Irgendwo in der Schweiz

2019: Marokko

Prolog

Die Nachbarn waren die treibende Kraft, bereits 2018 wollten sie die Tour machen. Aus verschiedenen Gründen musste sie ein Jahr verschoben werden und so konnte ich meine Teilnahme mit einplanen. Mit dem Motorrad nach Afrika, hat was. Und dennoch kein Extremabenteuer, sondern etwas, das als Urlaub durchgehen kann. Auch blieb genug Zeit, um Minen wie die Gültigkeit der Grünen Versicherungskarte zu umgehen und günstig eine Fährfahrt zu buchen. Doch kaum war der Stein überhaupt ins Rollen gebracht kündigte meine Firma an, in diesem Jahr eine Rekordzahl neuer Filialen eröffnen zu wollen. Damit war klar, wie wenig ich daheim sein werde und daß die Vorbereitung knackig wird. Ich sage nur eine fast minutiöse Planung von Impfterminen. Einer war Montag morgens auf dem Weg zum Bahnhof auf der Fahrt gen Österreich. Die Koffer mussten restauriert werden, aber das wurde ja beauftragt. Neue Bremsscheiben samt der Überraschung, daß die langfristig besorgte hintere gar nicht passt. Neue Reifen, neuer Kettensatz, frische Inspektion und Hauptuntersuchung. Das alles passte in die paar Tage, die ich in Karlsruhe war und da auch noch “nebenbei” arbeitete. Der Abschluß war dann eine logistische Meisterleistung: Zwischen drei Wochen Einsatz in Österreich und der Reise mit anschließendem Einsatz in der Schweiz1 lag nur eine knappe Woche. Und dennoch war nicht nur das Motorrad pünktlich gepackt, es lag sogar das Arbeitsgepäck für Luzern samt Vorräten für zwei Wochen so griffbereit, daß ich entweder während meines Zwischenstops in Karlsruhe keine Zeit darauf verschwenden musste oder Annette es mir nach Luzern bringen könnte. Was daraus wurde, steht am Ende dieser Geschichte.

Sonntag, 15.09.2019

Wie immer gibt es am Ende das, was ich vor der Reise geschrieben hatte. Kurzum, nach langer und guter Vorbereitung trotz vieler Dienstreisen ging es endlich los. Verschnupft, aber tatendurstig. Am heutigen ersten Tag über die Autobahn durch die Schweiz und Norditalien bis kurz vor Genua. Details im Blog.

650km in knapp 10h, davon 7h24 reine Fahrtzeit.

Montag, 16.09.2019

Nur wenig Motorradfahrt, viel Warten und am Ende eine Seefahrt. Auf dem Schiff gab es reichlich Zeit zum Bloggen, darum steht da alles.
Mit dem Motorrad stolze 30km in 47 Minuten.

Dienstag, 17.09.2019

Da wir die Einreiseformalitäten schon gestern erledigt hatten, gab es praktisch gar nichts zu tun. Barcelona ließ den Vormittag kurzweilig werden, auch wenn vom Fähranleger aus nicht so viel zu sehen war. Am Nachmittag konnten wir dann noch über den Karten zusammen sitzen, ansonsten halt mega entspannend. Mag nach Langeweile klingen, aber die Zeit ging um und allemal besser, als sich auf französischen und spanischen Autobahnen zu stressen. Den Tag an sich habe ich dann am nächsten Morgen im Blog Revue passieren lassen.

Mittwoch, 18.09.2019

Ankunftstag, wir werden hibbelig. Alles, was nicht mehr an Bord benötigt wird, wird schon mal weggepackt. Das Packschema an Bord wird sich übrigens auch auf der gesamten Reise bewähren: Elektronik im Tankrucksack und in der Packrolle das Übernachtungsgepäck mit Zivilbekleidung, Sandalen und Kulturbeutel. Das kommt zuerst vom Motorrad runter beim Einchecken und reicht, um sich frisch zu machen und umzuziehen. Dreckwäsche in die Hamsterbacke2 packen, neue Wäsche aus dem Koffer holen etc. geht dann ganz angenehm. Im Blog beschrieb ich an dem Tag die Vorfreude auf die Ankunft und am nächsten Morgen schrieb ich wieder mal die Ereignisse des Tages nieder.

Vereinfacht gesagt: Früh angelegt, als mit die ersten von Bord gekommen, dadurch schnell durch den Zoll vor der Schlangenbildung. Hotel auf Westniveau quasi, aber an manchen Ecken schon wieder etwas verlottert. Ob der Pool nur wegen der Nebensaison ein Algentümpel ist? Gegessen haben wir dann in einer Art Truck Stop gegenüber, soll ja abenteuerlich sein. War witzig und sicher besser als das Buffetrestaurant im Hotel. Die ersten Eindrücke waren jedenfalls gewaltig und am liebsten wären wir gleich noch viel weiter gefahren.

Für die 34km haben wir inklusive Zoll, kleiner Pause an der Hafenausfahrt und Spaß mit der Mautstelle 1h15 benötigt.

Donnerstag, 19.09.2019

Der erste richtige Tag in Nordafrika. Ich habe es im Blog nie richtig geschrieben, glaube ich. Es fiel mir auch erst auf, als es wieder anders war: Bis auf den allerletzten Tag fuhr ich immer mit der Sonnenbrille. Wenn nötig, dann noch mit der Crossbrille darüber, aber das Visier war demontiert im Koffer. Jedenfalls ergab das eine Nähe und Direktheit der Eindrücke, die ich so vorher nicht geglaubt hätte. Zumindest, daß der Unterschied so arg ist. Eine Unterkunft zu finden, ist nicht zu schwierig, Essen kann komplizierter sein. Spoiler: Je kleiner und “unwestlicher” die Unterkunft, desto selbstverständlicher ist es, daß ein Abendessen eh dabei ist. Halbpension, sozusagen. So glänzte unsere heutige Unterkunft mit fehlenden Campingmöglichkeiten für unseren Jüngsten und einem saisonbedingt geschlossenen Touristenrestaurant. Aber wir wollten wegen den SIM-Karten eh noch in den Ort rein und da sind wir zumindest nicht verhungert. Lektion des Tages: Ishallah, das Leben nehmen, wie es kommt. Zufrieden sein mit dem, was man bekommt. Mehr Details im Blogeintrag vom nächsten Morgen.

228km in 7h25, davon 4h50 reine Fahrtzeit

Freitag, 20.09.2019

Eigentlich nur ein kleiner Hopser runter nach Fes, denn dort wollten wir die Altstadt anschauen. Viel Zeit ging für die Unterkunftssuche drauf, weil der angepeilte Campingplatz mit Bungalows unerwartet geschlossen war. Am Ende campierten wir bei unserem jungen Mitreisenden. Ohne viel Flair konnten wir die Altstadt ohne Trubel genießen. Freitag Nachmittag, was für ein Zeitmanagement! Im Blog ist es etwas ausführlicher.

154km in 4h25, davon knapp 3h reine Fahrtzeit. Mit Unterkunftsuche.

Samstag, 21.09.2019

Ohne viel Stress ging es heute zu dritt gen Midelt. Unser junger Mitreisender hatte andere Pläne bzw. Verabredungen. Persönliches Highlight war die Entdeckung der zahllosen Schnakenstiche der letzten Nacht. Zum Glück juckten sie nicht so wie gewohnt oder ich konnte unter den Motorradklamotten einfach nicht kratzen, was auch half. Mehr Details schrieb ich wieder mal am nächsten Morgen ins Blog.

211km in 4h50, davon 3h25 reine Fahrtzeit.

Sonntag, 22.09.2019

Da ich eh immer als erstes auf den Beinen bin, konnte ich mir eine kleine Bonusrunde gönnen. Die Nachbarn waren nicht so fit und wollten nur runter nach Merzouga, dem erklärten Ziel unserer Reise. Wie von unserem jungen Mitreisenden per Messenger mitgeteilt, war die Auffahrt quasi ein Kinderspiel. Im Blog unerwähnt sind die drei Hunde, die mich just in einer kurvigen Auffahrt als willkommene Abwechslung sahen. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die “nur spielen” wollten. Da ich alleine unterwegs war, wurde ich beim Anhalten gefühlt häufiger von Kindern angequatscht. Da machte sich die doch recht kleine Trinkblase des Camelback bemerkbar, da ich einfach nicht immer zeitnah zum Auffüllen kam und auch mal vorankommen wollte. Ein Tag alleine war zwar auch mal nett, aber in der Gruppe ist es doch besser.

331km in 6h10, davon 5h05 reine Fahrtzeit.

Montag, 23.09.2019

Heute also die große Umrundung des Erg Chebbi. Wurde nichts. Erst war das Frühstück erst spät fertig, dann musste ja noch erst Wasser und Sprit eingeholt werden und irgendwie warteten wir noch auf unseren vierten Mann. Der wollte dann doch bei der Umrundung dazustoßen, da er ja eh schneller ist als wir. Wie auch im Blog geschrieben zog sich so das Ganze und der lose Sand auf der Wellblechpiste tat sein Übriges. Hätten wir durch gemusst, um unser Ziel zu erreichen: Klar, wir wären weiter gekommen. Wollten wir uns schinden? Nein, auch so waren die Eindrücke schon großartig. Eine Kameltour für den Abend hatten wir schon klar gemacht, das sollte dann reichen. Dafür gab es dann schön Mittagessen im Ort, zu dem sich auch unser Jüngster wieder dazu gesellte. Der war bei der Umrundung dann doch auch gescheitert, weil ein Sandloch vor einem Anstieg einfach nicht zu umfahren war. Am Morgen hatte ich wohl das Rätsel der Wasserversorgung gelöst: Eine Pumpe füllt einen kleinen Hochspeicher, tagein, tagaus. Morgens ist der voll, da nachts nichts verbraucht wird und Duschen kein Problem. Tagsüber wird dann mehr Wasser verbraucht, als die Pumpe nachliefern kann und so ist abends der Speicher leer.

41km waren wir unterwegs, in den 2h15 fuhren wir 1h09 lang.

Dienstag, 24.09.2019

Heute war wieder ein einfacher Verlegungstag an der Reihe. Wir knobelten noch ein wenig an der Route, weil wir nicht zu viel der Strecke des Hinweges wieder zurück fahren wollten. Wir nahmen die Südvariante und hatten einen schönen Paß. Daheim bei der Auswertung der Daten grämte mich ein wenig, daß es auf der Nordroute hinter Jorf die seltsamen Gebilde in der Wüste gegeben hätte. Aber was soll’s, die Strecke war schön und wenn ich alleine die andere Strecke gefahren wäre, wäre ich eh auf der Straße geblieben. Wie immer bin ich im Blog ausführlicher. Und bei der luxoriösen Unterkunft ist es kein Fehler, etwas früher anzukommen und sich entspannen zu können. Der dringend nötige Waschtag erinnert mich an den Denkfehler: In der Wüste trocknet die Wäsche schnell, also wollte ich Trottel in Merzouga waschen. Da ich froh war, genug Wasser zum Duschen zu haben, war schnell klar, wie blöd die Idee war. Hier am Eingan der Todraschlucht plätschert und grünt es ganz anders.

206km in 4h10, davon 2h54 reine Fahrtzeit.

Mittwoch, 25.09.2019

Es sollte mal wieder abenteuerlich werden. Während die Nachbarn sich erholen, zog es unseren Vierten und mich in die Berge. Einmal quer rüber von Todra zur Dades, das war der Plan. Das Gelände war bald recht fordernd, vor allem aber ging mir immer wieder der Motor aus. So bemerkte ich nicht, daß das Kühlwasser überhitzte. Vorsichtig ging es zurück, was im großen Gang bergab plötzlich einfach und flott ging. Es sollte sich rausstellen, daß der schwierigste Teil der Strecke praktisch überwunden war. Aber egal. Mit gemeinsamer Fehlersuche und Gebastel ging der Tag rum. Aber auf jeden Fall ein fehlender Haken auf der To-Do-Liste, wenn ich da noch mal hinkomme.

71km in 3h07, davon nur 1h41 Fahrtzeit.

Donnerstag, 26.09.2019

Dem Blogeintrag am folgenden Morgen ist kaum was hinzuzufügen. Gemütliche Alte-Leute-Tour zur berühmten Dades-Schlucht, speziell den Kehren, die irgendwie in jedem Bericht über eine Motorradreise nach Marokko abgebildet sind. Ich schließe mich dann mal an.

228km in 6h48, davon 4h12 reine Fahrtzeit.

Freitag, 27.09.2019

Verlegungsfahrt und unser junger Mitreisender trennt sich wieder für zwei Tage von uns. Ich habe mich gegen die hohen Schotterpässe und für die gemütlichere Runde mit den Nachbarn entschieden. Hinterher grämt mich das ein wenig, weil die Piste wohl locker zu fahren war, aber vor Ort zu der Zeit war es die richtige Entscheidung. Und schön war es hier auf jeden Fall auch. Früh waren wir in Imilchil, wobei die angepeilte Unterkunft aus dem Offroadguide geschlossen und etwas verfallen war. Das Hotel Izlane war aber super, alles was man brauchte und gutes Essen. Es war mal wieder Freitag, dementsprechend ruhig wurde es am Nachmittag. Bei unserer Ankunft war noch pralles Leben und die örtlichen Fleischer hatten frisch geschlachtet. Zu zwei nahe gelegenen Seen machten wir noch wie geplant unseren Abstecher und konnten da auch in Ruhe unser Fotoshooting “Motorradfahren am Arsch der Welt” abhalten. Schön, aber doch spürbar karger als noch am Morgen in der luxuriösen Unterkunft am Eingang der Todraschlucht. An dem Tag konnte ich sogar meinen ausführlicheren Bericht im Blog schon abends machen.

Insgesamt 149km 4h40, davon 3h23 reine Fahrtzeit

Samstag, 28.09.2019

Frisch ist es morgens in Imilchil, man merkt doch die Höhe. Heute soll es durchs Gemüse bis zu einem Stausee am Nordrand der Berge gehen. Man merkt der Gegend nach wie vor an, daß sich wenige Touristen hin verirren. Selbst Französisch wird nicht überall verstanden. Auch Wasser in Flaschen wir spannend, denn der Einheimische trinkt ja Leitungswasser. Trotz allem macht sich bei dreien eine gewisse Verstimmung langsam bemerkbar und da kommt die entspannte Tour gerade recht. Beim See ist man natürlich wieder auf Touristen eingerichtet. Wobei die Campingmöglichkeit wieder eher ein Wohnmobilstellplatz ist und die sanitären Einrichtungen nicht mehr in Betrieb. Für unseren jungen Camper aber kein Problem, Duschen kann er bei uns und Bäume für die Hängematte finden sich reichlich, wenn auch am Hang. Er darf dann auch erst mal seinen Koffer entbeulen, während wir im Schatten abhängen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn ich mit ihm gefahren wäre. Auch wenn alles einfach gewesen sein soll, so kommen die Beulen doch wo her. Zum ersten Mal auf der Reise habe ich dann sogar mal die Klimaanlage genutzt, so schweißtreibend ist es im Zimmer. Waschtag ist auch noch mal und abschließend können wir das Abendessen genießen. Am nächsten Morgen war ich wieder früh genug auf für einen ausführlicheren Bericht im Blog.

189km in 5h, davon 3h52 reine Fahrtzeit.

Sonntag, 29.09.2019

Tja, wieder mal vorm Abenteuer gekniffen. Aber so langsam macht sich der Verschleiß bemerkbar. Die Schulter jammert und im Bauch rumort es. Ein Stück um den See herum soll es gehen, weit wird es aber nicht. So bleibt neben dem üblichen Einkauf viel Zeit für Erholung und um ein wenig zu schreiben. Dafür hatten wir abends noch reichlich Spaß zusammen mit einer Busladung australischer Rentner.

Ganze 62km in 2h29, davon 1h32 reine Fahrtzeit

Montag, 30.09.2019

Wieder Verlegungsfahrt, die Fähre hupt schon in Gedanken. Das erste Stück runter aus den Bergen in die Ebene war noch einmal eine klasse Motorradstrecke, dann zog es sich erwartungsgemäß. Die Einkehr mittags war klasse und unterhaltsam. Ich spielte ein wenig an der Technik rum und kann auch im Nachhinein sagen, daß die Idee mit der Kamera am Handgelenk gut war. Mehr über den schrägen Campingplatz, Shopping, das Abendessen und Apothekenbesuche steht wieder mal im Blog. Wobei da die leckeren Datteln und das süße Gebäck nicht hinreichend erwähnt werden, erst im Laufe der Folgetage beim Futtern.

271km gesamt mit Abstecher zum Abendessen in 8h52, davon 4h39 reine Fahrtzeit.

Dienstag, 01.10.2019

Ein klein wenig abenteuerlich wurde es am vorletzten Tag dann doch noch. Beschaulich ging es los. Mal wieder viel zu früh wach dackelte ich auf dem Campingplatz rum und amüsierte mich über die reichhaltige Tierwelt. Karnickel, Enten, Hühner, alles da. Um den Platz ein wenig zu fotografieren fand sich auch die Zeit, darum sind die meisten Bilder vom Platz an diesem Tag einsortiert. Der größte Teil der Verlegungsfahrt war dann auch ereignislos. Alles erwähnenswerte findet sich im Blog. Spannend war dann nur die Sucher der Unterkunft. Angepeilt war ein Häuschen im Grünen an einer Lagune mit Vogelschutzgebiet und wasweißich. Entdeckt in einem bekannten Buchungsportal. Buchen wollten wir aber erst vor Ort, wegen Provision und so. Und das war gut so. Schlechte Bewertungen sprachen davon, daß die Unterkunft schwer zu finden und am Ende eines Feldwegs bzw. einer Piste läge. Das wollte aber uns nicht schrecken, hatten wir doch Top-Navis und einiges an Pisten schon hinter uns. Aber denkste, die Piste war ein Streifen Tiefsand. Wieder aus der Kategorie “kann man schaffen, wenn man muß” aber eingedenk dessen, daß wir am Folgetag wieder vollbepackt den Weg Richtung Fähre fahren müssten, haben wir die Unterkunft verworfen. Drei Fehlversuche weiter haben wir dann in Assilah eingecheckt. Wieder eine Empfehlung aus dem Guide des Nachbarn, der war auf der Reise einige Male Gold wert. Gehobener Standard, nicht billig, aber im Vergleich zu Europa immer noch sehr günstig. Immerhin schafften wir es noch, kurz vor zwei Busladungen Chinesen einzuchecken, die dann auch recht robust auftraten. Das Gute daran war, daß uns das vom Abendessen im Hotel abschreckte und wir so trotz vergleichsweise vorgerückter Stunde den Ort erkundeten. Lecker war es mal wieder. Und es gibt mal ein Bild vom am Vortag eingekauften Gebäck, das jedoch schon etwas gelitten hat.

320km in 7h38, davon 5h06 reine Fahrtzeit.

Mittwoch, 02.10.2019

Was wir am Vortag an Strecke dranhängen mussten, brauchen wir heute nicht zu fahren. Dementsprechend lautet das Tagesmotto “Zeit vertrödeln”. Im Blog unerwähnt blieb der leider erfolglose Versuch der Nachbarn, auf den letzten Kilometern doch noch eine Tajine zu erwerben. Das Kochutensil, nicht das danach benannte darin zubereitete Gericht. Die Verspätung der Fähre war dann auch nicht lustig, aber Inshallah, kein Beinbruch. Da schmeckte das erste Bier nach über drei Wochen gleich noch mal besser.

92km in 4h40 bis zum Hafen, davon 1h47 reine Fahrtzeit.

Donnerstag, 03.10.2019

Lange schlafen war der Plan, immerhin klappte es halbwegs. Locker Zeit zum Frühstücken, Rumhängen, Schiffe gucken, Mittagessen, Schiffe gucken, Abendessen… Der große weiße Pott fiel mir wegen dem Namen der Reederei auf. Stellte sich raus, daß es der größte dafür gebaute Viehtransporter ist und im Dezember 2019 von der australischen Reederei an Kuwait verkauft wurde. Für die letzte Kreuzfahrt. Irgendwie sehen die schwimmenden Bettenburgen auch so aus. Der Blogeintrag zum Tag fällt entsprechend kurz aus.

Freitag, 04.10.2019

Seltsam, im Blog ging der Tag unter. Gab ja auch nichts. Barcelona kam und ging und sah immer noch so aus wie auf dem Hinweg. Drei warme Mahlzeiten am Tag, Sonne an Deck, Plaudern. Bilder oder gar Video sichten ist ja nicht ohne Laptop und außerdem ist noch Urlaub. Wir lassen die Tage Revue passieren. Ach ja, Fotografiert wurde zum Zeitvertreib auch.

Samstag, 05.10.2019

Etwas verspätet kam hierzu der Blogeintrag. Klar, denn sobald es was zu berichten gab, musste es schnell gehen. Gefahren bin ich nur bis Luzern, wo ich Annette traf. Da dann zwei Wochen Filialaufbau mit lustiger Kollegenrunde in der Ferienwohnung, da kam ich nicht zum Schreiben. Aber das ist ja schon wieder eine andere Geschichte. Kurz: Autobahn gefahren, erstmals wieder Regen und auch wirklich kühles Wetter erlebt. Und plötzlich war die Reise vorbei.

385km in 6h55, davon 4h48 reine Fahrtzeit.

Fazit

Viel zu schreiben gibt es hier nicht mehr. Hat sich gelohnt, Punkt. Hinterher hätte ich gerne mehr gewagt, aber jede Entscheidung war zu ihrer Zeit die richtige. Es gibt noch ein paar Nachträge im Blog zu Bädern, Tieren, Parkwächtern, Tankstellen und Kindern. Zuguterletzt habe ich Ende Januar 2021 endlich zumindest einen Trailer zusammen geschnitten.

Leider kann die aktuelle Version des OSM Plugins nicht gleichzeitig alle Tracks darstellen, wenn man die einzelnen Tracks ein-/ausblendbar haben will. Also alles ab Tag 2 manuell einblenden und entsprechend zoomen. Der Maßstab am Anfang ist so gewählt, daß alles drauf zu sehen ist. Die Karte als Vollbild anzuzeigen macht das noch mal hübscher.

Click title to show track
Tag 1
Tag 2
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7
Tag 8a
Tag 8b
Tag 9
Tag 10
Tag 11
Tag 12
Tag 13a
Tag13b
Tag 14
Tag15
Tag 16
Tag 17
Tag 18
Tag21

Und hier der alte Kram von vor der Reise:

Schon 2018 gärte die Idee bei den Nachbarn, musste aber vertagt (verjährt?) werden. Einmal noch mit dem Motorrad nach Afrika. Abenteuer light, kann man sagen, denn die Infrastruktur ist nicht so schlecht, Französisch ist zweite Amtssprache und überhaupt ist das nicht der tiefste Kongo. Zudem recht gut erreichbar.

Nach etwas Recherche war die Anreise dann auch schon klar: Statt locker zwei Tage und tausende Kilometer lang sich auf französischen und spanischen Autobahnen die Stollen von den Reifen zu hobeln soll es relativ bequem nach Genua gehen. Zwei Tage für die Anfahrt sind kommod, ich könnte bis Sonntag abend es auch schaffen, wenn ich an einem Tag durchfahren müsste. Dazu noch ein Kumpel aus München, der dann auch noch einen Spezl mitbringt. Das wird sicher lustig.

Dennoch zeigt sich bald, daß eben doch nicht alles so einfach ist, wie mal eben vollzutanken und in die Alpen aufzubrechen. So fällt auf, daß bei keiner der aktuellen Versicherungen Marokko bei der Grünen Versicherungskarte mit dabei ist. Der somit fällige Versicherungswechsel bringt mir sogar einen günstigeren Tarif, aber auch erst mal Scherereien.3 Dafür passt es mit der Fähre gut. Wie geschrieben Abfahrt Montags vormittags, Ankunft am Mittwoch dann mit reichlich Resttag. Ebenso auf der Rückfahrt. Da wird am Samstag früh morgens die Klappe der Fähre in Genua runtergehen. Wenns hart kommt, dann in einem Rutsch bis zum Abend nach Karlsruhe, ansonsten reicht auch noch der Sonntag.

Während der Plan langsam immer mehr Gestalt annimmt, stehe ich in Wiesbaden bei der Filialeröffnung in der Mittagspause rum und erlebe Fluch und Segen. Der Fluch ist eher ein Fluchen meinerseits. Einer der nach dem Aosta-Urlaub grundsanierten Koffer hat wieder Risse! Doch das soll sich in den nächsten Tagen noch klären. Dem Hersteller ist das ganze wohl unangenehm genug, daß meine Frage, ob ich zum gleichen Kostenpunkt noch mal reparieren lassen kann, mit dem Vorschlag entgegnet wird, das kostenlos zu machen. Respekt! Und Segen? Ich komme so mit dem Marketingchef unserer Firma ins Gespräch und schnell wird klar, worauf ich während der Tour achten sollte, damit das ganze später gut in unser Reiseportal integriert werden kann. In dem Gespräch leuchteten wohl vier Augen. 😉

Stand Ende März dann also: Koffer werden gerichtet. Klamotten sind soweit beschafft. Neuer Kettensatz liegt im Keller, ebenso neue Bremsscheiben vorne samt Beläge. Wird alles im August montiert, wenn kurz vor der Abfahrt die neuen Reifen drauf kommen. Die sollte ich jedoch zeitig bestellen bevor es da Probleme gibt. Inspektion ist fällig, ebenso im Juni TÜV. Wird da erledigt. Die Batterieprobleme kriege ich auch noch in den Griff, zumindest habe ich einen Plan, wo die Steckdose zum Überbrücken hin kann.

Stand Mitte August: Alles wird gut. Fähre ist gebucht, ebenso die Unterkunft vor der Hinfahrt bei Genua als auch nach der Ankunft in Tanger. Da wird so gegen 17:00 Uhr angelegt und bis alles ausgeladen und verzollt ist, kann das dauern. Das Batterieproblem hat sich gelöst, sobald es wärmer wurde. Unter 10°C mag die LiFeIon nicht. Drüber ist sie aber super und der Startakku ist ja dabei. Reifen, Kettensatz, Scottoiler, Bremsscheiben – alles neu bzw. funktioniert wieder. Koffer sind auch wie neu. Zwei kleine Touren haben die Funktion, auch die der Actioncams und ihrer Fernbedienung bestätigt. Was nicht vorher noch gebraucht wird, ist schon im Keller in den Koffern verstaut und es hat Platz. Klamotten und Kulturbeutel kommen eh als Handgepäck in die Rolle. Mit Isomatte, leichtem Schlafsack und Hängematte samt Moskitonetz bin ich sogar bedingt campingtauglich. Noch drei Wochen Österreich, dann muß innerhalb einer Woche alles klappen. Samstag werde ich Frühschicht haben. Am Sonntag dann zusammen mit den Nachbarn in einem Rutsch durch. Route sieht gut aus.

Stand 12.09., drei Tage vor Abfahrt: Alles steht auf grün, ich packe sogar schon für die auf den Urlaub folgende Dienstreise in die Schweiz. Mehr dazu unten. Nach wie vor gibt es zwischen den beiden Fährfahrten keinen genauen Plan wie bei den Reisen mit Annette. Wir werden auf der Hinfahrt in den zwei Tagen grob vorplanen, aber schlußendlich entscheiden die Straßenverhältnisse vor Ort und die Spontanität. Hier also mal der Ablauf:

  • Sonntag, 15.09.2019: Abfahrt gegen 07:00 Uhr, auf direktem Weg durch die Schweiz nach Casella nahe Genua. Ankunft etwa um 17:00 Uhr, man möchte ja auch mal Pause machen. Kurzer Einkauf im sonntäglich geöffneten Supermarkt, dann Abendessen im Agritourismo.
  • Montag, 16.09.2019: Früher Aufbruch, Frühstück gibt es nicht in der Unterkunft. Durch den genuesischen Berufsverkehr zum Fährhafen und bis 09:00 Uhr zum Einchecken da sein. Ab dann wird es gemütlich. Frühstücken am Hafen, Verladen, Kabine beziehen.
  • Montag, 16.09.2019 13:00 bis Mittwoch, 18.09.2019 ca. 17:00: Seereise nach Tanger Med. Hier ist vorraussichtlich absolute Funkstille. Internet gibt es, wenn überhaupt, nur schweineteuer.
  • Mittwoch, 18.09.2019 17:00 Uhr: Geplante Ankunft im Hafen Tanger Med, welcher einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Zoll- und Einreiseformalitäten müssen erledigt werden und es dauert auch eine Weile, bis so eine große Fähre geleert ist. Wichtig, wenn man nicht weiß, ob man als erster oder letzter von Bord kommt. Dann kurze Fahrt zum Hotel Tanger Med beim Renault-Werk. Bis hier alles quasi europäischer Standard.
  • Donnerstag, 19.09.2019 bis Mittwoch, 02.10.2019: Freies Fahren in Marokko. Es gibt ein paar Eckpunkte. Erg Chebbi, Dades-Schlucht, Todra-Schlucht. Die Unterkünfte werden WLAN haben bzw. wir wollen uns eh für kleines Geld marokkanische SIM-Karten besorgen, um so im Land Internet zu haben und telefonieren zu können. Ich plane, hier täglich zu berichten oder zumindest Annette kurz zu informieren.
  • Mittwoch, 02.10.2019: Ab 18:00 Uhr Einchecken in die Fähre. Dann wieder zwei Tage auf See bis Genua. Mit Funkstille, wie auf der Hinfahrt.
  • Samstag, 05.10.2019 ca. 09:00 Uhr: Ankunft Genua. Zoll und Einreise dann hoffentlich zügig. Im Expresstempo nach Norden. Eventuell nur bis in die Nähe von Luzern. Spart locker drei Stunden Fahrt und Annette könnte mir entgegen kommen. Ein gemeinsames Wochenende dort bevor ich genau da für zwei Wochen arbeite wäre fein. Oder eben doch bis Karlsruhe. Für beides ist vorgesorgt.
Print Friendly, PDF & Email
  1. man hätte mich da auch locker eine Woche früher genommen []
  2. Packtasche neben dem Tank []
  3. Man hatte den Versicherungsbeginn falsch notiert und die Zulassungsstelle wollte mir mangels Versicherungsschutz das Kennzeichen entsiegeln und für die Aktion auch noch Gebühren haben. Übernham die Versicherung, war fast mein Jahresbeitrag. []

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.