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Von Trondheim nach Lom

So, wir sind wohlbehalten in Lom angekommen und haben eine hyggelige1  kleine Hütte bezogen. Nur wir, sonst stehen ca. 28 weitere Hütten leer. Ok, das Wetter ist nicht vom allerfeinsten, es tröpfelt ab und an, aber das dürfte doch einen echten Norwegenfan nicht verschrecken und Norweger erst recht nicht. Das wissen wir ganz genau, denn gestern gabe es bei wohligen 19°C bereits viel nackte norwegische Haut zu sehen (so kann man schnell den Einheimischen vom Touristen unterscheiden).

Nackte Haut können wir in unserer Hütte auch ruhig zeigen, denn wir haben ja Dank der Ambiente liebenden Frau Weller einen Kamin und den hat der fleißige Herr Weller auch gleich Mannespflicht gemäß befeuert – vor lauter männlicher Begeisterung ob der Gelegenheit mit ECHTEM Feuer hantieren zu dürfen – gleich ein bissel arg. Wundert euch also nicht, geneigte Leser, wenn in den nächsten 2 Tagen die Abendtemperaturen in Norwegen erstaunlich ansteigen, denn wir müssen ein Fenster öffnen, um die Temperatur in der Hütte zu regeln …

Um allerdings den Fluß, der vor unserem Fenster vorbeizieht auf Badetemperatur zu bringen, wird es wohl trotzdem nicht reichen. Aber dafür haben wir ja eine Dusche mit – welch ein Luxus gegenüber Springdale / USA – einem Duschvorhang zwischen derselben und dem Klo. Dürfte trotzdem eine nassere Angelegenheit werden als mit der heimischen Wanne.

In Punkto Wannen scheinen Norwegen ohnehin en Entwicklungsland zu sein, denn im Trondheimer Best Western Hotel fanden wir auch keine vor. Genausowenig wie das ruhige Zimmer, das wir bestellt hatten und das wir nach unserer angekündigten Ankunftszeit nicht beziehen konnten. Es könnte ein paar Stunden dauern, so das Mädel an der Rezeption, bis ein ruhiges Zimmer zu unserer Verfügung stünde, sie habe aber auch ein Superiorzimmer mit Glasdach im obersten Stock für 100 NOK.

Da wir aber ohnehin hungrig und unternehmungslustig waren, hinterließ Peter seine Handynummer und wir begaben uns ins Butlers zum Mittagessen und einen Stadtbummel. Zurück im Hotel – ein Anruf auf dem Handy war nicht erfolgt – fragten wir eine inzwischen anderes Mädchen an der Rezeption nach unserem Zimmer. Leider vergaß ich extra zu erwähnen, daß wr ein ruhiges Zimmer bestellt hatten und wunderten uns, daß 207 ein zur Straßenseite gewandtes Zimmer war.

Doch der Sonntagabendverkehr hielt sich sehr in Grenzen, bei leicht geöffnetem Fenster ließ es sich gut einschlafen. Dann wurde es plötzlich mitten in der Nacht laut auf der Straße, offenbar lockt ein Pub in der Nähe die erlebnisorientierte Jugend an und diese stören mit ihren alkohol- und hormon-gepimpten Stimmen unsere wohlverdiente Nachtruhe.

Trotzdem gelang es mir ganz gut 12 Stunden beinahe durchzuschlafen, allen jugendlichen Grölern, koffermittenindernachtdurchwühlenden Ehemännern und tagheller Nacht zu Trotz.

Das Frühstück erweist sich auch als sehr brauchbar: leckere Tees stehen zur Auswahl und ich esse Lachs und WEICHgekochtes Ei. Hier beläßt man auch den von mir gefürchteten Gudbrandsdalenkäse wo er hingehört, nämlich nicht auf die Käseplatte, sondern warscheinlich zwischen die Fenster, wo Fensterkitt nämlich hingehört.

Wir haben das meiste schon gepackt und so sind nach dem Frühstück schnell aus dem Zimmer. Während ich in der Lobby lesend auf das Gepäck aufpassen darf, holt Peter den in der Stadt bestellten Mietwagen ab. Bis er vorgefahren ist, weiß ich auch schon ungefähr, wo wir unseren Bedarf für die Hütte decken können: City Sye soll der größte Supermarkt außerhalb Oslos sein. Den gilt es zu finden, denn Lebensmittel in Norwegen sind nach unserer Erfahrung durchaus gewöhnungsbedüftig für den deutschen Gaumen. Zum Glück kennt Peters Garmin den Laden und wir kommen üppig beladen zum Auto zurück.2 Jetzt kann die mit 4 Stunden angegebene Autofahrt nach Lom beginnen …

Die E6 – Hauptverbindungsstraße zwischen Süden und Norden – erweist sich größtenteils als einspurige Landstraße mit Geschwindigkeitsbeschränkungen zwischen 70-90 kmh. Das schaffen auch die meisten LKW und Wohnwagen auf der erstaunlich wenig frequentierten Strecke und so halten nur 2 einspurig befahrbare Baustellen und Pippistopps ein wenig auf.

Leider gibt auch die Landschaft nicht so arg viel Fotomotive her, schon gar nicht bei dem diesigen Wetter. Orte wie Dombas oder Dovre lassen sich so flux durchfahren, daß man kaum das Ortsschild bemerkt. Erst vor Lom wird die Landschaft mehr nach meinem Geschmack. Jetzt müssen nur noch die Wolken aufreißen, damit die für morgen geplante Wanderung ein Erfolg wird!

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  1. norwegisch für „gemütlich“, Peter []
  2. Wohl eher: Wir fahren mit üppig beladenem Auto weiter. Peter []

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