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Wie die Basler Fasnacht…

… komme ich mal wieder hinterher. Aber ich bin mir meiner Wirkung bewusst und daß dieses Blog auch ansonsten weniger netzaktive Personen erreicht. Gerade und speziell für die ist der Beitrag. Der Rest darf sich an den Kalauern erfreuen.

Worum es geht? Um unsere praktische Familienministerin. Praktisch deshalb, denn wenn man grad mal keine schlechte Idee zur Hand hat, kann man sich eine von der leihen. Aktuell hoch im Kurs: Internetsperren gegen Kindesmißbrauch. Kurz zusammengefasst wird gefordert, bestimmte eindeutige Seiten beim Internetzugangsanbieter so zu sperren, daß man sich die in Deutschland nicht mehr ansehen kann. Klingt nach einer Superidee. Muß ja auch ganz doll gut gemeint sein, weil sie kommt ja von der lieben Familienulla und nicht vom bösen Schäuble. Denkt man zumindest, genaues weiß man nicht.

Wo ist also der Haken? DER Haken? Die Sache hat mehr Haken als die Langleine eines Thunfischfängers. Zuallererst bringt das ganze ganz und gar nichts. Der gepflegte Kinderpornogucker von nebenan verfügt nach derzeitigem Kenntnisstand über das Wissen, um diese Sperre locker zum umgehen. Aber warum so viel Aufhebens um ein Gesetz, daß sowieso für die Katz zu sein scheint? Ganz einfach – die Methoden zur Sperrung könnten im Laufe der Zeit verbessert werden und wie man genau den deutschen Nutzer am Aufruf bestimmter Seiten hindert, steht nicht im Gesetz und kann ganz beiläufig am Parlament vorbei festgelegt werden. Klingt super. Ist es eigentlich auch. Bis zu dem Punkt, wo man sich fragt, welche Seite genau gesperrt werden sollen.

Und genau hier liegt der Hund begraben. Kinderpornoseiten laienhaft sperren und dann die Liste der Seiten veröffentlichen ist ein Schuß, der nicht in den Ofen, sondern völlig nach hinten losgeht. Also darf das BKA als Listersteller diese geheimhalten. Und schon darf man sich fragen, was da mal eben nebenbei mit zensiert (ja, endlich fällt mal das Wort, daß des Pudels Kern beschreibt) wird.

Stellt euch einen Zeitschriftenkiosk vor. Aus dem verschwinden dann unter der Theke die Schmuddelheftchen. Kein Problem, merkt eh kaum einer. Dann fehlt das Yps-Heftchen mit dem tollen Vulkanexperiment, dessen Funktionsweise im großen Stil auch als Brandbombe genutzt werden könnte. Weitere Ausgaben des Hefts finden sich auch nicht mehr in der Auslage. Irgendwann fehlt der Playboy, dann die c’t (staatsbedrohende Tips zur Umgehung der Internetsperre!), dann die taz, irgenwann auch Stern und Spiegel und irgendwann fragt man sich, warum man für einen Stapel BILD-Zeitungen so einen Kiosk überhaupt braucht. Klar, Intelektuelle und andere Informationsinteressierte werden sich die Zeitschriften weiterhin von Freunden aus dem Ausland zuschicken lassen bzw. es werden sich Dienste etablieren, um solch ein Abo aus dem Ausland anzubieten. Da brauchts den Kiosk nicht.

Nur, die breite Masse liest die BILD aus dem Kiosk. Oder die ComputerBILD. Oder zur Abwechslung (weil immer nur BILD ja blöd machen könnte) so Neuerscheinungen wie den Völkischen Beobachter, den Stürmer oder ähnliches. Und merkt nicht, wie sie verarscht und manipuliert wird. Genau deshalb muß man nun einfach auf diesen Link klicken, sich anmelden und mit unterschreiben. Wer jetzt dermaßen sensibilisiert an Datenschutz denkt: Der Betreiber dieser Webseite hat die längst. Und Dir eine schicke laminierte Karte mit der Übersicht der wichtigsten Daten zugeschickt, überschrieben mit „Personalausweis“. Und es reicht, nur die Felder mit dem Sternchen auszufüllen.

So, machen! Jetzt!

Nachtrag: Ich finde, hier ist das auch sehr gut erklärt.

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1 comment to Wie die Basler Fasnacht…

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