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Malerweg, Etappe 2

Heute brachen wir früher auf. Zum einen scheint es zur Gewohnheit zu werden, daß wir beide lange vorm Weckerklingeln hellwach sind und so die Arbeiter auf der Baustelle nebenan, die kurz vorm Klingeln mit ihrem Krach anfangen, uns gar nicht stören können. Frühstück gibt es ab 8Uhr und wir standen pünktlichst auf der Matte. Denn wenn wir statt der Fähre um 09:20Uhr die um 08:50Uhr erwischen, bringt uns das auch eine halbe Stunde früher vom Bahnhof weg Richtung Stadt Wehlen. Und da das nur eine Tarifzone entfernt liegt, reichte dafür der Rest unerer Viererkarte vom Vortag.Am Bahnhof deckten wir uns erst wieder mit dem leckeren Riesenbrötchen ein, das Annette auch gestern gekauft hatte. Und stellten dabei fest, daß es das offiziell unbelegt gar nicht gibt, aber für einen schlanken Euro bekamen wir abermals eines. Kein schlechter Tarif für den Bioladen, der dort als Bahnhofsimbiß dient. Was an sich schon sehr bemerkenswert ist.

Stadt Wehlen und Fährverbindung

Stadt Wehlen und Fährverbindung

Annette beim Sandsammeln am Strand

Annette beim Sandsammeln am Strand

Nach der zweiten Fährüberfahrt des Tages standen wir also wieder in Stadt Wehlen, bereit zum Abmarsch. Ich sagte wohl schon, daß diese Fährfahrten völlig normal und im Verbundtarif enthalten sind. Die größeren Orte liegen eben alle nördlich der Elbe, während die Bahnlinie südlich des Flusses verläuft. Auf den ersten Blick auch eine tolle Idee angesichts der vielen Güterzüge und Autotransporter voller Skodas1, aber im Elbtal hallt es dermaßen, daß man glaubt, die Züge führen auf der Nordseite durchs Nachbarhaus. Ein kleiner Minuspunkt, der der verkehrsgünstigen Lage geschuldet ist. Außerdem ging Annette einem neuen Hobby nach: Sand sammeln für eine Kollegin aus der Gegend.

Aus Stadt Wehlen raus ging es dann erst mal stetig bergauf an kleinen Aussichtspunkten übers Elbtal vorbei Zum Steinernen Tisch. So heißt nicht nur die Einkehr, sondern eben der Tisch an sich, der anno dunnemals zur Abhaltung eines Festessens anlässlich einer geklärten Grenzverlaufsfrage aufgestellt worden war. Und immer noch steht. Wenn es denn der selbe ist. Unweit gibt es übrigens einen kuriosen Baum. Da muß wohl ein Wildschwein mal auf einem kleinen Bäumchen eingeschlafen und von diesem überwuchert worden sein. Oder wie auch immer sich das erklärt.

Aufstieg aus Wehlen zum Tisch, typisch für die Gegend

Aufstieg aus Wehlen zum Tisch, typisch für die Gegend

Holzwildsau

Holzwildsau

Vor elf Uhr war auch an eine Einkehr nicht zu denken und so gingen wir weiter Richtung Bastei. Die ist kaum zu verfehlen. Wenn man erst mal über die erste Nippesbude stolpert, ist es nicht mehr weit. Dann kommt der gebührenpflichtige Parkplatz und Kutscher mit seinem Shuttlefuhrwerk vom P+R-Parkplatz weiter außerhalb. Nach dem Getümmel am Hotel ist es dann so weit: Man darf sich in das Getümmel der Bastei stürzen.

Was ein Elend. Praktisch ohne Anstrengung kann man hier herkommen zur wundervollen Aussicht. Weswegen sie so mancher holländischer Jugendlicher nicht richtig zu schätzen weiß und lieber dumm rumlabernd mit seinen Kumpels im Weg rumsteht. Zusammen mit den hochgekarrten Rentnern und wasweißich. Apropos Rentner, die Schwiegereltern wollten die Bastei von der anderen Seite her erklimmen, waren aber telefonisch nicht zu erreichen. Wir sollten uns verpassen. Nach einem Mindestmaß an Postkartenbildern machten wir uns dann an den steilen, aber gut ausgebauten Abstieg Richtung Niederrathen. Die eintrittspflichtige Burgruine ließen wir lieber aus, der Weg sollte noch lang werden und ich war von der mangelnden Ruhe angenervt. Im Urlaub kann ich einfach nur wenige Leute ertragen. Besonders hilfreich waren die die Aussagen globetrottender Rentner, daß das ganze wie ein kleiner Bryce Canyon wäre. Der steht ja für September auf unserer Liste.

Basteiaussicht 1

Basteiaussicht 1

Basteiaussicht 2

Basteiaussicht 2

Basteiaussicht 3

Basteiaussicht 3

Die Bastei darselbst (da wo die Leute stehen)

Die Bastei darselbst (da wo die Leute stehen)

Basteibrücke mit den Augen eines Fisches

Basteibrücke mit den Augen eines Fisches

Noch eine fischige Aussicht

Noch eine fischige Aussicht

Kurz vor Niederrathen und dem Zugang zur Felsenbühnezweigt der Weg ab Richtung Amselsee und an diesem entlang. Der aufgestaute Tümpel protzt zwar mit einen Bootsverleih, konnte mir aber nichts abgewinnen, Sah auch sehr tot aus, wenn man von Algen und Mikroorganismen im gammeligen Laub am Grund absieht.

Amselfallhütte

Amselfallhütte

Am Amselfall weiter oberhalb kehrten wir dann in der zugehörigen Hütte ein. Annette konnte zu der riesigen Spreewaldgurke nicht nein sagen und ich musste einfach mal ausprobieren, was Penne mit Würstchengulasch sind. Irgendwelche namentlich genannte Pasta mit irgendwelchen nicht nach Haute Cuisine klingenden Soßen werden hier allenthalben angepriesen. Das Würstchengulasch erfüllte dann die niedrigen Erwartungen: Eine anscheinend auf Ketchup basierende Soße mit Wienerscheibchen drin. Naja, immerhin bringt das Kohlehydrate. Und Radler ist auf Wanderungen nie verkehrt. Auffällig hier auch wieder die Politik, für Toiletten Gebühren zu erheben. Zumindest in die Kabinen kam man nur durch Füttern eines Automaten, die Pissoirs waren wenigstens unentgeltlich. Das war schon in den Autohöfen bei der Anfahrt aufgefallen. Und nicht immer hat man den Eindruck, daß für das Geld Personal engagiert wird, das sich dann auch im die Sauberkeit kümmert. Am Amselfall war alles ok, aber ich wollte es generell mal loswerden.

Rathewalde Ortseingang

Rathewalde Ortseingang

Unweit des Wasserfalls trifft man dann oben auf dem Sandsteinplateau auf die ersten Häuser und durchquert das unspektakuläre Rathewalde.  Etwas außerhalb verläuft der Weg dann auf freiem Feld entlang einer Straße, um bei der Hocksteinschänke endgültig schlecht beschildert sich in eine komplizierte Kreuzung zu verwurschteln. Zwei Mal Straße überqueren oder für ca. 100m an der rechten Straßenseite entlanglaufen sind die Alternativen. Schön ist anders. Oder der Weg ist nur schlecht ausgeschildert, denn die Karte weist einen kleinen Schlenker aus.

Abstieg durch die Wolfsschlucht

Abstieg durch die Wolfsschlucht

Durch den Wald kommt man dann zum Hockstein, der bequem über eine kleine Brücke erschlossen wird. Ein schöner Aussichtspunkt für einen ersten Blick auf Hohnstein und die zugehörige Burg. Doch vor diesem Etappenziel, das auf etwa gleicher Höhe liegt, ist noch die Polenz in ihrem Tal. Und so gingen wir auf Treppen erst mal steil hinab durch die Wolfsschlucht, um uns dann auf der anderen Seite des Flusses durch den Schindergraben wieder hochzuarbeiten. Der dritte Ansteig nach dem zweiten Absteig des Tages. Knackig.

Polenzbrücke

Polenzbrücke

Immer munter am Malerweg entlang, der eben nicht durch Hohnstein führt, verpassten wir auch erst einmal den Ausstieg. In Hohnstein selbst schauten wir uns ein wenig um, nachdem wir geklärt hatten, wo der Bus hält und vor allem wann. Die Burg, eigentlich auch ein Beherbergungsbetrieb ist übrigens auch eintrittspflichtig. Immerhin gibt es dort ein schönes Schild, das allen Kraftfahrzeugen außer Motorrädern die Durchfahrt verbietet.

Der privat betrieben Bus, der sog. Basteikraxler, kam dann sogar recht pünktlich. Ein altertümliches Gefährt, daß vom nicht gerade jugendlichen Fahrer versiert über die Bergsträßchen gescheucht wurde. Mit tollen Panoramafenstern. Und ohne das Rudel kleiner Kinder, die in Hohnstein ausstiegen. Auch machten wir ein kleines Schnäppchen: Hin- und Rückfahrt gibt es normal nur am selben Tag, doch der Fahrer berechnete uns nur eben diese mit dem Hinweis, daß er morgen um 9Uhr die erste Fahr ab Bad Schandau machen würde und dann bescheid wüsste. Dankeschön! Wieder ein Punkt zur Widerlegung des Gerüchts der grummeligen Sachsen!

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  1. Tschechien ist ja nur wenige Haltestellen weiter []

3 comments to Malerweg, Etappe 2

  • Hallo Peter Weller, schön zu lesen Ihr Beitrag. Freue mich schon auf die Fortsetzung. Wusste gar nicht, dass die Sachsen einen grummeligen Ruf haben. Schön dass so ein Klischee widerlegt wurde. Mir sin doch e gans lieeebes, gemietlisches Völkschn 😉
    Viele Grüße aus der Sächsischen Schweiz
    Y. Brückner

    • Das Gerücht wurde nicht zuletzt auch von netten Exilsachsen gestützt. Aber wir konnten es vor Ort schnell widerlegen. Ganz wie beschrieben.
      Aber ich bin überrascht, daß diese Seite dem Tourismusverband aufgefallen ist, wenn ich die URL richtig deute. Eine Fortsetzung wird kommen und auch eine Zusammenfassung. Speziell zum Thema „Malerweg von Bad Schandau aus“, das könnte noch interessant werden.

  • Einer der schönsten Wanderwege in Deutschland! Wir waren Ende Oktober 2016 auf dem Malerweg unterwegs. Berichte zu unseren Eindrücken findet Ihr – Etappe für Etappe – unter https://happyhiker.de/wandern/deutschland/malerweg/ – grummelige Sachsen sind nicht dabei!

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