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Garmin Vivoactive HR

Da liegen seit Jahren angefangene Test von irgendwelchen Geräten rum und hier kommt einer, bevor ich das Gerät offiziell habe. Hintergrund: Ich sollte es testen, ob es als Geburtstaggeschenk taugt. Ja, und genau deswegen muß ich auf die Verwendung warten und habe Ausreden für den Sport.

Kurzum, was ist das eigentlich? Fitnessarmbänder sind im Kommen, Smartwatches auch und der (die?) vivosmart HR ist keines so richtig. Zu viel Uhr, zu groß, aber nicht so klotzig wie befürchtet für ein Armband. Dafür mit mehr Funktionen. Aber es fehlen typische Smartwatchfunktionen und sie läuft unter einem eigenen Garmin-System, nicht Android Wear. Damit auch schon der erste Haken: Die Garmin Connect App muß auf dem Smartphone laufen, will man Benachrichtigungen von diesem an der Uhr erhalten. Es reicht nicht, daß die Bluetooth-Verbindung am Akku nuckelt.

Also, was kann das Teil? Zuallererst Schritte zählen. Manchmal ungenau, denn der Arm sollte schwingen, damit die Bewegung auch als Laufen gewertet wird. Wer viel durch die Gegend trägt, bekommt auch viele Schritte nicht gewertet. Dafür wird einiges als Schritt gewertet, was keiner ist. Am Tresen stehend und Sturmhauben aufrollend bin ich laut Schrittzähler verdammt weit gekommen. Insgesamt gleicht sich das aber wohl alles aus. Insofern Test bestanden, passt.

Stockwerke kann das Gerät auch zählen. Irgendwie über den integrierten barometrischen Höhenmesser. Und, um Fahrstuhlschummler nicht zu belohnen, über die Schritterkennung. Kistenschleppen im Laden wird also nicht oft genug gewürdigt. Zudem sind die Stockwerke wohl ein wenig zu niedrig. Gezielt den Arm hochstrecken im oberen Stock hilft aber, auch wenn es albern aussieht.

Der interessanteste Teil ist daber das „HR“ im Namen. Pulsmessung. Am Handgelenk, ohne die Notwendigkeit, einen Brustgurt zu tragen und dafür erst mal dabei haben zu müssen. Das heißt, der Puls wird permanent aufgezeichnet und gespeichert. Entsprechend gibt es „Belohnungen“ für Anstrengungen, „Zeiten mit hoher Aktivität“ genannt. Kisten die Treppen hochschleppen wird also doch irgendwie gewürdigt. Das entscheidende Feature für den Punkt Motivation weiter unten. Ganz nebenbei wird über die Bewegungserkennung und den Puls nachts auch noch gleich das Schlafverhalten analysiert. Sah bisher auch ganz interessant aus.

Irgendwelche Navigations- und Wegpunktfunktionen sind in Zeiten von GPS-ausgestatteten Smartphones zwar nicht bitter notwendig, aber am Handgelenk ganz bequem. Dazu kommen dann noch die Aktivitäten. Die kann man selbst definieren und vor allem bestimmen, ob hierfür das stromfressende GPS genutzt werden soll. Ohne läuft die Uhr mehrere Tage, mit nur ca. 8 Stunden. Und Radeln auf dem Trimmrad im Keller ist so schnell was anderes als auf dem echten Rad.

Zu den Smartwatch-Funktionen. Man kann nicht Telefonieren, keine Texte diktieren und auch keine kompletten Mails auf der Uhr lesen. Das ist zum Teil schade, denn ersteres wäre klasse gewesen, ebenso zweiteres mit einer Sprachnotizapp. Na gut. Aber die Uhr hat einen Vibrationsalarm. Der erinnert nativ auch gerne mal dran, seinen Hintern vom Schreibtischstuhl zu erheben und ein wenig zu gehen. Aber auch an jede Nachricht vom Telefon. Inklusive eingehende Anrufe. Lautlos. Wirklich lautlos, also auch ohne die hörbare Vibration eines Telefons, welches man in der weiten Tasche einer Cargohose auch mal gar nicht spürt. Anrufe verpassen, weil das Telefon noch auf lautlos steht? Geschichte! Nur, die Garmin-App muß laufen. Und die Verbindung muß stehen. Das hakt gerne mal zwischendurch und ist ein wesentlicher Kritikpunkt.

Ansonsten werden halt noch diverse Auswertungen auf der Uhr oder detaillierter auf dem Telefon angezeigt. Oder, nächster Kritikpunkt, gleich online. Die App lässt sich ohne Garminkonto gar nicht erst starten und synct die Uhr nicht nur mit dem Telefon, sondern gleich mit einem Server. Ja, wie das einem Paranoiker wie mir reinläuft, lässt sich schlecht erklären. Das Pendel schwingt in eine andere Richtung. Es gab mal vor Jahren ein Protestprojekt, da stellte jemand minütlich(?) seine Position online und fotografierte jedes von ihm benutzt Pissoir. Flutet die Welt mit Daten, dann muß man schon nicht suchen und andere Quellen falsch interpretieren. Wenn es wirklich an der Zeit ist, den Aluhut aufzusetzen, fliegt die vivoactive als erstes in den Schrank. Versprochen.

Schön, ein kleines elektrisches Gerät kann alles Mögliche. Nett. Und warum will man das nun haben? Nun denn, es reizt und quält den inneren Schweinehund. Letzte Woche bin ich noch mal ne Bonusrunde Rad gefahren, nur um die 60km für die Woche voll zu bekommen. Nebenbei habe ich auch neue Wege erkundet. Und genau da liegt die Verlockung der Uhr. Nur noch 500 Schritte bis zum Tagesziel? Komm, da gehen auch noch 800, bevor ich auf die Fernsehcouch niedersinke. Schönes Wetter auf dem Heimweg und Zeit über? Aktivität „Radfahren“ einschalten, Puls genauer und auch die Strecke mitloggen. Mal eben so, ohne den Brustgurt samt Forerunner mitgenommen zu haben. Einen Umweg laufen? Gerne, pusht das Tagesziel und bei der Gelegenheit kann man gleich mal unbekannte Wege gehen und aufzeichnen. Klar, man kann sich zu so etwas auch ohne Uhr motivieren und die Auswertung kann einem auch egal sein. Aber der kleine Teufel am Handgelenk kann fordernder sein. Und ach ja, man kann bei jedem Wiegen sein Gewicht eingeben. Wenn dann mal die Zusammenhänge zwischen Aktivität und Gewicht sichtbar werden, ist wieder was für die Motivation getan.

An der Stelle sollte ich noch kurz die eben erwähnten Ziele erläutern. Die Uhr ist kein stiller Beobachter, sie will haben. Eine bestimmte Schrittzahl am Tag, eine bestimmte Zeit mit hoher Aktivität1 in der Woche. Zu erklimmende Stockwerke werden vorgegeben. Und natürlich gelobt, wenn man das Ziel erreicht oder gar weit übertrifft. Oder eben mal am Handgelenk rumvibriert, wenn man couchkartoffelt. „Beat yesterday“ lautet der Werbeslogan, frei etwa „Übertreffe den Vortag“. Das ist für den Mathematiker natürlich klar unmöglich und auch sonst irgendwann hoch gegriffen. An einem Tag nach drei Marathondistanzen könnte einem da schlicht die Zeit zu knapp werden. Mal sehen, wie sich das einpendelt. Mit 5000 Schritten ging die Vorgabe los, am ersten vollen Arbeitstag frohlockte die Uhr über meine über 11000. Irgendwann wird sicher der Punkt kommen, an dem es heißt: „Hey, Du hattest schon oft 15k geschafft, aber was soll’s, 12K sind auch ok und weit überm Schnitt…“. Mal sehen. Und was die Kiste zu Wanderungen sagen wird.

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  1. ersatzweise die doppelte Zeit mit nicht ganz so hoher Aktivität []

1 comment to Garmin Vivoactive HR

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