März 2016
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Erster Bummeltag

So richtig kamen wir heute morgen doch nicht in die Pötte. Zwar hatte ich pünktlich die Kamera im Anschlag, um die Flaggenparade im Kommando-Ausbildungslager gegenüber aufzunehmen, aber das Frühstück zog sich. Richtig toll war das Wetter nicht, es stürmte und sah feucht aus. Und wir wollten ja unbedingt auf den Markt.

So brachen wir dann auf. Auf dem Markt war tatsächlich etwas Betrieb und man war hochmotiviert, den wenigen anwesenden Touristen, also auch uns, etwas zu verkaufen. Es blieb bei Vesperkäse, erst mal. Ich monierte dann, daß wir es noch schaffen würden, abzureisen, ohne vorher die berühmte Kirche des Ortes besucht zu haben. Deren Turm haben wohl nicht nur wir anfangs für einen Leuchtturm gehalten, so wie sie direkt am Wasser steht. Hinzu kam, daß unsere Nachbarn dort auch recht umtriebig waren. Zum einen kruschdelden sie an dem Boot herum, das offenkundig zu der Trainingseinrichtung gehört, wohl Motorschlauchboote transportieren soll und dessen Kran wohl nicht so recht funktionierte. Jedenfalls frickelte einer dran rum und mindestens fünf weitere schauten mit besorgter Miene zu. Wie auf der Baustelle 😉
Auch sahen wir die Schlauchboote wieder, die sie gestern quasi mitten im Ort transportfertig auseinandergenommen hatten: Sie schwammen mit je 6 Mann besetzt im Hafen rum. Einmal um die Kirche rum zum kleinen Strand wurde gepaddelt, dann sicherte eine Vorhut die Kirche und der Rest landete an. Schon ein bizarres Bild, wie ein Soldat in Tarnschminke neben einem Akkordeonspieler kniet, sein Paddel wie ein Gewehr1 hält und beide so schauen, als würden sie jeweils das normalste der Welt machen. Leider hatte ich mal wieder zu viel Scheu, einfach drauf zu halten mit der Kamera. Frankreich soll da übrigens besonders pingelig sein, was die Verletzung von Persönlichkeitsrechten angeht…
Jedenfalls gab es nach erfolgter Landung und Rückzug zum Strand dort noch ein Kritikgespräch, dann wurde wieder zu dem Kanal unterhalb des Château Royal gepaddelt. Und wohl so, wie wir es gestern gesehen hatten, wieder die Schlauchboote zerlegt. Wir aber knipsten noch ein wenig die Brandung an der Küste.

Zurück auf dem Markt griff ich mir noch eine Pizza ab. Die verputzte ich in der Unterkunft, während Annette mit dem Brot vom Frühstück, das sie hatte mitgehen lassen, ihren Käse mümmelte. Inzwischen war es ja trocken und so betrachtete ich das „nur kurz mal hinlegen“ mit Sorge. Zu recht, kurz darauf begannen die Waldarbeiter ihr Werk.

So las ich ein wenig, überspielte Bilder und fummelte am GPS. Immerhin kamen wir dann doch noch los, obwohl ich mir wegen dem angeblich ab 16Uhr einsetzenden Regen erneut Sorgen machte. Was ein permanenter Kummer… 🙂 Wegen der Kürze der verfügbaren Zeit fuhren wir flugs an Port-Vendre vorbei bis zu dem Strand kurz vor der ehemaligen Dynamitfabrik. Der dortige Parkplatz bot sich an, weil ich nicht wusste, wie benutzbar der des Landschaftsparks auf dem ehemaligen Firmengelände ist. Immerhin sollte es laut Wanderführer eine Umgehung geben, falls das Gelände geschlossen ist. So stellten wir also unser Auto an der Plage Bernardi ab und landeten entlang des Sentier Littoral gleich mal auf dem Gelände des Parks. Immerhin ohne Eintritt und der offensichtliche Weg führte driekt durch. So machten wir dann ein weiteres Stück der Küstenwanderung, die wir gestern teilweise begangen waren. Am Cap d’Ullastrell hatten wir dann noch eine ganz nette, aber schlecht beleuchtete Sicht auf das gestern von uns besuchte Cap Béar mit seinem Leuchtturm. Banyuls war auf dem weiteren Weg schon in Sicht und nicht sehr einladend. So machten wir zum richtigen Zeitpunkt kehrt, denn kaum im Auto erreichte uns der Regen, der für 16Uhr angekündigt war. Zum Glück eben mit reichlich Verspätung.

Auf dem Rückweg versorgten wir uns im Super U von Port-Vendre noch mit Trinkwasser, Souvenirwein2 und Trauben. Auch hatten sie die von mir begehrte knitterfrie Straßenkarte von der Gegend. Nur leider die 2015er Ausgabe und im Reisebuchladen hatte man mir ja erzählt, daß spätestens im Februar die neue Auflage zu haben sein sollte. Da schlug ich dann doch nicht zu.

Zum Abendessen kehrten wir dann im La Tremail ein. Das liegt direkt neben der Empfehlung Casa Leon, hatte aber die interessanter klingende Karte und schnitt bei Tripadvisor auch nicht schlecht ab. Die junge Dame hatte ihren sich rasch füllenden Gastraum gut im Griff und auch hinter der Theke wirkte so manches sehr routiniert. Wie zum Beispiel, daß sie statt eine Leiter zu holen sich wie beim Kaminklettern zwischen zwei eng beeinader stehende Wände presste, um aus den oberen Regalen was zu holen. Tolle Show, dazu noch Erklärungen auf Englisch für Annette, während ich stur beim Französisch blieb. Irgendwann muß man ja mal üben!

Leider jedoch blieb das Essen dem gegenüber ein wenig zurück. Beide hatten wir das Fischermenü für 18€. Meine Vorspeise sollte eine gemischte Tapasplatte mit grünem Salat sein, die von Annette ein spanischer Salat. Beide hatten wir dann den grünen Salat, ein Stück Tomatenbrot und eine Scheibe Iberico-Schinken. Annette hatte noch ein paar Schnitze Manchego-Käse und ich die marinierten Anchovies. So ähnlich sahen sich dann zwei Teller, die auf der Karte so unterschiedlich klangen. Annettes gegrillte Sardinen zum Hauptgang waren dann doch größer als erwartet und mussten filettiert werden, statt daß sie sie am Stück so weghapsen konnte. Mein Fischereintopf wirkte auf den ersten Blick wie eine Kinderportion, war dann aber doch ausreichend dimensioniert. Ein paar Kartoffelstücke, ein paar Stücke Tintenfisch, drei größere Fischfiletstücke und ein paar Muscheln (samt Schale) waren die festen Bestandteile in einer Fischbrühe, die doch deutlich dünner war als die sämige Fischsuppe, die wir schon so oft hatten. Dafür gewann der Nachtisch wieder. Ein sehr luftiger Eischaum in leckerer Soße als Île flottante und eine Créme Catalan mit mehr Geschmack in der Creme und weniger Röstaromen als gestern3 versöhnten wieder halbwegs. Kaffee habe ich dennoch nicht genommen. Immerhin gab es vorher einen Banyuls-Wein als Aperitiv und ein Viertele Rose zum Essen. Letzterer war auch etwas ungewöhnlich: Legte geschmacklich ganz gut los, um dann sich in Nichts aufzulösen. Null Abgang, als hätte man gerade einen Schluck Wasser getrunken.

So dackelten wir dann wieder im Nieselregen „heimwärts“ und hauen uns bald ins Bett. Auch wenn morgen Dauerregen angesagt ist und wir quasi nix zu tun haben außer uns zu erholen und ein wenig den Rest der Woche zu planen.


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  1. richtige hatten sie nicht mit []
  2. es gab dort den, den ich gestern Abend im Restaurant direkt aus der Flasche eingeschenkt bekam und für gut befunden hatte []
  3. da wurde an ein paar Stellen die Schwelle zwischen Karamell und Kohle überschritten []

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