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Col de Nemesis revisited

Col du Xiard heißt er mit “bürgerlichem” Namen, doch daß ich an dem Anstieg 2012 kläglich scheiterte machte ihn zu meiner erklärten Nemesis. Da hochkommen, das war das erklärte Ziel in Sachen fahrerischem Können. Nicht deswegen alleine, aber mit ihm als angedachten Prüfstein im Hinterkopf war ich in Hechlingen.

Zuvor noch eine kurze Rückblende. Ich wollte dort mal wieder vorbeifahren, klar. Die Woche in den Vogesen war prädestiniert, auch klar. Und ich hatte schon eine Route geplant inklusive kurzer Pause knapp vor der Kreuzung, wo ich mich von den Straßenfahrern trennen könnte und Annette sich evtl. dafür entscheiden würde, die KTM zu erleichtern. Nun kam es ja anders. Erst fielen wegen falscher Terminplanung unsererseits die Mitfahrer aus, dann auch noch Annette wegen Erkältung. Doch wie wir von gestern her wissen, ließ sie sich dennoch an den Lac de Kruth chauffieren und schickte mich heute alleine Spielen. Die perfekte Gelegenheit.

Der Tag begann mit einem für französische Verhältnisse herzhaften Frühstück unten im B&B. Samt den beiden bös guckenden1 Schweizer Cruiserfahrern, den ganz alten, dem älteren französischen Paar und einem weiteren, daß uns erst heute morgen beim Ausführen der Hundchen zum Morgenschiss aufgefallen war. Macht mit uns fünf belegte Zimmer von fünf. Und klärte endgültig das “Heuresement” von gestern abend. Das sagte nämlich der Motorradfahrer zu mir, als ich die Rückfrage des Wirtes, ob wir reserviert hätten, bejahen konnte und er sich dann auf seine Maschine schwang und davonfuhr. Scheinbar war er in der Warteschleife, falls wir nicht auftauchen. Im Anschluß fuhr ich zum Simply ein paar Orte weiter. Sprit fassen und Brot, Wurst, Käse und was man so braucht. Sogar Annettes Murmeltiertee2 fand sich und eine robuste Straßenkarte der Gegend in brauchbarem Maßstab. Nur der Blattschnitt sollte sich noch als ungünstig erweisen.

Nachdem ich die Beute bei meinem kranken Vögelchen im Nest abgeliefert hatte, konnte ich los. Natürlich nicht die volle geplante Runde, sondern eine Kurzfassung mit den Highlights. Ein altes Fort, zu dem mich mein Enduro-Sensei mal geführt hatte, stand als erstes auf dem Programm. Allerdings ließ ich mich davon abschrecken, daß da was von Gefahr, militärischer Anlage und vor allem Privatbesitz stand. Bei genauen Nachdenken stand nirgends das Wort “Verboten” in irgendeiner Sprache, aber fahrerisch war das ja auch nicht die große Herausforderung. Immerhin gab es bei den 1000 Seen einen kleinen Fotostop. Lohnend bei Kaiserwetter, die paar Wölkchen am strahlend blauen Himmel waren eher abrundende Zierde denn irgendwie bedrohlich. Allerdings gab es dadurch auch ordentliche Temperaturschwankungen. In der Sonne schwitzte ich schon beim Rumstehen, beim Fahren im Schatten fröstelte ich in den dann feuchten Klamotten. Blöd, das. Die Actioncam machte ich da auch gleich am Helm fest. Nur war seltsamerweise der zuletzt noch vollgeladene Akku des alten Smartphones leer, daß ich als Display und Fernbedienung für die Kamera mißbrauchen wollte. Also über Auge gepeilt ausgerichtet und weiter.

Etwas später, immer noch einige Kilometer vom “Zustieg” entfernt, kam ich zu dem Beschluß, daß ich doch den Reifendruck senken möchte. Wofür sonst hatte ich die Pumpe mitgenommen? Und das wäre allemal überschaubarere Arbeit als wieder an der Steigung hängenzubleiben. Ein Parkplatz in einer Linkskurve samt Picknicktisch kam gerade recht. Doch kaum wollte ich loslegen, kam ein Holztransporter an und sein Fahrer gestikulierte wild. Offensichtlich wollte er sich neben den Tieflader auf dem Parkplatz stellen und diesen so endgültig füllen. Und man war wohl der Meinung, daß der blöde Tourist das doch bitte hätte ahnen sollen, statt sich frech da hinzustellen. Meine Flucht wurde dann noch mit Gehupe vom Auto dahinter begleitet.

Dann halt unten im Tal kurz vor der N66 auf dem Parkplatz des Kulturvereins in der prallen Sonne. Egal. Nach der N66 zog sich die Zufahrt zum Col noch eine ganze Weile über gesplitteten Asphalt. Sogar ein Eichhörnchen wollte mich noch zur Umkehr bewegen. Statt froh zu sein, seinen Arsch gerettet zu haben, als es knapp vor mir über die Straße gehuscht war und ich gerade so bremsen konnte, kam es wieder zur Wegesmitte zurück und keifte mich an. Voll auf dicke Hose hat der kleine Nager gemacht! Dann ging alles relativ schnell. Aspahlt weg, ausgewaschener Treckerpfad. Tiefe Rinnen, grobe Steine. Irgendwie doch anders als in Hechlingen. Schwieriger. Nach einem kurzen steileren Stück dann die Erkenntnis, daß ich mit dem Tankrucksack nicht ordentlich stehen kann. So nutze ich eine flache Stelle, um anzuhalten und den Tankrucksack auf dem Rücksitz zu verzurren. Koffer hatte ich natürlich nicht mit, dafür hatte sich der Kanister auf den Gepäckträger etwas verschoben.

Gipfelsturm! Gleich drauf wurde es wieder steiler. Nicht so steil wie in Hechlingen, aber lang. 350m bis zum Gipfel. Und ausgewaschener. Prompt kam mir auch noch ein Auto entgegen! Aber es ging alles gut. Bevor ichs glauben konnte, war ich oben! Und auch schon wieder auf dem Weg nach unten, irgendwie war eine Rast oben in dem Modder nicht einladend. Kurz vorm Tal machte ich dann neben einem Radfernweg noch Rast, berichtete Annette per SMS, ließ mich zufällig von der Firma anrufen, machte Fotos von einem Schwalbenschwänzchen und brachte meine Reifen wieder auf Straßendruck. Der restliche Weg unter möglichster Vermeidung von Ortschaften verlief wie im Fluge.

Ausgiebige Brotzeit, Duschen, Track ansehen. Wow, hat gut hingehauen. Nur die Kamera war dann doch zu tief eingestellt. Jetzt habe ich minutenlang alles zwischen meinem Tankrucksack und der Scheibenoberkante aufgenommen. Da könnte man heulen!

Abendessen war noch etwas abenteuerlich. Annette wollte es sich verdienen. Und in den Ort laufen, ca. 3km einfach bis zum empfohlenen3 Restaurant. Runterzus noch kaum ein Problem, blöderweise gibt es ein Stück weit aber keinen Gehweg neben der Straße und so muß man an der Straße laufen. Zurück dann im Dunkel einer hereinbrechenden Vollmondnacht. Wobei der Mond sich Zeit ließ, hinter Berg und Wolken hervorzukommen, dafür leuchteten die Gipfel helle. Annette hatte zwar ihre kleine Taschenlampe, ich jedoch nur meine kleine Notfunzel aus dem erweiterten Bordwerkzeug. Damit hatte ich halt mal nicht gerechnet, wo ich doch sonst übervorbereitet bin. Und daheim liegen zwei astreine Photonenwerfer mit gebündelter Reichweite oder riesiger ausgeleuchteter Fläche. Immerhin haben wir so die Kühe4 und Rehe5 nicht all zu sehr gestört. Das Essen war ok, Annette hatte Forelle Müllerin und ich ein Rösti mit Speck und Munster. Wobei dies mit seiner Creme Fraîche weniger ein goldgelb angebratener und überbackener Fladen war, sondern mehr ein Gemenge wie Kässpätzle, nur eben mit Kartoffelstiftchen. Und Zwiebeln, obwohl bei der von mir bestellten Version keine erwähnt wurden. Die erwähnten sind dann wohl eher “extra Zwiebeln”. Nun denn. Annette konnte mir nach ihrem Fisch, der von der Azubine am Tisch filetiert worden war, noch etwas aushelfen. Da ihre Salzkartoffeln auch durchaus unterschiedliche Garzustände hatten, ist das alles in allem keine Einladung zur Wiederholung. Auch wenn die Wirtin sehr herzlich und gesellig war.


Und hier noch das misslungene Video:

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  1. zumindest einer davon []
  2. kein Tee natürlich, ein Aufguß mit Äpfeln und Zimt []
  3. empfohlen deshalb, weil heute und morgen in der Auberge, zu der unser Chambre d’Hôtes gehört, Ruhetag ist []
  4. schlafend []
  5. äsend []

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