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Mangart

Einer der höchsten Gipfel hier in der Gegend ist der Mangart. Schön somit auch die Aussicht. Aufmerksam wurde ich auf ihn wieder mal durch die Kroatientour letzten Herbst, als ich auf dem Rückweg auch die Stichstraße hoch bis knapp unter den Mangartsattel gefahren war. Annette fand die Tour im Wanderführer auch ganz ansprechend und so wurde heute bei bedecktem Himmel, aber Aussicht auf Besserung, der Mangart unser Ziel.

Über einen kleinen Abstecher nach Italien und den Predil-Paß kamen wir zum Beginn der Stichstraße. Wie ist oben überhaupt die Schneelage? Fragten wir uns und ob die Strecke mit dem Auto überhaupt Spaß macht. Soviel vorweg: Ohne Gegenverkehr gehabt zu haben: Jawollja! Das Mauthäuschen war auch besetzt. Für fünf Euro gab es freie Durchfahrt, ein Infoblättchen auf Slowenisch und in einem wilden Sprachenwirrwarr die Information, daß die Straße bis ganz oben zum Parkplatz frei sei und man sehr wohl dort Wandern könne. Möglicherweise wurde uns auch die Zugänglichkeit des Gipfels mitgeteilt.

Erste Ernüchterung: Nach dem großen Parkplatz kurz vor der Verzweigung der Schleife stand wie schon letzten Herbst ein Gesperrtschild. Damals hatte ich das geflissentlich ignoriert und konnte mit der KTM die Schleife nach Querung eines kleinen steinschlagbedingten Schotterfeldes locker durchfahren. Heute lag da noch Schnee bei. Also Endstation Parkplatz und der Wanderweg verlängert sich eben um den Fußmarsch entlang der Straße. Immerhin kann man von der vor dem oberen Parkplatz zu abzweigen, daß man den Weg von jenem Parkplatz zum Gipfel erreicht.

Der Schnee gleich nach dem Parkplatz war dann doch nicht so wild und gleich drauf sahen wir auch ein Auto im gesperrten Bereich parken. Aber in einer Kehre vor dem oberen Parkplatz lag reichlich Schnee und wir beobachteten den ganzen Tag über Motorradfahrer, die sich durch ein Schlammloch oder über einen Grasstreifen durchmogelten. Ein Pärchen mit Wuppertaler Kennzeichen motivierten wir später sogar, nicht umzudrehen und ihre Gesten, als sie uns auf ihrem Rückweg wieder überholten, zeigten, daß es ihnen wohl gefallen hat.

Doch zu unserer Tour. Zunächst durch Gras, dann im Fels ging es stetig bergan. Die Papierkarte kennt einen italienischen und einen slowenischen Klettersteig. Die OSM-Karte im Garmin darüber hinaus noch einen Normalweg, der auch in diversen Beschreibung, nicht zuletzt in unserem Wanderführer, mehr oder weniger explizit erwähnt wird. Ich orientierte mich an diesem Normalweg, was spätestens am ersten Schneefeld sich eh nicht mehr ausging, weil wir auf dem Feld auf bestem Weg einfach direkt die nächsten sichtbaren Markierungen bzw. Sicherungen anpeilten. Ja genau, Schnee hatte es bereits wieder und Drahtseilsicherungen auch. Wurden aber im Wanderführer erwähnt. Die Kletterausrüstung lag unten im Kofferraum, aber diese Stellen waren wirklich Pipifax. Dafür hatten wir im größeren Schneefeld nebenan beim Start schon zwei Tourenskifahrer abfahren sehen. Und Annettes Geburtstagsgeschenk, ein kleines, aber feines Nikon-Fernglas, hatte spätestens heute seine großen Momente beim Auffinden von Markierungen.

Apropos Orientierung. Die gelang wirklich recht gut, nur einmal landeten wir bei irgendwelchen alten Sicherungen, die wohl zu keinem der beiden Steige gehörten, aber schön nah am Grat waren, daß Annette dankend ablehnte und wir wieder ein Schneefeld nahmen. Ich hatte nur ein wenig Bedenken wegen deren Steilheit und wünschte mir allmählich Steigeisen. Dafür gab es aber auch einen formidablen Blick auf die Laghi del Fusine bei aufreißender Wolkendecke. Doch dann kam das Ende. Eine Seilsicherung, wie wir sie sicher unbemerkt schon das eine oder andere Mal im Schnee überlaufen hatten, verschwand in einem Schneefeld, das noch mal deutlich steiler war als alle vorherigen. Feierabend. Hier wollten wir nicht queren. Nicht, daß wir von diesem Feld abrutschen oder gleich das ganze Schneefeld mit uns drauf. Lawine nennt man sowas dann.

Für den Rückweg begeisterte Annette sich für eine Poporodelabfahrt, wie wir sie in Norwegen schon gemacht hatten. Damals war sie skeptisch gewesen und ich kannte das von meiner Alpenüberquerung. Ich war skeptisch, setzte an und gleich ging es viel zu zügig los. Verdammte Hacke! Automatisch drehte ich mich wie oft bei geführten Wanderungen über Schneefelder eingetrichtert bekommen auf den Bauch und haute Finger und Schuhspitzen in den Schnee. Erst mal erfolglos, doch dann bremste sich die Rutscherei. Unten gab es zwar keinen Abgrund, dafür aber eine Schotterfläche, auf die ich nicht unbedingt draufrutschen wollte und in der Position sah ich ja nicht, wie weit es noch ist. Schlußendlich bremste ich mit den Stiefeln den letzten Schwung abrupt im Geröll und war erst mal fertig mit der Welt. Annette gestikulierte ich, mir nicht zu folgen. Sie stampfte erst mal talwärts, um dann auf den Schuhen wie auf Skiern rutschend problemlos runterzufahren. Mittlerweile brannten mir mit nachlassendem Adrenalin plötzlich die Hände. Vor allem wegen der Kälte, die linke aber auch wegen etlicher kleiner Abschürfungen. Immerhin, mit Handschuhen wäre das ganze völlig folgenlos geblieben. Also bitte daheim keine Panikattacken!

So bedient ging ich das untere Schneefeld entsprechend übervorsichtig an. Während Annette sich behende abwärts bewegte, verkrampften sich bei mir Beinmuskeln, die sich schon sehr lange nicht mehr zu Wort gemeldet hatten. Der Rest des Absteigs war dann ein Kinderspiel. Neben erwähnten Motorradfahrern unterhielten wir uns noch mit einem älteren Belgier, der uns fragte, ob wir den Klettersteig gegangen wären. Er hätte das schon vor 35 Jahren gemacht. Zuletzt machten wir noch ein paar Bildern von bizarren Schneeformationen am Wegesrand, dann gings wieder ohne Gegenverkehr die tolle Mangartstraße runter und in insgesamt etwas über einer Stunde zurück ins Hotel. Duschen, Abendessen, Bett. War anstrengend heute.

 

8,7km und 535Hm in 5:25h bei 30min Vesperpause

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