März 2015
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Archive

Kategorien

Markttag

Markt in Cassis. Vor der Haustür sozusagen. Da kann Annette und somit auch ich nicht nein sagen. Somit hatten wir uns ansonsten auch nicht viel vorgenommen.

Der Markt erwies sich als größer, als urpsrünglich angenommen und zog sich durch mehrere Sträßchen und kleine Plätze. Es gab mal wieder so ziemlich alles, was der Gaumen begehrt1, dazu Klamotten und auch Tinnef. Annette war wieder völlig vertieft und somit kamen wir nicht nur mit Oliven, Wurst und Käse zurück, sondern Annette hat nun auch zwei neue Oberteile. Und ich ein wenig den Stolz, daß ich mit meinen Sprachkenntnissen halbwegs rumkomme. Wobei auch wieder viel Englisch gesprochen versucht wurde, wenn es bei mir klemmte oder Annette völlig unverstehend dreinblickte.

Auf dem Rückweg, also den 10 Schritten zum Hotel, ließen wir uns wieder mal erst am Hafen nieder bzw. auf der anderen Straßenseite auf einem Bänkchen am Rande des Boulodroms. Gespielt wurde nicht viel während Annette erst die vom Markt mitgenommenen Frühlingsrollen und wir beide unsere warmen Pannini verputzten.
Boulespieler gab es diesmal nicht zu sehen, die lassen sich üblicherweise abends erst blicken. Dafür gab es reichlich Bustouristen und mindestens eine Klassenfahrt. Schönes Unterhaltungsprogramm, um sich zu beömmeln. Aber auch mit optimistischen Perspektiven: Ein kleines Grüppchen, wir tauften es „den Französischkurs“ bzw. „die Interessierten“, der englischsprachigen Schüler ließ sich am Mäuerchen des Platzes nieder und bekam von der Lehrerin2 Versucherle gereicht. Von den verschiedenen Käse bis zum Nougat reichte die Palette.

Wir entspannten uns noch ein wenig auf dem Zimmer und rüsteten uns für den Marsch des heutigen Tages. Annette locker, ich verkannte ohne Planung auf der Karte mal wieder, wie klein hier alles ist, und schnürte die Wanderbotten. Hoch zur sogenannten Burg sollte es gehen. Welches die eigentliche Altstadt von Cassis war auf einem kleinen Hügel über dem Hafen. Im 18. Jahrhundert fand man es so ohne Bedrohung durch Barbaren und Piraten dann praktischer, direkt beim Hafen zu wohnen. Heutzutage sind in den alten Mauern gehobene Ferienwohnungen drin und da mag man unter sich bleiben. Aber einen frei zugänglichen Aussichtspunkt soll es geben, meinte der sehr nette Mann an der Rezeption. Den fanden wir auch schnell und fragten uns im Anschluß, was wir denn noch so treiben könnten am restlichen Nachmittag.

So sondierten wir ein wenig den Weg zur Route des Crêtes, die wir morgen gehen wollen. Und kamen bis zu einem kleinen Parkplatz an einem kleinen Strand. Für den Rückweg versprach die zugegebenermaßen etwas ältere Papierkarte, deren Scan ich im GPS mitführe, einen Pfad am Meer entlang zurück in die Stadt. Den gab es ganz sicher auch mal durchgängig. Anfangs war er auch definitiv vorhanden, lediglich ein Schild behauptete, der Weg wäre für Fußgänger gesperrt und gefährlich. Soso.
Wenig später versperrte aber in der Tat ein altes Gemäuer samt abgeschlossenem Eisengittertor den Weg. Jedoch hat hier wohl die Dorfjugend ganze Arbeit als Mauerspechte geleistet. Der Spalt neben dem Gitter ist gerade so sehr erweitert worden, daß man sich durchdrücken kann. Die Spuren im weiteren Verlauf des Wegs lassen auch darauf schließen, daß man in dieser „verbotenen Zone“ gerne abhängt.
Darüber hinaus findet sich in dem Abschnitt eine mal mehr, mal weniger zertrümmerte, ehemals gemauerte und gepflasterte Uferpromenade. Hier hat das Meer demonstriert, daß es nicht nur an den Klippen rumerodieren kann, sondern auch vor menschlichen Bauwerken keinen Respekt hat. Hauptgefahr soll der Steinschlag von den Klippen runter sein. Bei der Wetterlage erschien uns das unwahrscheinlich und wir kraxelten munter über Felsen und Wegtrümmer zurück zum Stadtstrand von Cassis.

Aufgefrischt ging es dann ins Nachtleben. Nachtleben? Nun, es war dunkel und es fehlte noch die Hauptmahlzeit des Tages. Heute verschlug es uns ins „Calendal“, das uns sowohl vom Hotelpersonal empfohlen worden als auch von mir bei Tripadvisor vorgemerkt war. Kurzform: Ich habe nach dem Essen meine Sprachkenntnisse zusammengekratzt, da ich es für angemessen hielt, dem auch Englisch sprechenden Hausherrn in der Landessprache zu erklären, daß ich dieses Abendessen für eine der besten Mahlzeiten halte, die man mir zeitlebens serviert hat. Gut, er überhörte wohl geflissentlich den „eine der“-Teil und gab das Lob vollmundig an seine Mannschaft weiter.
Ausführlicher: Annette hatte ein „Tian“: Fischsuppe wie gewohnt, aufmgebrezelt mit einem großen Fischkotelett3, zwei Gambas, Miesmuscheln und einem Steinbeißerfilet. Wohl relativ umständlich zu essen, da man sich die Brocken aus dem großen Suppenteller fischt, auf einem zuvor leeren Teller zerlegt und dann wieder mit der Suppe isst, Brot, Rouille und geriebener Käse dazu wie gehabt. Ich hatte vorweg einen Teller gegrillter/überbackener Miesmuscheln, die in ihren Schalen mit reichlich Kräuterbutter gewürzt waren, welche zur Steigerung des Genusses und des Lokalkolorits auch noch Anis enthielt. Mein Hauptgang war ein supersaftig und würzig angebratenes Fischfilet, begleitet von mehreren kleinen Rouget-Filets. Obendrauf diesmal keine Tapenade, sondern Basilikumpesto, die sich auch bei den Tagliatelle wieder fand. Eine überbackene Tomatenhälfte und gegrilltes Gemüse dazu, fertig ist die Leckerei. Wer unbedingt motzen wollte, hätte die Pasta ein paar grad zu kühl finden können. Dank der Staffelung der Tafelweinpreise gönnte ich mir einen ganzen Schoppen Weißwein, der in einer unetikettierten Flasche im Weinkühler serviert wurde. Angenehme Abwechslung zu dem glasweisen Wein, der einem noch weit vor der Vorspeise auf den Tisch gestellt wird und spätestens beim Hauptgang eigentlich zu warm ist.
Obwohl ich das Menü ohne Dessert bestellt hatte, konnte ich bei diesen Hochgenüssen nicht anders, als noch einen Café Gourmand zu bestellen. Stand eh nicht bei den Menünachtischen zur Auswahl. Wer es nicht kennt: Café Gourmand ist ein Espresso, um den herum auf einer Platte eine Reihe kleiner Nachtischvariationen angerichtet sind. Bei der Völlerei meinerseits hatte ich spontan Annette zum Essen eingeladen.
Die Bettschwere ist heute somit gewährleistet.

 

Print Friendly, PDF & Email
  1. keine Fische, denn ein paar Schritte weiter verkaufen eh die Fischer ihren Fang frisch vom Boot []
  2. oder Tourguide, sprach besser Französisch als Englisch []
  3. so nenne ich es mal, halt einfach 2x quer zur Schwimmrichtung durchs ganze Tier geschnitten []

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>