September 2012
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Mindelheimer Klettersteig und das Drumherum

Heute mal keiner dieser Reiseberichte mit künstlich zurückgesetztem Datum, sondern ein Rückblick über die letzten Tage in “Echtzeit”.

Wo beginnen? Am Anfang. Mit der KTM über die Dosenbahn nach Bad Rappenau gebollert, Hundis begrüßt, umgezogen und zu T ins Auto gesetzt. Ziel Oberstdorf. Klappte ebenso staufrei wie die Motorradetappe. Gegenüber der Fellhornbahn geparkt und ab in die Stiefel. Und los Richtung Fiderepasshütte. Dabei stellte sich ein ganz guter Gehrhythmus ein. Auf die kürzeren Beine musste ich nach wie vor zwischendurch mal warten, aber seltener und kürzer als von Annette gewohnt. Nicht außer Puste, sondern nur angenehm angestrengt kamen wir oben an. Wie schon geschrieben: Die angegebene Gehzeit haben wir unterboten, unterwegs Murmeltiere gesehen1 und direkt gegenüber der Hütte gabs auch noch Steinböcke. Was ein erfolgreicher Tag! Nach Abendessen und etwas Plauderei lagen wir dann schon um 20Uhr in den Schlafsäcken.

Dienstag morgen. Es ist dunkel, mir ist warm und vor allem drückt die Blase. Ich würde nicht während der Hüttenruhe mit der Stirnlampe rumfunzeln wollen, aber ich kann es auch nicht. Die liegt gut verpackt im Rucksack. Irgendwann ist die Not groß genug und ich finde in der Dunkelheit sogar meine Hüttenschuhe. Im Flur springt das Licht an. Viertel vor sechs, keine schlechte Zeit. Schlecht jedoch, daß der Bewegungsmelder für die Klobeleuchtung keine Bewegungen in einer Kabine erfasst. Doch ich werde nach kurzer Zeit gerettet. Zurück ins Bett finde ich nicht, denn beim Versuch, meine vermeintliche Matratze zu entern ergreife ich ein Paar fremde Beine. So warte ich lieber im Flur, bis aufkommende Unruhe das Ende der Hüttenruhe manifestiert. Schnell alle Sachen geschnappt, im Flur angezogen und die Morgentoilette vor der Rush Hour beendet. In aller Ruhe kann ich Bilder kurz vor Sonnenaufgang machen. Im Zustieg zum Klettersteig funzelt auch schon eine Stirnlampe! T ist auch schon auf und wir frühstücken gemeinsam. Grundgütiger, ist die Müslischüssel riesig und daß da statt Milch Joghurt drin ist, hilft nicht. Vielleicht beansprucht der von mir gestern abend verputzte Rest von Ts Abendessen den entscheidenden Magenwinkel, aber ich schaffe ausnahmsweise meine Portion nicht.

Aufbruch. Kurz vor halb acht ist dann alles aufgerödelt und wir starten durch zum Mindelheimer Klettersteig. Knapp vorm Kamm nutzen wir eine ebene Fläche zum Anlegen der Ausrüstung. Wow, jetzt sehen wir wirklich wie Bergsteiger aus! Direkt ums Eck sind auch schon die ersten beiden Stahlseile. Aber so easy, daß hier auch Annette langlaufen würde, ohne sich dran festzuhalten. Wir jedoch sehen es als Übung und haken uns korrekt ein.

Was soll ich zum Klettersteig sagen? Unter Ausnutzung der Metallbügel, Leitern und Stifte deutlich leichter als erwartet. Und eben Gratwanderung, mehr gehen als vertikales Klettern. Freies Klettern nur am Fels ohne Zuhilfenahme der Stifte geht nicht immer, manchmal sind sie aber auch nur im Weg. Trotzdem ziehe ich mich auch immer wieder am Sicherungsseil entlang. Fazit: Könnte schneller gehen unter Zuhilfenahme aller Hilfsmittel, mit mehr Freiklettern würde es deutlich länger dauern. Inklusive einer für unsere Verhältnisse langen Pause2 sind wir nur 30min über der Zeit, als wir bei der Mindelheimer Hütte einlaufen. Ach ja, Steinböcke ließen sich auch aus großer Nähe fotografieren. Die wissen wohl, daß die Zweibeiner nur am Stahlseil langlaufen können.

Schon am Steig war der Entschluß gefasst: Wir sind früh dran und das Wetter hält gut. Statt also in der Hütte über Nacht auf den Regen zu warten, hängen wir mal eben die 12km und 1100 Höhenmeter Abstieg dran und übernachten in Oberstdorf. Nach einer Knödelsuppe und einer Radlermaß3 ging es kurz nach zwei Uhr los.

Auch hier fasse ich mich kurz: Wir sind den Panoramaweg obenrum gelaufen, statt direkt abzusteigen und den Fahrweg im Tal ewig lang entlangzustiefeln. Sicher schöner, aber blöde Idee. Romsdalseggen. 750 Höhenmeter oder so auf den letzten paar Kilometern. Und die zogen sich wieder ewig, war nicht schön. Mit einsetztender Dunkelheit kamen wir am Auto an. Ankunft Hotel ca. 20Uhr, schnell umziehen, in “Sascha’s Kachelofen” ein Schnitzel mit Pommes und viel Salz verputzt, geduscht und ab ins Bett. Fußsohlen, Knie, Oberschenkel, alles im Eimer.

Heute dann ein Spaziergang im Nieselregen zur Fellhornbahn. Ja, genau dort hin, wo wir geparkt hatten. Mittagessen und ein wenig die verkaterten Beine bewegen. Und wieder zurück. Immerhin können wir jetzt behaupten, wir wären die komplette Strecke vom Hotel über die beiden Hütten und den Klettersteig komplett gelaufen. Wenn auch in wenig nützlicher Reihenfolge.


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  1. zu weit weg für die Kamera []
  2. 20min []
  3. für mich, Ts Essgewohnheiten werde ich hier nicht breit treten ohne um Erlaubnis gefragt zu haben []

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