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Letzter Tag Cortina

Ja, wir sind zwischnezitlich in Cortina. Seit Sonntag. Der Schlechtwettertag wurde irgendwie immer nur angekündigt, aber nie wahr. Bzw. es fand sich immer irgendwas, statt einfach mal die Füße hochzulegen und mir etwas Zeit zum Schreiben zu geben. Allerdings auch: Meine frisch überstandene Erkältung hat mich wohl zumindest so weit mitgenommen gehabt, daß ich nach dem Abendessen schneller eingeschlafen bin als Annette. Und das ist normalerweise mein halbes Stündchen für den Reisebericht.

Wie ging es also weiter in den letzten 8 Tagen?

  • Mittwoch war Annettes großer Tag. Wir hatten ausgehandelt, daß wir uns schon um 7 Uhr1 vom dann schon weitgehend bereitstehenden Buffett uns Stullen machen dürfen und früh wegkommen. Dreiviertel Stunde Fahrt bis rüber zum Würzjoch, dann der Weg um den Peitlerkofel herum. Annette war schon sehr skeptisch ob der Klettersteigausrüstungen, die ich für uns beide im Rucksack hochschleppte. Schließlich Schien sonst niemand so gewappnet zu sein. Im Aufstieg auf der Südseite2 teilte sich dann zwei Mal der doch beachtliche bunte Tatzelwurm: Ein Teil schwenkte gen Westen auf dem flachen Weg zum Kleinen Peitlerkofel. Vom Rest zauberte auf einem kleinen Plateau vor der ersten gesicherten Wand ein Großteil so wie ich die Klettersteigausrüstung hervor und an sich dran. Ein kleiner Teil flitzte so hoch, am Drahtseil festhalten muß reichen. Vergleicht nachher mal mit dem Sassongher… Jedenfalls reichte von den Flitzern die Spanne über hochkonzentrierte Klettersteignutzer, kindlich begeisterte Annettes bis hin zu sehr ängstlichen älteren Frauen im Schlepptau3 des resoluten Ehemannes. Ja genau, Annette meisterte nicht nur die Handhabung nach einiger Zeit wieder, sondern hatte richtig Spaß! Schon standen wir auch bei bester Aussicht auf dem 2875m hohen Gipfel. Annette war so stolz auf ihre Leistung, daß sie nicht nur auf dem Rückweg ihren Helm nicht mehr ablegte, sondern ihn noch bis ins Zimmer in der Unterkunft aufbehielt. Erst dort im Spiegel fiel ihr auf, daß das ohne passenden Zusammenhang sehr doof aussehen kann. So wurde nichts aus dem Plan, ihn bis ins Bett aufzubehalten. Wäre beim leckeren Abendessen auch witzig geworden.
  • Donnerstag war eigentlich Erholungstag und das Wetter sollte sich verschlechtern. Autofahrt zum Grödner Joch hoch. Dann die Wanderung auf dem Höhenweg bis praktisch über Kolfuschg. Vier Stunden inklusive Mittagsrast in der Forceles-Hütte. Erkenntnis des Tages: Auch ein Höhenweg kann ganz schön auf unf ab gehen. War aber nett, ein ideales Ausschütteln der Beine.
  • Freitag dann der Ausflug nach Bruneck. Wegen schlechtem Wetter. Haha. Aber man sollte dankbar sein, wenn das Wetter besser als erwartet ist. Anfahrt mit Riesenstau. Parkplatzsuche grauslich, weil (Überraschung! Freitag!) Markttag, wir wurden außerhalb vor einem Werkstor dafür kostenlos fündig. Mittagessen war mit Poutine mal außerregional und bewusst klein. Shopping fast ergebnislos. Bis dahin war ich wieder an dem oben erwähnten Punkt mit dem „da hätte ich doch lieber faul im Zimmer gesessen (oder auf dem netten Balkon, solange die Sonne scheint) und getippt oder sonstwas erledigt, was die letzten Wochen in Aalen liegenblieb“. Im Messnermuseum Ripa4 verpassten wir dann immerhin den Regen, der sich tatsächlich blicken ließ. Das Museum ist zwar ganz nett, aber auch chaotisch. Mein Gesamteindruck: Der Reinhold war halt schon überall, hat von überall was mitgebracht, ne Meinung dazu und kann die Klappe nicht halten. Aber solch ein Mitteilungsdrang macht noch keinen guten Museumskurator. Mag makaber klingen, aber hoffentlich findet sich so einer, der die Sammlung Messner ordnet und übersichtlich präsentiert, sobald der Sammler nicht mehr dreinredet. Rückweg unspektakulär, Essen wie immer bei Elsa extrem lecker. Forellenfilet war’s, daran erinner eich mich dann doch noch.
  • Samstag dann nochmal Kaiserwetter und somit eine von Annettes Traumtouren: Sassongher. Vierter Anlauf. Der erste 2005 brachte uns problemlos hoch mit endlosem Abstieg. Der zweite endete im drohenden Gewitter. Ich verweigerte, Annette zog durch und erinnerte sich erst oben wieder an das metallene Gipfelkreuz5. Der dritte Anlauf endete bei kippendem Wetter auf der Sassongherscharte. Und auch im vierten Anlauf sollte das Wetter gegen Abend schlechter werden. Wir also wieder mit dem Sessellift ab La Villa hoch, dann aber auf dem anderen der beiden Wege zugegeben problemloser als sonst bis zur Gherdenachia-Hütte. Annette war richtig flott unterwegs, was mir besonders dadurch auffiel, daß ich auf dem Höhepunkt meiner nicht richtig ausbrechen wollenden Erkältung anfangs recht konditionsschwach war. Gerade im Aufstieg… Scharte kein Problem, dann die Fixseile. Da uns vor unserem ersten Aufstieg die damalige Wirtin erzählt hatte, daß sie da auch mit dem Hund hochgingen, waren wir entsprechend nicht ausgerüstet, zogen aber durch und sehen es seither auch nicht ein für die paar Meter Stahlseil Ausrüstung auf dem langen Anmarsch mitzunehmen. Das sehen inzwischen andere anders oder schwitzen wie die Engländerin, mit der wir auf dem Gipfel plauderten und die vor uns hochstieg, nicht nur vor Anstrengung oder Hitze. Hier gehörten wir zu der (immerhin prozentual größeren) Gruppe derer, die wir am Peitlerkofel als leichtsinnig bezeichnet hatten. Risikoeinschätzung ist halt immer individuell. Und ja, auch am Peitlerkofel kann man den Kram daheim lassen und alle begangenen Steige dieses Urlaubs stehen ohne Erwähnung von Klettersteigausrüstung in Wanderführern. Rückweg zur Seilbahn war dann zügig mit kurzer Rast bei der Gherdenachia-Hütte. Für mich länger. Erkältung war irgendwann auf dem Aufstieg überstanden und damit die angezogene Handbremse gelöst. Ohne großes Gepäck war ich leichtfüßig unterwegs. Das letzte Schild vor der Hütte verkündete noch 10 Minuten Gehzeit, nach viereinhalb saß ich auf der Sonnenterasse. Auch auf dem Stück zum Lift runter bekam ich Freigang, besorgte die Karten und saß gemütlich lesend noch etwas rum. Beim Lift gabs übrigens 5€ Zaudereraufschlag: So viel hätten die Karten insgesamt weniger gekostet, hätten wir beide Fahrten gemeinsam gelöst. Aber wir befürchteten ja, von der Scharte nach Kolfuschg absteigen zu müssen, wenn sich das Wetter wieder mal dreht.

Einschub: In dem Moment (17.07., 17:45), in dem ich das schreibe, bricht hier in Cortina das angedrohte Gewitter los. Ballert ganz ordentlich in den Bergen.

  • Am Sonntag dann die Verlegung. Alle Touren unterwegs lohnten nur bei guter Sicht oder sollten nicht bei Nässe begangen werden. Unserem pessimistischen Wetterfrosch gehorchend machten wir deshalb eine kleine Wanderung zum Piscadu-Wasserfall. Auf der Fahrt dann: Gutes Wetter, aber auch überfüllte Parkplätze. Hätte vielleicht anders ausgesehen, wenn wir wie geplant gestartet wären, aber ich hatte von dem Sonntagsrummel schnell die Nase voll. So kamen wir dann auch recht früh in Cortina an. Überraschung, das Hotel liegt nicht nur am Anfang der Fußgängerzone, sondern auch schon im verkehrsberuhigten Bereich. So schoben wir uns im Sonntagsverkehr zwei Runden6 um den Ort und landeten am (Bus)Bahnhof. Dort ist der Parkplatz zwar gebührenpflichtig, aber das Hotel schien nah und es waren gerade noch 6€ für den restlichen Tag zu zahlen. Vergleichsweise günstig, andernorts nahm man 3€ pro Stunde. Mit dem ersten Gepäck und Google Maps zogen wir los. Wie schon in Bruneck war die Positionsbestimmung unter aller Sau und dank zwei falsch platzierter Geschäfte, die ich als Orientierungspunkte nahm, liefen wir die Fußgängerzone erst mal in die falsche Richtung runter. Klappte aber alles doch noch, inklusive verfrühtem Einchecken. Zweiter Gang fürs Restgepäck, dann Stadtbummel auf der Suche nach einem späten Mittagessen. Da am ersten Lokal was von durchgehend warmer Küche stand, hielten wir das im stark touristisch geprägten Cortina für normal. Das zweite angeschaute Lokal wäre unsere Wahl gewesen, nachdem wir im Rest der Innenstadt das doch sehr gehobene Preisniveau erkundet hatten. Und prompt kamen wir pünktlich zur Nachmittagspause an. Mist. Das erste Lokal war dann eigentlich ein guter Plan B. Doch wir machten in der zwanglosen Umgebung wohl den Fehler, uns einfach auf der Terrasse hinzusetzen. Damit war der Service aus Trotz wohl sehr rudimentär. Karte erst auf Nachfrage, Bestellung gab nach langer Wartezeit bei gelangweiltem Personal Annette dann drinnen ab und aufs Essen durften wir auch etwas warten. Während bei der lautstarken Italienerparty am Nebentisch, den Amiradlern auf der anderen Seite und bei Gästen, die nach uns kamen, alles zügig lief. Aber gut war es dann doch. Abendessen dann im 5 Torre, der ersten Wahl vom Mittag. Mit kurzer Wartezeit. Am Empfang bat man uns, doch noch mal 20 Minuten durch die Stadt zu schlendern. Aber Cortina hatten wir bereits gut erkundet, inklusive eines in 10 Fußminuten erreichbaren kostenlosen Parkplatzes.
  • Montag dann mal wieder Schlechtwetterdrohung. Ok, es gab schlechtes Wetter, aber glücklicherweise immer woanders. Nasse Wege und eingepackte Wanderer waren eindeutig, wie wurden nur mal kurz benieselt. Von Tre-Croci-Pass7 zum Sorapis-See. Sehr lohnend, mit unerwarteter, aber wortwörlich kinderleichter Seilsicherung unterwegs. Und unerwartet schönem See. Der außer uns aber auch zig Leute angezogen hatte. Zurück am Pass und rechtzeitig zu Regenbeginn im Auto bemerkte Annette ein asiatisches Pärchen, das wohl leicht frustriert den Fahrplan an der Bushaltestelle studierte. Da sie in Fahrtrichtung Cortina standen, boten wir unseren Rücksitz an. Das wurde gerne angenommen und wir erfuhren, daß die beiden aus Hunan, genauer aus der Heimatstadt des Shaolin-Kung-Fu, auf Hochzeitsreise sind, den falschen Weg genommen hatten und so gestrandet waren. Ohne den See zu sehen. Aber immerhin nicht im Regen anderthalb Stunden auf den Bus warten mussten. Abendessen dann wieder im 5 Torre. Die Karte gab mehr her, als wir verputzen konnten.
  • Dienstag dann wieder ein großer Tag. Frühes Frühstück und fast pünktlich zum Betriebsbeginn standen wir am Sessellift beim Misurina-See. Missionsziel: Auf dem Bonacossa-Weg quer durch die Cadini kraxeln bis zu den Drei Zinnen. Von dort mit dem Bus runter zum See. Mit vier Notausgängen, falls es nicht klappen sollte mit der Zeit oder der Kletterei. Beim ersten Anstieg lernten wir dann ein paar Sachsen kennen, die dann aber mangels Ausrüstung lieber einen anderen Weg gingen. Bei der Fonda-Hütte dann nur eine kurze Riegel-Rast, weil die Zeit drängte. Lief dann wieder auch ganz gut. Bis kurz nach der Rinbianco-Scharte plötzlich an einer ungesicherten Stelle nichts mehr ging. War aber auch ok, ich hatte schon mehrfach die Alternativabstiege nahegelegt. Nur halt ein wenig unnötiger Umweg. Ohne den Busfahrplan im Nacken ging es, wenn auch etwas langatmig, runter zum See und eigentlich ganz beschaulich an ihm entlang. Annette weigerte sich, bei einem Getränk an einer der zahlreichen Einkehrmöglichkeiten auf mich mit dem Auto zu warten. Essen wollte sie schon, aber es war noch zu früh für ein italienisches Abendessen. Auf dem Rückweg gab es dann wenigstens ein Pannini mit kühlem Getränk. Annette verstand, daß es ab 18:30 Uhr Abendessen geben sollte und uns erschein an dem idyllischen Ort mit leckerer Karte die Wartezeit ok. Als es dann aber doch 19:30 Uhr sein sollte, fuhren wir etwas enttäuscht weiter. Das Abendessen im Hotelrestaurant – weiter schafften wir es nicht mehr – war dann bei seltsamem Service recht lecker. Speziell Annettes Risotto.
  • Mittwoch, heute. Wieder Schlechtwetterprognose. Zumindest für den Nachmittag. Annette wünscht sich die 5 Torri8. Bei noch strahlendem Sonnenschein nachvollziehbar. Aber so richtig in die Gänge waren wir nicht gekommen und ich wollte mal etwas Ruhe und den geplanten Schaufensterbummel – bzw. auch hinter die Schaufenster in die Läden, nach Schnäppchen schauen für Annettes Klettergurt9, Zehensocken und Handschuhen – nicht im Regen absolvieren. Gut, pünktlich zur Mittagsöffnung waren wir dann auch zum Il Ponte gekommen, das abends immer eine lange Schlange Wartender am Eingang hatte. Lecker gegessen und nach etwas Bummeln genehmigte Annette sich noch ein Eis anderswo, wo ich meinen Nachtisch-Espresso einnahm. Dann kam ich mal dazu, noch ein paar Bestellungen zu erledigen und hier zu tippen. Während die abenteuerlustige Frau schlief. Gewitter erwähnte ich schon. Danach ins Il Ponte nochmal, die Karte war noch nicht leergegessen. Nur gab es direkt schon eine Schlange, aus der zum Glück schon einige ausscherten. Eine Viertelstunde haben wir wohl gewartet, dann wurden Schlag auf Schlag Tische frei.

Morgen geht es dann weiter nach Slowenien. Wetter wechselhaft, aber was will das schon heißen. Wanderungen gibt es genug.

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  1. Frühstück beginnt um 07:30Uhr []
  2. Würzjoch und Parkplatz sind auf der Nordseite []
  3. nicht wörtlich! []
  4. Kleine Anekdote: Man fragte Annette, ob sie bereits alt genug wäre für die Seniorenkarte ab 65 – böse Falle! []
  5. das übrigens just nach unserer ersten Besteigung ausgetauscht worden war []
  6. Cortina hat ein Einbahnstraßensystem, das einem immer wieder zu einer Runde um den Ort verdonnert []
  7. der übrigens genau auf der anderen Seite von Cortina liegt als all die anderen angedachten Ziele und weswegen wir erst mal in die falsche Richtung starteten []
  8. diesmal die Felsen, nicht das Restaurant []
  9. aus meinem einfachen ist sie rausgeschrumpft seit den Kletterkurs und ich möchte nicht immer den Trapezius anlegen []

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