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Mont Blanc

Nachtrag vom 20.07.2020 22:00 Uhr

Wir haben ihn uns nur angesehen, natürlich war der Gipfel nicht unser heutiges Ziel. Nicht mal ein Gipfel gegenüber, boten doch der Aufstiegsweg und die Hütte an der Bergflanke schon ein schönes Panorama. Und endlich kein Wochenende mehr, der Andrang war überschaubarer. Gerade in der aktuellen Situation soll man sich die Menschenmengen bitte nicht so vorstellen, daß man da dicht gedrängt unterwegs war. Es reicht ja schon, wenn einfach permanent immer irgendwer in Sichtweite ist, auch wenn das 200m entfernt ist.

Start war am Parkplatz eines Hotelrestaurants, in den auch jemand mit einer gelben Weste einwies. 800m die Straße entlang bis zum eigentlichen Wanderweg ließen die Sozia maulen, doch der nähere Parkplatz gehört zum Campingplatz, ist nur für dessen Gäste und da bin ich auch mal stur. Zumal wir ja schon umgezogen waren. Der Campingplatz heißt Grand Jorasses, wie das Massiv hinter ihm, das optisch beeindruckender daherkam als der höhere Mont Blanc, der aus dem Blickwinkel aber kleiner wirkte. Jedenfalls schöne Aussichten, wieder mal ein Bombenwetter und sogar etwas sportlicher. Anfangs bedauerten wir zwei Kühe am Wegesrand, die voller Bremsen hingen. Diese jedoch freuten sich über die Abwechslung. Zweibeiner mit weniger störendem Fell und dünnerer Haut werden da gerne genommen. Nicht nur wir sind da etliche Meter gerannt, bis die hartnäckigen Viecher nicht mehr hinterherflogen.

Das Rifugio Bertone, unser Ziel, war auch wieder gut gefüllt. Was aber auch an der ausklingenden Mittagszeit lag. Wir wollten nur eine kühle Kleinigkeit trinken. Am Selbstbedienungstresen gab man sich ruppig. Bargeld bitte passend, Kartenzahlung erst ab einem Betrag, den wir auch mit den hohen Getränkepreisen nicht erreichten.

Der Rückweg war unspektakulär, zumal sich die Kühe samt Bremsenentourage in den Schatten weit weg vom Weg verzogen hatten. Auf der Rückfahrt dann ein kleiner Tankstop. Seltsame Sache, der Italiener tankt wohl gerne nur für fixe Beträge statt voll. Die Säule war auf 20€ eingestellt. Hätte ich ändern können, war mir aber zu blöd und der Tank eh voll genug um nach Frankreich mit seinem günstigeren Sprit zu kommen. In der Unterkunft bewährte sich der neue Scrubba-Bag erneut. Ein wasserdichter Packsack mit Rollverschluss und Ventil, aber auch einem integrierten Waschbrett. Allemal besser, als im Handwaschbecken zu waschen. Und es gab einen guten Tip unserer Gastgeberin, als Annette wieder über die Hitze klagte: Einfach mal früher frühstücken und aufbrechen, wenn es noch kühler ist. Werden wir morgen umsetzen.

Abendessen gab es ein letzes Mal in der liebgewonnenen Osteria. Morgen haben die Ruhetag und wir sind dann weg.

Rifugio Benevolo

Nachtrag vom 19.07.2020 22:00

Eigentlich eine relativ unspektakuläre und nicht all zu sportliche Wanderung von der Karte der Touriinfo. Ab zum Parkplatz, hoch zur Hütte, wieder runter und zurück. Was ist da noch erwähnenswert? Nun, zuvorderst die schöne Anfahrt. Fahrerisch geben die Seitentäler einiges her, wenn man das richtige erwischt. Da waren wir beim letzten Besuch wohl schlicht falsch gelegen. Und just, wenn der Drehwurm einsetzt von den vielen Kurven, ist man am Start der Wanderung. So weit, so gut.

Weniger gut: Wie am gestrigen Samstag ist auch an einem Sonntag alles auf den Beinen und unser Ziel sehr populär. Was die ganzen anderen Wanderer mit dem getrunkenen Wasser, das sie nicht ausschwitzen, machen, ist mir immer noch rätselhaft, denn es gibt keine stillen Ecken. Dafür aber beeindruckende1Wasserfälle am Weg, anfangs sogar mit Tiefblick in eine kleine Schlucht. Beim Aufstieg legte Annette sich unfreiwillig noch mit einer Kuh an und hielt sich auf dem Rückweg endlich mal wie stets geraten fern. Die Kuh hatte wohl Interesse am Salz und Annette erst mal ihren Spaß. Ein kleiner versehentlicher Rempler, ein Fehltritt mit hektischen Bewegungen von Annette, eine Schreckreaktion der Kuh und schon gibt es aufgrund eines Hornstoßes einen blauen Fleck.

Besagte Hütte am Endpunkt der Wanderung war dann auch natürlich hoffnungslos überlaufen, auch die Wiesen drumherum. Dank unseres üppigen Frühstücks benötigen wir auch keine Mittagsrast, also drehten wir direkt um und nahmen auf dem Rückweg so manche Schleife des Fahrwegs statt des steileren Wanderwegs. Auf dem Rückweg dann noch ein Stop in Rhêmes-Notre-Dames. Markt war da tatsächlich gewesen, aber am Vormittag. “Den ganzen Tag”, wie wir unsere Gastgeberin verstanden hatten, gab es da eine etwas schräge Handwerker- bzw. Künstlerausstellung. Und viel Volk auf der Gass. Da hielt es uns dann nicht lange.

Abendessen dann wieder in der Osteria ein Stück die Straße runter. Man kennt sich inzwischen und die berührungslose Karte – QR-Code zum Abscannen, Speisekarte online – hat den Vorteil, daß man sich schon vorher überlegen kann, was man essen will.

  1. und inspirierende 🙁 []

Assietta

16.07.2020 22:00

Colle Assietta ist sowas wie der zentrale Punkt, das ganze wird auch Assietta-Kammstraße (AKS) genannt und ist eine alte Militärstraße, die inzwischen als unbefestigte, aber recht gut erhaltene Piste beliebt ist. Beliebt genug, daß in der Zeit der Sommerferien an mehreren Wochentagen die Strecke gesperrt ist.

Einstieg ist der Colle delle Finestre, der im oberen Teil auch unbefestigt ist, was ich vergessen hatte. Wohl auch der Holländer im SUV, der wohl feststellte, daß es halt doch kein Geländewagen ist und er weniger Fahrpraxis hat als ich. Was ihn nicht davon abhielt, staubend und dieselnd die komplette Wegbreite für sich zu beanspruchen. Da sollten ganz andere Fahrzeuge später noch kooperativer sein. Nicht nur E-Klassen, sondern auch regelrechte Expeditionsmobile.

Wobei mir gerade einfällt, daß an der Einfahrt zur eigentlichen AKS ein Schild steht, das eine Maximalbreite von 2m erlaubt. Und da weiß man aus diversen Autobahnbaustellendiskussionen, daß es da für so manchen PKW eng wird. Wie da diese Geländewohnmobile im wahrsten Wortsinne reinpassen, weiß ich nicht. Aber egal, nach der Abfahrt auf der befestigten Südrampe des Finestre begann als Abzweigung die eigentliche AKS. An die 30km/h Höchstgeschwindigkeit hielten sich längst nicht alle und ich ließ sie ziehen, so wie auch alle Zweispurigen Platz machten, sobald wir auf sie aufliefen. Geht doch, ist schön.

Schön waren auch die Aussichten und auch hier lauerte wie am Iseran ein Photograph auf Beute. Anstrengend war es, aber die positive Art von Anstrengung. Wo man sich hinterher über das Geleistete freut. Am namensgebenden Colle die Assietta gab es einen kleinen Fotostop und Smalltalk mit einem Schweizer. Der trug eine Leihjacke wie nur Louis sie ausgibt und sein Motorrad eine Züricher Nummer. Da konnte ich mir nicht verkneifen, ihn in der Walliseller Filiale Grüße ausrichten zu lassen.

Die viel erwähnte Baustelle am Abstieg nach Süden hin scheint es nicht mehr zu geben, aber um den langen Weg im Tal um den Gebirgszug herum zu vermeiden fuhren wir wie geplant nordwärts durchs Skigebiet. Auch gut machbar und die Gastronomie war auch zu vorgerückter Mittagsstunde noch bereit für Gäste. Ich parkte dann auch prompt in einer Gruppe Enduros direkt im Blickfeld des Außenbereichs.

Entgegen meiner Befürchtungen hatte ich doch keinen zugeparkt, als die Jungs aus Frankreich aufbrachen. Wahr wurde jedoch die Ahnung, daß so eine Skibutze nicht die billigste sein wird. Das Essen auf der Karte war akzeptabel bepreist, Getränke bestellten wir auf Verdacht. Was die genau kosteten, bleibt ebenso wie die Höhe des in Italien üblichen “Brot und Gedecks”1 im Dunkeln. Die Rechnung bestand nur aus dem einen Posten “Divers” in einer Höhe, der noch vertretbar war. Da hatte man wohl den Logenparkplatz eingepreist oder es ist ein Steuersenkungsmodell. Egal. Rückfahrt.

Die hatte es vom Start weg in sich. Beim Wenden vom Parkplatz runter über eine Art Feldweg kippte mir erst mal die KTM um. Dann drängelte ein Rettungswagen – ohne aktives Blauchlicht! – dermaßen, daß ich ihn durchwinkte. Prompt bedankte der sich mit dem Versuch, in einer engen, abschüssigen Gasse sich an einem abgestellten Postlieferwagen durchdrücken zu wollen. Es blieb beim Versuch, die Gasse war zu schmal und der Rettungswagen setzte mit Schmackes zurück, bis mein Gehupe ihm Millimeter vorm Vorderrad Einhalt gebot. Ich schrieb schon, daß die Gasse abschüssig ist?

Mit Hilfe des nachfolgenden Autofahrers bugsierten wir das Motorrad rückwärts und die beiden großen Wägen mogelten sich irgendwie aneinander vorbei. Warum nur hatte ich der Besatzung des Rettungswagens etwas mehr Pause auf der Wache gönnen wollen? Wir hätten längst etliche Kilometer weiter sein können… Oder beim Tanken, den der Stop musste kurz drauf auch noch sein.

Da wir nun schon eine warme Mahlzeit – es war übrigens ein großes, geteiltes Schnitzel Wiener Art mit Pommes und großem Salat gewesen – holten wir auf dem Rückweg noch was für eine Brotzeit ein und gönnten die uns auf dem Bänkchen im Garten. Oder besser in dem Unterstand, in dem auch die KTM unterschlüpfen durfte. Duschen, Heia. Morgen geht es wieder über den Mont Cenis, Iseran und kleinen St. Bernhard nach Aosta.

  1. auch als Servierpauschale gedacht und somit das Trinkgeld ersetzend []

Lustige Bahnspielchen

Da bin ich auf dem Rückweg von meinem Einsatz in Weil, komme gerade am Bahnsteig an, um auf den Regionalexpress zu warten, der mich nach Freiburg bringen soll. Da fährt auch schon was ein. Zwanzig Minuten vor der geplanten Abfahrt, RE mit Ziel Freiburg. Zugnummer auf dem defekten Display unleserlich.

Wird schon passen, denkt man sich. Hat hier wohl Aufenthalt oder ist schlimmstenfalls der verspätete Vorgängerzug. Kann ja nicht falsch sein.

Tja, falsch gedacht. Der Regionalexpress entpuppte sich als Regionalbahn, in der ich an jeder Milchkanne haltend gen Freiburg schleiche. Meinen Anschluss-ICE mit Zugbindung werde ich wohl knapp erreichen. Danke, Deutsche Bahn!

Merken: Wenn der vermeintlich richtige Zug früh ankommt, wird er deshalb nicht auch zu früh abfahren und die Zeit reicht locker, um sicher zu gehen. Aber da war die Gier auf einen Happen Wegzehrung bei einem längeren Aufenthalt in Freiburg und ein frühzeitig ergattertes gutes Sitzplätzchen zu groß. Ich doof.

Dahoam is daheim

Wieder zurück in Karlsruhe. Gemütliches Rollen über die französische Autobahn, da war der Einkauf im grenznahen Supermarkt noch das Anstrengendste. Die dort eingefallenen Deutschen haben uns gezeigt, daß das bißchen Pandemieleugnen, das wir auf der Reise erlebten, nicht im Vergleich zu dem ist, was uns in Deutschland erwartet.

La Clusaz Nachtrag

Annette hatte ja direkt nach dem Einchecken sich an der Rezeption beklagt gehabt. Relativ erfolglos. Und in Anbetracht der Gästefülle1 befürchteten wir für die Betriebsbereitschaft des Restaurants Schlimmes. Darum hier der Nachtrag, weil es doch anders kam.

Preislich war am Zimmer auch nichts zu machen, weil alles längst über ein bekanntes Buchungsportal abgewickelt war. Man hatte jedoch angeboten, uns im Restaurant entgegen zu kommen. Es wäre auch die ganze Karte aktiv. Außer uns waren noch zwei Zweiertische und ein Vierertisch eingedeckt, also immerhin. Für Annette gab es eine Art Ratatouille mit Ziegenkäse und Parmesan überbacken und einem Salat daneben, was sehr lecker war2, ich hatte gefüllte Pastasäckchen mit tomatiger Soße und Kochschinken darin. Bei denen würde ich nicht die Hand dafür ins Feuer halten, daß ein gewisser Herr Rana da die Finger nicht im Spiel hatte, aber sie waren gut. Leider selbst in dieser abgelegenen Lage auf dem für La Clusaz typischen hohen Preisniveau. Immerhin war dann Annettes Kräutertee, mein Gläschen Wein und ein nachdrücklich angebotener Verdauungsschnaps aufs Haus. Die nette und bemühte Kellnerin/Rezeptionistin hatte das ja angekündigt. Wobei ein Espresso wohl kein Getränk, sondern eher Nachtisch ist. 😉

So schaffte die Dame es tatsächlich, unseren ersten Frust abzupuffern und uns ganz zufrieden aufs Zimmer zu lassen. Aber grundsätzlich werden wir künftig eher in anderen Orten entlang der Route nach Unterkünften schauen. La Clusaz ist schlicht auffallend teurer. Wobei noch nicht raus ist, ob das auch für die anderen Orte gilt.

  1. kaum vorhanden []
  2. aber auch sehr einfach vorzubereiten beziehungsweise Vorrätig zu halten []

La Clusaz – nochmal

Das mit La Clusaz war eigentlich eine lange Geschichte. Eigentlich hatten wir stumpf in der selben Unterkunft wie für den Hinweg gebucht. Stornierung bis nach dem Aufenthalt auf der Anreise möglich und das haben wir auch prompt gemacht. Eigentlich war alles ganz ok, aber doch viel Trubel. Nachts war es immerhin ruhig, aber naja. Zu dem Zeitpunkt wollten wir auch noch für die Rückreise umplanen. Durch die Schweiz über den Großen St. Bernhard und Martigny und nördlich davon wider rüber nach Frankreich. Kurz: La Clusaz wäre dann ein unnötiger Umweg gewesen. Wurde aber verworfen und wir buchten direktemang woanders in La Clusaz. Weil viel schönere Bilder, wenn auch etwas teurer, nach Karte ruhiger gelegen und überhaupt. Dazu später mehr, erst mal der Tag da hin.

Der Abschied von Arvier fiel schon recht schwer. Nette Gastgeberin, wunderschönes Zimmer und noch reichlich Wandergelegenheiten. Aber es muß mal endlich heimwärts gehen. Und das Wetter wirkte bedrohlich, üble Niederschläge waren entlang der Strecke immer dann möglich, wenn wir gerade vor Ort sind. Ich hatte schon das Bild im Kopf, daß uns unsere private kleine schwarze Wolke verfolgt, während sonst überall die Sonne schein. Es kam aber genau anders herum, Glück braucht der Mensch.

Es sollte ja über den kleinen Bernhard gehen. Statt dem schnelleren Weg durchs große Tal und die Skiorte prügelte ich die vollbeladene Else wieder über den San Carlo, der wochentags mit merklich weniger Verkehr richtig spaßig war. Auch hat es bei mir bei der Blickführung endlich mal wieder geschnackelt, Kehren gehen deutlich besser. Dazu noch etwas italienisches Temperament beim Überholen der Schleicher – die durchaus auch absichtlich Schleichen, damit man endlich mal überholt – und schon war der Paß die helle Freude. Am Parkplatz für die Arpy-Wanderung haben wir kurz angehalten. War wieder gut voll da. Annette riss sich förmlich die wasser- und winddichte Innenjacke raus während ich nochmals feststellte, wie übel die Toiletten dort sind.

Am kleinen St. Bernhard hat es dann doch minimal kurz geregnet, wir kamen nicht mal zum Anhalten. Die Straße war fast durchgehend naß, unsere schwarze Wolke war wohl zu früh gestartet. Außer zwei deutschen Motorradfahrern, die beim Überholen motivierter waren als danach in den Kurven, gab es nichts zu vermelden.

Bourg-St-Maurice, das klassische Etappenziel am Fuße des Passes. Genauer wieder “unser” Super-U. Boxenstop, tanken und weiter. Neue Erkenntnis hier: Die haben tatsächlich ein Parkhaus, von dessen erster Etage eine Brücke zum Markt führt. Direkt zu den Toiletten. Merken für Regentage oder wenn die Sonne zu sehr brennt.

Die Fahrt zum Stausee von Roselend war wieder sehr schön und wir sind es entspannt angegangen. Doch merkte man bald, daß die Schulferien definitv in vollem Gange sind. Reichlich Betrieb. Und natürlich zur Mittagszeit alle Picknickplätzchen belegt. Betraf uns aber nicht, wir hatten reichlich gefrühstückt. Unseren alten Parkplatz von der letzten Reise fanden wir wieder, er ist doch jenseits der Staumauer. Die kleine Straße danach wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Ich hatte sie genommen, weil wir sonst immer die große genommen hatten, ich nicht umdrehen, dafür aber was Neues probieren wollte. Zeit hatten wir ja reichlich. Nett, aber klein und wurstelig war dann die Strecke über Arêches nach Beaufort, das heißt eher der erste Teil bis Arêches. Haken dran.

Villard-sur-Doron klingelte noch in meinem Hinterkopf. So laut, daß ich Madame Garmin überhörte, die mich abzubiegen anwies. Großer Tip: Nicht einfach nach der Neuberechnung in die folgende kleine Gasse einbiegen. Die “Durchgangsstraße” ist schon klein, aber diese Gasse mündet mit gefühlten 30% Steigung ohne Spiegel und ohne Sicht. Das restliche Sträßchen hoch zum Mont Bisanne war zwar bewältigbar und ohne den ungeplanten Schlenker am Stausee auch eine willkommene Abwechslung, aber so zu es sich etwas zäh. Auf dem Weg runter war klar, daß das die Hauptzufahrt zu dem Skigebiet ist.

Doch zuerst der Abstecher zum Gipfel. Dort steht nicht nur die Bergstation eines Sessellifts, sondern auch ein Restaurant/Café mit zu erwartender großer Aussicht. Doch auf dem Weg lauerte erst mal ein Straßenbautrupp, der ohne Beschilderung hemdsärmelig die Straße ausbesserte und dabei mit allerhand schwerem Gerät an mehreren Stellen den Weg blockierte. Doch man fuhr in angemessener Zeit beiseite. Was wollen auch die blöden Touristen zu Unzeit da hoch, Mittag ist doch rum? Und wir hatten schon gezweifelt, ob wirklich offen ist. Oben standen aber schon ein paar Autos und der Sessellift setzte sich auch gerade in Bewegung und schaufelte einen Mountainbikefahrer nebst Sportgerät nach dem anderen nach oben.

Das Aussichtscafé war erwartungsgemäß teuer und die Aussicht leider etwas trüb, aber dennoch grandios. Und sagte ich schon, daß es immer noch nicht geregnet hat? Nach Kaffee, Crêpes und Blaubeerkuchen1 ging es wieder talwärts und dann mal über den Aravis gen Ziel. Die Berge hier sind wunderschön. Wohl kommen sie uns auch so vor, weil sie stellenweise an Südtirol erinnern. Ein gutes Stück vor La Clusaz, mitten im Skigebiet, kamen wir dann bei unserer heutigen Unterkunft an.

Die Enttäuschung war groß genug, daß Annette ein paar deutliche Worte mit der Rezeptionistin wechselte. Ähnlichkeit mit den Bildern hat das Zimmer nicht und sie wüsste auch kein Zimmer, das so aussieht. Aha. Immerhin geräumig und sauber, aber auch an einigen Stellen ziemlich verbastelt. Und da wir früh dran waren, kamen wir uns in dieser Abgelegenheit wie die einzigen Gäste vor. An der Rezeption jammerte man auch ein wenig darüber, wie man bei der geringen Gästezahl über die Runden kommen soll. Aha. Gut, die Lage mag im Sommer schlechter sein als im Rest des Ortes, da das Skigebiet im Sommer nichts bringt und der Rest des Ortes, die MTB-Strecken und die Sommerrodelbahn zu weit weg sind. Vielleicht gehen alle Zimmer der Kategorie, die wir gebucht haben, zu Paßstraße hin raus und vielleicht wird der Laden noch so proppenvoll, daß man die bis dato einzigen Gäste außer uns genau über uns unterbringen muß, so daß wir was von deren Gepolter haben. Aber vielleicht hat man unseren klassischen Wusch nach einem ruhigen Zimmer – im Buchungsportal muß man dafür nur noch einen passenden Haken setzen, schlicht genau anders herum verstanden. Das würde auch die laute Musikbeschallung der leeren Terrasse erklären.

Wir schauen jetzt erst mal, ob das Restaurant was rausreißen kann. Wobei ich beim Tagesmenü Spaghetti Bolognese und hinterher Tiramisu – man nehme die fehlende Vorspeise zur Kenntnis – schon etwas skeptisch bin.

  1. lecker mit Marzipan oder zumindest Persipan im unkrümeligen Boden []

Lago di San Grato

Vorneweg: Nach all den Tagen, auch zuletzt hier in der Bruthitze, konnten wir mal die mitgeschleiften Regensachen verwenden.

Die Wanderung zum See war ein Tip unserer herzigen Gastgeberin im sehr empfehlenswerten Maison de la Montagne in Arvier. So gab es erst eine gute dreiviertel Stunde feines Serpentinenschlenkern und Kurvenwedeln das Val Grisenche hoch bis zur Abzweigung einer gesperrten1 Almstraße. Dort sollte ein Parkplatz sein, der war jedoch nicht markiert, dafür schon teilweise genutzt. Also die Kanten am Wegesrand abgestellt und bei abklingendem Regen – ja, es war die letzten Kilometer feucht – das Bike-to-Hike-Ritual noch einmal durchgeführt: Haix-Stiefel öffnen, jeweils einen Schuh ausziehen und das Bein der Motorradhose abstreifen, wieder in den Stiefel schlüpfen und auf der anderen Seite wiederholen. Ergebnis: Der Peter steht in der unter der Motorradhose getragenen Wanderhose da. Inzwischen bin ich mit der Schnellschnürung der Stiefel auch wirklich schnell.

Sicherheitshalber gingen aber Regenhose und Regenjacke mit auf die Wanderung. Die war größtenteils, speziell am Anfang, anspruchslos. Fahrweg. Später gab es ein paar Schlüsselstellen im Schnee und Geröll und fiese Anstiege, aber nix Schlimmes. Dafür um so schöner: Murmeltiere. Wir waren alleine unterwegs oder, wie wir später am Gegenverkehr feststellten, so ziemlich die ersten des Tages. Weshalb die moppligen Nager noch recht unbekümmert nahe am Weg rummümmelten. Doch es gab dann auch diverse Warnungen und da wurden die Sichtungen seltener. Aber schön wars.

Kurz vorm See gab es dann noch eine kleine Kapelle2, die wie eine kleine Schutzhütte aussah. Lediglich ein Bildstock erinnerte an einen weißhaarigen3 Bergfreund, der zu Lebzeiten dort wohl oft saß. Irgendwie passend zu einem anderen Weißhaarigen, dessen letzten Weg wir heute nicht begleiten konnten und der den ganzen Tag in Gedanken mit uns war.

Im See selbst schwamm nicht wie vorgeschwärmt noch ein Schneeberg, so wie am Lago die Pietra Rossa, aber schön war es dennoch. Der zwischenzeitliche Schauer, der uns tatsächlich mal in die Regensachen gescheucht hatte, war vergessen. Doch just dann füllte es sich zusehends. Gipfelrast gibt es ja dank üppigem Frühstück nicht, es zog wie Hechtsuppe und die Bilder waren gemacht: Also ab runter.

Bei immer wieder kurz ansetzenden leichten Schauern gab ich den dick vermummten Italienern4 den Norweger in meinen kurzen Hosen und dem T-Shirt. War doch aber auch ok, lediglich das Schlauchtuch musste wegen dem Wind über die Ohren.

Auf dem Rückweg – im Tal waren es schon wieder über 30°C bei Sonnenschein – gab es noch einen Schlenker Richtung Aosta zwecks Einkauf. Denn unsere liebgewonnene Osteria hat heute geschlossen, das Schickimicki-Restaurant wollte ich nicht mehr besuchen und zum Essen fahren wollten wir auch nicht. Lecker Brotzeit am Abend war aber auch bestens. Und irgendwie ist schon wieder das meiste gepackt. Modulares Packen hat was für sich.

Morgen müssen wir dann wohl wasserfest unterwegs sein. Am Kleinen St. Bernhard kann es schon regnen und bei unserer Ankunft in La Clusaz wird es höchstwahrscheinlich pissen. Schade, aber dann entspannen wir ein wenig im großen Zimmer und ich kann vielleicht hier schon wieder was nachliefern.

  1. für alle außer dem Almöhi []
  2. laut OSM []
  3. Don Bianco… []
  4. und laut Autokennzeichen Briten und Dänen []

Lago di Petra Rossa

18.07.2020 22:00 Uhr

Das lief mal unter Lago d’Arpy und wir hatten bei unserem letzten Besuch schon diesen Spaziergang unternommen. Heute wollten wir einen draufsatteln. Merke: Karten genauer ansehen. Dieser zweite See scheint nur noch mal 50% auf die Wegstrecke draufzusatteln, aber irgendwie war nicht bewusst, daß dort der größte Teil der vielen Höhenmeter sich befindet.

Die Anfahrt war recht unproblematisch, auch wenn sich Richtung Colle San Carlo, dem Startpunkt, die Autos in den Kehren stauten. Wodurch uns so richtig bewusst wurde, daß wir an einem Samstag eines der beliebteren Ausflugsziele der Gegend ansteuerten. Nachdem wir einige forschere Motorradfahrer durchgewunken hatten, machten wir uns selbst ans Überholen. War ja nicht auszuhalten! Ehrenrunde auf dem Parkplatz, der sich prompt verstopfte, kaum daß wir ein Plätzchen gefunden hatten. Dann waren wirklich alle da. Auf der Rückfahrt sahen wir dann, daß noch eine große Strecke weit einfach am Straßenrand geparkt wurde, was das schmale Sträßchen direkt mal fast die Hälfte der Breite kostete. Da hätte man bei Verkehr nicht mit dem Auto durch wollen.

Bis zum Lago d’Arpy war es schon fast wieder gemütlich zu schlendern. Auch wenn nervte, daß Familienclans im Schneckenmodus den Weg immer wieder in voller Breite in Beschlag nahmen. Sowas nervt auch schon, wenn man nicht versucht, einen gewissen Abstand einzuhalten. Hinter dem See ging es erst noch halbwegs gemütlich weiter, aber dann kam es dicke.

Wie schon angedeutet wurde es steil, es hatte noch zahlreiche Schneefelder, die aber teils den Anstieg eher erleichterten. Aber auch die Orientierung erschwerten, weil der markierte Weg an manchen Stellen unpassierbar war und andernorts Spuren in den Schneefeldern auf unmarkierte Wege lockten. Wobei mit Steinmännchen viel zusätzlich markiert war und auch die Farbmarkierungen durchaus mehrere Wege parallel kannten.

Der See selbst dann füllte quasi seinen kleinen Talkessel aus mit Schnee an den Hängen und großen Eisschollen im Wasser. Da ist dann klar, woraus sich die ganzen Wasserfälle speisen. Ein schöner, aber gar unsommerlicher Anblick bei angenehmen Temperaturen.

Der Rückweg zog sich dann entsprechend und das Wasser wurde knapp, doch spätestens am Lago d’Arpy war dann ein Ende des Weges wieder abzusehen und der Wald spendete Schatten. Flott zurück, geduscht und ab ins vornehme Restaurant. Raffiniert gekocht und hübsch angerichtet, aber für nen hohlen Zahn. Der dank des absichtlich ausgelassenen Mittagessens, wir hatten reichlich Frühstück, dann besonders hohl war. Dafür gab es noch ein günstiges Eis nahe des B&B und ab ins Bett. Waren dann doch etwas geschafft.

Colle Sommeiller

15.07.2020 22:00 Uhr

Vorweg: Ganz hoch ging es nicht, das wollte ich dann mit Sack, Pack und Frau an Bord doch nicht. Aber zumindest das Ganze mal anschauen bis zum Rifugio Scarfiotto1 und Wandern wäre ja auch eine Idee. So kam es dann auch.

Die Anfahrt beschleunigten wir über die Autobahn. Es gibt nur eine Zahlstelle mittendrin und die verlangt gleich 7,30€ aber es spart reichlich Zeit und Nerven. Das letzte Stück nach Rochemolles ist noch befestigt, aber so schmal, daß am Ende eine slowenische Alm liegen könnte. Hier schon rumpelten wir hinter zwei Monteurswägelchen eines Mobilfunkanbieters und einem SUV her, der hinter sich einen Hänger mit zwei Hardenduros oder Crossern zog. Selbst am Parkplatz zu Beginn der unbefestigten Strecke hielt er nicht, sondern staubte uns voll.

Irgendwann fuhr er doch mal ran. Danke Kollege! Da hättest Du schon Kilometer vorher auf die Zweiräder umsatteln können, wäre sinnvoller gewesen. Insgesamt ist die Strecke gut bewältigbar, auch wenn ich mit unbefestigten und/oder sehr engen Kehren auf Kriegsfuß stehe. Das Rifugio war dann eine willkommene Gelegenheit für eine Pause. Und da die Zeit dafür schon da war, bauten wir uns je eine Polenta mit Würstchen ein und erkundigten uns über die ausgeschilderte Wanderung, einen geologischen Lehrpfad.

Im Uhrzeigersinn gelaufen ist der Anstieg erst mal knackig, die Aussichten sind hübsch und im Abstieg kann man schön auf die Fahrbahn ausweichen, wenn der Wanderweg einem zu steil vorkommt. Und dabei feststellen, daß die gut sichtbaren Kehren gleich nach dem Rifugio doch gut bewältigbar sein müssten. Da muss man mal noch ganz hoch.

Wie angekündigt dann noch Käffchen und Tee im Rifugio, Rückweg wieder über die Autobahn und da wir ja schon eine warme Mahlzeit gehabt hatten, reichte eine Brotzeit in der Unterkunft. Bei der wir von der Hauskatze sehr umgarnt wurden.

  1. oft von mir falsch Scoiattolo bezeichnet, naja, italienisch und fängt mit Sc an… Den Pass spreche ich ja auch ständig Sommellier aus, obwohl er nichts mit Wein zu tun hat. []