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Der längste Tag…

… des Urlaubs.

Irgendwo vor Almeria, 03.10.2019 10:45 MESZ (glaub ich)

Notiz an mich und Tip an andere Reisende: In Zeiten sich automatisch umstellender Uhren, bei denen man aber nicht weiß, nach welchem Mond sie gerade gehen wollen, ist auf Reisen durch mehrere Zeitzonen eine gute alte Analoguhr sehr hilfreich!

Wie geplant begann der Tag spät. Frühstück haben wir dann doch vorgezogen, um ohne Unterbrechung das Gepäck richten zu können. Nette Anlage eigentlich, das Hotel. Nur in den Details dann doch wieder etwas vernachlässigt. Um 12 Uhr mussten wir dann draußen sein und schafften es gerade so. 😉 Gemütlich die Nationalstraße nach Norden genommen und dann im Bogen um den Großraum Tanger. Auf das man immer wieder einen Blick hatte. Schon ein Moloch, gut, daß wir da nicht durch mussten. Da ist der neue Hafen Tanger Med außerhalb doch praktischer.

Aber es gab auch schöne Aussichten, auch auf Europa auf der anderen Seite der Meerenge. Da steuerten wir mal ein Cafe an. Entpuppte sich als rustikal, Fernfahrer- und Handwerkerkneipe mit ordentlichem Geräuschpegel. Alles eher spanisch geprägt. Nach einem Getränk war dann trotz schöner Aussicht gut, weiter Richtung Fähre. In einem kleinen Örtchen etwa 10km davor konnten wir die Motorräder noch mal gut parken und genehmigten uns auf der Terrasse ein spätes Mittagessen. Marokkanische Pizza ist auch lecker. Europa rückt immer näher. Wasservorräte aufgestockt und dann endgültig zur Fähre.

Erster Anlaufpunkt ist da ein großer Parkplatz. Hier gibt es nochmal ein Cafe, das eher ein Kiosk ist, Toiletten für die Wartezeit und vor allem die Check-In-Schalter. Da wird das ausgedruckte Onlineticket dann gegen die Bordkarten getauscht. Und hier kann man schön rumtrödeln, bis man endgültig ausreist. Reisetipp hier: Vor der Weiterfahrt noch mal das Gepäck prüfen, ob nicht jemand was dazugepackt hat und man unfreiwillig zum Schmuggler wird.

Irgendwann wird man dann doch nervös. Jeder, der vom Parkplatz losfährt, ist ja vor einem in der Schlange für die Formalitäten. Also dann doch mal weiter. Kleines Häuschen, netter Grenzbeamter, Stempel im Pass. Ausgereist. Gleich darauf eine Schlange vor einem Häuschen. Gruppenweise werden die Kärtchen mit der temporären marokkanischen Zulassung für die Fahrzeuge eingesammelt, abgestempelt und wieder ausgegeben. Dann durchgewunken. Damit wäre dann das Fahrzeug auch ausgereist, Zollprobleme ade. Wir hatten einen Bus gesehen, der auf einem Pannenhilfstransporter angeliefert wurde. Verzollen ist teuer, auch für ein Schrottfahrzeug.

Und wieder eine Warteschlange.

Hinweis: Habe den Tag etwas verbummelt, es ist jetzt 18:40 Uhr und wir fahren bald an Alicante vorbei.

Ja, Warteschlange. Dieses Mal sollte man seine Fahrzeuge in einer Reihe aufstellen und dann fuhr ein LKW mit einem Röntgengerät an der Reihe lang. Das haben sie sich später gespart und nur gefragt, aber bei uns nahm man sich wohl die Zeit. Dann endlich, die Parkstreifen am Anleger. Aufreihen zum Verladen.

Aber wo ist die Fähre? Noch zwei Stunden entfernt verriet eine einschlägige Webseite. Warten. Man kann auch auf dem Motorrad schlafen, ich war aber umtriebig. Noch ein paar letzte Eindrücke sammeln. Zwei schlaue Geschäftstüchtige hatten einen Grillstand neben den Warteschlangen aufgebaut. Und wohl schon Nachschub geordert. Für die ist eine verspätete Fähre natürlich ein Riesengeschäft. Umgerechnet 4€ für ein mit Kefta belegtes Baguette sind natürlich noch günstig im Vergleich zu den 5€ in Karlsruhe, aber im Landesvergleich schon heftig.

Irgendwann legte die Fähre an, war erstaunlich schnell geleert. Wobei die Containerauflieger noch ausgeladen wurden, als wir vom Achterdeck aus das Beladen beobachteten. Die werden mit kleinen Zugmaschinen rangiert, damit nicht der ganze LKW die Überfahrt machen muß.

Genau, Beobachten des Beladens. Motorräder wurden zum Glück wieder reichlich nach vorne gewunken. So waren wir flott an Bord, konnten unser zurechtgepacktes Gepäck nehmen und in der Kabine Einchecken. Noch praktisch ohne Warteschlange. Sah später anders aus. Damit war der entscheidende Schritt geschafft: Gepäck in der Kabine, raus aus den Motorradklamotten1 und nach der Aufregung mal ein wenig auf dem Achterdeck rumlungern. Mal nachschauen, wie lande das noch dauern könnte. Und als Belohnung für alles erst mal gegen die Unterhopfung ankämpfen. Da war dann deutlich nach ein Uhr Ortszeit. Um zwei fielen wir dann in die Kojen. Feierabend. Das Ende der Fahrzeugschlange war auch gerade in Sicht gekommen.

Entsprechend voll ist auch die Fähre, gut was los. Rechtzeitig vorm Frühstücksende klingelte der Wecker, aber alle waren schon wach. Ich hatte es geschafft, mich noch zwei mal umzudrehen und weiter zu schlafen, obwohl ich um kurz nach fünf und um sieben schon wach war.

Frühstück war wie immer italienisch knapp2. Der Fisch vom Mittagessen war nicht so toll, dafür sind die Fritten hier an Bord genießbar. Gegrilltes Gemüse als Antipasti war so lala. Ich hatte das Öl nicht gefunden… Bald geht es schon wieder zum Abendessen. Die Zeit dazwischen vertreiben wir uns mit Plaudereien und gemütlichem Rumsitzen im Schatten auf dem Sonnendeck (ja, genau so). Wir haben noch ein paar andere Motorradfahrer kennengelernt und erzählen uns so unsere Erlebnisse und Pläne für künftige Reisen.

Bis Barcelona soll wohl von der Verspätung wieder einiges aufgeholt sein, wir sind dann wohl noch zwei bis drei Stunden hinterher. Mal sehen, wie es in Genua aussieht. Den Kapitän beim Käptensdinner am letzten Abend fragen fällt hier ja leider (?) aus.

  1. die bei mittlerweile 21°C aber nicht zu warm waren []
  2. ein Winzbrötchen, ein süßes Teil, eine Marmelade oder Honig, eine Butter, ein kleiner Becher Saft und ein Becher Kaffee []