September 2020
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Triple!

Wir sind ja nicht der FC Bayern München, wir kriegen das hin. Auch wenn es einer sturen Frau bedurfte.

Im Grunde ging es darum, wieder einmal den Sassongher zu besteigen, eine unserer Lieblingstouren in Südtirol. Zwei Gründe gab es, unsere Normalroute mal zu verlassen. Zum einen wollte ich schon eh und je auch mal wieder eine andere Variante probieren, zum anderen sehnt es Annette immer wieder nach dem Gipfelkreuz gegenüber. Auf dem 5er Weg laufen wir immer wieder drunter weg und von Stern aus gesehen ist es sehr prominent auf der anderen Talseite dem Sassongher gegenüber zu sehen. Para da Giai sollte der Name des Gipfels sein. Und ob der Gipfelabstecher zum Sassongher noch drin ist, sollte sich zeigen.

Recht spät kamen wir los, da wir zwar pünktlich um halb acht beim Frühstück sitzen, aber manche doch deutlich länger als eine halbe Stunde benötigen, speziell wenn andere Gäste zum Plaudern dazustoßen. So viel zum Konzept “Aufbruch mit der ersten Seilbahn”. Gegen zehn standen wir an der Bergstation der Gherdenaccia-Bahn und liefen los zur gleichnamigen Hütte.Letztes Jahr hatten wir die Alternativroute getestet und deshalb vom neuen Klettersteig Les Cordes nur seine Eröffnung, nicht aber seine Auswirkung mitbekommen. Da er direkt durch die Wand über dem Wanderweg führt, gibt es zwei Stationen, an denen der Wanderer sich einen Bauhelm nehmen und 50m weiter wieder abgeben kann. Steinschlaggefahr…

An der Hütte waren wir fast in der Zeit und zweigten an der üblichen Stelle dieses Mal mit Absicht Richtung Puezhütte ab1 um uns kurz darauf wieder links zu halten. Prinzipiell über die Hochfläche zur Gherdenaccia-Scharte mit ausgeschildertem Abstecher zum Para da Giai. Mit einer kleinen Klettereinlage am Drahtseil erreichten wir das große Gipfelkreuz. Um festzustellen, daß der benachbarte Gipfel höher ist und das Kreuz nicht am Gipfel steht, sondern an der Kante halt so, daß man es vom Tal gut sehen kann. Hier geht es weniger um Geographie als um Glauben und Kult beziehungsweise Tradition.

Ein unmarkierter Weg soll zurück zum Wanderweg führen ohne Klettereinlage. Von dem driften wir jedoch wieder nach links zum nächsten Gipfel. Es gibt gelegentliche Markierungen und ausreichend viele Steinmännchen, auch ist die Wegspur meist gut zu erkennen. An diesem Gipfel, hier sagt die Karte dann auch, es wäre der Para da Giai, steht ein einfaches, improvisiertes Kreuz aus zwei Ästen. Schöne Aussicht auch hier, aber wir ziehen weiter. Der Pfad zurück zum Wanderweg ist mit Steinmännchen halbwegs und gelegentlich mit verwitterterter Farbe markiert. Kurz frage ich mich, wie sich das gerade verhält im Bezug auf “Naturschutzgebiet” und “Wege nicht verlassen”. Ist das ein Weg? Zusammen mit dem GPS finden wir dann wieder in die Spur, steigen erst in die Gherdenaccia-Scharte auf, wieder ab und in eine namenlose (?) Scharte auf. Mehr Höhenmeter, als Karte und elektronische Planung erkennen ließen. Der Tag zog sich langsam.

Oben vor dem langen Abstieg zur Wegkreuzung unterhalb der Sassongherscharte zeigte ich Annette meine Uhr. 877 Höhenmeter, nur noch 3 bis zu dem gestrigen Rekord. Ich sah uns schon von der Abzweigung zurück zur Hütte gehen, damit Annette die Sonnenliege und ich ein Bier genießen können. So war der Plan, als wir sie passierten.

Doch weit gefehlt, die Frau mobilisierte irgendwelche schlummernden Reserven und stieg aufwärts. Plan B, win another day, dachte ich. Von dort runter ins Edelweisstal, mit dem Bus zurück und morgen von dort aus wieder hoch, Gipfel besteigen und zurück zum Lift, für den wir ja noch ein Ticket für die Talfahrt hatten. Wieder geirrt. Obwohl die Summe der angegebenen Gehzeiten ziemlich genau der Restzeit bis zur letzten Bahn ergab, zog es die sture Frau zum Gipfel. Mitten in einem Stimmungs- und Konditionstief hechelte ich hinterher.

Oben am Gipfel noch kurzer Knatsch, daß die hart erarbeiteten Beweisfotos auch ja richtig gemacht werden und das bitte auch noch schnell, wir haben ja Zeitdruck. Beim Abstieg zeigte ich mich als beweglicher als meine Hose, bei der folglich im Schritt eine Naht aufging. Bei Annettes Schuhen entdeckten wir, daß die Sohlen sich teilweise ablösen. Weia.

Talwärts ging dann plötzlich doch alles ganz schnell und in Topzeit passierten wir die Hütte, nahmen den angeblich flacheren, aber etwas weiteren Weg mit angeblich gleicher Gehzeit runter zur Liftstation und kamen tatsächlich mit zehn Minuten Reserve an. Respekt, daß Zwergenbeinchen so schnell tragen! 😉 Kurz vor der Talstation kamen uns dann schon die erüsten zugeklappten Sessel entgegen, ein Zeichen für den Betriebsschluss. Meine Uhr vermeldete da dann insgesamt 1228 Höhenmeter. Irre!

Kurzer Abstecher in die Unterkunft zum Duschen und dann wieder ins La Bercia. Wasser und Bier, Tagliatelle mit Wildragout und Pizza, fertig. Immerhin waren wir viertel vor Acht schon wieder zurück. Mit dem Auto, frau wollte dann doch nicht mehr gehen.

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  1. wir laufen da sonst immer einige Meter falsch, weil wir eigentlich den anderen Weg nehmen []

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