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Finally! The Ace!

Heute wurde es wahr. Dabei fing der Tag gar nicht mal so toll an. Aufgrund des Regengeprassels drehte ich mich noch mehrmals im Schlafsack um. Just als ich dann sogar endlich wieder eingedusselt war, klingelte bzw. brummte das Telefon. Das macht mich immer noch hellwach. Annettes morgendlicher Anruf. Wir hatten jedoch Verstaendigungsprobleme. Irgendwie scheint das Mikrofon meines Telefons neuerdings erst nach ca. 10s mitzuspielen und Annette legt konsequent nach spaetestens 8s auf, wenn sie mich nicht hoert. Feine Sache bei minutengenauer Abrechnung.

Im leichten Nieselregen, eher fallender Nebel, machten wir uns nach dem Duschen startklar. Immerhin war es inzwischen trocken, was ich von meinen Klamotten nicht behaupten konnte. Gestern noch schon mit Regenueberzeug geschuetzt, hatten sie in der Nacht so gegen die Zeltwand gedrueckt bzw. den Rand der Bodenwanne runtergdrueckt, das sie komplett voll Wasser gesogen waren. Nasse Lederhose, nasse Lederjacke und besonders toll auch ein tropfnasser Rueckenprotektor. Naja, genug Wolle drunter wird es schon richten. Fruehstueck kochen fiel aus, immerhin war es halb zwoelf. Wir essen im Cafe, so war der Plan.

Der Verkehr war dann auch deutlich fluessiger als gestern und ich fing ansatzweise an, londonisch zu fahren. Soweit es die fetten Aluboxen erlauben. Ploetzlich sehen Topcases, die eine schmale Silhuette erhalten, gar nicht mehr so tuffig aus. Die letzten Meilen vorm Cafe waren dann ein wenig emotional1. Die Gewissheit, nach allem erlebten gleich da zu sein. Verdun, Sedan, Duenkirchen, Dover, Battle, Portsmouth, Stonehenge und nun das Ace Cafe! All das Siffwetter, die klammen Klamotten, das im Regen in irgendwelchen Unterstaenden zusammengekochte Essen, so es denn ueberhaupt etwas Warmes gab. Die Entscheidung gestern, im Regen nicht doch noch hinzufahren. Die Enttaeuschung, die Wiedergutmachung. Gleich sollte es so weit sein. Vereinzelt Motorraeder, deren Ziel klar zu sein schien angesichts des Umbaustils. Dann stand ich in den Rasten, um ueber einen Van sehen zu koennen. Hupen von rechts. Eine piefige Familiendose. Drinnen ein hochpigmentierter junger Mann und wohl seine drei Buben. Alle grinsen, Daumen hoch und die Kurzen winken. Verdammte Axt, ploetzlich war die Sicht wieder so schlecht wie gestern im Dauerregen bei offenem Visier.

Oh Holy Mother of Blessed Acceleration, thou hath led me here to this Sacred Place! Halejujah!

Kurz von Jungs in Warnwesten eingewunken standen wir schwuppdiwupp auf dem Parkplatz vorm Cafe brav in Reihe mit Supersportlern Tourenbombern, GSen, Harleys, Klassikern2 und natuerlich unzaehligen Cafe Racern. Aus Richtung Buehne droehnte wenn auch noch vom Band Rockabilly rueber und ueberall wimmelte es von Rockern3, Teds und wasweissich was fuer Subkulturen. Etliche sahen so aus, als wuerden sie seit ihrer Jugend so rumlaufen, damals, als diese Mode aufkam. Andere viel zu jung, aber authentisch. Elric fand jedoch den Punkt, wie man den echten englischen Nachwuchs von der kontinentalen Replika unterscheiden kann: Letzteren fehlt meist der „Killerblick“, wie er es nannte.

Drinnen dann fuer akzepables Geld gut gegessen4 und einfach Leute geguckt. So schob ein junges, aber stilsicher gekleidetes Paerchen, so in den zwanzigern, einen Kinderwagen rum, der historisch aussah und Stilelemente eines klassischen Amischlittens aufwies. Keine Show, drinnen lag wirklich ein Baby, korrekt gewandet bis hin zu den Nieten. Krass. Moppeds gekuckt, Leute gekuckt, BMW-Stand belaestert, Mucke gehoert, einfach klasse. Leute getroffen, nicht zu vergessen. Nett geplaudert. Natuerlich Devotionalen aeh Souvenirs gekauft. Irgendwann nach der Moppedpraemierung sind wir dann abgehauen. Mit Umweg ueber eine Tankstelle noch bei gutem Licht zum Campingplatz kommen war der Plan. Dort das ausgelassene Fruehstueck als Abendessen eingenommen, passt schon. Denn irgendwann musste man nicht noch laenger am Ace abhaengen. Ganz streng genommen ist es auch nix anderes als zum Beisp iel das Cafe Hubraum in Solingen oder gar das Johanniskreuz5, aber es ist halt doch das Ace. Genausogut koennte man einem Katholiken nach dem Besuch einer Papstmesse im Petersdom auch sagen, dass der Pfarrer in der heimischen Dorfkirche auch schoen gepredigt haette.

Ach ja, der Platz hier liegt zwar in der Stadt, ist aber Teil einer grossen Gruenflaeche. Davor wird sogar im Begruessungsheftchen gewarnt, weil die Tierchen hier wohl auch ganz schoen auf Futtersuche gehen. Aber die Gaense im Formationstiefflug waren schon nett anzusehen und ab Einbruch der Daemmerung gabe es dann auch noch immer wieder Besuch von einer Faehe6, die recht unbeirrt auch nahe ran kam und wohl die bloeden fetten Schnaken frass, die hier ueberall rumsitzen und rumpoppen, aber wohl wegen der Kaelte so lahmarschig sind, dass man sie einfach pfluecken kann. So, jetzt bin ich aber auch muede und lasse es gut sein.

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  1. wer mich kennt, weiss was ich meine []
  2. britisch natuerlich meist []
  3. die alte englische Form, nicht diese Kuttenbiker []
  4. Chiliburger mit Chips, also den echten, leckeren, dicken britischen Fritten, aehnlich den belgischen []
  5. dessen Parkplatz zwar mehr als doppelt so gross ist, das aber keine passende Gastronomie hat []
  6. Fuechsin []

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