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Piz La Ila

Nachtrag vom 10.09.2020

Oder Piz La Villa, je nach Sprache. Bißchen gemütlich heute. Der Berg ist Teil eines grün bewachsenen Plateaus, das wir bisher ignorierten. Die Seilbahn hoch startet hier quasi von der Haustür und wenn ich beim Frühstück durchs Fenster sehen, wie sich die Kabinen in Bewegung setzen, werde ich nervös und will aufbrechen. Ja, ein grüner Hügel, kann ja nicht spannend sein. Stimmt, aber nur teilweise. Der Hügel ist keine Herausforderung, aber nett zum Spazierengehen und die Rundumsicht grandios. Rentnerprogramm sozusagen.

Ganz so alt sind wir dann doch nicht und sind deshalb haben wir den Aufstieg selbst gemacht. Als Vorschlag im Wanderführer1  war die Fahrt aufwärts mit der Bahn und der Abstieg nach Corvara. Abstiege mögen wir nicht so, also umgekehrt. Hat den Vorteil, daß man in Corvara nicht auf den Bus warten muß. Und für die Abfahrt hier in La Villa hat sich die Mobilitätsapp der hiesigen Verkehrsbetriebe bewährt. Hatte ich an Bord, falls wir wegen eines Wetterumschwungs mal wo hin absteigen müssen, von wo aus wir mit dem Bus zum Auto fahren müssten.

Irgendwie war ich doch nicht so fit wie gestern. Zwackte doch ein wenig in der Brust und ich musste für die leichte Wanderung ja die große Kamera mitschleppen. Das machte sich beim Aufstieg bemerkbar, der auch noch ausgesprochen langweilig sich über Teerstraßen zog, um dann mal über einen Schotterweg endlich zum Wanderpfad zu werden. Klar, im Abstieg will man nur noch ankommen und es geht flotter, da passt sowas eher. Doch als wir endlich oben waren, war alles vergessen. Die Aussicht, wie gesagt. Auch und gerade auf den Sassongher, der aus der Perspektive gleich noch mal unbezwingbarer ausschaut. Wie gut, daß wir den Weg kennen. Das vermeintlich schnell erreichte Ziel war dann aber doch die Bioch-Hütte etwa auf halber Strecke des Weges über das Plateau. Da musste ich auf die Terrasse. Gut, erst mal ich den gekachelten Raum, aber irgendwie Essen trotz reichhaltigem Frühstück und was Herzhaftes trinken. Annette kam rechtzeitig zum Bestellen nach, verzichtete aber. Bier und Penne Bolognese taten mir sichtlich gut, ich war den Rest des Weges dann deutlich umgänglicher und auch flotter. Eigentlich wäre damit ja auch das Problem “draußen Essen”2 und “mindestens 14 Stunden nichts essen”3 gelöst, aber aufs Abendessen wollte dann doch niemand verzichten.

An der Bergstation des Liftes entspannten wir noch etwas. Schön, was hier oben auch für die Kleinsten alles geboten wird. Die Variante, hier mal ein Rad zu mieten und rumzufahren haben wir aber verworfen. Die Stundensätze von Moviment sind erschreckend hoch. Und zu Fuß ging es ja auch schnell genug. Mit dem eigenen Rad wäre das mal was anderes.

Zum Abendessen haben wir dann die letzte der vier Empfehlungen ausprobiert. Wir sollten schonmal hier gewesen sein, unsere Erinnerungen sind jedoch so unterschiedlich, daß es sogar in zwei verschiedenen Ortschaften gewesen sein müsste. Auch das L’Fana ist nicht schlecht, dennoch bleibt unser Favorit. Zumal wir für morgen eh reserviert haben wegen dem Fritto Misto.

  1. der übrigens in der Gegend einiges drin hat []
  2. geht ja abends wegen der Temperaturen schlecht []
  3. statt Abendessen bis Mittagessen halt Mittagessen bis Frühstück []

Boéseekofel

Nachtrag vom 09.09.2020 21:00 Uhr

Heute sollte es etwas sportlicher werden. Fordern und fördern für Annette sozusagen. Wobei der gesicherte Steig zum Boéseekofel nicht lang ist und die größte Herausforderung eine 10m hohe Wand, die man wie auf einer Leiter auf Eisentritten hoch geht. Wobei bis zuletzt auch eine Tour zum Piz Boé als Alternative bereit lag. Länger, mehr Höhenmeter, aber technisch einfacher.

Ich hatte jedoch eh die Faulenzervariante eingeplant, da Annette nicht gerne bergab geht. Heißt Boé-Kabinenlift hoch, den Vallon-Sessellift auch und beide wieder runter statt zu ersterem zu laufen. Macht übrigens für zwei Personen knapp 50€1, ganz ordentlicher Eintritt für die Bergwelt… Und da wir das Klettersteiggeraffel eh mit hoch genommen hatten, wurde es auch die gesicherte Tour. Und die kürzere, denn wirklich zeitig waren wir auch nicht.

Erste Überraschung war dann eine recht große Ansammlung uniformierter Italiener. Wohl eine Übung, es wurde reichlich in verschiedenen Routen geklettert und später übte (?2) man auch mit dem die ganze Zeit rumknatternden Heli auch eine Bergung. Einer lief in einer alten Uniform, geschätzt von vor 100 und mehr Jahren rum, einige liefen nebenbei in der Mittagspause mal eben zu “unserem” Gipfel hoch, die Wand wurde mit großen Boxen und Durchsagen beschallt; man hatte ingesamt wohl recht viel Spaß dabei. Was auch die meist getragenen Flecktarnuniformen irgendwie unwirksam machte: Auch wenn man sie nicht sah, man konnte sie von Weitem hören…

Der gesicherte Teil war dann nicht wirklich schlimm. Einzig die “Mutprobe” einer zehn Meter hohen Wand, die mittels Eisenbügel überwunden wird und so auch im Wanderführer beschrieben ist. Nicht vorgewarnt wird jedoch davor, daß die oberen drei Bügel um einen halben Meter zur Seite versetzt sind. Aufwärts kein Problem, abwärts doof, wenn frau nicht nach unten sehen will und die Bügel ertasten muß. Auch kurz vorm Gipfel wird es etwas kniffelig. Wohl wissend, daß dieser quasi senkrecht zum Mittagstal hin abfällt, will man der Kante nicht zu nahe kommen. Besonders, wenn man Höhenangst hat. Doch es fand sich ein Plätzchen quasi wie hinter einer Brüstungsmauer, von wo aus sich die Aussicht genießen ließ. Und der Gipfel ist etwas zurückversetzt, so daß das Fotografieren am Gipfelkreuz auch kein Problem war.

Beim Abstieg ließen wir uns entsprechend Zeit, wohl wissend, daß wir nur bis zur oberen Bahn müssen. Aber selbst beim Bahnfahren sind die Aussichten spektakulär. Die Suche nach einem Blumenladen verlief leider erfolglos und wir trösteten uns mit Kaffee und Kuchen im Garten der Villa Alba. Essenstechnisch haben wir und weiter der Unterkunft genähert und das La Ciano getestet. Auch ok, aber das La Bercia von gestern bleibt unser Favorit. Und für genügend Bettschwere reicht es dann doch schon wieder.

  1. ohne Anrechnung der 5€ Parkgebühren vor der Talstation []
  2. hoffentlich []

Und zurück

… aus dem schönen Südtirol. Musste ja mal wieder sein. Gestern Abend hatten wir nicht mehr richtig Lust auf Packen, schafften es aber locker zwischen dem gewohnt frühen Aufwachen und dem Frühstücksbeginn. Eben dieses war wieder gewohnt lecker und reichhaltig. Dann hieß es auch schon Abschied nehmen vom Villa Alba.

Talabwärts gen Norden griffen wir in Zwischenwasser noch Mitbringsel ab und stellten fest, daß alle Tankstellen bis zur Autobahn auf der falschen Straßenseite sind. Riskieren wollten wir da nichts, der Verkehr lief in unsere Richtung prächtig und staute sich mal wieder in der Gegenrichtung. Und schließlich meckerte die Reifendruckkontrolle des Mazda nur verhalten. Erste Raststätte mit Tanke: Kein Luftdruckgerät sichtbar. Dafür aber ein WC-Container mit schönem Spruch: Benutzung kostenlos, das schönste Trinkgeld ist, daß Sie diesen Ort in einem ordentlichen Zustand zurücklassen. Gerne doch.

An der Mautstelle staute es sich wieder erheblich. Irgendwie wird an keiner Spur auch mehr angezeigt, daß man mit Karte zahlen könne. Dafür gab es diesmal Personal und am Fenster diverse Kreditkartenaufkleber. Wir hatten jedoch unser Kleingeld nun schon griffbereit. Direkt dahinter war ein Autohof ausgeschildert, der jedoch so verwirrend befahren wird, daß das Garmin mehrfach meckerte, wir würden entgegen der Fahrtrichtung auf der Autobahn unterwegs sein. An der Tanke wieder kein Schlauch oder abnehmbares Teil für Druckluft zu finden, aber Zapfpunkte konnte ich sehen. Also rein ins Häuschen und gefragt. Signore sprach weder Deutsch noch Englisch und ich stellte wieder fest, daß ich beim Versuch, in Italien zu kommunizieren, dann ins Französische verfalle. Muß an Aosta liegen1. Nachdem ich auch gemerkt habe, daß Signore zwar den Schlauch rausgebracht und eingesteckt, nicht jedoch den Absperrhahn geöffnet hatte, klappte das auch mit der Druckluft. Merken: Der Mazda braucht bei voller Beladung auch mehr Druck. Steht so im Türrahmen. Das angebotene Trinkgeld lehnte Signore ab und grinste eher anerkennend. Ob das mit dem Absperrhahn doch kein Versehen war?

Brenner dann soweit ereignislos. Lustig wurde es erst wieder am Fernpass. Oben an der Tanke wollten wir Volltanken. Zwei grüne Parkplätze davor hatte ich noch passiert, denn ich wollte dann doch lieber das WC2 an der Raststätte nutzen. Deshalb auch kurz auf den kleinen Parkplatz vor den langen Schlangen der Tanke gefahren. An der Tanke hingen jedoch große gelbe Schilder “Keine Toilette!”. Ok, dann halt gegenüber, obwohl ich das Überqueren der Straße sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß vermeiden wollte. Für 50ct am Drehkreuz eingeworfen gab es dann ein schäbbiges WC. Zurück am Auto wurde ich dumm angemacht, ich solle doch drüben Parken, wenn ich eh dort hin will. Machte ich dann auch und beschloß, an jener Tankstelle kein Geld mehr auszugeben. Der Schlange nach hatten die ja genug Kundschaft, da braucht es keine Umgangsformen. Annette wollte dann eh noch Käse kaufen, wobei sie ihren WC-Bon einlöste und ich griff mir aus dem selben Grund noch eine Cola. Der herzhaft hinterm Tresen niesende Typ ohne MNS lies mich das noch kurz überdenken, zumal man nur Cash3 sehen wollte und mir es vorm angegrabbelten Wechselgeld graute. Nicht gerade gastfreundlich dieses Österreich und die Hygiene kommt auch zu kurz4.

Pech mit der Gastfreundschaft hatten wir dann auch am Weissensee. Kurz nach 14 Uhr liefen wir an der Steigmühle auf und wollten Essen. Vorher telefonisch reservieren scheiterte an dem Anrufbeantworter, der ausgelastetes Personal als Grund für seinen Einsatz vermutete. Vor Ort erfuhren wir, daß durchgehend geöffnet nicht durchgehend warme Küche heißt, wir waren wohl sonst schon früher dort. Und die Tische waren eh gut gefüllt. Schade um die 20 Minuten Umweg.

Beide Navis – Google Maps und das Garmin zumo mit Verkehrsinfos – waren sich wieder einig, daß man durch Ulm fahren soll. Und dahinter nicht wieder zurück auf die A8 wegen Stau. So juckelten wir durch ein paar Dörfer, die allesamt wegen Lärmschutz auf Tempo 30 gedrosselt waren. Und alle Schilder waren so provisorischen aufgestellt, daß man unterstellen könnte, daß sie nur bei Stau auf der Bahn schnell hervorgeholt werden. Ansonsten ist man im Dorf ja unter sich und will vorankommen.

An der nächsten Autobahnauffahrt waren die Geräte sich uneinig. Wir entschieden uns für die Autobahn statt weiter daneben her zu juckeln. Volltreffer. Der Stau endete direkt vor der Auffahrt in einer Vollsperrung5. Wir sahen nur noch Blinklichter und hatten sprichwörtlich freie Bahn. Inklusive einem Drackensteiner Hang, den ich so noch nie erlebt habe. Selbst um Stuttgart und bei Pforzheim war dank dem fehlenden Nachschub aus dem Süden kein wirklicher Stau zu finden.

So waren wir dann kurz vor 18 Uhr daheim, luden das Wichtigste aus, warfen die erste Ladung in die Waschmaschine und fuhren direkt wieder los, um keine Stunde später beim Thai im Biergarten zu sitzen. Denn das Konzept “selbstgemachtes Abendessen” war uns doch inzwischen fremd…

Nun sind wir satt und müde, wie im Urlaub. Zweite Waschladung ist für morgen früh eingerichtet und ich wette, daheim schläft es sich so auch erholsam.

  1. Für die, die es hier nicht mitbekommen haben: Aosta gehört zu Italien, Französisch ist aber quasi zweite Amtssprache []
  2. ja, mein Dauerthema []
  3. O-Ton []
  4. Kanzlerwortspiel beabsichtigt []
  5. oder begann dort, wie man es sieht []

Einkaufstour und ein Spaziergang

Mit Annettes Schuhen konnten wir uns nicht mehr auf einen Berg wagen. Glücklicherweise sind hier in der Gegend die Läden auch sonntags offen, wenn auch in der auslaufenden Saison nur noch vormittags. Das reichte, um sich nach etwas hin und her für ein paar leichte, aber robuste Scarpa zu entscheiden. Klettersteighandschuhe fanden sich auch gleich noch zu einem guten Preis, sogar in einer zu den Stiefeln passenden Farbe. Die Annette nicht genommen hätte, hätte sie eine Wahl gehabt. Dafür gab es nicht nur 20% Rabatt auf alles wegen Saisonende, sondern auch noch eine Handvoll Fußpflegeprodukte, die sich wohl in der Saison nicht verkauft hatten und deren Preisschilder sich auf 40€ summierten, so obendrauf. Nett.

So machten wir uns dann in der besten Mittagszeit auf zum Sellajoch. An einem Sonntag, auf die Idee muß man freiwillig erst mal kommen. Doch es ging, auch auf den mittlerweile sehr professionell bewirtschafteten Parkplätzen fand sich noch ein Fleckchen. Wobei kostenfrei entlang der Straße sehr wild und weiträumig geparkt wurde. Sonntag bei bestem Wetter, war abzusehen.

Wir liefen dann gegen den Uhrzeigersinn um den Langkofel. Soweit wir in der halben Zeit kommen, dann umdrehen. So er Plan. Zuletzt waren wir immer per Seilbahn von Wolkenstein gekommen und hatten so die Steinerne Stadt verpasst. Wie auch heute im ersten Anlauf, als wir zu weit oberhalb unterwegs waren.

Gedreht haben wir dann erst an der Stelle, an der wir uns bisher traditionell verliefen. Mittlerweile steht dort ein sehr auffälliger Wegweiser. Wie ich schon immer sagte, die vielen Wegspuren zurück zum Wanderweg machen deutlich, daß nicht nur wir zu blöd waren.

Auf dem Rückweg dann dir richtige Abzweigung zur Steinernen Stadt. Nach einem kurzen Wegstück fragten uns zwei Mountainbiker, die ich oberhalb schon an der letzten Hütte gesehen hatte, ob das der Weg zum Sella wäre. Konnte ich bejahen, wir wollten ja auch hin. Kaum waren sie auf noch gutem Weg entschwunden fragte ich mich jedoch, wie gut man mit dem Rad durch die Steinerne Stadt kommt. Antwort: Absolut beschissen, insbesondere wenn man Fahrradschuhe mit glatter Sohle und Klickpedalanschluß trägt. Tiefe Reifenspuren zwischendurch zeugen aber auch davon, daß andere da geradelt sind, wo die beiden fluchend geschoben haben. Verbuchen wir das unter “nimm besser eine Karte mit” und “frag nicht den Wanderer nach dem Radweg”.

Spät genug waren wir dann dran, daß es zum Duschen nicht mehr gereicht hätte und liefen so ungeduscht, aber auch unverschwitzt im La Bercia auf. Zwei lecker Pizzen, gemischter Salat. Bier war alle. Trödeln beim Duschen und Zubettgehen samt Anrufen in der Heimat. Annettes Schuhe haben sich bewährt, morgen folgt noch eine letzte Großtat.

Triple!

Wir sind ja nicht der FC Bayern München, wir kriegen das hin. Auch wenn es einer sturen Frau bedurfte.

Im Grunde ging es darum, wieder einmal den Sassongher zu besteigen, eine unserer Lieblingstouren in Südtirol. Zwei Gründe gab es, unsere Normalroute mal zu verlassen. Zum einen wollte ich schon eh und je auch mal wieder eine andere Variante probieren, zum anderen sehnt es Annette immer wieder nach dem Gipfelkreuz gegenüber. Auf dem 5er Weg laufen wir immer wieder drunter weg und von Stern aus gesehen ist es sehr prominent auf der anderen Talseite dem Sassongher gegenüber zu sehen. Para da Giai sollte der Name des Gipfels sein. Und ob der Gipfelabstecher zum Sassongher noch drin ist, sollte sich zeigen.

Recht spät kamen wir los, da wir zwar pünktlich um halb acht beim Frühstück sitzen, aber manche doch deutlich länger als eine halbe Stunde benötigen, speziell wenn andere Gäste zum Plaudern dazustoßen. So viel zum Konzept “Aufbruch mit der ersten Seilbahn”. Gegen zehn standen wir an der Bergstation der Gherdenaccia-Bahn und liefen los zur gleichnamigen Hütte.Letztes Jahr hatten wir die Alternativroute getestet und deshalb vom neuen Klettersteig Les Cordes nur seine Eröffnung, nicht aber seine Auswirkung mitbekommen. Da er direkt durch die Wand über dem Wanderweg führt, gibt es zwei Stationen, an denen der Wanderer sich einen Bauhelm nehmen und 50m weiter wieder abgeben kann. Steinschlaggefahr…

An der Hütte waren wir fast in der Zeit und zweigten an der üblichen Stelle dieses Mal mit Absicht Richtung Puezhütte ab1 um uns kurz darauf wieder links zu halten. Prinzipiell über die Hochfläche zur Gherdenaccia-Scharte mit ausgeschildertem Abstecher zum Para da Giai. Mit einer kleinen Klettereinlage am Drahtseil erreichten wir das große Gipfelkreuz. Um festzustellen, daß der benachbarte Gipfel höher ist und das Kreuz nicht am Gipfel steht, sondern an der Kante halt so, daß man es vom Tal gut sehen kann. Hier geht es weniger um Geographie als um Glauben und Kult beziehungsweise Tradition.

Ein unmarkierter Weg soll zurück zum Wanderweg führen ohne Klettereinlage. Von dem driften wir jedoch wieder nach links zum nächsten Gipfel. Es gibt gelegentliche Markierungen und ausreichend viele Steinmännchen, auch ist die Wegspur meist gut zu erkennen. An diesem Gipfel, hier sagt die Karte dann auch, es wäre der Para da Giai, steht ein einfaches, improvisiertes Kreuz aus zwei Ästen. Schöne Aussicht auch hier, aber wir ziehen weiter. Der Pfad zurück zum Wanderweg ist mit Steinmännchen halbwegs und gelegentlich mit verwitterterter Farbe markiert. Kurz frage ich mich, wie sich das gerade verhält im Bezug auf “Naturschutzgebiet” und “Wege nicht verlassen”. Ist das ein Weg? Zusammen mit dem GPS finden wir dann wieder in die Spur, steigen erst in die Gherdenaccia-Scharte auf, wieder ab und in eine namenlose (?) Scharte auf. Mehr Höhenmeter, als Karte und elektronische Planung erkennen ließen. Der Tag zog sich langsam.

Oben vor dem langen Abstieg zur Wegkreuzung unterhalb der Sassongherscharte zeigte ich Annette meine Uhr. 877 Höhenmeter, nur noch 3 bis zu dem gestrigen Rekord. Ich sah uns schon von der Abzweigung zurück zur Hütte gehen, damit Annette die Sonnenliege und ich ein Bier genießen können. So war der Plan, als wir sie passierten.

Doch weit gefehlt, die Frau mobilisierte irgendwelche schlummernden Reserven und stieg aufwärts. Plan B, win another day, dachte ich. Von dort runter ins Edelweisstal, mit dem Bus zurück und morgen von dort aus wieder hoch, Gipfel besteigen und zurück zum Lift, für den wir ja noch ein Ticket für die Talfahrt hatten. Wieder geirrt. Obwohl die Summe der angegebenen Gehzeiten ziemlich genau der Restzeit bis zur letzten Bahn ergab, zog es die sture Frau zum Gipfel. Mitten in einem Stimmungs- und Konditionstief hechelte ich hinterher.

Oben am Gipfel noch kurzer Knatsch, daß die hart erarbeiteten Beweisfotos auch ja richtig gemacht werden und das bitte auch noch schnell, wir haben ja Zeitdruck. Beim Abstieg zeigte ich mich als beweglicher als meine Hose, bei der folglich im Schritt eine Naht aufging. Bei Annettes Schuhen entdeckten wir, daß die Sohlen sich teilweise ablösen. Weia.

Talwärts ging dann plötzlich doch alles ganz schnell und in Topzeit passierten wir die Hütte, nahmen den angeblich flacheren, aber etwas weiteren Weg mit angeblich gleicher Gehzeit runter zur Liftstation und kamen tatsächlich mit zehn Minuten Reserve an. Respekt, daß Zwergenbeinchen so schnell tragen! 😉 Kurz vor der Talstation kamen uns dann schon die erüsten zugeklappten Sessel entgegen, ein Zeichen für den Betriebsschluss. Meine Uhr vermeldete da dann insgesamt 1228 Höhenmeter. Irre!

Kurzer Abstecher in die Unterkunft zum Duschen und dann wieder ins La Bercia. Wasser und Bier, Tagliatelle mit Wildragout und Pizza, fertig. Immerhin waren wir viertel vor Acht schon wieder zurück. Mit dem Auto, frau wollte dann doch nicht mehr gehen.

  1. wir laufen da sonst immer einige Meter falsch, weil wir eigentlich den anderen Weg nehmen []

Crespeïna-Joch noch mal anders

Nachtrag vom 08.09.2020 21:00 Uhr

Das Crespeïna-Joch ist ein alter Klassiker. Schon bei unserem ersten Aufenthalt vor ziemlich genau 15 Jahren (Ups!) sind wir die Tour gegangen, damals natürlich streng nach Wanderführer. Zwischendurch gab es mal eine Abwandlung hin und zurück zum Sas Ciampiac (?), da der lange Rückweg durchs richtig benannte Langental nicht so unser Ding ist.

Pünktlich zum Frühstücksbeginn um halb acht futterten wir los und schauten ungläubig auf eine Nebelwand. Schönes Wetter, soso… Sollte aber in der Höhe besser werden, sagte man. Tatsächlich durchstießen wir auf der Paßstraße hoch fast die Wolken. Oben war dann dunstig, aber die Sonne schon zu spüren. Samt schöner Aussicht auf das Wolkenmeer in den Tälern.

Auch heute wieder Parken am Grödnerjoch für die ortsüblichen 5€ Tagespauschale. Die Fahrt mit der Seilbahn von Wolkenstein aus lohnt ja nur, wenn man durchs Langental wieder zurück kommt. Ab der Jimmy-Hütte übers Cierjoch und eben das Crespeïnajoch dann bis zum Cianpeijoch wie eh und jeh. Da dann aber der Abstieg Richtung Edelweisstal. Oberhlab der Edelweisshütte und der neu gebauten Liftstation dann quer zum Höhenweg Richtung Grödnerjoch. Anfangs rumpelig und mit viel Auf und Ab, dann mal Fahrweg und abschließend schöner Wanderpfad, aber immer wieder mit kleinen Anstiegen. Spätestens ab der Forcella-Hütte kannten wir das schon von einer kleinen Wanderung beim letzten Aufenthalt, daher auch die Idee für diese Variante. Aussicht gab es auch da reichlich und weniger Abstieg als im Langental war es allemal. Für uns eindeutig die schönere Variante und man fragt sich manchmal, ob die Wanderführerautoren von den Liftbetreibern geschmiert werden. Aber ok, wenn man eh in Wolkenstein wohnt, ist die Liftvariante durchaus zu bevorzugen. Und Hütteneinkehr gibt es auf unserer Tour auch kaum und wenn, dann zur Unzeit.

Abends dann das nächste Restaurant auf unserer ToDo-Liste, das La Bercia. Fisch soll es da geben laut deren Webseite, die aber keine Speisekarte preis gibt. Leider gab es den nicht, dafür eine noch leckerere Pizza für mich und für Annette die Aussicht auf Fritto Misto am Freitag. Wir haben direkt reserviert. Trotz bestem Wetter waren wir mit dem Auto in den Ort gefahren, denn die heutige Wanderung ging doch etwas in die Beine.

La Villa / Stern

Nachtrag vom 07.09.2020 21:00 Uhr

Anders als gestern klappte es heute verkehrstechnisch deutlich besser. Klar, mal ein LKW am Fernpaß und Baustellen am Brenner, aber Stau wäre dafür ein viel zu großes Wort. Mal kurz zäh. Am zähesten noch im Pustertal, wobei da der Gegenverkehr in den Genuß vom 11 Kilometern waschechten Staus kam. Und lahmarschige Flachlandtiroler auf Bergstraßen wie dem letzten Stück im Gadertal zählen eh nicht. Lediglich an der Mautstelle hinterm Brenner gab es mal eine erwähnenswerte Verzögerung. Irgendwie war wie gestern auch das Konzept “Zwischenstop und Pause” ausgefallen. Es gab ja eine lange Pause über Nacht. Dementsprechend waren wir kurz nach Mittag schon am Ziel.

Entgegen meiner Befürchtung war nicht nur jemand da, um uns zu empfangen, sondern unser Zimmer schon bezugsbereit. Ich hatte ja bestenfalls mit Gepäck abwerfen gerechnet. Wobei der Wanderrucksack mit dem Gepäck für eine Übernachtung bestückt war und die Wandersachen in der Reisetasche, da hätte man komplett umräumen müssen. Das Zimmer erwies sich als sehr geräumig und es zeigte sich, daß wir in der Tat die kleinere der beiden Suiten bekommen haben. Da habe ich ob der Preisverhandlungen im Vorfeld schon ein schlechtes Gewissen!

Doch die Beine sollten noch etwas gelockert werden, also gab es eine kleine Wanderung zum Sompuntsee. Eher ein Tümpel, aber mit zwei Schwänen und Forellen. Leider mit zwei Hotelrestaurants ziemlich verbaut. Um nicht all zu früh zurück zu sein, planten wir für den Rückweg einen Schlenker über die Sponata-Hütte. Doch die knackigen Steigungen, es sollte immerhin bis fast zur Höhe der Bergstation des Gherdenaccia-Lifts gehen, ließen uns dann über eine Schotterpiste1 unterhalb abkürzen. Nicht gleich am ersten Tag das Pulver verschießen, wir haben noch mehr vor. Immerhin hielt das Wetter.

Der Regen prasselte dann, während wir beim Abendessen saßen. Immerhin mussten wir ja auch wieder zurück, denn anders als im Stella gibt es im Villa Alba keine Halbpension und so müssen wir jeden Abend auswärts essen. Heute fiel die Wahl auf das La Tor. Interessanterweise hatten wir dort auch zuletzt in Stern gegessen bevor wir Elsas Küche für uns entdeckten. Ich hatte mir sogar eine Pizza gegönnt, da die Milchproduktvermeidung in diesem Urlaub eh schon wieder gescheitert war. Leckerer Teig, jedoch war das Gemüse des Belags etwas grob geschnitten2 und somit nur knapp gar.

Morgen soll das Wetter endgültig aufgehen und dementsprechend groß sind unsere Pläne. Bettzeit!

  1. MTB-Trail? []
  2. wahrscheinlich das mise en place fürs Grillgemüse []

Weissensee

Nachtrag vom 06.09.2020 22:00 Uhr

Auf nach Südtirol! So der Plan, um pandemiebedingt nicht auch öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein. Dieses Mal mit Schwerpunkt Wandern, also mit dem Auto und dem halben Hausstand anreisen. Wie sich zeigen wird, sind doch die wesentlichen und kleinen Teile daheim geblieben.

Weissensee deshalb, weil wir einen neuen Plan hatten. Statt irgendwann am Sonntagmittag am Fernpass im Stau zu stehen und um am Montag den LKW-Verkehr auf der Autobahn zu vermeiden, wollen wir in zwei Etappen anreisen. Das hatten wir schonmal gemacht, allerdings ging es damals an Südtirol vorbei in die Toskana. Kleiner Nachteil an en Unterkünften “direkt vorm Loch”1 ist, daß die Königsschlösser in der Nähe und das Preisniveau entsprechend hoch ist. Da kann man noch mal nachbessern.

Das mit der staufreien Autobahn war schonmal ein frommer Wunsch. Bereits vor Ulm wurden wir durch Ulm statt um Ulm herum gelotst, so dicht war dort wohl die Bahn. Und ab da immer wieder Staus aus dem nichts. Die Gegenrichtung traf es erwartungsgemäß härter, da war Urlaubsrückreisewelle. Zeitig losgekommen waren wir eh nicht, da am Ziel Regen angesagt und der Besuch im Klettergarten somit hinfällig war. Nun, vielleicht hätten wir einiges an Stau vermeiden können und der Regen setzte erst später ein.

Am Ziel dann eine kleine Enttäuschung: Restaurant Steigmühle(nstube) und Pension Steigmühle sind zwei verschiedene Betriebe in zwei benachbarten Gebäuden. Daß der Besitzer der selbe ist und das Restaurant verpachtet ist da nebensächlich. Unser Hinweis, daß wir schon öfter zum Essen da waren und uns wieder drauf freuen, wurde kommentarlos ignoriert. Dank zügiger Reaktion beim Einchecken bekamen wir den letzten freien Tisch des Abends.

Doch bis dahin sollte es noch einen Spaziergang um den Weissensee geben. Wir starteten dieses Mal nicht an der Straße lang, sondern am gegenüberliegenden Ufer und wurden überrascht, wie nah die Felswand ans Wasser reicht. Und vom Regen, besser gesagt seiner Intensität. Auch wurde die Zeit knapp und wir drehten um.

Abendessen war wie erwartet lecker und jetzt geht es ins Bettchen. Für morgen früh haben wir die erste Schicht beim Frühstück ab halb acht gebucht.

  1. O-Ton Annette []

Kurzer Zwischenstand aus Südtirol

Annette braucht mal wieder länger beim Frühstück, da ist das die Gelegenheit. Tatsächlich bin ich abends nach dem Essen nicht mehr lange genug wach, um über die Planung für den nächsten Tag hinaus auch noch zu schreiben.

Kurz und gut, es läuft. Wetter passt, eine lange und eine knifflige Wanderung ist absolviert. Die Spätsommersonne hat in der Höhe noch gut Kraft. Trotz Sonnencreme kurz vorm Garpunkt, das gibt noch mal ordentlich Farbe an den Armen und Waden. Mehr Details in den Berichten, die nach und nach nachgeliefert werden.

Fahrradbasteltag

Mir hatte es vor den anstehenden Arbeiten gegraut, weshalb ich im Februar die vorderen Zahnräder nicht getauscht hatte. Dabei ist das dann doch ein Klacks verglichen mit dem Aufwand, den ich hinten betrieben hatte. Da hatte ich ja auch noch gleich die Radlager auseinander genommen, gesäubert, neu gefettet und eingestellt. Mordsaufwand.

Erschwernis heute: Dank viel Altpapier im Zählerraum1 und recht leerem Fahrradraum bastelte ich halt in letzterem, der aber komplett am anderen Ende des Ganges liegt. Da läuft man mal ein paar Meter. Merken: Werkzeugwagen endlich mal aus der Pfalz holen bzw. erst mal im Keller Platz dafür schaffen. Dafür gabs gute Lüftung. Die Schrauben der Kurbelgarnitur wehrten sich erst mal ordentlich, gingen mit etwas Kraft aber auf. Hoffentlich hilft die Montagepaste beim nächsten Demontieren. Hier kurz eine Erklärung für die nicht-Fahrradschraubenden: Die Hebel der Pedale2 werden auf einen leicht konischen Vierkant gesteckt. Eine Schraube drückt diese beim Anziehen dann so weit auf den Vierkant, daß das ordentlich klemmt. Dementsprechend braucht es bei der Demontage eine Abdrückschraube. Auch hier anfänglicher hoher Widerstand, aber lösbar. Die vorderen Zahnräder waren tatsächlich in einem erbärmlichen Zustand, einem Mix aus verschlissen und “mach ich nicht mehr sauber, kommen eh bald raus”. Und mir fiel auf, daß ich bei der neuen Kurbelgarnitur 5mm längere Hebel geordert hatte. Zwischenzeitlich vergessen, dabei war ich doch gespannt, wie sich das auswirkt.

Übrigens war eine Demontage des Kettenschutzes völlig überflüssig. Pedale weg, Abdeckkappen raushebeln, Schrauben raus, Abdrücken, Reinigen und Schmieren, neue Teile dransetzen, neue Schrauben3 anziehen und Pedale wieder anschrauben. Stück Kuchen, wie der Angelsachse sagt. Das alles mit dem Fahrrad umgedreht auf dem Boden. Das Schaltwerk verlangte dann nach dem Montageständer und etwas Lauferei. Die Einstellung war erschreckend. Schraube gelöst, Umwerfer wieder so gedreht, daß er mit den Zahnräder in einer Flucht läuft, Schraube angezogen, alle Gänge mal durchgeschaltet und festgestellt, daß es keinen weiteren Handlungsbedarf mehr gibt. Schaltete sich schon lange nicht mehr so butterweich.

Dann kam noch das Tern schnell ran. Da lief die Schaltung auch nicht mehr ganz so cremig. Motorradkettenfett aus der Tube ist am Fahrrad großer Mist. Verhärtet wie eine Kunststoffbeschichtung. Zahnräder und Kette hatte ich schon bearbeitet gehabt, heute fielen mir die Schaltröllchen auf. Da musste ich noch bei, bevor das Justieren Sinn hat. Mir wurde schon Bange, daß einzelne Zähne abgebrochen wären. Dann merkte ich, daß das die Originalform ist und die Spitzen der anderen Zähne purer Kettenfettdreck. Nach dem Ptzen lief die Schaltung schon besser, nach wenigen Drehunngen am Einsteller praktisch perfekt.

Probefahrt gabs fürs große Rad dann in Form einer Einkaufstour. Alles wunderbar. Die Knarzgeräusche stammen übrigens nicht vom unauffälligen Tretlager, sondern von der einfachen Sattelfederung. Wenn ich mich jetzt noch bei der Gabel mal bemühen würde…

  1. der unserem Kellerkabuff am nächsten gelegene Gemeinschaftsraum, den ich gerne als temporäre Werkstatt nutze []
  2. mal vereinfacht benannt []
  3. mit integrierter Abdeckkappe []