kleinen Plateau am Kjeragbolten. Den bzw. seine typische Ansicht entdeckte ich zuerst nicht, da ich zu weit links rauskam. Dafür aber eine grandiose Aussicht. Unten der Lysefjord und rechts und links steile Felswände, die noch weiter hinausragen. Links stürzt sich ein Wasserfall in die Tiefe. Rechts liegt ein relativ großer Felsbrocken.

Unscheinbarer Kjeragbolten

Unscheinbarer Kjeragbolten

Als ich um den herumgehen wollte, sah ich dann von der Seeseite her einen vergleichweise unscheinbaren Steinbrocken, der da in einer Rinne festklemmt. Ob er das etwa ist? Ich ging wieder ein wenig das Schneefeld hinauf und ja, Richtung Fjord betrachtet zeigte sich das typische Bild.

Klassischer Bolten

Klassischer Bolten

Entgegen meiner Vermutung, daß man, wie diese Ansicht vermuten lässt, von dem Felsen links oder rechts davon hinunterkraxeln muß, führt übrigens ein relativ einfacher Pfad hinter dem linken Felsbrocken auf den Bolten. Ich benutzte ihn aber nicht. Annette bat sich aus, daß ich nicht auf dem Stein rumklettere. Zumindest ein Tourist hatte vor etlichen Jahren schonmal den kürzesten Weg nach unten unfreiwillig genommen. Ich brauch das auch nicht. Zudem musste ich sie wieder etwas besänftigen, da ich sie hinter dem Felsen dank rauschendem Wasserfall nicht rufen gehört hatte, worauf sie sich verständlicherweise schon Sorgen machte.

Auf dem Plateau machten wir bei schönstem Sonnenschein unsere “Gipfelrast”. Ich ließ es mir nicht nehmen, die mitgeschleppten Gamaschen endlich auch mal anzuziehen. Nur falls ich doch mal tiefer in den Schnee einsinken sollte. Dafür verstaute ich die Stöcke am Rucksack. Irgendwie stellte ich abermals fest, daß sie auf den norwegischen Pfaden wenig bringen. Woher bloß der Ausdruck “Nordic Walking” kommt?
Bei den Absteigen an den Ketten, die wir ja auch schon teils beim Aufstieg zu absolvieren hatten, muß man sich manchmal regelrecht abseilen. Andererseits war das Vertrauen in den Halt meiner Bergstiefel und den Untergrund inzwischen so gewachsen, daß ich oft auch auf die Ketten verzichtet und wie eine Bergziege am Hang klebte. DAS war mal anders als in den doch hauptsächlich gerölligen Dolomiten!

Abstecher in die Arktis

Gestern waren wir ja schon parallel zur heutigen Strecke ein Stück gefahren. Liebliche Landschaft in dem Bereich. Doch als wir heute weiter nach Osten zum Ende des Lysefjords bzw. erst mal sogar noch drüber hinaus vorstießen, kamen wir uns wie in einer anderen Welt vor. Die RV45 ging ja noch zu fahren, ab der 975 jedoch wurde es wieder enger und auf dem letzten Abschnitt kam wieder sowas wie ein Kulturschock. Sagen wir es so: ich hatte beim Flug nach Bergen wohl tatsächlich den Lysefjord gesehen. Und wir fuhren nun durch diese artkische Landschaft. Nur Fels, etwas verstecktes Grünzeug am Anfang und Wasser in allen Aggregatszuständen. In wirklich allen. Als Nebel oder Wolken in der Luft, flüssig in Seen, als Eis in diesem Wasser und als Schnee obendrauf. Irgendwie unwirklich, das ganze. Wir haben Mitte Juni und bewegen uns wenige Kilometer (Luftlinie) von diesen lieblichen Landschaften der Anfahrt entfernt durch diese Eiswüste. In unserem Sommerurlaub!

Hat aber was. Es fühlt sich gar nicht mal so kalt an, wie einem das Außenthermometer mit seinen geprotzten 3 Grad (über Null, immerhin) Glauben machen will.

Stavanger B&B

Unsere Unterkunft in Stavanger war für zwei Tage das Stavanger B&B. Wir hatten es aus mehreren Gründen ausgewählt. Dusche im Zimmer war uns wichtig, denn das ist in Norwegen ja nicht selbtsverständlich. WC war dann trotzdem auf dem Flur. Angetan war Frau goofposer auch von den beworbenen Waffeln am Abend, während ich das gute Preisleistungsverhältnis begrüßte. Zudem wollten wir beide das norwegische Frühstück uns angedeihen lassen.
Der erste Eindruck war dann etwas ernüchternd. Profanbau, der eher die Größe eines kleinen Hotels hatte als die eines von Großbritannien gewohnten B&B und bevor der Zimmerschlüssel überhaupt vom Haken kam, war erst mal Vorkasse fällig. Auch wirkte die junge Dame am Empfang etwas unleidig.
Aber dieser erste Eindruck wurde dann noch fleißig aufpoliert. Das sonstige Personal war ein lustiger Haufen, immer freundlich und immer für eine Plauderei zu haben. Besonders aufgefallen sind da eine junge Frau aus Deutschland1 und ein älterer Herr – vielleicht der Chef – der sehr leutselig war. Die Abendwaffeln hatten wir nur einmal und sie waren jetzt kein kulinarisches Highlight, aber eine nette Geste und neben dem Frühstück eine weitere Gelegenheit, mit den anderen Gästen ins Gespräch zu kommen. Denn die kommen wahrlich aus aller Herren Länder! Alles in allem und in Anbetracht des hohen Preisniveaus in der Ölstadt Stavanger geht es in Ordnung.

Es gibt übrigens kostenloses WLAN. Einfach an der Rezeption nach der SSID fragen.

  1. mit der wir uns eine Weile auf Englisch unterhielten, bis sie mitbekam, daß wir untereinander Deutsch sprechen []

Another night in town

Viel haben wir uns heute in Stavanger nicht angesehen. Ganz interessant war mal die Mall am Hafen. Auch konnten wir heute in die “Domkirkje”, welche ohne Kuppel auskommt. Dort fand gerade eine Chorprobe statt, der wir ein wenig lauschten. Allerdings war laut Aushang dann auch schon die Öffnungszeit zuende und kaum waren wir aufgestanden machte sich jemand dran, die letzte verbliebene Besucherin hinauszukomplimentieren. Interessant war die Kirche allemal. Romanisch wurde sie begonnen, aber dann gesellten sich gotische Elemente hinzu. Die Steinmetzarbeiten im Inneren sind unterschiedlich detailliert ausgeführt, was man insbesondere in den Kapitelen sieht.
Abendessen gabs dann vom 7/11. Die beiden Calzone verputzten wir an der großen Freitreppe zwischen Kirche und Hafen. Zum Leidwesen der meckernden und bettelnden Möwen hinterließen wir keine Reste.
Abschließend ließen wir uns dann die Waffeln im B&B nicht entgehen. Dazu gabs Smalltalk mit einer Schottin und einer Österreicherin.

Preikestolen

Die Anfahrt wurde leider schon zu einem Stresstest für die Beziehung. Der Zwischenstop für einen kleinen Einkauf fiel aus, da die Zeit knapp wurde bis zur Abfahrt der Fähre und der beschriebene Parkplatz nicht zu finden war. Dann war das Navi durch die Schleifen in Stavanger so verwirrt, daß die schnellste Route nicht mehr über die Fähre Stavanger-Sand führte, sondern südlich um den Fjord herum. Eigentlich hatte es sogar recht, denn die Fähre hätten wir verpasst.

So aber führte der Weg dann durch eine schöne Gegend. Die gewünschte Fähre könnten wir ja auch auf dem Rückweg nehmen. Insgesamt die bessere Lösung.
An der Preikestolenhytta stellten wir dann wie so viele andere auch das Auto ab und liefen los. Ein fast babylonisches Sprachgewirr begleitete uns. Wir sind schon fast froh, daß es immer wieder mal kurz schüttet. Kaum vorzustellen, wie überlaufen der Pfad bei schönem Wetter erst sein muß…
Auch interesant, was sich die Norweger unter einem gut ausgebauten Wanderweg vorstellen, auf dem man mit Kind und Kegel rumlaufen kann. Stellenweise recht steil ist er und von Felsbrocken übersäht. Dennoch joggen einige regelrecht hoch mit entsprechend leichtem Schuhwerk. Ich bin froh, meine schweren Bergstiefel zu tragen.
Auch pieselt es immer wieder mal zwischendurch, manchmal sogar kräftiger. Doch die neue Hose wirkt zwar feucht, aber nicht unangenehm und die Jacke ist eh über jeden Zweifel erhaben. Für die Strecke hoch haben wir weniger als drei Stunden gebraucht. Oben haben wir dann wie etliche andere auch nach ersten Schnappschüssen einen heftigeren Regenguß ausgesessen um dann bei tollem Wetter gute Bilder zu machen. Nach einer Stärkung dann nochmal gute drei Stunden talwärts.

Nach einem weiteren Abstecher in die Preikestolenhytta, speziell ihren sanitären Einrichtungen wollten wir dann so langsam aufbrechen. Leider gestaltet sich das problematisch. Ein Wohnmobil blockierte die Ausfahrt. An dem Häuschen mit Schranke muß per Münzeinwurf oder Kreditkarte die Parkgebühr, pauschal 70NOK, entrichtet werden. Was auch immer der Typ dort nicht gebacken bekam, er konnte auch nicht einfach zurücksetzen und erst mal Geld wechseln gehen, denn hinter ihm stand ein PKW mit weiterem ausländischen Kennzeichen an der Stoßstange. Wir betrachteten als quasi dritte das Schauspiel aus gesicherter Entfernung. Dann stellte sich noch ein weiteres Auto hinter den Zweiten. Dicht drauf natürlich. Das war der Moment, an dem mein Hals doch etwas anzuschwellen begann. Doch just dann kam ein Mädel aus der Hütte angesprungen, verschwand zwischen Wohnmobil und Kassenautomat aus unserer Sicht und kurz darauf fuhr das Wohnmobil los. Wunderbar. Auch die beiden anderen Autos waren schnell durch. Geht also doch. Sogar richtig gut, wie wir merkten: Das Mädel warf irgendwelche Jetons ein, sackte dafür auch die Quittung ein und erklärte auf Nachfrage, daß der Automat defekt sei und wir so durchfahren dürfen. Takk. (Das ist Norwegisch und heißt Danke)

Auf dem Rückweg dann die geplante Fähre von Strand aus zurück nach Stavanger. Dort wären wir noch beinahe zu Schwarzfahrern geworden. Anders als bisher stand da kein Kassenhäuschen an der Zufahrt, dessen Besatzung einem dann auch noch eine Parkspur zuweist. Einfach so gings rauf auf die Fähre. Ich vermutete erst mal eine Kasse bei der Ausfahrt, was in Nachhinein bedacht Schwachsinn ist. Denn vor der Abfahrt kommen die Autos ja kleckerlesweise an und warten dann auf die Fähre. Bei der Ankunft würden dann ja alle auf einmal am Kassenhäuschen stehen.
Man muß auf der Fähre selbst eine Karte beim Personal lösen. Oder bei einer Kontrolle, bei der man keinen gültigen Fahrschein vorlegen kann, ordentlich nachzahlen. So ein Kontrolleur hat dann Annette einen Fahrschein zum Normaltarif verkauft und sie hat ihm erklärt, daß der Typ, der mit der Kamera auf der Fähre rumstreunt, zu ihr gehört. Uff.

Stavanger am Abend

Der Abend gehörte einem Stadtbummel. Zuerst fiel auf, daß die Geschäfte deutlich früher schließen als in dem touristischeren Bergen. Statt um 23Uhr gehen hier die Türen um 20Uhr zu.
Die Hafenpromenade ist aber auch hier eher kneipenmäßig ausgeprägt. Auch liegen wie in Bergen die Kreuzfahrtschiffe mitten in der Innenstadt im Hafen. Wir folgen diesmal dem Rat, asiatisch essen zu gehen, wenn man nicht so viel ausgeben will und werden bei einem Thai-Restaurant für die Hälfte der gestrigen Rechnung satt. Dafür verpassen wir den allabendlichen Kaffee mit Waffeln im B&B.
Was das Wetter angeht: Es regnet immer wieder, aber für hier gilt umso mehr, daß auf Regen immer wieder Sonnenschein folgt. Auch mehrfach an einem Abend. Und ja, Sonnenschein auch am späten Abend.

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