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Kühlmittelinkontinenz

Nahe Tinghir, 25.09.2019 17:20 Uhr Ortszeit

Es musste mal wieder sein. Das Sportgerät aus Restjugoslawien Nord1 zickt rum. Wie sagten wir heute? Ready to Race2, aber ohne Servicetruck kommt die Karre nicht an. Naja, fast.

An sich fing es gut an. Fürstlich gefrühstückt im Hotel, beschlossen, daß wir drei Nächte bleiben. Außer dem jungen Mitreisenden, der zieht morgen weiter und fährt den größeren Bogen. Für heute aber wollten wir zu zweit ins grobere Geläuf, während die Nachbarn Pausentag machen. Todra-Schlucht war schon fein und der Einstieg zur Querung per Schotterpiste rüber zur Dades-Schlucht war auch klasse. Rinnen, Auswaschungen, Felsbrocken, aber gut auszumanövrieren. Sobald die 990er über 50 läuft, bügelt die da ballistisch drüber bzw. durch. Sehr hoher Spaßfaktor.

Im etwas kniffligeren Teil jedoch erhöhte sie den Schwierigkeitsgrad. Rumjuckeln im ersten oder maximal zweiten Gang mag sich nicht. Und quittierte ihren Unmut dazu noch damit, daß sie immer wieder aus ging. Kenne ich, daß sie gelegentlich beim Schalten ausgeht, sobald ich die Kupplung ziehe. Mitten im Fahren, so ein Mal alle 1000km. Aber nicht fünf Mal in zwei Minuten. Der Fahrfluss war damit im Eimer, es ging ja bergan und da rollte die Fuhre nicht weit, bis ich den Motor wieder angelassen hatte. Stehen war damit nicht mehr drin, also peinliches Fußeln um die Kehren. Felskanten und so, alles vom Feinsten. Kurz nach einer Berberherberge im Nirgendwo in einer Steigung dann große Dampfwolke. Da ich mich so auf den Weg konzentriert hatte, sah ich jetzt erst die Kühlmittelwarnlampe und die blinkende Temperaturanzeige. Aber Moment, der Lüfter hätte mir doch schon viel früher angedeutet, daß es langsam warm wird. Der war stumm.

Inshallah, so Gott will. Umkehr war eh sofort beschlossen. Der Betreiber der Herberge kam auch schon mit seinem Mopped angeknattert. Aber da gibt es nicht viel zu helfen. Zu dritt haben wir die Kiste am Hang gewendet, weiter etwas gewartet und vereinbart, daß wir in der Herberge für eine Pause vorbeikommen. Plan war, mit wenig Drehzahl, aber viel Bewegung wieder ins Tal zu fahren. Den üblen Teil nun auch wieder talwärts fahren zu müssen war jetzt nicht das allergrößte Vergnügen, aber ging ohne Aussetzer.

Rast in der Herberge. Auch aus dem Grund, um dem Betreiber beim Bezahlen etwas mehr zustecken zu können für seine Hilfe. Einfach so Geld angenommen hätte man ja nicht. Außerdem war etwas Schatten kein Fehler. Den Orangensaft presste man mal schnell frisch3 und wir plauderten ein wenig. Stolz zeigte der Wirt sein Gästebuch und wir revanchierten uns ein wenig damit, daß wir4 die auf Deutsch verfassten Einträge ihm auf Französisch vorlasen. Noch nette Zeilen – für KTM weniger nett, hier entstand der Spruch von oben – hinterlassen und weiter talwärts.

Da ging der Schotter noch einfacher. 3000 Umdrehungen, drunter läuft der Motor nicht richtig rund, vierter oder fünfter Gang, gelegentlich auch mal der dritte. Geht geschmeidig bis 80 und das Kühlwasser, inzwischen auch aus der mitgeführten Flasche nachgefüllt, kühlte sogar laut Thermometer wieder etwas ab.

Am eigentlichen Eingang der Todra-Schlucht dann übelster Touristenstau. Mehr Europäer und Asiaten auf der Straße als Menschen wenn freitags die Moschee aus ist5, für Busse oder Autos wird kein Platz gemacht und die stauen sich dann im Gegenverkehr. Ich machte den Motor einfach immer wieder aus und fuhr erst weiter, wenn der Hintermann hupte. Der den Bogen aber schnell raus hatte und seine Hupdistanz von drei Autolängen auf eine halbe verringerte. Klar, weil wir alle so viel schneller am Ziel waren.

Am Hotel dann erst mal den Motor abkühlen gelassen, Hamsterbackentaschen abgenommen und die rechte Hamsterbacke6 abgeschraubt. So kommt man an den Einfüllstutzen vom Kühler, wichtig fürs Entlüften. Wobei im Handbuch eine andere Methode stand als mir damals in Livigno genannt wurde. Gut gefüllt und mutmaßlich entlüftet konnte die eigentliche Fehlersuche beginnen. Lüfter sprang immer noch nicht an. Also am Thermoschalter rumgemessen. Spannung lag dort an, aber kein Durchgang auch bei hinreichend hoher Kühlmitteltemperatur. Lüfter funktioniert, das zeigte eine einfache Überbrückung. Na gut, dann muß der Lüfter halt erst mal dauerhaft laufen. Drahtbrücke reingebastelt, alles schön mit Tape abgedeckt, losen Stecker mit Kabelbinder gesichert. Bei Gelegenheit kann man ja noch einen Schalter ranfummeln und manuell lüften. Das sollte die Woche bis zur Fähre auch halten.

Schön wieder alles zusammengebaut, bei der Gelegenheit noch gleich die inzwischen doch schwer gewordenen Hamsterbackentaschen wieder leichter befüllt, Koffer dran. Ab sofort wird eh nichts mehr gefahren, wofür man die weg haben möchte.

Jetzt entspannen beim Bloggen, nachher Duschen und um acht gibt es wieder hier Abendessen. Statt dem Berg Couscous gestern habe ich schlauerweise Tajine bestellt.

Und weil ich morgen früh wohl nicht noch mal anfangen werde, hier der Tagesplan: Ein Stück mindestens mit den Nachbarn mitfahren, quasi als Probefahrt. Vielleicht findet sich in den größeren Orten am Weg etwas, das ausschaut, als könnte man etwas Kabel und einen halbwegs handlichen Schalter bekommen. In den nächsten Tagen geht es nordwärts über den Atlas mit mehr Abstand zu Marrakesch als eh schon geplant. Im großen Ganzen schlagen wir uns nach einem Spieltag im nördlichen Atlas Richtung Larache an der Atlantikküste durch. Dort wollen wir die letzte Nacht verbringen in bequemer Distanz zu Tanger Med, aber weit genug, daß der Tag nicht ganz vertan ist. Vorräte für die Fähre aufstocken, also Wasser un Knabberkram und dann schippern wir heimwärts. Nächste Woche um die Zeit, es ist inzwischen 18 Uhr, werden wir allmählich einchecken.

Aber etwas Gutes hatte die Aktion: Ich hatte keine Idee mehr, wo ich das Beutelchen mit dem europäischen Geld7 hingepackt hatte. War in der Werkzeugtasche.

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  1. Österreich []
  2. der KTM Markenclaim []
  3. eh oft hier []
  4. also eigentlich ich []
  5. ich erinnere an Fes []
  6. Verkleidungsteil grob zwischen Scheibe und Tankunterseite []
  7. Euro und Franken []

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