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Antelope Canyon

21.09.2011 13:35 PDT (Arizona Time)

Frisch auf Gesellen, heute muß die Glocke werden! Oder so ähnlich. Relativ unvorbereitet gingen wir ans Werk. Und das, wo der Antelope Canyon nicht weniger war als einer der Hauptgründe, warum wir hier in den USA sind. Das Erlebnis hat sich durchaus gelohnt. Aus fotografischer Sicht muß ich sagen, daß ich glatt am Ziel vorbeigeschossen und von mir enttäuscht bin1. Annette jedoch hat mit meiner DSLR jedoch fantastische Bilder gemacht. Mit meiner DSLR? Wo sie doch so ihre Kompakte mag? Es wird Zeit, den vollständigen Text zu lesen!

Vorneweg: Wieso waren wir so unvorbereitet? Nun, es schieden sich die Geister zu sehr. Recherchierte man im Internet, so fand man Berichte über ach so tolle Führungen. Andere wussten nur von Abzocke zu erzählen. Man müsse an einer Führung teilnehmen, anders käme man nicht rein. Dann aber die Fototour, die noch mal teurer ist, aber sich mehr Zeit nimmt. Zudem würde der Guide einem die Touris aus den Bildern scheuchen. Oder doch die normale Tour, man könne nach Ende der Führung selbstständig und gemütlich zurückgehen und da fotografieren. Eine verwirrende Vielfalt an Informationen, die sich auch noch widersprachen. Immerhin waren wir entschlossen, den etwas weniger überlaufenen, weil auch etwas kraxeligeren2 Lower Antelope Canyon anzusehen. Und dann wussten Verda und Jim gestern Abend noch von einer Freundin, die die besten Führungen überhaupt macht und wollten sich für uns erkundigen, ob denn noch ein Plätzchen frei wäre.

Uff. Wir blieben bei unserem Entschluß, auf eigene Faust vor Ort zu fahren und dann zuzusehen, daß wir vor Ort etwas organisiert bekommen. Und siehe da, es war wohl die beste Lösung. Mal abgesehen davon, daß das letzte Stück zum Parkplatz eine Schotterpiste ist, die wir offziell mit dem Mietwagen nicht hätten befahren dürfen: Wozu braucht man eine Jeeptour von Page aus? Und so standen wir dann am Rande des Schotterplatzes vor einer kleinen Hütte in einer Schlange, um ein Ticket zu ergattern. D.h. ich stand von der Sonne unbeeindruckt in der Schlange, Annette hatte ein Schattenplätzchen gefunden. Neben die Hütte hatte man ein Dächlein angesetzt, damit die Gäste im Schatten auf den Beginn der nächsten Führung warten können. Der größet Teil der Schlange sprach übrigens mal wieder deutsch.

Um das Folgende verständlicher zu machen, muß ich hier etwas ausholen: Die Navajos sind wohl recht geschäftstüchtig. Was gar nicht geht, ist, daß jemand3 Kohle macht, ohne daß sie was davon haben. Im konkreten Fall heißt das, daß man Bilder vom Canyon nicht kommerziell verwerten, sprich verkaufen darf. Es sei denn, man hat sich im Vorfeld für gutes Geld bei der Reservatsverwaltung ein Permit4 gekauft.

Zwei Männer kurz vor mir in der Schlange zeigten dann die Lösung auf. Da sie, wie ich, ein Stativ am Start hatten, wollte der Ticketverkäufer die Kamera sehen. Ich sah schon vor meinem geistigen Auge, was kommen müsste: Profiwürdige Ausstattung, aber kein Permit -> Du kommschd hier ned rein! Aber ganz im Gegenteil. Freundlich wurden die Herren gefragt, ob sie nicht lieber ein Fototicket statt der geführten Tour hätten. Heißt im Detail, daß man zwar mit der Tour und ihrem Führer in den Canyon hinein und sich dort das Briefing anhören müsse, dann sich aber frei bewegen darf. Lediglich mit der Einschränkung, daß man nach zwei Stunden wieder zurück sein muß, sonst kostet es extra. Na Bingo!

Selbst an der Reihe hantierte ich auffällig mit dem Stativ und fragte beiläufig, ob es da was für Hobbyfotografen gäbe. Na klar, zeig mal Deine Kamera. Jetzt kommt die Einleitung ins Spiel: Um nicht doch als Profi eingestuft zu werden, pokerte ich tief und kramte die Alpha230 raus. Die Dynax7 ist mit Batteriegriff und dem Sigma 24-70mm F2.8 dran doch eine etwas zu beeindruckende Erscheinung. Und da ich die im Canyon wieder irgendwie los werden musste, drückte ich sie Annette in die Hand, die sich gut damit und vor allem mit dem Tamron 10-24mm drauf schlug. Die Frau hat einfach ein gutes Auge.

Aber zurück zum Ticketschalter. Eintritt und die $6 pro Nase für die Erlaubnis, überhaupt Navajoland betreten zu dürfen, entrichtet und es gab je einen Anhänger, auf dem die Zeit vermerkt war, zu der wir zurück sein müssen. Praktisch. Und wir waren gerade noch rechtzeitig, um nicht noch eine halbe Stunde warten zu müssen, sondern quasi als Nachzügler mit einer Tour in den Canyon zu kommen.

Tja, was schreibt man über den Antelope Canyon? Wie sollen Worte fassen, was Bilder schon schwer ausdrücken können? Ich beschränke mich aufs Technische für die, die selbst mal hin und womöglich auch fotografieren wollen. So überquellend voll, wie man es vom Upper Canyon liest, ist der Lower nicht. Klar, es kommt immer wieder mal eine geführte Gruppe durch. Aber die sind zügig unterwegs und nie lange im Bild. Meist war ich da eh noch am Ausrichten des Stativs. Dafür konnte man aber immer wieder vom Guide was aufschnappen. Dadurch war der Verlust der geführten Tour zugunsten des Fototickets verschmerzbar. Die Zeit reicht auch ganz gut, selbst wenn wir uns am Schluß beeilt haben. Ansonsten hätte es halt Nachschlag gekostet wie im Hallenbad. Mehr als nur ein Fotograf, den wir überholten und mit dem ich ins Gespräch kam, hatte eh aufs Geld gepfiffen und sich auf einen langen Tag eingerichtet. Klar, wie oft kommt man denn schon dort hin? Was sind da ein paar Dollar? Wir aber haben noch einen Termin mit einer kleinen Blockhütte am Bryce Canyon heute abend und wegen ein paar Minuten will man ja nicht noch extra zahlen. Apropos extra zahlen, der Typ mit dem riesigen Mittelformatmonster kam auch ohne Profi-Permit anstandslos rein.

Wir aber waren die letzten Meter an der Oberfläche zurück gespurtet. Das brachte die Jungs am Ticketschalter zum Schmunzeln. Ois easy, nur keine Hektik, bassd scho. Der Navajo als amerikanisches Äquivalent des Bajuwaren. Irgendwie. Wobei mir die Blicke etwas argwöhnisch vorkamen, als wir nach der Tour eine Bank im Schatten dazu mißbrauchten, nicht auf den Beginn der Tour zu warten, sondern unseren mitgebrachten Kram aus dem Walmart zu vervespern. Aber was soll’s wir haben unseren Müll mitgenommen und waren auch nicht öfter auf dem Plumpsklo als andere.

Ach ja, abschließend noch eine Analyse meines Patzens: Es braucht schon einen Trottel wie mich, der trotz Stativ nur für den Fall, daß er mal aus der Hand schießen muß, einen ISO1600-Film mitnimmt. Der ist dann auch natürlich schon mal grobkörniger als die beiden 800er, die ich im Anschluß verschossen habe. Zudem hatte ich den vorher noch nie benutzt. Prompt ist der komplette Film für meinen Geschmack 1/3 bis 1/2 Blende überbelichtet. Hier wäre wohl mein bewährter 100er Kodakfilm oder zur Not auch der 200er angebrachter gewesen. Aussagekräftig kann ich hier eh nicht sein, denn die einfachen5 Scans vom dm bringen nicht mal das rüber, was wenigstens auf dem Abzug noch gut ausschaut. Seht selbst.


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  1. Da ich analog fotografiert habe, kann man erkennen, daß dieser Text erst nach der Rückkehr final geschrieben wurde []
  2. Leitern und Gitteretagen, nix wildes []
  3. ein Bleichgesicht vor allem []
  4. Erlaubnisschein []
  5. aber halt billigen []

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