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La Clusaz – nochmal

Das mit La Clusaz war eigentlich eine lange Geschichte. Eigentlich hatten wir stumpf in der selben Unterkunft wie für den Hinweg gebucht. Stornierung bis nach dem Aufenthalt auf der Anreise möglich und das haben wir auch prompt gemacht. Eigentlich war alles ganz ok, aber doch viel Trubel. Nachts war es immerhin ruhig, aber naja. Zu dem Zeitpunkt wollten wir auch noch für die Rückreise umplanen. Durch die Schweiz über den Großen St. Bernhard und Martigny und nördlich davon wider rüber nach Frankreich. Kurz: La Clusaz wäre dann ein unnötiger Umweg gewesen. Wurde aber verworfen und wir buchten direktemang woanders in La Clusaz. Weil viel schönere Bilder, wenn auch etwas teurer, nach Karte ruhiger gelegen und überhaupt. Dazu später mehr, erst mal der Tag da hin.

Der Abschied von Arvier fiel schon recht schwer. Nette Gastgeberin, wunderschönes Zimmer und noch reichlich Wandergelegenheiten. Aber es muß mal endlich heimwärts gehen. Und das Wetter wirkte bedrohlich, üble Niederschläge waren entlang der Strecke immer dann möglich, wenn wir gerade vor Ort sind. Ich hatte schon das Bild im Kopf, daß uns unsere private kleine schwarze Wolke verfolgt, während sonst überall die Sonne schein. Es kam aber genau anders herum, Glück braucht der Mensch.

Es sollte ja über den kleinen Bernhard gehen. Statt dem schnelleren Weg durchs große Tal und die Skiorte prügelte ich die vollbeladene Else wieder über den San Carlo, der wochentags mit merklich weniger Verkehr richtig spaßig war. Auch hat es bei mir bei der Blickführung endlich mal wieder geschnackelt, Kehren gehen deutlich besser. Dazu noch etwas italienisches Temperament beim Überholen der Schleicher – die durchaus auch absichtlich Schleichen, damit man endlich mal überholt – und schon war der Paß die helle Freude. Am Parkplatz für die Arpy-Wanderung haben wir kurz angehalten. War wieder gut voll da. Annette riss sich förmlich die wasser- und winddichte Innenjacke raus während ich nochmals feststellte, wie übel die Toiletten dort sind.

Am kleinen St. Bernhard hat es dann doch minimal kurz geregnet, wir kamen nicht mal zum Anhalten. Die Straße war fast durchgehend naß, unsere schwarze Wolke war wohl zu früh gestartet. Außer zwei deutschen Motorradfahrern, die beim Überholen motivierter waren als danach in den Kurven, gab es nichts zu vermelden.

Bourg-St-Maurice, das klassische Etappenziel am Fuße des Passes. Genauer wieder “unser” Super-U. Boxenstop, tanken und weiter. Neue Erkenntnis hier: Die haben tatsächlich ein Parkhaus, von dessen erster Etage eine Brücke zum Markt führt. Direkt zu den Toiletten. Merken für Regentage oder wenn die Sonne zu sehr brennt.

Die Fahrt zum Stausee von Roselend war wieder sehr schön und wir sind es entspannt angegangen. Doch merkte man bald, daß die Schulferien definitv in vollem Gange sind. Reichlich Betrieb. Und natürlich zur Mittagszeit alle Picknickplätzchen belegt. Betraf uns aber nicht, wir hatten reichlich gefrühstückt. Unseren alten Parkplatz von der letzten Reise fanden wir wieder, er ist doch jenseits der Staumauer. Die kleine Straße danach wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Ich hatte sie genommen, weil wir sonst immer die große genommen hatten, ich nicht umdrehen, dafür aber was Neues probieren wollte. Zeit hatten wir ja reichlich. Nett, aber klein und wurstelig war dann die Strecke über Arêches nach Beaufort, das heißt eher der erste Teil bis Arêches. Haken dran.

Villard-sur-Doron klingelte noch in meinem Hinterkopf. So laut, daß ich Madame Garmin überhörte, die mich abzubiegen anwies. Großer Tip: Nicht einfach nach der Neuberechnung in die folgende kleine Gasse einbiegen. Die “Durchgangsstraße” ist schon klein, aber diese Gasse mündet mit gefühlten 30% Steigung ohne Spiegel und ohne Sicht. Das restliche Sträßchen hoch zum Mont Bisanne war zwar bewältigbar und ohne den ungeplanten Schlenker am Stausee auch eine willkommene Abwechslung, aber so zu es sich etwas zäh. Auf dem Weg runter war klar, daß das die Hauptzufahrt zu dem Skigebiet ist.

Doch zuerst der Abstecher zum Gipfel. Dort steht nicht nur die Bergstation eines Sessellifts, sondern auch ein Restaurant/Café mit zu erwartender großer Aussicht. Doch auf dem Weg lauerte erst mal ein Straßenbautrupp, der ohne Beschilderung hemdsärmelig die Straße ausbesserte und dabei mit allerhand schwerem Gerät an mehreren Stellen den Weg blockierte. Doch man fuhr in angemessener Zeit beiseite. Was wollen auch die blöden Touristen zu Unzeit da hoch, Mittag ist doch rum? Und wir hatten schon gezweifelt, ob wirklich offen ist. Oben standen aber schon ein paar Autos und der Sessellift setzte sich auch gerade in Bewegung und schaufelte einen Mountainbikefahrer nebst Sportgerät nach dem anderen nach oben.

Das Aussichtscafé war erwartungsgemäß teuer und die Aussicht leider etwas trüb, aber dennoch grandios. Und sagte ich schon, daß es immer noch nicht geregnet hat? Nach Kaffee, Crêpes und Blaubeerkuchen1 ging es wieder talwärts und dann mal über den Aravis gen Ziel. Die Berge hier sind wunderschön. Wohl kommen sie uns auch so vor, weil sie stellenweise an Südtirol erinnern. Ein gutes Stück vor La Clusaz, mitten im Skigebiet, kamen wir dann bei unserer heutigen Unterkunft an.

Die Enttäuschung war groß genug, daß Annette ein paar deutliche Worte mit der Rezeptionistin wechselte. Ähnlichkeit mit den Bildern hat das Zimmer nicht und sie wüsste auch kein Zimmer, das so aussieht. Aha. Immerhin geräumig und sauber, aber auch an einigen Stellen ziemlich verbastelt. Und da wir früh dran waren, kamen wir uns in dieser Abgelegenheit wie die einzigen Gäste vor. An der Rezeption jammerte man auch ein wenig darüber, wie man bei der geringen Gästezahl über die Runden kommen soll. Aha. Gut, die Lage mag im Sommer schlechter sein als im Rest des Ortes, da das Skigebiet im Sommer nichts bringt und der Rest des Ortes, die MTB-Strecken und die Sommerrodelbahn zu weit weg sind. Vielleicht gehen alle Zimmer der Kategorie, die wir gebucht haben, zu Paßstraße hin raus und vielleicht wird der Laden noch so proppenvoll, daß man die bis dato einzigen Gäste außer uns genau über uns unterbringen muß, so daß wir was von deren Gepolter haben. Aber vielleicht hat man unseren klassischen Wusch nach einem ruhigen Zimmer – im Buchungsportal muß man dafür nur noch einen passenden Haken setzen, schlicht genau anders herum verstanden. Das würde auch die laute Musikbeschallung der leeren Terrasse erklären.

Wir schauen jetzt erst mal, ob das Restaurant was rausreißen kann. Wobei ich beim Tagesmenü Spaghetti Bolognese und hinterher Tiramisu – man nehme die fehlende Vorspeise zur Kenntnis – schon etwas skeptisch bin.

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  1. lecker mit Marzipan oder zumindest Persipan im unkrümeligen Boden []

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