Das große KTM-Schrauben

Gemeint ist das Fahrrad, nicht das Motorrad. Da steht auch einiges bevor. Aber das hier ist der heute morgen neulich versprochene Bericht.

Harmlos fing es an. Entgegen der Praxis beim Motorrad, daß Kette und Zahnräder zeitgleich gewechselt werden, ist beim Fahrrad die Kette häufiger fällig. Sagte man mir. Und daß das die Lebensdauer der Zahnräder verlängern würde. Glaube ich nach dem Geknarze am Tern, das mit dem Kettenwechsel verschwand, gerne. Also besorgte ich mir für kleines Geld eine Kettenverschleißlehre und wendet diese regelmäßig an.

So Anfang September war es wohl, da teilte mir diese Lehre mit, daß meine Kette nun verschlissen, sprich zu sehr gelängt sei. Ok, kein Hexenwerk. Kette wechseln ging schnell, auch wenn die zwischenzeitlich bestellten Clipschlösser ums Verrecken nicht zu zu kriegen waren. Dafür ließ sich das mitgelieferte Shimano-Clipschloß problemlos installieren. Mission accomplished.

Denkste, irgendwas im Antriebsstrang war murksig. Abgesehen davon, daß ich eine gewechselte Kette nicht als Grund ansehe, am Umwerfer was neu einstellen zu müssen, klappte eben diese Justage nicht. Egal, was ich machte, die Kette blieb nicht richtig auf dem Zahnrad. Da der eine oder andere Rest einer Feder, dessen Herkunft ich nicht erkennen konnte, mich eh schon seit einiger Zeit am Umwerfer – wir reden hier übrigen über den vorderen – zweifeln ließ, war der nächste Schritt für mich klar. Neuer Umwerfer, kostet keine 20€ und konnte Annette direkt auf dem Heimweg aus dem Büro vom lokalen Händler mitbringen.

Vor der Montage kam dann aber doch noch der Urlaub. Ich hatte mich ans Tern für den Weg zur Arbeit gewöhnt, nur die Wochenendrunden in die Rheinauen waren damit nicht so toll. Die Montage selbst war dann erst mal verwirrend. Aus den Optionen Top Pull, Down Pull, Straight Pull, Schellenmontage oder derlei zwei an Gewinden schien ich mir das richtige ausgewählt zu haben. Allerdings sitzt die Schelle auf einer anderen Höhe als beim alten Umwerfer, was beinahe mit einem ungenutzten Gewinde für einen Flaschenhalter kollidierte. Auch die Aussparung am Schutzblech sieht nach einer knappen Nummer aus, aber läuft.

Was nicht lief, war der Schaltvorgang. Zwar schnappt der Umwerfer knackiger und entschlossener um als der alte, aber das Grundproblem war das selbe. Auf dem mittleren Zahnrad wollte die Kette nicht bleiben, egal, wie ich rumjustierte. Verzweifelt drehte ich sogar die Kette um für den Fall, daß es entgegen fehlender Anleitung oder Markierung doch eine vorgegebene Laufrichtung gäbe. Fehlanzeige. Fündig wurde ich zwischenzeitlich bei Schaltzug. Durch die gänderte Führung beim neuen Umwerfer war der eh etwas knapp und ich wollte mir einen neuen gönnen. Zumal das Einstellen irgendwie teigig war. Bingo, Zug war im Schalthebelgehäuse schon etwas aufgedröselt. Wäre eh nicht mehr lange gut gegangen. Nicht nur den Zug, sondern auch die Hülle tauschte ich gleich mit, alles mal neu. Gut, jetzt aber nur noch schnell ordentlich einstellen, dann wars das doch, oder?

Oder. Die Symptome blieben mir erhalten. Kleines und großes Kettenblatt konnte ich problemlos nutzen, das vermaledeite mittlere war unfahrbar. Die Kette sprang nicht wirklich runter, war nur nahe dran. Die Seitenlaschen liefen schon auf den Zahnspitzen, dann schnappte die Kette irgendwann wieder mit den Rollen zwischen die Zähne. Unter Last kein Spaß. Aber Moment mal, abwechselnd rechts und links wollte die Kette sich vom Zahnrad machen, nicht in eine Richtung ausschließlich. Wie soll man denn da was Einstellen, in welche Richtung soll man den Umwerfer verstellen. Kopfkratzen. Noch ein Blick. Sollte es möglich sein? Geht das überhaupt? Arbeitshypothese: Das mittlere Zahnrad eiert, daß es einer Sau graust. Kurbel wechseln.

Gesagt, bestellt, gewartet, getan. Beim doppelten Preis vor Ort und gut eingefahrenem Tern kaufte ich dann doch beim Versender, der sich prompt eine Woche Zeit ließ. Egal. Montiert und schon mal besser. Bei meiner Einstellorgie hatte icht dann auch noch gleich den hinteren Umwerfer verstellt, im ersten Anlauf High- und Low-Anschlag verwechselt und irgendwie war der hintere Schaltzug auch was kurz. Heute klappte die Justage dann endlich. Cremig ist es noch nicht ganz, in manchen unüblichen Gangkombinationen schleift es noch ein bißchen, aber definitiv sind meine üblichen fünf Gänge fahrbar. Geräuschfrei, geschmeidig und grad zur rechten Zeit. Langsam kam mir das Tern doch was überstrapaziert vor. Vom fehlenden Packtaschenvolumen mal abgesehen.

Fürs Protokoll: 25045km hatte das KTM bei der Aktion auf der Uhr. 1091km hat derzeit das Tern.

Fazit: Manchmal ist es das fast neueste und unwahrscheinlichste Bauteil mit einem unglaublichen Defekt. War dann auch ein Schubs in Richtung Arbeitsrad1. Wartungsarm, flink und nix dran, was nicht gebraucht wird und nur kaputt gehen kann. Das ist der Plan. Wenn jemand ein KTM Kent loswerden will, bitte in meine Richtung schieben…

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  1. klingt öder als Commuter Bike, trifft es aber auch []

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