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Jürgen hat eine geringe Lebenserwartung

Ganz großes Damentennis. Beim Einsteigen in den Zug erst fiel uns auf, daß Annette und ich zwar prinzipiell benachbarte Sitzplätze reserviert habe, jedoch in zwei verschiedenen Wagen. Da der ICE mal wieder irgendwo hielt, nur nur nicht da, wo es der Wagenstandsanzeiger am Bahnsteig vermuten liesse, steuerten wir erst gemeinsam meinen reservierten Platz an. Bingo, Nebenplatz ohne Reservierung, Vierergruppe und wie es sich für die 1. Klasse gehört mit Steckdose am Platz fürs Laptop.
Annette wollte sicherheitshalber nochmal nachsehen wie ihr reservierter Platz so aussieht. Dort war aber wohl der Wagen deutlich voller und somit der Lärmpegel entsprechend höher. Dachten wir anfangs. Aber Jürgen schafft das auch alleine. Und seine kleine Schwester hilft dennoch mit.

Jürgen ist ein kleiner Bengel von geschätzten 6 Jahren, für den das ursprünglich fast leere Großraumabteil ein riesiger Spielplatz zu sein scheint, auf dem man vorzüglich toben kann. Weil das aber langweilig ist, fragt er seine Mutti wiederholt danach, wie lang es noch dauert und all die anderen handelsüblichen Nervfragen quengeliger Kinder. Wenn er mal die Klappe hält, kann man davon ausgehen, daß er gerade wieder jemand penetrant über die Schulter schaut. Wie zum Beispiel mir auf den Laptopbildschirm; fühlt sich extrem unhöflich an – für mich, nicht für ihn.

Wenn ich die Blicke im Abteil richtig einschätze, könnte er in absehbarer Zeit gelyncht werden und keiner wird etwas gesehen haben.

Allerdings verblasst sein Charme in diesen Minuten etwas. Ein Rudel laut labernder Prolls hat das Großraumabteil erobert und beschallt das unfreiwillige Publikum mit peinlichen Handyklingeltönen, bevorzugt mehrmals, da die Anrufer nicht peilen, daß auf einer tunnelreichen Bahnstrecke Verbindungen häufig abreissen.

Alles in Allem habe ich mir die 1. Klasse geruhsamer vorgestellt. Und bevor jemand glaubt, ich wäre nun dekadent geworden: Zum Zeitpunkt, als wir buchen konnten, gab es keine Spartickets mehr für die 2. Klasse, wohl aber für die 1. – zu einem günstigeren Tarif als der Normalpreis der 2. Klasse. Hielt ich für eine pfiffige Idee meinerseits, diese Möglichkeit auch zu prüfen, aber offensichtlich kommen auch sozial herausgeforderte auf solche Ideen. Da ist sie dann dahin, die Exklusivität.

Hühneralarm in ICE

Die ersten ein oder zwei Etappen auf unserem Weg nach England haben wir jetzt geschafft. Der KVV brachte uns quasi von der Haustür zum Hauptbahnhof. Die erste Bahnetappe brachte uns bis Mannheim, wo wir erstmal umsteigen mussten. Unser beider Gepäck hat seine Tücken. Annettes Rucksack ist unkritisch. Meine Laptoptasche, die exakt die zugestandenen Abmessungen für Handgepäck ausnutzt, ist relativ leer, da die erlaubten 10kg schnell erreicht waren. Dafür wiegt meine große Reisetasche auch kaum mehr, nur finde ich keine passende Gelegenheit, um die Rucksackgurte auszupacken und sie zu schultern. Annettes Trolli ist auf ebenem Terrain da praktisch, aber unhandlich, sobald es um enge Gänge oder Treppen geht und bleischwer. Dafür braucht es kein Damenreisegepäck, da helfen schon die 6,5kg Leergewicht.

Aber zum Thema. Gerade bekommen wir einen Pleiten-, Pech- und Pannenbericht einer USA-Reise in die Ohren genötigt. Unweit von uns gackert ein Huhn seine Erlebnisse durchs Mobiltelefon. Hach wie schön. Immerhin verbrüdert uns das mit Annettes Sitznachbarin (unsere en block reservierten Plätze befinden sich rechts und links vom Gang), die aus meiner Heimat stammt und wohl viel Interessanteres berichten kann.

Geschützt: Pechwelle schwappt über

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Südwärts

Ah wie angenehm, mal einen sicheren Sitzplatz zu haben. Die Ware kam übrigens kurz nach 12:00Uhr, somit war sie so gegen 12:30Uhr abgeladen und wir konnten doch tatsächlich vor unserer Abreise um 13:00 noch was sinnvolles machen. Ganz grosses Kino.
Jetzt erstmal weiter erholen. Kurz nach sieben soll ich in Karlsruhe ankommen und dann will ich eigentlich nur noch den Teil meines aktuellen Reisegepäcks, den ich auch beim Motorradtreffen brauche, umpacken und auf die Piste. Der Rest ist bereits gepackt. Allerdings bremst eine gewisse Müdigkeit und zugegebenermassen eine Sehnsucht nach meiner besseren Hälfte diesen Elan. Wir werden sehen.

Area 51

Naja, Sales ist eigentlich nicht Sinn der Sache. Es verschlägt mich wieder mal in die Ferne, eine neue Filiale einzurichten. Neu? Nicht ganz, diesmal ist es ein Filialumzug. Wobei erst richtig um-, sprich aus den alten Räumlichkeiten ausgezogen wird, wenn am neuen Standort eröffnet ist. Schauplatz des Geschehens ist Hamburg.
Nichtsdestotrotz ist das Procedere das selbe: Ware aus dem Zentrallager in Empfang nehmen, auspacken, kontrollieren und ordentlich einlagern. Nicht alltäglich, aber eine gewisse Routine habe ich da mittlerweile schon.
Etwas außerhalb der Routine war heute die Anfahrt. Eben weil sie heute war. Normalerweise reise ich ja montags an, aber da ich am Freitag noch zur Megafete und somit früh weg will, kam mir das gelegen. Annette verständlicherweise weniger. Immerhin hatte ich ab Mannheim dann doch einen Sitzplatz, auch wenn unser Sekretariat bzw. Filialmanagement etwas zu spät in die Gänge kam, um für diesen großen Reisetag nach dem langen Wochenende noch eine Platzreservierung zu bekommen.
Hotel ist recht unspektakulär. Garni, aber mit wohl hinreichend Futterkrippen in Reichweite. Außerdem muß ich ja gemäß „Marschbefehl“ (eine liebevolle Zusammenstellung relevanter Daten, also nicht nur Hotel- und Filialadresse, sondern z.B. auch ein kopierter Netzplan der U-Bahn mit angemarkerten Linien und Haltestellen) eh 3 Haltestellen mit der Bahn fahren, da kann ich auch eine Wochenkarte für den Großkreis Hamburg nehmen und bin somit mobil. Und da noch eine Kollegin mit angereist ist, kann es schonmal nicht so langweilig werden. Und genug Privatarbeit habe ich mir auch mitgenommen.
Aber ich drifte ab, ich wollte ja auf die Überraschung beim Einchecken raus. Mit dem Schlüssel für Nummer 51 bewaffnet verabschiede ich die Kollegin vor ihrem Zimmer und gehe drei Türen weiter. Sah ganz brauchbar aus drinnen, halbwegs geräumiges Doppelzimmer. Nur etwas unordentlich. Unordentlicher, als ich es verlassen würde. Wie es sich herrausstellte, lag in dem Fach für mein (aufgeräumtes) Zimmer Nummer 50 der 51er Schlüssel. Kann passieren, die waren wohl Samstag auf Sonntag voll belegt und haben heute erstmal nur die Zimmer richten lassen, die neu belegt werden sollten.

Die Bahn kommt!

Ein leises Rauschen. Ich hatte es schon abgetan, als Annette die neue Strassenbahn verdächtigt. Ein erster Blick konnte es auch nicht bestätigen, aber dann fand sich zwischen Bäumen und Büschen die altbekannte gelbe Blechwand.

Am 27. Mai soll ja Einweihung sein. Heute gesehen haben wir nicht den Schleifzug, sondern den auch erwähnten Niederflurwagen. Ich bin ja mal gespannt auf den regulären Betrieb. Fein wird, daß die Bahn nicht nur im 10min-Takt fährt, sondern an Wochenenden durchgehend alle 30min.

Schwergewichts-Racing

Nicht nett, das Wetter, das mich am Bahnhof begrüßt, als ich aus Fulda zurückkomme. Denn statt wie dort am Boden liegend bereits kräftig wieder zu tauen fällt er als übler Nieselschnee gerade frisch runter. Doch die Wartezeit scheint sich in Grenzen zu halten. Der KVV hat keine technischen Wunder gescheut und läßt die Abfahrtszeit der Bahnen elektronisch an ausgewählten Haltestellen anzeigen. Kein schnöder Fahrplan, der mit einer Uhr gekoppelt ist, sondern tatsächlich mit Sendern und Sensoren, die dem System mitteilen, wo die Bahn wirklich aktuell gerade steckt.

Genial.

Und spannend.

Linie 6: 4min
Linie 2: 4min

Ok, daß zwei Bahnen innerhalb einer Minute am selben Bahnsteig abfahren können, soll vorkommen. Aber am Hauptbahnhof mit quasi komplettem Fahrgastaustausch? Das wird spannend!

Linie 6: 2min
Linie 2: 3min

Ok, jetzt ist zumindest klar, wer vorne liegt.

Linie 6: 2min
Linie 2: 1min

Was war passiert? Keine Ahnung. Ich war abgelenkt. Eine nette junge Dame mit deutlichem osteuropäischem Akzent war auf der Suche nach dem richtigen Bahnsteig der Linie 4. Straßenbahn 4, nicht Stadtbahn S4. Sie bekam natürlich die posertypische Teilantwort. „Da drüben, da wo die schwarze 4 auf gelbem Grund ist.“ Nein, der nicht ausgesprochene Teil lautete nicht „Du doof, lern lesen!“ sondern eher „… und nicht die weiße 4 auf rotem Grund, das ist die Stadtbahn.“ Naja, so wird das nix mit dem Nettsein.

Linie 6: sofort
Linie 2: 1min

Mal abgesehen davon, daß ich bei einer solchen Aussage und einer Passagieraustauschzeit von locker einer Minute gerne mal die Bahn, die sofort abfahren soll, zumindest gerne sehen würde, mach ich mir langsam Gedanken. Weit außerhalb der Sichtweite treffen die Bahnen sich aus verschiedenen Richtungen an einer Kreuzung. Das löscht die Bilder von riesigen Lastzügen, die sich auf einer zweispurigen Straße ein mühsames Rennen liefern. Denn es gibt auch nur ein Gleis in diese Richtung.

Spielt nun die Ampelschaltung dem Bahnfrühwarnsystem einen Streich? Immerhin sind seit der Aussage „in 4min“ schon 6 Minuten vergangen. Kann ich aber bei der Karlsruher Maxime, daß sich jeglicher Verkehr der Bahn unterzuordnen hat, inklusive der Fußgänger, die eben jene Bahn erreichen wollen, um Fahrgäste zu werden, nicht wirklich glauben. Genausowenig kann es sein, daß der Hauptbahnhof die andere Sorte ausgewählter Haltepunkte darstellt: Die, an denen doch einfach nur das Kursbuch zeitgesteuert heruntergebetet wird. Das würde die Sprünge und Differenzen nicht erklären.

Ich lasse mich überraschen. Von der Linie 2, die um die Ecke kommt.

Linie 6: sofort
Linie 2: 2min

Vielleicht ist ja nur der Transponder falsch eingestellt. Ich fahr jedenfalls heim.