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Rosa Granitpuffins und so

Ja, ganz schön verwirrend, wie viel wir heute erlebt haben. Zwei Optionen hatten wir und beide genommen.

Der Abend an der Rosa Granitküste war quasi gesetzt, weil wir am Abend vor der Abreise nicht zu spät nocht was unternehmen wollten. Die Bootstour zu den Sieben Inseln1 mit ihren Vogelkolonien wollten wir aber auch. Die startete heute um 09:45 Uhr, Ticketreservierung empfohlen. Das hatten wir gestern nicht rechtzeitig hinbekommen und peilten deshalb an, entweder früh genug da zu sein, um eh noch Tickets zu bekommen oder reservierte, die nicht abgeholt wurden2 oder halt für morgen zu reservieren. Passte aber alles, nur Annette ging es auf einmal nicht mehr so gut. Mit flauem Kreislauf setzte sie sich hin und wir schauten dem Treiben erst mal zu. Schlange standen sowieso die Teilnehmer einer Sondertour einer Vogelschutzorganisation. Die sollten eine Viertelstunde vor uns ablegen.

Annette betüddelnd habe ich dann auch nicht mitbekommen, daß still und heimlich der Rest eine Schlange gebildet hatte und zum Vogelfreundeboot nur noch vereinzelte Nachzügler huschten. Naja, wir blieben sitzen und gingen so ziemlich als letzte an Bord. Schaumermal. Das 70-210er F4 hatte ich mithilfe des 2x-Konverters schon mal zum 140-420 F8 umgebaut. Ein zweites Mal auf dieser Reise vermisste ich meine Flak. Aber den Brummer nur deswegen mitschleppen wäre auch nix gewesen und hätte heute wohl zu einigen Kopfverletzungen geführt. Jedenfalls setzten wir uns erst mal innen ins Boot, das irgendwie genau so aussah wir die Faähre gestern.

Bei der ersten und am stärksten bebrüteten Insel angekommen suchten wir uns dann wie so manch andere auch unser Stehplätzchen. Ich hielt mich mit dem langen Tele vornehm zurück, machte da doch ein Meter mehr oder weniger nicht so viel aus. Dachte ich. Aber dann fand sich doch immer mal wieder ein hochgereckter Kopf, ein mal eben hochgehaltenes Telefon3 oder einfach der Schwenkwinkel war zu klein, um einen vorbeifliegenden Vogel zu erfassen, scharfzustellen und eben nicht abzudrücken, sondern irgendwas im Bild zuhaben. Hab aber in dem zahlreichen Ausschuß4 ein paar Treffer. Annette war ganz gerührt, nachdem wir dann endlich auch mal Puffins5 live gesehen hatten. Wie kleine Entchen schwammen sie fischend ums Boot herum. Im übrigen wurde das immer wieder gedreht und so manövriert, daß man von jedem Platz aus was sehen konnte. Was lernten wir also aus dem ganzen: Früh an Bord gehen, guten Platz am besten an Oberdeck abgreifen, am Platz bleiben. Auch wenn die Musik erst mal auf der anderen Seite spielt. Später am Tag sollten wir dann auch noch erfahren, daß es ab kommender Woche eine Tour als Vogelsafari geben soll. Keine Kinder unter 16, kleines Boot mit guter Aussicht, speziell zu den Vögeln ohne den restlichen Kram wie Leuchtturm und so, den es auf der Tour dann auch noch gab. Ach und ja, eine der rund 30 ortsansässigen Robben steckte auch ihren Kopf aus dem Wasser. Wir wollen wiederkommen!

Zur besten Zeit, um sich eine Mittagseinkehr zu suchen, waren wir wieder zurück im Hafen. Einmal die Freßgasse lang und entschieden. Annette hatte Jakobsmuschelspieße und ich setzte wieder mal den hiesigen Miesmuschelbänken zu. Moules Frites6 sind quasi die Currywurst mit Pommes rot-weiß der französischen Küstenregionen. 😉 In die inzwischen wieder fitte Frau passte sogar noch ein üppiger Nachtisch, der bei mir als süßer Crepe ausgeführt wurde.

Im Ort endet auch eine von uns ausgewählte Wanderung des Wanderführers. Als eine der wenigen Streckenwanderungen sollte man hier parken, mit dem Bus zum Startpunkt fahren und dann wieder hierher laufen. Das war Plan B für heute, da der Bus selten fährt und für uns nur sinnvoll zeitgleich mit dem Boot. Alternativ wollten wir die Wanderung in zwei Teile zerlegen, den weniger interessanten Mittelteil auslassen und zwei Rundwanderungen draus machen. Frisch gestärkt passte das für heute Nachmittag und so holten wir uns einige der bizarren Felsen der Rosa Granitküste vor die Linsen. Beziehungsweise trugen die Linsen zu den Felsen, eh klar. An einem Strand kurz vorm Umdrehen knipste Annette wieder Leute, nachdem es ihr ein aufblasbares Einhornbootchen angetan hatte. Die interessantesten Punkte hatte ich mir mit dem GPS für den Abend markiert. Passenderweise liegen sie alle bei einem Parkplatz, denn die ersten zwei Kilometer vom Strand weg waren eh eher Pflichtprogramm als toll. Zurück an selbigem war der Markt dort voll in Schwung. Annette ließ sich bei strahlendem Sonnenschein einen pfiffig gestalteten Regenschirm aufschwatzen anempfehlen und wurde auch bei einer neuen Umhängetasche fündig. Der Weg zu einem Supermarkt, um eine Abendvesper einzukaufen erwies sich nicht nur weiter als gedacht, sondern auch als sinnlos. Es gab nur fertige eingeschweißte Industriesandwiches, das Brot zum selbst belegen war aus. Dafür fanden wir dann unweit der Strandpromenade einen kleinen Laden für belegte Baguette7 und Panini8, wo wir uns versorgten. Am fast leeren Strand auf einer Bank futterten wir, während im plötzlich recht ruhigen Ort9 die ersten Ahs und Ohs aus den Bars erschallten, die das Spiel übertrugen. WM-Halbfinale Frankreich gegen Belgien, unsere große Chance drauf, daß die Felsen deutlich einsamer sein könnten als noch am Nachmittag.

Mit dem Auto dann Richtung Parkplatz, der sich inzwischen als kostenpflichtig erwies. Auch wenn an diesem Abend sicher niemand kontrolliert hätte, ob wir am späten Abend noch ein Tagesticket gezogen hätten, parkten wir einfach kurz davor im Ort an einem ganz regulären kostenlosen. Seltsam hier manchmal, die Parkerei. Und fütterten unsere Kameras mit Sonnenuntergangsbildern10, im Abendrot aufglühenden Felsen und Gegenlichtstudien. Auffallend, daß die wenigen Leute, die außer uns dort unterwegs waren, entweder offensichtlich ein ruhiges Plätzchen suchten oder mit Kameramaterial unterwegs war, daß deutlich über dem Durchschnitt des Nachmittags lag. Pünktlich zum Schlußpfiff starteten wir den Rückweg. Frankreich hatte gewonnen, aber so etwas wie Autokorsos gibt es hier zum Glück nicht. Aber etwas ähnliches, was wir vom vorausfahrenden vermeintlichen Einautokorso lernten: An Kreisverkehren, Kreuzungen, in Dörfern oder Bars stehen Grüppchen mit Fahnen und im Fanornat, die um so intensiever Jubeln, je ausgiebiger man im Vorbeifahren hupt. War mir mit dem Mitwagen mit passendem Kennzeichen11 ein Vergnügen.

Dementsprechend passierte in der Unterkunft nicht mehr viel außer dem Entschluß, auszuschlafen, keine Wanderung zu planen, somit den zweiten Teil der heutigen Wanderung sein zu lassen und einen ruhigen Tag zu verbringen.

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  1. Les Sept-Îles []
  2. 30 Minuten vor Abfahrt []
  3. wohl um ein wenig Pixelbrei mit weißen Punkten – den Möwen – aufzunehmen []
  4. mit dem ich ja auch rechnete []
  5. Papageientaucher []
  6. Miesmuscheln mit unterschiedlichen Soßen und Pommes dazu []
  7. kalt []
  8. warm []
  9. Perros-Gueric oder so übrigens []
  10. naja, war noch gut entfernt vorm Horizont []
  11. Normandie übrigens []

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