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Al Khaima

Nahe Asilah, 02.10.2019 07:30 Uhr Ortszeit

Ich verspüre ein ungewohntes Gefühl: Mir ist kalt. Bei ca. 20°C Außentemperatur. Schon gestern Abend am Meer war es angenehm frisch, als die Sonne weg war. Und ja, spät heute. Frühstück geht bis 10:30 Uhr und ist für 09:30 Uhr von uns geplant. Ich hatte mich noch zwei mal umgedreht und versucht zu schlafen, denn es wird heute spät werden. Abfahrt der Fähre ist gegen Mitternacht geplant. Die Erfahrung aus Genua zeigt, daß das Beladen ca. 2 Stunden früher losgeht und da hatten wir ca. eine Stunde vor Abfahrt uns soweit eingerichtet. Schlaf also nicht vor 23 Uhr, eher später. Nun aber zu gestern.

Und überhaupt, wieso Asilah? Geplant war doch Larache? Der Reihe nach…

Nach der unruhigen Nacht auf dem Campingplatz – das Hundegebell war dieses Mal das nervigste von allen bisher und ich lebte in der Angst, die allgegenwärtigen Karnickel würden meine Wollsocken aus den Stiefeln ziehen und sie klein nagen – packten wir uns so weit zusammen und wollten Frühstücken. Wir hatten am Vortag beim Bäcker reichlich zugeschlagen mit süßen Teilchen und Gebäck, daß es so ausgefeilt bei uns selbst an Weihnachten nicht gibt. Und man kann lange suchen, bis man bei uns Handgemachtes für 2€ das Pfund bekommt. Doch dann tauchte der Platzwart auf und verteilte Baguette. Neinnein, ruhig nehmen, ist im Preis enthalten. Der Preis war übrigens umgerechnet 18€ für 4 Personen, 4 Motorräder und ein Zelt. Bei den Hängematten hatte er abgewunken und nichts auf der Rechnung notiert.

Dann eine übliche Verlegungsfahrt. Unterwegs mal Wasser gekauft, dann mal ein einem Cafe eingekehrt. Essensmäßig sah nichts verlockend aus. Am wenigsten verlockend war übrigens eine kleine Landstraße zwischen zwei Dörfchen. Die führte wohl quer durch die Örtliche Mülldeponie. Oder sie war einfach faktisch die Deponie. Irgendwie bedrückend, besonders wenn man sich schon dran gewöhnt glaubte, daß hier praktisch immer in Sichtweite was rumliegt.

Zurück zum Cafe. Frühstückskaffee hatte es ja nicht gegeben, den holten die Nachbarn nach. Der Rest orderte Minztee, was kurioserweise zu Rückfragen führte und mehrfach wiederholt werden musste. Vielleicht hatten sie keine Minze. Jedenfalls kam zur Teekanne Schwarztee ein Teegläschen mit etwas Minzsirup darin. Statt der sonst überall verwendeten frischen Minze. Irgendwie so, als würde man in einem bayrischen Gasthof bei Bestellung eines Biers eine kleine Dose Miller’s1 hingestellt bekommen. Gut, ich zog das Ritual durch. Eingießen, zurück in die Kanne kippen, wiederholen, dann erst zum Trinken eingießen. Ok, war zu viel Sirup.

Unsere fürs Frühstück geplanten süßen Teilchen vertilgten wir wenig später, als wir am Straßenrand ein kleines Wäldchen fanden. Schatten ist in der Mittagszeit halt so eine Sache. Leider auch hier wieder ungewohnt viel Müll, das Buschwerk ist wohl ein guter Filter im Wind. Zudem ist die kleine Kreuzung wohl auch Umsteigepunkt für die Schulbusse. Sogar drei Jogger kamen vorbei, die uns unbedingt den Weg erklären wollten.

Genau, Larache. Besser gesagt, etwas südlich davon an einem See wollten wir nächtigen. Hatten zum Glück nicht vorgebucht. Riad mit eigenem Restaurant in der Natur am Meer klang toll und ideal zum Umpacken für die Fähre. „4km Piste um hinzukommen“ war der Tenor der schlechten Bewertungen im bekannten Buchungsportal. Memmen, dachten wir, so ein wenig unbefestigte Straße kann uns doch nicht aufhalten.

Keinen halben Kilometer nach der Abzweigung waren auch wir Memmen. Die unbefestigte Straße war übel versandet. Es gab zwar feste Stellen, aber auch genug Sandlöcher dazwischen. Da sich durchkämpfen und vor allem am nächsten Tag wieder zurück – no way!

Plan B war dann ein Hotel aus dem Offroadführer in Larache selbst. Übler Verkehr da rein, keine Parkmöglichkeiten. Außen ziemlich abgerockte Bude direkt an der Einfallstraße. Nö.

Der Campingplatz ein Stückchen zurück war das nächste Ziel. Zur Not halt, wir haben ja Zeit. Dreckige Sanitäranlagen in sehr rustikaler Bauweise, das geht auch nicht. Ein deutsches Pärchen mit Wohnmobil sagte uns, daß das andere Häuschen wenigstens geputzt wäre. Aber sie hätten ja Dusche und Klo an Bord. Ja klar. Immerhin konnten wir in Ruhe planen.

Hier kommt Asilah ins Spiel. Ferienwohnungen in einem Marina Golf Resort. Ob es da was zu Essen gibt? Wir also die rund 30km Autobahn weiter nordwärts geballert. Was hätte man sich Kleinstraßen sparen können… Das Resort jedenfalls war keine Ferienanlage, sondern eine bewachte Wohnanlage. Der Pförtner beschrieb zwar ein Büro, bei dem man die vermietbaren Wohnungen buchen könnte, aber irgendwie war alles nicht verlockend.

Da kam wieder der Offroadführer ins Spiel. Hotel am Rand von Asilah. Jetzt muß es doch was werden. Immerhin, von außen schonmal ansprechend. Preise nicht zu niedrig, aber ok. Wir wollten endlich mal wo ankommen! Drinnen eine eigentlich nette Anlage zu einem Innenhof mit Pool orientiert. Riad-style. Im Detail dann wieder der landesübliche Lotter. Naja, es geht eigentlich, nur der Zigarettenbrandfleck auf der Klobrille irritiert maximal. Da zögert man, bevor man sich auf einen braunen Fleck an just diesem Ort setzt.

Spät waren wir also gelandet, aber an keinem schlechten Ort. Strand direkt auf der anderen Straßenseite, an diesem bis zum Städtchen, schöne Innenstadt und ein leckeres Essen fand sich auch. Diesmal mit besonders penetranter Bettelkatze, aber dafür um so leckerer. Calamarestajine, Crevettencocktail, Schwertfischspießchen, Hühnertajine etc. wurden gerne goutiert. Ohne dem Land Unrecht tun zu wollen oder Fluchtgedanken anzudeuten, aber der leicht südspanische Touch gefällt. Kein Wunder, daß der Ort als erste Anlaufstelle nach der Fähre empfohlen wird. Marokko light um reinzukommen, für uns ein Ausklingen.

Rostig hupende Esel und Hunde gab es dieses Mal nicht und selbst der Muezzin war recht leise. Dafür eine Bahnlinie2 und mindestens zwei Busladungen Chinesen, die dem Lärmpegel nach gegen halb sechs schon abgereist sind. Deren drohende Anwesenheit im Hotelrestaurant war jedoch der Grund, warum wir uns in den Ort aufgerafft haben. Insofern hatten sie was Gutes und waren weiter auch kaum auffällig.

So, zum heutigen Tag. Spätes Frühstück, Auschecken bis zwölf. Statt Autobahn Landstraße zum Fährhafen, macht keine zwei Stunden. Dazwichen noch ein wenig Knabberkram für die Fähre kaufen und vor allem Wasser. Dann kurz vor der Fähre ein frühes Abendessen und Zeit vertrödeln. Durch den Zoll, ab in die Warteschlange.

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  1. amerikanisches „Bier“ []
  2. drei Züge bisher gehört []

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