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"Zu verschencken"

Die Anführungszeichen, obwohl inzwischen im Begriff eine Landplage zu werden wie der Deppenapostroph, sind hier angemessen.

So steht es handgeschrieben auf einem Zettel. Dieser Zettel ruht auf einer Couch im Treppenhaus. Seit gut zwei Wochen jetzt. Anonym.

Ich werde wohl mal eine Liste aller Hausbewohner anfertigen und jeder kann dann ein Häkchen machen unter einem Text wie „Nein, ich will sie nicht, bringen Sie bitte Ihren Sperrmüll selber weg“

Aber im August ist ja Sperrmüll. Mal sehen, ob es die Couch dann rechtzeitig vor die Tür schafft.

Stadtbrief ist keine Post

Da hat man schon alle Hoffnung aufgegeben. Ein wichtiger Brief soll vor 11:30 eintreffen, dann ist das Wochenende gerettet. Nur daß gestern nichts ankam und die Post normalerweise hier vor 12:00 nicht auftaucht.

Da klingelt es nicht nur an der Tür, sondern man bekommt an der Sprechanlage ein lautes „POST!“ entgegengebrüllt. Adrenalin!

Rekordzeit vom zweiten Stock des Hinterhauses zum Briefkasten im Vorderhaus. Und auf der früh morgens eingeworfenen Tageszeitung liegt ein Brief!

Allerdings an Herr und Frau $Mitbewohner und zugestellt von Stadtbrief. Ich glaube, ich muß deren Zusteller bei Gelegenheit töten. Wenn ich nicht zu sehr damit beschäftigt bin, darüber nachzudenken, was es mit Frau $Mitbewohner auf sich hat. Hygienikerin, die eine echte Herausforderung sucht? Gemeinsamer Geist? Clerical Error? Ich bin gespannt…

Genial

Jetzt muß ich mir doch mal selbst auf die Schulter klopfen. Gerade habe ich festgestellt, wie genial ich doch am Sonntag war.

Zustand vorher: Waschtage waren immer etwas kritisch bzw. einengend. T-Shirts, Hemden und Pullis (sprich alle Oberteile) trockne ich aus Bequemlichkeit auf Kleiderbügeln. Spart bis auf wenige Ausnahmen auch das Bügeln der Kleider. Diese hänge ich dann an eine kleine Kante an der Unterseite meines Hochbettes zum Trocknen. Leider ein sehr effektiver Raumteiler und von einem Großteil des Zimmers ist so u.a. der Fernseher nicht mehr zu sehen, sprich nur noch als Nahseher zu gebrauchen.

Tooltime!

Am Sonntag stolperte ich beim Entrümpeln meiner kuscheligen Hamsterhöhle über ein Stück hölzernes Rundmaterial von etwas über einem Meter Länge. Woher das noch stammt, ist eine andere und sehr lange Geschichte. Auf die Kante unterm Hochbett aufgelegt (natürlich jetzt auf der Seite an der Wand, nicht in der Raummitte) schon fast eine brauchbare Kleiderstange. Bis auf das frei in der Luft hängende Ende, das eben das nicht mehr macht, sobald man es losläßt.

Irgendwo lagen aber noch diese seltsamen Gewebebänder, die dem IKEA-Regal Ivar beiliegen, auf daß man damit das Regal an der Wand befestige. Inklusive Schraube. Als Schlaufe an die Hochbettdecke (bzw. den Boden, je nach Sichtweise) geschraubt hinreichend stabil. So hängt die Wäsche in einer weniger frequentierten Ecke des Zimmers.

Wochenendlicher Waschtag und WG-dynamisches Tatortschauen sind sich nun nicht mehr im Weg. Und das quasi kostenlos. Ja, ich Held ich. Meinjanur. Auch mit kleinen Schritten verbesserte Lebensqualität ist ein Gewinn.

In diesem Zusammenhang: Es werden gerne Tips angenommen, wie man effektiv und übersichtlich in einem 50cm tiefen Ivar-Regal (wegen dem Fernseher, der braucht die Tiefe) DVDs deponiert. Einfach klassisch „ins Regal stellen“ verschenkt ungefähr 65% des Volumens. Und langsam werden das viele DVDs.

Es geht spießiger

Neues von der Einfahrtsfront.

Das ursprügliche Hinweisschild war ja verschwunden. Unser Blockwart äh Hausbeirat plädierte ja für eine Nobelversion aus Blech, am besten emailliert und überhaupt teuer.

Sehr sinnvoll, wenn das Vorgängerschild geklaut wurde.

Noch sinnvoller, wenn wochenlang nichts passiert, außer daß immer kackfrecher in der Einfahrt geparkt wird. Ich berichtete.

Und ich handelte. Für luxeriöse 1,99€ erstand ich ein Plastikschild, das genau der Beschreibung entsprach, was unsere Blockflöte nicht montiert sehen wollte.

Es wirkt. Seit heute hängt plötzlich ein hübsch-dekadentes Schild. Aus Blech. Richtig schön angeschraubt und nicht bewußt windschief drangespaxt.

Geht doch. Ein Schelm, wer böses über mich denkt. Nur hätte ich so rein aus Spießerprinzip gern mein Schild wieder.

Bin ich spießig?

Oder habe ich sogar eine Blockwartmentalität?

Ich muß da wohl erst einmal meine Wohnsituation etwas erläutern. Ich lebe in einer Dreier-WG in einem Hinterhaus in der Stadt. Im Innenhof habe ich seit kurzer Zeit einen der brachliegenden Stellplätze angemietet. Es war mir einfach zu blöd, Motorrad und Roller weiterhin dem Vandalismus auf der Straße preiszugeben. Auch versetzt es mich in die Lage und in die Notwenigkeit, meinem Wegerecht mehr Ausdruck zu verleihen als mit dem Fahrrad. Denn unsere Einfahrt wird gerne als Parkplatz mißbraucht.

Tagsüber erdreisten sich die Mitarbeiter des Reisebüros im Vorderhaus, sie als kostenlosen Firmenparkplatz zu mißbrauchen. Aber da weiß man ja, wen man wegscheuchen muß. Nachts steht da auch gerne mal ein Auto, aber die sind sehr früh morgens wieder weg. Meistens.

Heute stand einer meiner Wahrnehmung nach zum ersten Mal dort. Mit mächtig brass ob diesem Kampf gegen die Windmühlen habe ich dann einen kleinen Zettel entworfen.

Hallo Autofahrer!

Sie haben es geschafft, eine Einfahrt zuzuparken und so jemanden zu behindern.

Dazu kommt, dass

genug Parkplätze frei sind

man sie nicht erreichen kann („bei klingeln“)

das Fahrzeug schon recht lange steht

man nicht einmal mit einem Fahrrad durchkommt

Ihr Kennzeichen ist notiert. Im Wiederholungsfalle sehen sich die durch Ihr rücksichtsloses Fahrzeugabstellen blockierten Personen gezwungen, Ihr unsoziales Verhalten zur Anzeige zu bringen und das Fahrzeug auf behördlichem Wege umsetzen zu lassen.

Zwar deutlich und direkt, aber mit dem Vorsatz, ihn nur hinter den Scheibenwischer zu klemmen, wenn einer da erstmals steht und so behindert, daß ich normalerweise direkt die Polizei anrufen könnte. Nichtzutreffendes wäre übrigens bei Bedarf gestrichen.

Immerhin stand dieser spezielle Kunstparker schon bei meiner Einkaufstour mit dem Fahrrad um 10:00 im Weg (ja, dem Fahrrad!) und gegen 11:30 immer noch. Von Kurzparken wegen einer Besorgung kann also kaum die Rede sein.

Mein neuer Freund war dann doch kommunikativ, wenn auch etwas populistisch. Da er seinen Kommentar öffentlich ans Hoftor hing, ist es mir sicher erlaubt, ihn hier (mit Orthographie und Zeichensetzung) zu zitieren. Zugegeben, auch eine Form von Populismus. Ich mache es mal wie im Usenet und kommentiere direkt dazwischen.

Werter Nachbar,

leider ist es unmöglich trotz Parkausweis um 23°° Uhr im gesamten Viertel einen Parkplatz bekommen.

Das kann ich aus eigener Erfahrung widerlegen, schließlich komme ich auch immer wieder in die Verlegenheit.

Für einen Schichtarbeiter der nach 10Std. endlich Feierabend hat, ein Horror.

Darum ist es ja auch für einen faulen Angestellten mit gerne auch mal mehr als zwölf Stunden pro Tag zumutbar, seinen eigenen Parkplatz nicht zu erreichen. Genau, elender Geldsack, der ich bin, habe ich mir einen eigenen Parkplatz geleistet!

Da aus dieser Einfahrt keine Autos zu erwarten sind

He Moment, er hat ja erkannt, daß das eine Einfahrt ist! Aber wie kommt er auf diese krude Behauptung? Vor mir hat jemand mit einem Auto meine Stellplatz genutzt.

bzw. diese nicht als solche gekennzeichnet ist,

Ich elender Paragraphenreiter! Da bin ich natürlich der moralische Verlierer, wenn ich anmerke, daß ein abgesenkter Bordstein vor einem Hoftor locker ausreicht. Sogar für ihn (sie?), siehe oben.

Fußgänger mit Fahrrädern jederzeit das Haus verlassen können

Ja, über die inzwischen plattgetrampelte Ex-Grünanlage. Was wohl das Gartenbauamt der Stadt Karslruhe zu so einer Argumentation sagt? Reicht das für Regreßansprüche?

stellt sich die Frage, welches Verhalten unsozial ist.

Stellt sie sich? Wäre es sozialer gewesen, direkt Anzeige zu erstatten statt einen dezenten Hinweis zu hinterlassen?

MfG (unleserlich)PH

Zugegeben, ich habe meinen Zettel auch nur mit meiner schwer entzifferbaren Unterschrift gekennzeichnet.

Nett auch, daß jemand danebengekrakelt hat (mit Pfeil auf den Kommentar, nicht auf meinen aufgeklebten Zettel). „hat er recht!“ Und ein weiterer: „Außerdem steht den ganzen Tag jmd in der Einfahrt, warum also nicht nachts?“

Aber das brauche ich nicht zu kommentieren, ist ja schon oben erläutert.

So, das sind mal die Fakten.

Jetzt komme ich ins Grübeln. Liest überhaupt noch wer mit?

Bin ich ein Nörgler und Denunziant? Schließlich habe ich vor wenigen Tagen ja auch einen LKW-Fahrer angezeigt, nur weil er mich von der Straße abgedrängt hat. Dabei konnte ich ja einen Unfall noch verhindern. Das frage ich mich echt.

Ich weiß es nicht. Provoziere ich solch Widerrede vielleicht aber auch nur, weil ich eben nicht konsequent immer hart durchgreife, nur weil mich jemand in meinen Rechten beschneidet? Oder ist meine versöhnliche Art „unsozial“, weil ich Fehlverhalten oft toleriere, nur weil es mich in dem Moment nicht stört?

Ich werde wohl noch eine Weile drüber grübeln. Und es hat schon ein wenig geholfen, mir hier etwas Luft zu machen. Danke, liebe Therapiegruppe.

Und nein, ich werde wohl auch in Zukunft freundlich bleiben. Elende Berufskrankheit, ich bin halt doch eher Dante.

Im Prinzip würde ich mich ja gerne mal mit meinem neuen speziellen Freund gerne unterhalten. Denn die Welt ist voll von Mißverständnissen. Aber was soll ich machen? Einen Zettel mit meiner Telefonnummer ans Auto klemmen, wenn ich es wieder irgendwo sehe? Oder meine Meinung, etwas feiner geschliffen als das, was ich oben aus dem Bauch heraus geschrieben habe, öffentlich ans Tor nageln, wo er es nicht liest, weil er ganz woanders wohnt und nur selten an unser Tor schaut?

Ach was. Schwamm drüber. Es wird eh kein nächstes Mal geben von ihm, was zerbreche ich mir den Kopf?

So, jetzt aber Gute Nacht, Gemeinde.

Murphy’s Law of Gravity

Ein halbkaputter Stuhl. Ein Topf voller Erde und einer verschiedenen Pflanze. Beides soll in den Keller. Klar, daß der Stuhl komplett auseinanderfällt auf der Treppe.

Aber wenn Murphy seine Finger mit im Spiel hat, zerschlägt die runterfallende Rückenlehne gleich noch einen üppigen Trieb einer ansonsten mit der Gesundheit ringenden Chilipflanze auf der Zwischenetage. Nicht, daß der Stuhl nicht zwei Stockwerke Zeit gehabt hätte, um irgendwo zu zerbröseln.

Ob der Tag noch blöder werden kann?