Oktober 2009
M D M D F S S
« Sep   Nov »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Archive

Kategorien

Schottlandnachlese: Essen (und Trinken)

Vergesst alles Negative, was ihr über die Insel und speziell ihren wilden Norden in dieser Hinsicht gehört habt. In Schottland muß man nicht verhungern! Haggis und Blackpudding sind zwar allgegenwärtiger als der Saumagen in der Pfalz, man kann ihnen aber entgehen. Gehen wir doch einfach mal die Mahlzeiten eines Tages der Reihe nach durch:Frühstück

Full English Breakfast ist schon nicht jedermanns Sache und auch nicht für jeden Tag, aber das Full Scottish Breakfast1 packt da mindestens noch angebratene Scheiben von Black Pudding drauf. Aber man bekommt nicht einfach einen vollen Teller mit allem2, sondern bestellt quasi a la carte, was man mag. Gut, der Bacon ist nach wie vor kein knuspriger Frühstücksspeck amerikanischer Art, kann man weglassen. Gebackene Bohnen wurden leider viel zu selten angeboten. Ich finde sie sehr lecker zu den angebratenen Champignons und zum Rösti. Die Würstchen sind nach wie vor speziell, in Schottland mehr als vor drei Jahren in England. Die Füllung ist ok, geht vom fleischkäsigen bis zum nichtssagenden. Besonderheit ist hier die Pelle, die essbar sein soll, aber etwas knisterig erscheint, speziell wenn die Wurst geplatzt ist. In unserer ersten Unterkunft fand ich diverse Kataloge mit Jagdutensilien. Dazu gehörte auch alles zur Verarbeitung der Beute inklusive eßbaren Kunstdärmen für die Würste. Aus Maisstärke. Das ist das, woraus man auch verrottbares Einwegbesteck und Plastiktüten herstellt. Das sagt wohl alles.

Vorneweg bedient man sich an der Müsli- bzw. Cornflakesbar. Am Tisch angelangt, beantwortet man die unausweichliche Frage nach Tee oder Kaffee. Der kommt dann dampfend mit einigen (meist unterschiedlichen) Scheiben Toast auf den Tisch. Den vertilgt man mit Butter und Marmelade während man auf das zwischenzeitlich bestellte cooked Breakfast wartet. Joghurt, Obstsalat und Trockenobst stehen i.d.R. am Buffet bereit. In anderen Worten: Das Frühstück ist ein Viergängemenü. So rüstet man sich für einen Tag, ihr croissantmampfenden Lurchilutscher!

Mittagessen

Das Mittagessen darf dann gerne etwas leichter ausfallen. Klassisch sind Sandwiches, die in Supermärkten, Tankstellen und sogar Drogeriemärkten allenthalben in großer Auswahl und mit leckeren Belagkombinationen feilgeboten werden. Typischerweise gibts dazu noch einen Snack und ein Getränk, was dann gerne auch als Meal Deal, sprich „als Menü“ angeboten wird. Preise und Zielsetzungen variieren hierbei. coop macht ein wenig auf gesund und bietet im Paket nur Fruchtsäfte an, dafür sind Crisps3 fester Bestandteil. Tesco schließt auch Limos und Cola mit ein bzw. hat keine Fruchtsäfte im Meal Deal, dafür gibts aber auch kleine Tütchen mit Karottenhappen oder Obst anstelle von Crisps. Boots4 wiederum hält das zumindest am Flughafen Manchester ganz offen. Ein Sandwich, ein Getränk, ein Snack, egal was5. Ansonsten findet man in der Mittagszeit natürlich auch beim Inder nen Business Lunch, Burger oder eben die klassischen Fish’n’Chips. Die sind dort so allgegenwärtig wie bei uns die Döner. Und in so ner Butze wird auch durchaus anderes frittiert, es gibt Auswahl. Döner gibt es gelegentlich auch („Shish Kebap“), erschrak aber, als ich den Preis gesehen habe. Da hat sogar die Karlsruher Dönermafia noch Luft nach oben hin, wobei ich aber auch nicht gesehen habe, wie riesig die eventuell sind. Und Pizza darf in dem Zusammenhang auch nicht fehlen. Man erreicht also ohne Hungergefühle das

Abendessen

Hier gehts dann wieder richtig zur Sache, gerne auch mal in drei Gängen mit Vorspeise, Hauptgang und was Süßem. Auffällig war hier nichts, außer daß es fast immer sehr lecker war. Je privater und familiärer, desto besser. Ich denke da an unsere B&Bs mit Abendessen. Unsere B&B-Gastgeber haben uns auch durch die Bank bestätigt, daß sich da in den letzten Jahren einiges getan hat bzgl. Qualität und Preis, wohl auch durch verstärkte Konkurrenz. Die Zeiten, in denen man nur in der Dorfkneipe was bekam und das meist ölige Fish’n’Chips oder Burger waren, sind wohl vorbei. An der Küste gabs natürlich reichlich meist frisch angelandetes Meeresgetier. Ein Inder ist auf der Insel eigentlich immer eine Empfehlung. Die Mengen sind generell reichlich6 und die Preise reell. 12GBP (keine 14€) für drei Gänge liebevoll und lecker Daheimgekochtes? Da muß die französische Küche hier im Umland sich mal ganz bedeckt halten. Auch außer Haus mit Getränken kamen wir zu zweit immer so um die 30GBP (35€) raus, so viel günstiger isst man auch in Deutschland nicht auf diesem Niveau.

Seltsam für uns Kontinentale ist auch die Unterscheidung. Im selben Lokal hat es dann Pub, Bar und Restaurant. Letzteres ist der leere und schwer zu findende Raum, in dem es wohl hochtrabendes Essen geben soll. Die Karten lesen sich entsprechend, reell satt wird man aber bei den Bar Meals. Dort landet man eh, weil da Stimmung ist und man sich von der Aufmachung her doch im Restaurant wähnt. Außerdem ist es da nicht so weit zum Tresen, falls man doch mal mehr Durst hat. Apropos Durst:

Getränke

Neben den bekannten Softdrinks gibts auch immer wieder mal Schmankerl. Ähnlich wie in Frankreich liebt man dort lokale „handwerkliche“7 Produkte, die man gerne probieren sollte. Es sei denn, man wird leicht süchtig, dann sollte man sich solche einmaligen Gelegenheiten entgehen lassen. Bier und Wein habe ich links liegen lassen. Wein, weil einfach relativ teuer und meist für meinen Geschmack zu weit gereist. Ich hab einfach was gegen Kalifornische, Südafrikanische, Australische und Chilenische Weine. Da dürfen dann Frankreich und Italien wieder punkten, da ist der Hauswein in der offenen Karaffe meist gut und günstig. Bier ist meist was globalisiertes importiertes: Budweiser, Heiniken, Stella Artois und so. Allenfalls mal ein Becks. Alternative: Wem Ale nicht wie abgestandenes Bier vorkommt, der hat Auswahl. Nein, nicht unbedingt im selben Lokal, aber es gibt fast überall ein anderes. Sehr gut ist das sog. lokale von Ullapool, An Teallach8. Cider ist auch immer eine gute Wahl. Bie den Fruchtsäften gibt es eine Kuriosität: Appletiser (?) ist Apfelsaft aus Konzentrat, bei dem man zum Verdünnen kohlensäurehaltiges Wasser genommen hat. Anders gesagt: Sprudelt wie Apfelschorle, schmeckt aber kräftig wie purer Apfelsaft. Muß man mögen, ist recht ungewohnt.

Single Malt Whiskies nehme ich jetzt mal explizit aus, das wäre genug Material für einen eigenen Artikel oder gar ein eigenes Blog. Lest einfach die entsprechenden Einträge.

Print Friendly, PDF & Email
  1. beides vor Ort auch gern einfach „Cooked Breakfast“ genannt []
  2. außer man bestellt schlicht „Full“ []
  3. das, was man bei uns Chips nennt, Chips sind auf der Insel Pommes Frites []
  4. so ne Art dm Drogeriemarkt []
  5. solange ein „Meal Deal“-Aufkleber drauf ist []
  6. wir haben es selten zum Nachtisch geschafft []
  7. also nicht Großindustrielle []
  8. oder so ähnlich geschrieben []

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>