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Zurück nach Trondheim

Auf ein letztes. Nach ausgiebigem Frühstück mit den restlichen Nudeln von gestern Abend, einem letzten Zusammenpacken der Bettwäsche und dem letztmaligen Verstauen der Küchenutensilien – alles unter dem Aspekt, daß der Kram in Trondheim vorm Hotel mit möglichst wenigen Handgriffen in der Rezeption sein muß – endet der Camping1teil unseres Urlaubs. Annette verschenkte noch unser Rosmarintöpfchen, brachte ein letztes Mal den Müll weg, gab den Schlüssel ab und los gings.

Trotz schönem Wetter verkniffen wir uns angesichts der relativ langen Strecke den Umweg überirdisch und kürzten gleich hinter Molde durch einen gebührenpflichtigen Tunnel ab. Gut, 20NOK bringen einem auch nicht um. Das nette kleine Sträßchen führte uns dann bis zu unserer ersten Anlaufstelle, dem Örtchen Bud. Hier beginnnt die Touristenstraße Atlanterhavsvegen, die Atlantikstraße. Diese Straße hatten wir 2008 auslassen müssen und war für dieses Jahr auf unserer must-have-Liste. Da wir bereits um 10Uhr dort waren, ließen wir die gelobte örtliche Gastronomie aus und auch sonstige Abstecher unterband Annette mit energischem Hinweis auf den Wegweiser. Na gut, ich habe auch nichts dagegen, vor 17Uhr in Trondheim zu sein und das Auto persönlich übergeben zu können, statt nur den Schlüssel einzuwerfen.

Beim ersten als Aussichtspunkt ausgeschilderten Parkplatz hielt ich dann aber doch kurz, las die Infotafeln und genoß ein wenig die Aussicht über die kleinen Inselchen vor der Küste. Nach wie vor die gefährlichsten Gewässer in Norwegen sollen das sein wegen der vielen Felsen und Inseln. Blöderweise hatten wir dann auch noch einen Fehler in der Zeitplanung, der sich aber auch mit besserem Wissen aufgrund von Recherche nicht hätte vermeiden lassen: Ebbe. Gemütlich den Wohnmobilen folgend fuhren wir weiter über die schmale und beschränkte Straße bis Farstadt. Farstadt Sand war der Tip in der Touri-Info in Molde, als Annette nach einem Strand zum Muschelsuchen fragte. Tatsächlich findet sich am Parkplatz eine Hinweistafel auf ein Naturschutzgebiet samt Lehrpfad durch den nördlichsten Sanddünenstrand südlichen Typs2. Jedoch erschreckend: Innerhalb weniger Minuten hatte sich mit starkem Wind eine Nebel- oder Wolkenwand an die Küste gedrückt. Gut, einsam im trüben, windigen, aber unwirklich warmen Wetter hat der Strand auch seinen Reiz. Aber der Sand war wirklich überall. Ich fürchtete schon fast um meine Kamera, die prompt auch noch einen frischen Akku verlangte. Und die Panade des Körpers fand sich auch Stunden später noch auch an eigentlich bedeckten Stellen des Körpers.

Viel schlimmer war jedoch ein anderer Effekt. Denn der Nebel verhüllte auch das Sahnestück der Straße, die sich dort wie eine Schlange, die nur auf kleinen Inselchen kurz die Oberfläche berührt, übers Meer. Graue Suppe, keine Chance für so tolle Aufnahmen wie die, die uns hier hergelockt haben. An den Parkplätzen stauten sich die Wohnmobile, man hoffte wohl auf besseres Wetter. Sehr zu meiner Überraschung plädierte Annette auf Weiterfahrt. Dumm gelaufen.

Keine halbe Stunde und nur knapp über 20km später dann ein ganz anderes Bild: Wieder strahlender Sonnenschein und ein einladender, aussichtsreicher Picknickplatz. Wenn auch leider ohne Klo. Dennoch verbrachten wir dort eine halbe Stunde beim Vespern und Annette plauderte ein wenig mit den deutschen Campern über ihren Hund. Leider gibt es inkl. Fähren nur zwei Zufahrtswege zu der großen Insel, auf der wir uns nun befanden: Auf der Atlantikstraße über die Brücke, wo wir herkamen oder weiter nach Trondheim durch Kristianssand durch mittels eines gebührenpflichtigen Tunnels. Schade, daß es da keine Abkürzung gibt. Denn Kristianssund bzw. die von uns durchfahrenen Gewerbegebiete mit ihren unzähligen Baustellen war irgendwie überflüssig.

Nach einem weiteren Tunnel erreichten wir dann die E39, die uns schlußendlich3 bis Trondheim bringen sollte. Und die ganz nebenbei auch schon im Süden Stavanger und Bergen verbindet. Auf dieser Straße haben wir also mittlerweile einige hundert Kilometer verbracht. Nach einer letzten unspektakulären Fährüberfahrt – wir werden langsam Routiniers – ging es eigentlich nur naoch darum, den Micra mit Tempomat bis Trondheim rollen zu lassen.

Dazwischen kam jedoch noch mal eine Strecke durch die Berge mit einem verführerischen Rastplatz. Der kostete uns über eine halbe Stunde. Ich war deshalb ein wenig mürrisch, da die Autorückgabe nun endgültig zur Schlüsseleinwurfnummer wurde und mir die Sonne ehrlich gesagt eh schon genug auf den Pelz gebrannt hatte. Aber ich konnte meine Ungeduld selbst zügeln, als Annette mir anbot, den Aufbruch bestimmen zu dürfen. 20 vorbeifahrende Fahrzeuge wollte ich abwarten, wobei Wohnmobile und Laster doppelt zählen sollten. Das dauerte dann doch auch länger als erwartet.

Als wir bei Orkanger wieder die Küste erreichten, war es dann eh aus mit Idylle. Autobahnartiger Ausbau, Industrie am Wegesrand und lange Tunnelstrecken machten es leicht, ohne Stop durchzufahren. Kurz nach dem Zusammentreffen mit der E6 nutzten wir dann jedoch noch eine Tankstellen zur Abgabe gebrauchter Getränke und dem Auffüllen des Tanks. Denn die Innenstadtpreise schienen höher zu sein als auf dem platten Land. Zur Not könnte ich ja noch nen Schluck direkt neben dem Mietwagenbüro nachfüllen.

Trotz einem Hauch von Feierabendverkehr waren wir schnell am Hotel in der Innenstadt. Nur gefunden haben wir es erst nach einer Ehrenrunde. Da direkt vorm Hotel alles belegt war, stellten wir uns ein paar Meter weiter auf einen gebührenpflichtigen Parkplatz und checkten erst mal ein. Ich pfiff dann auch auf die paar Kronen und fütterte den Parkscheinautomaten um in Ruhe und ohne schlechtes Gewissen das Gepäck aus dem Wagen in den fünften Stock zu bekommen. Witzig hierbei, daß man nicht nur natürlich mit Kreditkarte zahlen, sondern auch die Parkzeit fast minutengenau wählen kann. Was ein Service.

Toll ist auch der Service im Comfort Hotel Trondheim, das ich hier ausdrücklich empfehlen möchte. Allemal besser als das nahegelegene Best Western Chesterfield vom Anfang der Reise. Nach kurzem Aufenthalt im Zimmer machte ich mich dann vor Ablauf der Parkzeit auf zu der letzten Fahrt der Reise. Hertz hat übrigens in der Zufahrt zum Gelände Einbahnstraßenschilder stehen, die verhindern sollen, daß jemand von dort direkt auf die Straße rausfährt. Nur waren die so blöd verdreht, daß ich mich erst mal nicht rein traute und dann natürlich ein wenig rumgurken musste, bis ich endlich auf den Parkplatz kam. Ein Nachtanken sparte ich mir dann auch, denn nur wenige Kilometer nach der Übernahme war bei uns die Tankanzeige von Voll auf 7/8 umgesprungen – da war der Tank bei der Abgabe sicher voller. Ein kleiner Schlag ins Gesicht war dann übrigens das recht neu aussehende Öffnungszeitenschild.  Man hat nur noch bis 16Uhr geöffnet. Zum Glück hatte ich nicht versucht, rechtzeitig vor 17Uhr dort zu sein, das hätte massiven Frust gegeben. Dafür öffnet man wohl inzwischen auch samstags. Danke für den frühzeitigen Hinweis, dann hätte ich den Wagen auch morgen persönlich übergeben können. Service ist anders!

So machte ich dann mit Annettes Kamera rundum Beweisfotos von der Unversehrtheit des Wagens4 und dem Tank- und Kilometerstand. Als kleine Entschädigung für all den Frust gönnte ich mir in der Tanke dann auch noch einen HotDog mit Cola. Seltsame Sache, letztere schmeckt mir gar nicht mehr. Muß wohl an dem dreiwöchigen Entzug liegen.

Auf dem Fußweg zurück bestätigte sich, was ich vor fast drei Wochen beim Marsch hin zur Mietstation vermutet hatte: So übel ist Trondheim gar nicht, insbesondere bei Sonnenschein. Mit der Kamera griffbereit am Rucksackgurt schoß ich schnell im Vorrübergehen für Annette einige Beweisfotos. Und Speisekarten, denn ein Abendessen wollte ja auch noch gefunden werden. Genauer gesagt war Annette auf der Suche nach Bacalao. Eigentlich ein Gericht von der iberischen Halbinsel, seit Jahrhunderten hergestellt aus norwegischem Stockfisch und mittlerweile reimportiert. Das fanden wir dann auch im Cafe Løkka, nachdem wir die anderen Gastronomien in diesem quirligen Umfeld auch noch beäugt hatten. Eine recht edle Wohngegend scheint hier auf dem ehemaligen Werftgelände auch zu sein.

Mit Bacalao und Burger im Bauch landeten wir irgendwann auch im bequemen Hotelbett.


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  1. bzw. Hütten []
  2. oder so ähnlich []
  3. wenn auch zwischendurch von der E6 einverleibt []
  4. wer weiß, wie der morgen früh aussieht []

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