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Pointe du Grouin

So der Name der Wanderung im Rother-Führer. Blut, Schweiß und Tränen? Naja, das wäre auch übertrieben. Aber irgendwie ein weniger lustiger Tag.

Früh waren wir wieder unterwegs. Die Baustelle vor Dinard und den Berufsverkehr meidend überquerten wir die Rance weiter südlich und kamen so quasi von hinten über Cancale zum Parkplatz am Strand von Le Verger. Die Wanderung ist quasi eine liegende 8 und die linke Schleife soll laut Führer der Abschluß sein. Wir machten sie zu Anfang, damit wir um die Mittagszeit bei den Einkehrmöglichkeiten sind. Annette startete gleich Richtung Strand, der aber außer Sand in den Schuhen nichts einbrachte. Zwei Landzungen mit ein paar Höhenmetern weiter gab es dann die Insel Guesclin samt Fort anzusehen. Rübergehen fiel wegen Hochwasser aus, war aber auch irgendwie nicht einladend. Zurück durchs Landesinnere. Dunkle, feuchte Wälder und freie, sonnenverbrutzelte Felder kann man mögen, muß man aber nicht.

Auf dem Weg durchs Landesinnere Richtung Cancale, dem Beginn des zweiten Teils der Wanderung, sollte wenigstens der See beim Strand gleich locken, mit Vögelchen gucken und so. Und eben die Aussicht aufs Essen, nach welchem es dann nur noch an der Küste lang bis zurück zum Parkplatz gehen würde. Guter Plan. Schlechte Realität.

Von den Vögeln sah ich nur an der Kapelle was aus der Ferne. Der Weg sollte ja quasi am See langgehen, also kein Grund für Umwege davor. Tja, dann ein Absperrband überm schmalen Weg und ein kreischendes Fichtenmopped. Karer Fall, Baumarbeiten, da sollte man die Sperrung nicht ignorieren. Ein Stück Rückweg gehen und dann einen eingezeichneten Weg quer rüber klang nach einem Plan. Bis sich ein Teil des Rückwegs laut Wanderführer als zugewucherter Trampelpfad entpuppte. Annette hatte zum Glück lange Hosen an, aber ich verlor nach der halben Strecke1 in kurzen Hosen durch Dornengestrüpp und Brennesseln die Lust. Zumal das Dickicht immer dichter wurde. Also größerer Bogen übern Strand, Schuhe auskippen, feststellen, daß der vermeintliche Weg am anderen Ende gar nicht erkennbar ist und die Baumarbeiten just an der Kreuzung. Aber kein Problem, in unsere angestrebte Richtung konnte man gehen.

Irgendwann waren wir dann über Felder und durch Dörflein so weit rumgestolpert, daß wir am Meer ankamen. Fein. Einmal um die Pointe du Chatry rum und dann sollten am Strand drei Einkehrmöglichkeiten locken. In die erste liefen gleich die Franzosen, auf die wir aufgelaufen waren. Die zweite wäre der Tripadvisor-Tip gewesen, gut und günstig. Und geschlossen. Die dritte wirkte ein wenig rumpeliger, außerdem saß man draußen in der prallen Sonne. Da gabs im ersten Lokal Schatten und auf der Tafel standen ja menümäßig etliche Gerichte. Wir ließen uns nieder, zumal man auch mal wo hin musste.

Kurzum: Nicht schlecht, aber das andere Lokal, das dann auch deutlich voller wurde, wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Das vermeintliche Menü auf der Schiefertafel war schlicht ein Auszug aus der Karte, ohne Preise, ohne Menü. Gabs nicht. Der Fisch des Tages2sagte mir nichts, also bestellte ich zwei Mal den von Annette bereits bevorzugten Kabeljaurücken. Dazu ein Gläschen Cidre für mich und die typische Karaffe Wasser. Gut, sprachlich hatte ich irgendwie gerade Ladehemmung, abder der Kellner und ich haben komplett aneinander vorbeigeredet. Bzw. er war trotz seiner Jugend von der alten Deutschenhasserschule und zog sein Ding durch. Brachte erst mal zwei Gläser Cidre und kein Wasser. Dann den Fisch mit Beilagen, fertig. Mit einer Ausstrahlung, als wolle er die blöden, nicht perfekt französisch sprechenden Wanderer, die dann auch noch mit Englisch(!) anfangen wollten, gar nicht auf seiner Terasse haben. Immerhin habe ich mit ihm klären können, daß man an der Bar drinnen zahlt. Die Dame dort tippte auf dem Bildschirm auf einem Lageplan des Lokals rum, erwischte wohl unseren Tisch, fand den von mir erwähnten Kabeljau nicht, ließ einen Bon raus, stornierte, tippte rum, ich schaute auf dem Bildschirm mit. Zwei Cidre. Nö, so nicht! Während sie wieder stornierte, machet sie den inzwischen in der Nähre rumlaufenden Kellner dumm an, der dann wieder was von Fisch des Tages fabulierte. Zwei Stornos später konnte ich dann zahlen. Wir hatten wohl doch den Tagesfisch, immerhin pro Teller einen Euro günstiger. Meinetwegen. Lecker war es immerhin, aber nix wie raus!

Mit Bewölkung und so war übrigens nicht viel, es brannte die Sonne. Und irgendwie ist hier alles bebaut. Wir hatten uns vor zwei Jahren noch gewundert, warum ein lieblicher Küstenabschnitt „Wilde Küste“ heißt. „Wild“ im Sinne von unzivilisert, unbebaut wohl. Naja, rum um die Pointe du Grouin, an der Küste lang wieder zurück zum Parkplatz am Strand. Der zugewucherte Weg wurde wieder übersehen und wir waren in der prallen Sonne endlich wieder am Auto.

Annette hatte festgestellt, daß heute der ideale Tag für den Strand wäre. Strandzeugs war ja im Kofferraum, Zeit hatten wir, warum also nicht. so greiteten wir uns aus, ich zog schon mal die Badehose an, aber irgendwie ging es dann doch nicht ins Wasser. Einen Effekt hatte die halbe oder dreiviertel Stunde dann: Ich wechselte an manchen Stellen, besonders den Unterarmen, von gar zu gut angebraten. Sonnenbrand. Den hatte es jetzt noch gebraucht. Im SuperU von Cancale kühlten wir uns dann ein wenig ab, kauften zum Reservebrot von morgens noch etwas mehr ein fürs Abendbrot und machten uns auf den Heimweg. Duschen, Sand aus der Wohnung saugen, Abendessen, Planung für morgen. Letzter voller Tag hier in Plancoët.

 

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  1. 15m []
  2. ohne Preisangabe übrigens []

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