Moirans-en-Montagne

Nachtrag vom 23.07.2020 22:30 Uhr

Die nächste Etappe der Heimfahrt. Ich wollte mal die Gegend etwas weiter westlich der alten Route erkunden. Könnte ja sein, daß man bei Kurzreisen da mal hin will. Muß aber nicht.

Nach einem brauchbaren Frühstück im U’Fredy ging es los. Wieder hat das Mädchen für alles im Hotel mit ihrer netten Art alle sonstigen Unzulänglichkeiten ausgebügelt. Auch zickte die KTM anfangs etwas rum, ging immer wieder während der Fahrt aus. Irgendwie bekommt ihr der Franzosensprit nicht immer. Und weil wir schon gemütlich unterwegs waren, passierte uns auch das eine oder andere flotte Handwerkerle in seinem weißen Kastenwagen. Wir genossen die Aussicht.

Die ist an der Straße entlang des Lac d’Annecy gar nicht mal so gut. Egal, wie handtuchschmal das Grundstück am See neben der Straße ist, irgendeine Datsche wird mindestens draufgeklatscht. Verwunderlich bei dem starken Verkehr, erholen würde ich mich da nicht. Irgendwie eine ungute Mischung und so setzten wir uns planmäßig nach der Hälfte der Seelänge ab in die Berge. Hier dann wieder der Fluch der landschaftlich schönen Rückfahrt statt der Direttissima: Ja, irgendwie hübsch, aber nach den bereits gesehenen Highlights dann doch fad.

Kurzer Supermarkttankstop in Rumily, bei Seyssel wieder über die Rhône. Was beinahe zu kurz kam, war eine Pause. Da ja die Mittagsvesper ausfällt, vergisst man das leicht und irgendwie kämen wir viel zu früh an. Ein Wegweiser zu einem See schaffte da Abhilfe. Der entpuppte sich trotz der kleinen Zufahrtsstraße als touristisch1 gut erschlossen mit Liegeweisen, Badestrand, Restaurant und und und. Da warfen wir auf der Weise mal die Motorradklamotten von uns und genossen die Sonne bei ganz akzeptablen Temperaturen.

Zu früh kamen wir dennoch an. Aber man war sehr hilfsbereit. Die Brasserie vorne im Gebäude gehört wirtschaftlich nicht zum Hotel, aber man erfragte telefonisch den Zugangscode und die Zimmernummer. Hätte man eigentlich auch per Mial bekommen sollen für den Fall einer frühen Anreise. Faktisch, wenn auch zur Verwirrung des Betriebs, hätte man aus einigen Zimmern auswählen können, die offen standen. Aber unseres gefiel uns eh auf Anhieb. Ruhig hintenraus zum eigentlichen Parkplatz, wie sich rausstellen sollte. Denn schon während ich das Gepäck hoch trug, war die Rezeptionistin da und wir parlierten ein wenig. Fazit: Ja, der geschotterte Platz im Hotel ist der Parkplatz und ich solle lieber dort parken statt bei dem an der Straße geparkten Auto mit dem seit zwei Jahren abgelaufenen deutschen Exportkennzeichen2. Und am allerbesten direkt am Hotel. Das war allerdings recht steil und gefiel mir nicht sonderlich. Alternativ könne ich das Motorrad auch in ihre Garage in der Nähe stellen, was mir auch nicht gefiel. Schließlich durfte ich nach Rücksprache mit dem Betreiber der benachbarten Fahrschule oben auf dem Plateau parken. Mein Eindruck: Geteiltes Grundstück, jeder hat seinen (unmarkierten) Bereich und der nette Nachbar drückte ein Auge zu.

Nach dem Frischmachen schlenderten wir durch den Ort, der in Sachen morbider Charme Florac übertreffen will. Viel zu, viel Leerstand, aber im Zentrum auch viel Leben. Am Spielzeugmuseum, DEM Touristenmagneten laut den Prospekten, war tageszeitlich und pandemiebedingt nichts los. Die drei in Frage kommenden Einkehrmöglichkeiten waren schnell abgeklärt und wir reservierten formlos kurz vor Öffnung an dem leckersten mit der Terrasse Richtung Museum. Wobei direkt daran auch ein Schotterparkplatz grenzte. Die Wahl war kulinarisch sehr gut. Neben dem Konzept “Leckeres Bier3 als Aperetiv, Wein zum Essen” hatte ich in einem Risotto die leckersten und am besten gegarten Jakobsmuscheln überhaupt. Annette war mit ihrem Perlhuhn nicht ganz so zufrieden, da es trockener als erwartet war. Und weil wir im Jura waren, sollte es noch mal regionalen Wein geben. Savagnin bzw. den Cuvee mit Chardonnay hatte ich mangels breiter Verfügbarkeit bei uns schon wieder verdrängt. Böser Fehler, der Stoff ist einfach nur lecker.

Im ruhigen Hotelzimmer wird der Schlaf schnell kommen. Morgen noch eine Nach in Belfort, dann sind wir daheim!

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  1. oder zumindest naherholungstechnisch []
  2. nur mal am Rande erwähnt []
  3. man würde es heute Craft-Beer nennen, was lokales jenseits des Reinheitsgebots []

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