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Verlegungsfahrt nach Aurlandsvangen

Ups, da fange ich aber spät an… Da ist wieder das Problem mit der Helligkeit draußen und der langatmigen Kocherei abends noch.

Also, heute morgen sollte die Karawane weiter ziehen. Ganz wie die Nomaden, die wir derzeit sind, verstauten wir unseren Hausrat samt Bettzeug im Micra-Kamel. Daß es am frühen Morgen schon in Strömen goß, beschleunigte unser Handeln nicht. Die Wanderung für die Fahrtstrecke – die übrigens so lange ausfiel, daß es nie und nimmer gereicht hätte – hatten wir ja gestern schon abgehakt. Einfach nur zum Ziel juckeln war die Devise, auch wenn das letzte Wegstück per Touristraße1 über eine Hochebene führen sollte. Als kurz nach 10Uhr endlich der Wagen rollte, waren wir zwar eine Stunde später dran als geplant, aber eben auch ohne Wanderung am Wegesrand.

Die E16 brachte uns relativ zügig westwärts, wobei die Straße stellenweise fast einspurig war. Nicht schlecht für eine sogenannte Europastraße, denn in Deutschland tragen diese Bezeichnung ausgewählte Autobahnen für Fernverbindungen. Immerhin riss auch die Wolkendecke auf, der Regen verschwand un es gab sogar stellenweise blauen Himmel. Die Abzweigung zum längsten Straßentunnel der Erde kurz vor Laerdal ignorierten wir geflissentlich, denn wir wollten den alten Weg „obenrum“ nehmen. Laerdal selbst ließen wir erst rechts liegen und passierten es auf einer Umgehungsstraße, um dann doch quasi hintenrum in den Ort reinzufahren, nachdem wir den alten Ortskern von Weitem gesehen hatten. Genauer inspiziert haben wir dann aber doch den Kiwi. Immerhin ist morgen Sonntag bzw. heute Samstag und da machen die Läden auch schon früher zu. Einkaufen für drei Tage Aufenthalt bei Lunde Camping in Aurlandvangen sollte dann doch überlegt sein.

Vorbei am Anleger, von dem wir vor vier Jahren die Fähre nach Gudvangen genommen hatten, führt die Straße zum Fjell. Und wir ziemlich bald nicht nur steil, sondern auch schmal. Schmaler als die Touristraße mit den bekloppten LKW-Fahrern neulich. „Wenigsten kommt hier keiner auf die Idee, mit dem Laster rumzugurken!“ war der Satz, den ich nie vollenden sollte. Weiter als zu einem erstaunt langgezogenen „Laaaaaaaasteeeer“ kam ich nicht, denn da kam schon einer entgegen und wir mussten ob dieses perfekten Timings lauthals lachen. Immerhin war der der einzige und fuhr zivilisiert. Dennoch musste ich natürlich quengeln und einfordern, daß solche Strecken in Zukunft nur noch mit dem Motorrad absolviert werden sollten.

Eine kühne Idee angesichts 5°C Außentemperatur und reichlich Schmelzwasser auf der Straße. Selbst die offiziellen Aussichtspunkte waren noch nicht alle vom Schnee freigeräumt. Insgesamt wieder ein faszinierender Abstecher in arktisch anmutende Gefilde, nur um kurz darauf wieder ins Tal mit vergleichsweise molligen 18°C abzusteigen. Etwas ausgebremst wurden wir vom Stegastein, einem Aussichtspunkt etwa 8km vor dem Ort. Wie eine Brücke ins Nichts wurde hier eine Rampe gebaut, der einen fantastischen Blick entlang der beiden Seiten am „Knick“ des Aurlandsfjorden bietet. Und völlig dekadent ist das Wasser zum Händewaschen am angegliederten WC wohltemperiert. Fast ein Schreck, erwartet man doch eine Schockfrostung der Hände, sobald man sie in den Bewegungsmelder am Hahn hält.

Selbst eine Hochzeit im Ort konnte uns nicht weiter bremsen und wir checkten frühzeitig ein. Das Appartment2 liegt gemeinsam mit dem Nachbarappartment unter der Rezeption/Campingkiosk. Aber der hörbare Betrieb oben hält sich in Grenzen. Die freistehenden Hütten mit vergleichbarer Ausstattung sind dafür deutlich teurer und hier geistert ein offenes WLAN rum, durch welches wir die Mails mit den Berichten jagen werden. Und da wir feststellten, daß wir irgendwie das Mittagessen ausgelassen hatten, gab es erst mal von den eingekauften Hot Dogs. Und das deutlich nach 16Uhr! Das Einräumen des Hausrats und Beziehen des Bettes kostete halt doch Zeit.

Der kleine Verdauungsspaziergang auf dem Campingplatz wurde aufgrund der überraschenden Ermangelung von Größe desselbigen nach einer kurzen Autofahrt auf den Ort ausgeweitet. Daß wir ziemlich genau zum Ladenschluß um 18Uhr eintrafen, störte wenig, denn unsere Vorräte waren bereits verhamstert. Immerhin putziger als in Städten wie Trondheim ist es hier schon. Außer einem offenen „Pub“ einer uralten3 Ferienanlage im Ortskern mit brauchbar aussehender Speisekarte gab es dann aber doch nix zu wollen, mal abgesehen von der doch etwas erheiternd kleinen „Badelagune“. Da wir aber genug zu Essen hatten, fiel die Einkehr aus.

In der Wohnung wehrte sich dann die Küche etwas gegen unsere Kochversuche. Beide Herdplatten und der Backofen gleichzeitig war dann doch zu viel und wohl um die Sicherung zu schonen legte die Herdkombination erst mal die größere Platte lahm. Während ich die zwischenzeitlich befüllte Waschmaschine in der Sanitärhütte nebenan leerte und die Wäsche an von uns abenteuerlich gespannten Leinen vorm4 und im Appartment zum Trocknen aufhing, schaffte Annette es doch, nahezu zeitgleich die Kartoffeln gekocht und zu Brei verarbeitet zu bekommen sowie den Rotkohl und die Elchfrikadellen aufzuwärmen. Damit schlugen wir uns dann endlich den Bauch voll.

Nach den Planungen der letzten Tage wollte ich dann noch schnell meinen Reisebericht schreiben und machte dabei dann die ernüchternde Entdeckung am Anfang. Nun ist sogar Mitternacht und ab ins Bett!

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  1. Aurlandsvegen []
  2. übrigens 50NOK günstiger als noch bei der Buchung angegeben []
  3. 1800-irgendwas []
  4. wie vor den Hütten gibt es natürlich eine Veranda []

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