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Ernährungsgewohnheiten und Sport

Aus gegebenem Anlass…

Ohne jetzt zu sehr mit den Fachbegriffen rumwerfen zu wollen, versuche ich das mal zu erläutern. Autophagie und Getongenese kann jeder selbst nachschlagen.

Ich werde also meine Ernährung noch mal ein wenig umstellen. Die Milchprodukte wegzulassen hatte zwar nicht ganz den ersehnten Erfolg, aber es ist wohl ein Schritt in die richtige Richtung. Auch auf einem anderen Weg werde ich einen Schritt weiter gehen bzw. konsequenter sein. Oft wurde mir vorgehalten, es wäre doch so ungesund, ohne Frühstück den Tag zu starten. Jein. Aktuelle Studien, nicht zuletzt wurde dafür indirekt auch der letzte Medizinnobelpreis vergeben, zeigen anderes: Entwicklungsgeschichtlich ist nicht nur der Mensch, sondern schon viele Vorläufer, darauf ausgelegt, Hunger zu haben. Also nicht magenknurrend an nichts anderes als ans Essen mehr denken zu können, sondern einfach keine Nährstoffe aktuell aus der Nahrung zu bekommen, weil die eben schon verdaut ist und noch nichts Neues aufgetrieben wurde. Also gerade nicht der ständige Nachschub, den man heute hat und sogar gerne propagiert. „Lieber 7 kleine Mahlzeiten am Tag als drei große“ ist so eine beliebte Diätaussage.

So eine Zelle ist aber irgendwie wie unsereins auf der Arbeit. Wenn es ständig was zu tun gibt, ständig Nährstoffe reinkommen, dann kommt man zu nix. Irgendwann aber, wenn es ruhiger ist, dann kann man mal den überquellenden Papierkorb leeren, Unterlagen sortieren etc. Genau diese Ruhephase gönnt man der Zelle mit ständigem Nahrungsnachschub nicht. Und so kommt es, daß Zellfragmente rumlungern, die eigentlich längst mal wegverstoffwechselt gehören. Der zelluläre Papierkorb quillt über weil – ja weil es ständig Nährstoffnachschub gibt. Kein Bedarf, körpereigene, wenn auch inzwischen überflüssige oder gar schädliche Komponenten zu verbrennen. Aber die müssen weg.

Kurz und gut: Kommt der Glukosestoffwechsel aus der Leber zum Erliegen, weil das Essen wegverdaut ist, springt irgendwann der Fettstoffwechsel an und mit dem Traum aller Übergewichtsgeplagten: Körperfett wird verbrannt. Aber dazwischen gibt es eine Durststrecke für die Zellen. Und was machen sie? Verbrennen alles, was aktuell nicht gebraucht wird. Muskeln zehren vom Bindegewebe. Aber nicht willkürlich, sondern es wird das verbrannt, was am wenigsten gebraucht wird. Was eh weg kann. Und so auch weg kommt. Ob man dann isst oder die Energieversorgung aus dem Fettspeicher kommt, ist egal. Nährstoffe fließen dann so oder so wieder.

Der Trick ist nun, diese Phase zu erreichen. Man hatte ja auch früher schon gerne Heilfasten betrieben, sogar Hippokrates riet schon dazu. Haken an der Sache: Ist man einmal durch und verbrennt die Fettreserven, ist der Effekt schon wieder durch. Denn die Fettverbrennung hört nur unter zwei Bedingungen auf: Man isst, bekommt also wieder aus externen Quellen Nährstoffe, oder das Fett ist alle und man verhungert. Somit ist es gar nicht wichtig, tagelang zu hungern. Im Gegenteil. 14 bis 16 Stunden am Tag, dann wieder fein essen, damit der Nachschub rollt. Klar, wer länger auf Reserve läuft, wird mehr Fett los. Und ja, so wird ständig das Ansetzen von Körperfett trainiert, weil in den ca. 8 Stunden am Tag mit Nahrung für den ganzen Tag gegessen wird. Aber der Abbau wird im gleichen Ausmaß trainiert. Der Körper lernt wieder, mehr die Stoffe dafür zu produzieren. Für Abhnehmer bestünde der Trick dann darin, in diesen 8 Stunden weniger zu essen, als man eigentlich für den Tag braucht. Denn der Körper ist irgendwo auch den Gesetzen der Thermodynamik unterworfen: Er kann nicht mehr Energie abgeben, wie zugeführt wurde. Und umgekehrt. Defizite oder Überschüsse an Energiezufuhr müssen ausgeglichen werden aus den Fettspeicher.

Und da ist der interessante Punkt, der bei mir schon nach wenigen Tagen auftrat1: Es gibt keinen Hunger an sich. Kein magenknurrendes Warten aufs Essen. Mein Körper schaltet brav auf Reserve und läuft weiter. Es wird schon was geben. Und irgendwie so, wie es Clemens Gleich mal schrieb2:

Ich freue mich nicht auf meine Käsestulle, sondern ich esse sie, wie ich meine KTM betanke: damit es weitergeht.

Passenderweise fährt er auch KTM. Aber ich habe auch einen guten Start für die Umstellung. Zum Einen war ich nie der große Frühstücker, womit wir wieder am Anfang wären. 8 Stunden Schlaf, dann noch 6 Stunden bis zum Mittagessen warten – Fertig ist das Heilfasten im Alltag. Wichtig nur, daß eine Regelmäßigkeit reinkommt, an der ich noch arbeiten muß. Denn jeden Tag andere Pausenzeiten zu haben, verwirrt da wohl den Körper. Als ob man früher die Gazelle pünktlich zur Mittagspause erlegt hätte… Außerdem fiel mit den Milchprodukten (Schokolade!) vieles weg, das ich zwischendurch, gerade in dieser perfekten Fastenphase, in mich reingemümmelt habe. Fiese Kalorien ohne Vitamine und zudem ein Dauerticket für die Insulinachterbahn.

Ok, ich sehe sie, die Frage die den aufmerksamen Lesern schon lange im Gesicht steht: Redet der grade vom Abnehmen, wo er doch seit Wochen darüber jammert, daß er ohne großes Zutun Gewicht verliert? Nein, tut er nicht. Ich esse immer noch gerne, besonders wenn es schmeckt und was Besonderes ist. Kann aber beim Mittagspausenmampf mittlerweile einfach aufhören, wenn der Tank voll ist. Mein Gewichtsverlust der letzten Zeit ist wohl mal wieder Muskelmasse wegen der verfluchten Schulter mit ihrem verdammten Impingement. Da muß wieder aufgebaut werden. Und gerade da habe ich mich letztes Wochenende überrascht: Bewegungsdrang. Gerne leider auch mal ausgebremst, der sich dann aber auch in der heimischen Muckibude Bahn brach. Muskelkater heute ist die Quittung, aber der Weg stimmt: Mehr bewegen, mehr Muskelaufbau. Dann steigt auch wieder das Gewicht, selbst wenn mein BMI eh im oberen gesunden Mittelfeld ist. Aber es wird steigen, indem der immer noch vorhandene Schwimmring sich auflöst und dafür wieder Muskelmasse aufgebaut wird. Die Zellen freuen sich schon auf die Aufgabe, entrümpeln fleißig und verstoffwechseln alles, was keine Miete zahlt. Gesünder ist alles zusammen allemal.

Und abschließend: Nein, es geht nicht darum, mich „krass zu machen“3, sondern wieder gesünder und leistungsfähiger zu sein. Ein wenig Kessel gehört dazu. Das ist eine alte Weisheit aus den Bergen: Am Gipfel kommt der leicht Wamperte eher an als der ausgemergelte Athlet, der unterwegs regelrecht verhungert. Er hat seine Vesper nämlich immer dabei. Nicht im Rucksack, sondern schon gut aufbereitet im Kessel.

 

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  1. ich habe es vergangene Woche probeweise durchgezogen, war ein Tip vom Medizinmann []
  2. die eine oder andere Formulierung ist bewusst oder auch unbewusst von ihm abgekupfert, darum ist die Erwähnung hier das Mindeste []
  3. aktuelle Werbung irgendeiner bodygebildeten Fernsehhackfresse []

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