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In die Berge

Nahe Tinghir, 25.09.2019 05:40 Ortszeit

Eigentlich ein einfaches Programm gestern: Von Merzouga wieder ein Stück zurück bis Rissani, die N12 westwärts bis Alnif, dort nordwärts durch die Berge und auf der N10 nach Tinghir.

Waren dann aber auch ein paar Kilometer. Und in der Hitze ist man froh, wenn man um halb drei ankommt, wo man in Europa noch locker bis fünf durchfahren würde. Doch zuerst musste gefrühstückt werden und unser junger Mitreisender seine Hängematte wieder verstauen. Und dann kam gleich die schwierigste Passage des Tages: Der Sand auf dem Parkplatz und auf dem Zufahrtsweg. Irgendwie scheint der beständig mehr, tiefer und weicher zu werden. Aber wir kamen durch.

Im Ort warf ich noch meine Postkarten ein während der Rest Wasser für den Tag holte. Wenn man das hiesige Leitungswasser nicht trinken will, ist der Wassereinkauf in ordentlicher Menge ein tägliches Geschäft. Meist sogar mehrfach.

Eine Schwierigkeit auf der Strecke waren die Versandungen, die durchaus auch mal über die ganze Straße gingen. Aber eigentlich problemlos, weil von Autos Spuren bis runter auf den Asphalt gefahren waren. Man muß sich nur trauen, da auch mal zügig durchzufahren. Landschaftlich spektakulär. Stellenweise Südtirol ohne Pflanzen. Aber so schwer in Fotos zu fassen. Auch Utah und Arizona kommen in den Sinn, auch wenn der Fels hier deutlich bröckeliger ist.

Zweite Schwierigkeit war das Schulende in einem Ort auf der kleinen Landstraße. Nach Betteln sah das nicht aus, aber so penetrant über die ganze Straße rüber stehend hatten wir das bisher nicht erlebt. Ganz langsam kamen wir nur durch, wenn sich eine Schülertraube auf der Straße breit gemacht hatte und mit Gesten zum Anhalten aufforderte. Spätestens als an einer Stelle, an der es gerade wieder etwas flotter ging, ein Bub noch einen Stein in unsere Richtung warf, ging alles Verständnis flöten. Wobei ich mich hinterher auch noch frage, wo diese Unmengen von Kindern herkommen in dem kleinen Kaff.

Von den in der Karte eingezeichneten Furten habe ich dann auch welche erkannt. Mangels Wasser im Fluß aber auch keine Herausforderung, die fielen eher gar nicht auf. Das letzte Stück Nationalstraße zog sich wieder etwas, wir mussten durch ganz Tinghir durch und haben eine wunderbare Unterkunft am Eingang der Todraschlucht gefunden. Bestes Hotel seit der ersten Nacht, eher noch besser. Westlicher Standard, auch wenn das arrogant klingen mag. Vorm Einchecken mussten wir uns noch etwas die Zeit vertreiben, bis die Zimmer fertig waren. Die sind riesig, auch mein „Einzelzimmer“ für 350Dh. Die anderen dümpelten noch am Pool, ich wusch meine Wäsche und wir bastelten noch an der weiteren Routenplanung. Irgendwie geht uns die Zeit aus. Wobei man auch merkt, daß meine magischen zwei Wochen bald rum sind: Ich will langsam mal wieder heim. Kurzum, die Nachbarn wollen einen zusätzlichen Pausentag einlegen, der junge Mitreisende seinen Bogen durch den einsamen Atlas schlagen und gegebenenfalls zelten während ich leidlich unentschlossen bin. Erst mal die heutige Rundtour rumkriegen. Dann wäre ein Plan hilfreich, auch damit ich eine Perspektive habe und nicht dieses „Hauptsache irgendwie heim“-Gefühl aufkommt.

Das Abendessen war eine Herausforderung. Ein riesiger Berg Couscous mit reichlich Merguez drauf und zartem Gemüse. Der Ranzen spannt heute morgen noch.

Geplant ist heute eine Rundtour zu zweit durch die Todra- und die Dadesschlucht, aber nur bis etwas zur Mitte bevor die beiden Straßen zusammenfinden. Da machen wir dann eine Querung durchs Gebirge auf einer Schotterpiste. Die große Kamera werde ich wegen der Wegverhältnisse und weil ich die Koffer da lasse nicht mitnehmen. Zusammen mit den enttäuschenden Aufnahmen vom Sternenhimmel vorgestern Nacht stellt sich die als der unnötigste Posten auf der Packliste raus. Einfach zu unhandlich für die kurzen Fotostops und dem Dunst bzw. Staub kann auch ein Polfilter nichts anhaben.

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