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Der Steinerne Jäger

Für heute war dann noch ein erholsamer, sprich weniger anstrengender Tag angedacht. Eine Familie aus Kärnten, die wir gestern an den Laghi del Fushine getroffen hatten, empfahl wärmstens den Monte Lussari. Mehr wegen der Kirche, doch die im Wanderführer als Alternative zum eigentlich gefeatureten Aufstieg entlang des Kreuzweges erwähnte Besteigung der Cima del Cacciatore1 sprach uns mehr an.

Trotz regem Betrieb im Frühstücksraum2 kamen wir verhältnismäßig früh los. Hier mal ein kleiner Einwurf: Grad, wenn wir was größeres vorhaben, sind wir pünktlich zu Beginn der Frühstückszeit um 8 Uhr am Tisch, aber irgendwie dauert es immer bis 9 Uhr, bis der letzte Tee geschlürft ist. Naja, hab ich mit dem Tablet eine halbe Stunde Zeit für die Morgenzeitung…
Bis nach Tarvisio bzw. Camporosso ist es nicht weit und so erstanden wir bald an der Seilbahn Tickets für die Hin- und Rückfahrt für 14€ pro Person. Leider rückte gerade eine Busladung ein, so daß wir ein wenig warten mussten. Immerhin nicht lange, denn statt einer großen Kabine fahren hier viele kleine Kabinen für je bis zu 8 Personen3. Oben dann unweit der Seilbahn das Klosterdörfchen. Wir wollten es erst mal meiden, doch der Weg führte dann doch mitten durch. Katholischer Touristenkitsch vom Feinsten. Aber egal, bald waren wir auf dem schmalen Pfad gen Cima. Die durchs Fernglas dann doch recht anspruchsvoll aussah und auch die Wegführung versprach, daß wir uns unser Abendessen verdienen würden.

So kam es dann auch. Knackige Anstiege, aber nie überfordernd. Egal, wenn wir immer wieder überholt wurden. Annette überanstrengt sich lieber nicht, sondern genießt und ich hatte zwar kaum Gepäck im Rucksack außer der Fotoausrüstung *am* Rucksack, aber das sind nun mal gute 9kg alleine. Kurz vorm Gipfel zeigte sich, daß in der Ruhe die Kraft liegen würde: Ein endlos langer Lindwurm, bestehend aus zwei Reisegruppen, wie sich später rausstellte, staute sich eh an der Schlüsselstelle, sprich dem Beginn des gesicherten Steigs auf dem letzten Stück zum Gipfel. Immerhin waren die ersten schon oben.

Und das erinnerte mich direkt eine eine Beschreibung italienischer Weihnachten, die man mir mal zugetragen hatte. Die Geschenke für die Bambini müssen nicht irgendwie wertig oder sinnvoll sein, sondern hauptsächlich laut und blinkend. Selbst wenn am Folgetag eh alles kaputt ist. Ein paar der Italiener, hauptsächlich junge Männer, hatten sich ihre Kindheit bewahrt und beschallten die Berge. Auch mit Hilfe der Glocke neben dem Gipfelkreuz. Überhaupt war alles wild am Plappern. Ein paar absteigende junge Österreicher ließen es knackig-sportlich angehen, egal wie viele Steine sie lostraten, die dann auf die restlichen Wanderer prasselten. Ich war kurz vor der Krise. Und dann schramme ich mit dem rechten Schienbein auch noch blöd an einem Felsen lang, daß ich dank ausnahmsweise getragener kurzer Hosen mir eine fette Abschürfung zuziehe4.

Doch wir entschleunigten. Überließen erst mal den kurzerhand Affenfelsen getauften Gipfel den geschätzt 100 Leuten der beiden Gruppen5 und futterten etwas unterhalb unser Picknick. Als dann endlos langsam6 beide Gruppen vom Gipfel runter waren, gesellten wir uns behende zu den wenigen Verbliebenen. Die dann auch aufbrachen, so daß wir nach all dem Trubel plötzlich den Gipfel für uns hatten. Wunderbar!

Der Abstieg auf der bekannten Route stellte dann auch keine große Herausforderung mehr dar, auch wenn ein paar steile Stellen mit Geröll noch etwas Konzentration bedurften. Runter mit der Gondel, ab ins Auto und in kürzester Zeit waren wir wieder in Podkoren.

Zwischen Duschen und Abendessen7 haben wir schon mal ein wenig gepackt. Morgen geht es ja weiter nach Südtirol.

 

7,6km und 395Hm in 5:10h mit 45min Vesperpause

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  1. deutsch „Steinerner Jäger“, daher die Überschrift []
  2. diese Nacht war das Hotel wohl ausgebucht []
  3. laut Schild in der Kabine entspräche das 640kg, also 80kg pro Person. Da muß ich grinsen, mit Klamotten und Rucksack bringe ich sicher über 100kg, eher knapp 110kg in diese Berechnung ein []
  4. die sich auch noch entzünden sollte (Nachtrag) []
  5. Italiener und Slowenen, der Sprache nach zu urteilen []
  6. direkt unter uns begann der Steig und somit der Stau []
  7. bei angenehmen Temperaturen mal auf der Terasse vorm Hotel []

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