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Unser heutiges Tagesziel war Pew Tor, auch Pu Tor genannt. Gestartet sind wir an einem Parkplatz, der für bisherige Verhältnisse riesig ist und auch recht gut besucht war. Sogar ein Eisverkäufer ist kurz nach uns angekommen. Das bei gerade aufhörendem Regen und bedecktem Himmel. Die spinnen, die Briten! Interessanterweise war es aber auch fast windstill.
Der Weg begann recht anspruchslos, denn das Gras war sehr kurz, fast schon englischer Rasen und dennoch waren Pfade erkennbar. Hier gab es auch gleich wieder erste Ausblicke bis zur Küste bei Plymouth und das dazwischenliegende Kulturland mit den nach dem Regen aufsteigenden Dunstschleiern. Erste kurze Befürchtungen, es könne Nebel aufkommen brannte aber alsbald die kräftige Sonne weg. Wenn das hier schlechtes Wetter ist wie in der Vorhersage behauptet, dann können wir uns für das Mistwetter morgen einiges vornehmen.
 Windypost Cross
Der Weg führt recht schnell an einem Wasserlauf entlang. Nicht nur von der Wanderbeschreibung her ist klar, daß er von Menschen geschaffen ist: Natürliche Bachläufe dieser Grösse sind eher sumpfige Streifen ohne klar umrissenes Bett. Wir zweigten links ab, um nicht gegen eine Mauer einer Gemeindegrenze zu laufen. Überhaupt ist das ganze Gebiet hier eher von Menschen geprägt, im Hintergrund sind immer Weiden zu sehen und selten Moor. Dem nächsten Wassergraben folgten wir nur kurz bis zu einer eindeutigen Wegmarke: Windypost Cross, schon im Mittelalter von den schäfernden Mönchen zur Orientierung errichtet und achtzehnirgendwas renoviert.
Direkt dabei Trittsteine zur Überquerung des Wassergrabens und ein sogenannter Bullseye Stone: Ein abzweigender Wasserlauf ist durch eine massive Granitplatte abgetrennt, in der sich ein kleines Loch befindet, das die passende Wassermenge durchlässt.
Auf wenigen Metern zeigt sich aber hier auch, wie gefährlich das Dartmoor für Schafe sein kann: Unübersehbar erst in Form einer skelettierten Wirbelsäule mit Schädel – der Rest hat gefehlt aus Gründen, die man sich denken kann. Später dann im Detail durch immer wieder herumliegende Kieferknochen. Gestern hatten wir auch ein Schaf gesehen, das es wohl nicht mehr lange gemacht hat. Während die anderen davonstoben, wackelte es nur noch gelegentlich mit den Ohren. Das war am Anfang der Tour in Sichtweite der Farm, so daß ich daheim (wo die Telefonnummer lag) nicht mehr dran dachte. Denn man ist angehalten, solche Sichtungen zu melden, damit dem Tier geholfen werden kann, und sei es nur durch einen schnelleren Tod.
Außerdem waren wir etliche Stunden unterwegs gewesen. Sicher hatte jemand von den Scorhill-Touristen das Tier gesehen und gemeldet.
Feather Tor liessen wir links liegen, es ist zu unspektakulär und der Wassergraben lag irgendwo dazwischen. Dafür war der direkte Pfad zum Pew Tor klar erkennbar. Auf dem Weg nach oben hatten wir dann auch Logenplätze für eine Ponyhatz: Eine gar nicht mal so kleine Gruppe Reiter, Motocrosser und Quads scheuchte nacheinander zwei Ponies in eine ummauerte Weide, wo bereits eine auffällig große Herde versammelt war.
Oben am Tor wieder das bekannte Spiel: Diesmal vier oder fünf Felsformationen, die immer wieder anders aussehen, wenn man sie durchquert. Allerdings wurde mir hier die touristische Beliebtheit zum Verhängnis: In einer vermeintlich stillen Ecke wollte ich gerade etwas Abwasser loswerden, als ein älteres Paar keine 5m entfernt um den Felsen bog. Plötzlich wimmelte es von Leuten wohin man auch schaute und bei dem Versuch, mit der gebotenen Eile ein neues Plätzchen zu finden rutschte ich aus und stürzte fast ab. Mit einem Stock konnte ich mich noch abfangen, weshalb dieser nun etwas krumm ist. Dank Alu werde ich den wohl nach dem Urlaub ersetzen müssen.
Wir folgten wieder einem gut erkennbaren Weg bis zu einer Mauer, an welcher wir uns für ein ordentliches Wegstück längs orientieren konnten. Dabei kamen wir an Heckwood Tor vorbei, welcher zwar an sich relativ unspektakulär ist und auch links liegen blieb, jedoch auch viele Spuren von Steinbrüchen zeigt bis hin zu einem liegengebliebenen, praktisch fertigen Stein.
Der Bach im Tal wurde wieder mithilfe von Trittsteinen überwunden während hinter der Mauer sich schon Vixen Tor erhebt. In der Wanderbeschreibung stand schon, daß man diesen Tor leider (nicht mehr) besuchen kann und so fand sich nicht nur keine Treppe zum Überqueren der (stacheldrahtbewehrten!) Mauer, sondern an einer Stelle, an der ein in die Mauer integrierter Felsen nach Übergang aussah fanden sich sehr deutliche Worte, daß dies Privatgrund und der Durchgang verboten sei. Hätte ich mal fotografieren sollen…
 Clapper Bridge
Hier lösten wir uns dann auch bald wieder von der richtungsweisenden Mauer Richtung Strasse. Die im GPS eingespeicherte Route verlief zwar etwas anders und wir verpassten somit ein paar sicher wieder furchtbar interessante Grenzsteine, dafür war der Weg gut erkennbar. Auch wenn es durch den Bewuchs nicht erkennbar war, so zeigte die Karte, daß wir nicht die Strassen entlang zum Parkplatz zurück müssten, sondern dem Wasserkanal folgen können. Dieser hatte auch wieder eine malerische kleine Clapper Bridge und ließ uns nochmal ein kleines Bachtal durchqueren. Unweit unserer Trittsteine überquert übrigens auch der Kanal in einem kleinen Aquädukt den Bach.
Am Parkplatz gab es dann erstmal die restlichen Tostadas vom Vorabend und hinterher ein Eis. Der Eisverkäufer vom Vormittag hatte ausgeharrt und erfreute sich nun bei immer häufigerem Sonnenschein großer Beliebtheit bei dem unversiegenden Touristenstrom.
Früh daheim gabs erstmal eine heiße Dusche und gleich gehts für ein Nickerchen ins Bett.
Diese Wanderung hinterlässt gemischte Eindrücke. Ganz klar ist dieses Tor, das noch einmal ganz anders ausschaut als die anderen, einen Besuch wert. Aber ob es die Mühen wert ist? Wir sind noch unentschlossen.
Zuerst aber offenbart sich ein Nachteil unseres Cottages: Da es selbst schon ein Stück weit im Moor liegt, sind die Wege zwar kurz, aber langwierig. Von außerhalb kommend über die Strassen, die drumherum führen und dann an geeigneter Stelle ein kurzes Stück reinfahren wäre effektiver.So brauchten wir heute Morgen eine gute Stunde, um zum Startpunkt zu gelangen. Wobei, der liegt zugegebenerweise auch sehr blöd am Ende einer langen kleinen Strasse bei einer Farm. Sackgasse. Aber voll war er, auch wenn wir dann doch keine anderen Wanderer sahen.
Der Anfang war auch recht einfach zu bewältigen. Das öffentliche Land ist hier ein sehr schmaler Streifen und somit ist der Weg nicht zu verfehlen. Aber einen Weg gibt es bald nicht mehr. Wie auf hoher See navigiere ich per GPS, denn optische Fixpunkte hat es erstmal nicht. Und so geschieht, was wir beim Venford Reservoir schon hatten und weswegen wir gestern u.a. auch die Tour abkürzten: Wir stehen quasi auf einem Cairn und finden ihn doch wieder nicht. In der Karte ist deutlich mehr eingezeichnet, als man in natura sehen kann.
Wir versuchten zwar alles zu nutzen, was wie ein Weg aussah, aber eingezeichnet ist nichts und unsere Wegmarke, das Rippa Tor, lag in einer anderen Richtung. Quer durch hohes Gras und Farn hielten wir drauf zu, um dann in die Senke zwischen ihm und Buttern Hill nördlich einzubiegen. Und wieder das selbe Spiel: Ein eingezeichnter Steinkreis ist nicht zu sehen.
Aber wir hatten es (vermeintlich) fast geschafft: Richtung Kennon Hill würden wir den Weg kreuzen, der ab da alle in der Beschreibung genannten Wegpunkte miteinander verbindet. Tatsächlich erreichten wir den Punkt, an dem wir den Weg erreicht haben sollten – nur, ein Weg war nicht wirklich zusehen. Nur Trampelpfade der zahlreichen Kühe (oder doch Stiere?), die auch gerne mal einfach mitten im hohen Gras enden. Annette, doch etwas kürzer als ich, hat ihre liebe Mühe in dem Gelände und maulte entsprechend. Auch hinderten unsere Wanderstöcke fast mehr, als sie halfen. Aber wir brauchten sie, um das Gelände zu sondieren. Schließlich machen wir nur deswegen so einen großen Bogen Richtung Tor, weil der direkte Weg durch die Senke versumpft ist.
Und tatsächlich: Bald stießen wir auf einen Weg, vielmehr ein matschiger Graben, der uns zielsicher zur Gartaven Ford und am Gallaven Mire (Sumpf) vorbeiführte. Aber die Freude währte nur einen guten Kilometer: Dann hieß es wieder Gras und Farn. Ich pfiff auch auf die genau Richtung und hilt mich nur grob Richtung Ziel, erst weiter Richtung Wild Tor und dann den steilen Hang an seinem Fuß entlang Richtung Watern Tor. Die Army zeigte sich auch von ihrer geschäftigen Seite: Gelegentlich brausten Hubschrauber im Tiefflug über uns hinweg ins Übungsgelände und immer wieder hörten wir Schießereien. Damit war klar, daß wir die Grenze respektieren würden.
Immerhin waren wir auch wieder auf so etwas wie einem Weg unterwegs, was nicht zuletzt die Trittsteine in den Bächen bewiesen.
 Markanter Felsen und Aussicht am Watern Tor
Am Watern Tor selbst haben wir dann natürlich wieder viel fotografiert.
Wobei ich dank großer Speicherkarte und Laptop im Cottage hemmungslos auch so triviales wie die Warnschilder der Armee geknipst habe, schließlich haben Bilder für mich einen dokumentarischen Charakter. Annette vertritt mit ihrer Analogkamera mehr den künstlerischen Ansatz und rationiert ihre Filme – obwohl wir gestern im Tesco schon nachgekauft hatten, sprengte das sehenswerte Watern Tor den Rahmen dessen, was sie mitgenommen hatte.
Weiter gings, hatten wir doch mit quasi einem zweiten Halbkreis noch ein gutes Stück Weg vor uns. Naja, was man so Weg nennt. Wir wichen sehr schnell und sehr stark vom geplanten Kurs ab bei dem Versuch, nicht mitten durchs Gebüsch zu laufen. Ich fragte mich langsam, was die denn bitte auf der Karte eingezeichnet haben. So trafen wir an völlig falscher Stelle auf eine Begrenzungsmauer. Doch statt bis zur Ecke zurückzulaufen, haben wir sie überquert und gingen quer über die Weide – immer so, wie es am gangbarsten ist und mit Kurs grob auf die angepeilte Mauer. Vermeintliche Stiere entpuppten sich zum Glück wieder als neugierige Rinder und bald konnten wir die Mauer an einem Stile überqueren, denn der Weg ins Tal innerhalb der Mauer sah immer schwieriger aus.
 "Brücke" über den North Teign River
Außen entlang der Mauer kamen wir dann wieder halbwegs voran bis zum North Teign River. Der ist doch etwas größer als die Bächlein der Umgebung und auch nicht so einfach zu überqueren. Doch wir hatten schon auf Fotos gesehen, daß die Mauer dort in eine Art Zaun übergeht. Horizontal verlegte Rohre, an Steinen befestigt, ermöglichen den Übergang.
So langsam kam dann auch wieder das Gefühl auf, daß wir zurückfinden würden. Auch wenn die Beschreibung der Wanderung meinte, daß man nicht wirklich daheim wäre, bevor man die Clapper Bridge überquert hat.
Irgendwann mussten wir uns von der Mauer lösen und den nichtvorhandenen Weg finden. Immerhin war eine der eingezeichnet Stone Rows tatsächlich zu sehen – ein gewisses Erfolgsgefühl macht sich breit. Kurz vor der erneuten Überquerung des North Teign trennten wir uns ein wenig – Annette wollte unbedingt weiter im kurzen Gras an einer Mauer entlanglaufen, während ich einen Trampelpfad im hohen Gras gefunden hatte, der mich direkter zur Clapper Bridge führte. Gleich drauf gabs nochmal eine und dazu einen deutlich erkennbaren Weg. Der vorletzte Wegpunkt war dann auch noch ein Erfolg, der eingezeichnete Stone Circle war in der Tat zu sehen. Kunststück, wie sich bei genauerer Durchsicht der Ansichtskarten herrausstellte: Scorhill Circle ist wohl der bekannteste im Dartmoor – vielleicht auch der einzige, der so leicht zu erkennen ist. Außerdem erklärt das die vielen Autos auf dem Parkplatz heute morgen, denn bis dahin ist es nicht mehr weit.
Der letzte Wegpunkt, ein Hut Circle, glänzt dafür wieder mit Unsichtbarkeit.
Insgesamt gab es heute wenig, dafür aber umso einzigartigeres zu sehen. Der Weg war beschwerlich, aber jetzt stellt sich wieder dieses “Ich habs geschafft und wills nichtmissen”-Gefühl ein. Jetzt muß nur noch die Stunde Rückfahrt bewältigt werden, dann Duschen und Essen.
Nachtrag: Das mit den unauffindbaren Wegen hat sich geklärt. Auf den einzelnen Scans in TTQV und auf der wasserdicht verpackten, zurechtgefalteten Papierkarte war keine Legende zu sehen. Irgendwann dämmerte es mir und tatsächlich: Die Markierungen, die die genannten Wegpunkte so praktisch in gerader Linie verbinden, sind keine Wege, sondern Gemeindegrenzen! Das ändert zwar nichts daran, daß wir auch so keine richtig begehbaren Wege fanden, hätte uns aber vielleicht schon früher etwas weniger stur dem geplanten Pfad folgen lassen. Der Lohn für diese Plackerei war aber auch immens: Weites Land und ein Gefühl von Einsamkeit. Gut, man hörte das Militär zwischendurch feuern und gerade von den Höhen konnte man bis weit ins besiedelte Gebiet schauen. Aber bis zum Scorhill Circle war kein einziger Mensch außer uns zu sehen. Dafür kann es sich lohnen, weit zu laufen.
Nunja, das Wetter war wirklich nicht bestens, aber zumindest am Bench Tor war kein Nebel.
Der Weg zum Parkplatz am Stausee des keinen Bächleins Venford ist relativ kurz, wofür ich bei den Strassen hier auch sehr dankbar war. Ich muss mich an die kleinen heckenbegrenzten Strässchen hier autofahrerisch erst noch gewöhnen. Schließlich will ich den Punto nicht mit zerkratzter linker Seite abgeben.
Der Weg zum Bench Tor ist nicht weiter schwierig und auch leicht zu finden. Das Ziel sieht man von weitem und (ohne Nebel) kann man auch die entsprechenden Pfade ausmachen. Oben sahen wir dann auch zum ersten mal die typischen Felsen aus der Nähe und hatten einen schönen Rundblick. Im Tal unten der River Dart, wenn auch durch den Wald kaum zu sehen. Der Stausee, das Moor und auch die Wiesen. Und die Hinterlassenschaften der Wiesenbenutzer.
Ich bin ja von der Weidewirtschaft einiges gewohnt und letztes Jahr im Vallunga mussten wir auch dem gelegentlichen Fladen ausweichen. Aber hier ist das echt extrem. Wir haben zwar Kühe und Schafe gesehen, aber nicht genug um diesen flächendeckenden Beschiss zu erklären. Hier mal ein Bild:
Und das ist jetzt sogar noch recht wenig Mist. Die Schafe kann man gerade noch so als kleine weiße Punkte auf den Wiesen im Hintergrund erkennen, wobei sie im offenen Moor selten so dicht stehen.
Nachtrag: Die Situation wird so bleiben. Ich werde nicht weiter drauf eingehen, irgendwann hörten wir auch auf, um jeden einzelnen Schafsköttel drumrumzulaufen. Und ein Vortrag: Mehr Bilder, wenn auch immer noch eine sehr kleine Auswahl, gibt es hier.
Weiter führte ein Weg direkt in den Wald am Ufer des Dart. Wobei ich Ufer jetzt recht weit fasse, wir waren weit vom Fluss entfernt. Weiter als wir dachten, wie sich jetzt herrausstellt.
Dieser Wald ist wirklich bezaubernd. Überall Moos und Farne, der ganze Boden überwuchert. Kein industriell genutzter Stangenwald, sondern ein echter Urwald, in dem man unter dem Moos noch die sich abzeichnenden Steinbrocken erkennen kann. Wir folgten dann einem breiten Weg (hier schon fast eine Strasse) weiter bergab, auf den unser Pfad uns führte. Doch nach kurzer Zeit steigt er wieder an und auch die Karte lässt erkennen, daß wir so nicht dort hinkommen, wo wir hinwollen. Yar Tor am anderen Ufer ist auch unerreichbar – der nächste eingezeichnete Flußübergang ist zu weit weg.
Also liefen wir zurück auf dem großen Weg, vorbei an der uns ehemals entgegenkommenden Familie und an der Stelle, an der unser Trampelpfad einmündete, bis zu einem abzweigenden kleinen Pfad direkt dahinter. Ordentlich bergab bis zu einem kleinen fließenden Gewässer. Das wäre der Dart, dachten wir, da meine GPS-Karten recht ungenau sind. Stolz wie Bolle war ich, daß ich ihn mehrfach ohne Brücke durchqueren konnte. Aber irgendwie stimmten die ganzen Richtungen nicht. Wie sich herrausstellt, ist es der Venford Brook, denn auf dem Weg bachaufwärts stossen wir auf das zum Stausee gehörige Wasserwerk und den Damm.
So viel also zum nicht verlaufen…
Der See selbst ist eingezäunt, aber für die Öffentlichkeit zugänglich. Nach kurzem Abstecher auf das Gelände und dem mittäglichen Sandwichverputzen an einer Picknickbank entschied ich mich, doch erstmal außen am Zaun langzulaufen, denn außerhalb des Geländes gibt es einige Cairns und Hut Circles, die wir bei der Seeumrundung besuchen wollten. Wollten, um es kurz zu fassen. Wir standen zwar mehrfach genau dort, wo sie sich befinden sollen, aber es gab nichts zu sehen. Außer Matsch, Kühen und Schafen. Etwa einen Kilometer vom Auto entfernt erwischt uns dann auch noch ein heftiger Regenschauer. Zusammen mit dem ständigen Wind, der meine diesbezüglich empfindlichen Ohren malträtierte, war das moralisch das Ende. Ich beginne, mich krank zu fühlen. Die Nase ist zu, die Ohren schmerzen und an Druckausgleich bei der Fahrt die Hügel rauf und runter ist nicht zu denken. Aber wir fahren dennoch erstmal ein bißchen weiter, mal sehen, was der Tag noch bringt.
Oder: Zurück aus Franzockistan
Gestern sind wir zu gemässigter Zeit aufgebrochen, um eine kleine Wanderung im Elsass zu machen. Annette wollte sicherheitshalber Übernachtungsgepäck dabei haben. Mit sowas rennt sie natürlich offene Türen ein bei jemandem, der schon zig Kilometer eine NATO-Notfallration mit sich rumträgt für den Fall, daß man irgendwo mal festsitzt. Kann ja viel passieren bei so einer Wanderung.
Im Laufe der über 100km Anfahrt hatte ich zugegebenermassen Probleme mit der Verhältnismäßigkeit. Geplant war eine kleine Wanderung von laut Wanderführer 3 Stunden. Knapp 4 Stunden Fahrt dafür hin und retour sind schon heftig. Die Burg Geroldseck war schön und die Runde zum Aussichtsturm auf dem Brotschberg genau richtig für den Start in eine neue Wandersaison. Aber verlaufen haben wir uns gelegentlich für einige Meter. Der durchschnittliche Lurchilutscher markiert seine Wanderwege nicht so gewissenhaft wie der Südtiroler und zugegebenermassen haben wir auf detailliertere Wanderkarten verzichtet.
(An dieser Stelle sei gesagt, daß mich eine gewisse Hassliebe mit den Franzocken verbindet. Mit den Elsässern speziell. Teils aufgrund eigener Unzulänglichkeiten, könnte ich doch nach über dreißig Jahren in Grenznähe und zwei Jahren Sprachunterricht in der Schule so viel gelernt haben, um mich zumindest etwas weniger rudimentär zu verständigen. Teils aber auch wegen der Sturheit der Grande-Nationalisten, einfach um das Verrecken keine Weltsprache wie Englisch lernen zu wollen in dem Irrglauben, ihr eigenes Genuschel wäre eine. Was die Elsässer speziell macht ist ihre Gabe, Deutsch zu verstehen oder gar zu sprechen je nachdem, wie opportun es ist.)
Jedenfalls als wir so durch den linksrheinischen Forst stiefelten eröffnete Annette mir, daß es von ihr beschlossene Sache sei, vor Ort zu übernachten und noch einen Wandertag dranzuhängen. Nix mit Motorradtour am Folgetag, das kann warten. Genauso wie der ganze Kram daheim. Es lag weniger an meiner Abneigung gegen die Idee an sich als an der Taktik, daß ich nicht anders konnte als brummelig zu sein. Sponate Unterkunftssuche bei den Erbfreunden ist nicht so mein Ding. So einigten wir uns, die Richtung zu meiner pfälzischen Heimat einzuschlagen. Sollten wir nichts finden, wären wir gleich vor Ort für einen gemütlichen Familientag.
Anders kam es aber zum Glück. Im Ort für die geplante zweite Wandertour angekommen erwies sich die Logierempfehlung des Wanderführers als reichlich teuer und ausgebucht. Ein netter Familienbetrieb hatte nur noch ein kleines Kämmerchen mit einem dann doch zu kuscheligen, lies kleinen Bett. Dafür war gegenüber noch was frei. Zimmer war ok, wenn auch sehr seltsam “modernisiert”, sprich geflickschustert. Was solls.
Dinieren wollten wir dann doch wieder auf der anderen Strassenseite. Frische Zutaten aus biologischem Anbau, meist sogar eigenem und leckere Gerichte versprach die Karte. Und das ganze in einem Ambiente, das sehr familiär wirkte. War es auch in gewisser Weise: Die Kehrseite der Medallie ist nämlich, daß es im Hotelrestaurant zutatenmäßig nur für die Hotelgäste reichte. Sagte man uns zumindest.
So landeten wir dann im Restaurant unseres Hotels. Das war gut gefüllt und versorgungsfähig. Vielleicht war mein Zander ja tiefgefroren gewesen, jedenfalls war er lecker in seiner Sauerampfersosse. Zusammen mit dem großen Vorspeisensalat und dem Kougelhopf aus Eis machte er satt und zufrieden. Der Schoppen Grauburgunder sorgte für Bettschwere und so konnte der Tag wohlig enden.
Der Folgetag begann jedoch damit, daß sich eine alte Erkenntnis wieder ins Gedächtis rief: Der Franzmann an sich kann nicht wirklich frühstücken. Nicht, daß ich ein großer Frühstücker wäre, daheim fällt es meist aus. Aber in Hotels ist das was anderes. Kollegen können die einstündige Beanspruchung des reichhaltigen Buffets meinerseits im Holiday Inn in Fulda, in dem unsere Firma zu schulen pflegt, bestätigen. Komisch gewickelter Krümelteig (Croissant), kleine Stangenbrotscheibchen und die Abwesenheit von allem, was über Butter, Honig und Marmelade hinausgeht bilden aber kein Frühstück für Champions. Aber auch ganz nett in dem Ambiente. Dafür bekomme ich dann mal wieder Lust auf kannenweise Milchkaffee. Schauplatz des ganzen war übrigens Obersteinbach nahe der Grenze.
Wasigenstein, die Hauptattraktion der Wanderung, ist übrigens recht skurril. Prinzipiell sind es zwei Burgen, die komplett unterschiedlich aufgebaut sind und auch lange Zeit unterschiedliche Besitzer hatten. Jedoch getrennt sind sie nur durch eine Felsspalte, die geschätzte anderthalb Meter breit ist, dafür aber locker 10 bis 15 Meter tief.
Mittagessen im Hotel fiel flach, als wir dorthin zurückkamen, da ja das Auto noch auf dem Parkplatz stand. Hoffnungslos überlastet durch den Feiertagsansturm. Plan B war dann eine Pizzaria in Bad Bergzabern, die aber wohl seit meinem letzten Besuch die Existenz eingestellt hatte. So landeten wir dort in einem Lokal namens “Grum Beer”. Die Umgestaltung des pfälzischen Wortes für Kartoffel sollte den zweiten Schwerpunkt des Lokals, den Gerstensaft, wohl betonen. Das Personal spielte in Überzahl gegen die Gäste und so war schnell was zum Beißen auf dem Tisch. Herzhafte Bratkartoffeln mit Fleischkäse und Spiegelei für mich. Annette hatte wohl ihren Spargelheißhunger am Vorabend noch nicht ausreichend gestillt und schlug nochmal zu.
Der Tag endete beim sogenannten Handkeesfeschd in Lustadt. Dort wird alljährlich der lokalen Spezialität gehuldigt, einem Stinkekäse auf Brot. Pfälzer Küche sollte es da auch geben, aber die Vereine kalkulieren wohl lieber nicht auf Überschuss und somit war am dritten Festtag wenige Stunden vor Feierabend quasi alles ausverkauft. Hat gerade noch zu einer Currywurst für mich und Flammkuchen für die Holde gereicht. Dafür gab es reichlich zu sehen. Gottes wundersamer Tiergarten war zahlreich angetreten. Beim nächsten Besuch in der Pfalz muß ich dem mal einen eigenen Artikel widmen. Unglaublich, was für Gestalten da rumlaufen.
Und so endet in diesen Minuten eine schöne und vielfältige Kurzreise. Urlaub!
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Geschützt Manche Artikel sind nicht für jedermann gedacht, sondern nur für den Bekanntenkreis. Warum, tut nichts zur Sache. Wer das Kennwort haben möchte, kann mir eine Mail schicken. Oder sich an mich an die Zeit vor dem 05.06.2007 erinnern. Umlaute und Großbuchstaben sind hinderlich.
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