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Olé!

Heutiges Highlight war ein Gitarrenkonzert mit begleitender Flamencoshow im Palao de la Musica Catalan. Hat sich gestern schon angedeutet. Doch was hat sich seither getan? Weiterlesen

Les Baux revisited

Heute sollte Urlaub sein vom Urlaub. Gammeln, Sonnen, was auch immer sich aufdrängt. Unterbrochen von einer Fahrt wieder nach Les Baux. Den Steinbruch bzw. die Bauxitmine mit der Projektionsshow hatten wir ja verpasst und er lag Annette sehr am Herzen. Bis gestern Abend stand der Plan fest: Glanum1 anschauen, Mittagessen im Bistro unseres letzten Besuchs in der Ecke samt Kauf des bisher besten Brots der Gegend im Laden dort gegenüber, dann die Show in der Mine und früh zurück sein, um schon mal grob zu Packen. Oder früh loskommen, vormittags Show und nach dem Mittagessen zum Bummeln und Packen wieder bei der Unterkunft sein.
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  1. römische Ruinen nahe St-Remy-de-Provence []

Bummeln in Granada

Heute klarte das Wetter endlich vorhersagegemäß auf. Was aber auch erst einmal hieß, daß es arschkalt wurde. Nach dem ausgiebigen Frühstück im Hotelzimmer1 brachen wir dann mit nur groben Plänen auf. Die große Kathedrale, an der wir schon mehrfach vorbeigelaufen waren, stand oben auf der Liste.

Noch vor dem Eingang wurden wir von einem Rudel älterer Damen abgefangen. Man drückte uns Kräuterzweige in die Hand, die wir doch annehmen sollten. Bei mir schrillten sämtliche Alarmglocken, ich brachte die Wand bzw. das Gitter in meinen Rücken, beobachtete das Umfeld und hatte mein Hände auf den wichtigen Taschen. Leider kann ich Annette nicht im Auge behalten, die wohl ähnlich beackert wurde. Nachdem dankendes Ablehnen nicht half, ließ ich mir kurz erklären, wozu das Gestrüpp gut sein soll und nahm es halt an. Doof stellen half ja auch nicht. Da wurde mir dann bedeutet, daß man schon Geld dafür haben wolle. Denkste! Erstens nicht so und zweitens werde ich doch nicht euch zeigen, wo mein Geld steckt. Mit demonstrativ enttäuscht-saurer Miene gab ich den Kräuterzweig zurück und lief einfach los. Annette hatte ich dabei auch irgendwie im Schlepptau. Keine erkennbaren Verluste. Später sollten wir die Damen wiedersehen. In Begleitung von Polizisten.

Die Kathedrale selbst weiß innen durch ihre schiere Größe zu beeindrucken. Und natürlich ist alles vom allerfeinsten spanisch-erzkatholischen Kitsch. Die Capilla Real, die Königskapelle, hat übrigens einen separaten Eingang, die Durchgänge von der Kathedrale sind geschlossen. Machte weitere 4€ pro Nase Eintritt. Aber das gönnten wir uns. Neben der ausgewählten Kunstsammlung von Isabella der Katholischen von Kastillien gab es auch u.a. Ihren Sarkophag. Bzw. von ihr und ihrem Mann, deren Ehe die christlichen spanischen Königreiche einte, was zur endgültigen Vertreibung der Mauren führte2 und den Weg ebnete für die Conquista, die Eroberung der neuen Welt, die ein wohlbekannter Genuese entdeckte, weil eben jene Isabella ihm die Expedition finanzierte. Somit war es kein kleiner Schubs, den die beiden dort begrabenen und in Marmor auf dem Deckel Dargestellten der Weltgeschichte gaben. So was lässt mich immer ein wenig kribbeln.

Wir wollten noch ein wenig am Fluß lang, zweigten aber mit Appetit erst mal wieder zu dem Restaurant ab, an dem wir gestern Abend so lecker gegessen hatten. Anderer Kellner, keine Oma, aber selbes Spiel. Plaudernde Nachbarschaft, große Portionen. Sandwich3 mit Schinken gebratenen Spitzpaprika für 2,90€, frittierte Auberginenscheiben4, gebratene Paprika und frittierte Oktopusse. Dazu Tee und Wein5.

So gestärkt schlenderten wir weiter, beobachteten ein vermutlich argentinisches Pärchen mit einer AfricaTwin beim Fotografieren und erklommen nach und nach den Albaycin (sp?), den der Alhambra gegenüberliegenden Hügel mit dem arabischsten aller Viertel Granadas drauf. An vielen Ecken, ganz besonders aber vom Vorplatz einer Kirche aus, gab es dann den Postkartenblick auf die Alhambra samt tatsächlich tief verschneiter Sierra Nevada im Hintergrund. Herrlich. Am Ende unseres Stadtrundgangs frischten wir noch unsere Vorräte auf und brachten sie ins Hotel. Nach kurzer Pause brachen wir dann zum Abendessen auf.

Wenn Granada schon so eine starke arabische Tradition und inzwischen auch wieder viele islamische Einwohner hat, dann ist ein Besuch eines entsprechenden Restaurants nicht verkehrt. Der Reiseführer hatte eine gut&günstig-Empfehlung, alternativ hatten wir unweit unseres „Stammrestaurants“ bereits ein weiteres entdeckt. Zuvor wollten wir noch einen abendlichen Blick auf die Alhambra werfen, kamen aber erst kurz nach Sonnenuntergang an dem Platz vor der Kirche6 an. Zurück dann wieder durch das Gassengewirr. Weder Reiseführer noch Garmin konnten die Adresse richtig einordnen, doch wir fanden das Arrayanes dann ganz klassich mittels eines Hinweisschildes. Beinahe wären wir sogar in den falschen Laden gegangen, vor dem das Schild stand. Doch wir interpretierten rechtzeitig richtig und gingen in die kleine Seitengasse. Was soll man sagen? Niedliche Einrichtung, engagiertes und freundliches Personal, 4-sprachige Karte7 mit feiner marokkanischer Küche. Tajine natürlich und Couscous. Auf den zweiten Blick stellt sich heraus, daß es nur eine Biersorte und eine Weinsorte gibt: Jeweils alkoholfrei. Oha, man ist hier wohl an der strenggläubigen Klientel orientiert. Aber kein Problem, die frische Limonade mit Minze ist so genial, da will man nichts anderes. Außer eventuell einem arabischen Mokka hinterher. Auf Nachtisch verzichteten wir, was den Kellner aber nicht dran hinderte, zum Tee und Kaffee ein Tellerchen Süßkram zu stellen. Auch der Gruß aus der Küche am Anfang war so lecker und reichlich, daß wir ein versehentlich zu viel berechnetes Getränk wohlwollend ignorierten. Und ach ja, ich verfiel fast automatisch in meine paar Brocken Französisch, die ich inzwischen gelernt habe. Gute Vorzeichen für den Sommer in Frankreich!

So, jetzt ist wieder Bettzeit. Alle Bilder sind gesichert und gesichtet.

  1. wir erinnern uns: Hotel ohne Frühstück, deshalb haben wir im Vorfeld eingekauft []
  2. Reconquista, Wiedereroberung []
  3. Boccadillo []
  4. ein Gedicht, dank der hauchdünnen Teighülle fast wie kleine Pfannkuchen, dazu gab es auch Sirup []
  5. der Hauswein schmeckte heute Mittag anders als gestern Abend und wurde auch anders berechnet. Wasauchimmer… []
  6. San Nicolas, wenn ich mich recht erinnere []
  7. klein, aber eben auch nicht verzettelt []

Raus aus Barcelona

War noch lustig heute. Nach Frühstück und Kofferpacken verstauten wir ebendiesen im dafür gedachten Raum hinter der Hotelrezeption1 und machten uns auf zur Casa Battllo. Dieses von Gaudi umgebaute Haus gilt als der Beginn der Hochphase seines Schaffens. In Privatbesitz und somit auch privat unterhalten, akzeptierte man hier keine Behindertenausweise. Jo mei, wenn es das Haus in Schuss hält… Interessant anzusehen war es allemal auch mit den Informationen, die wir vom Casa Mila schräg gegenüber schon mitgenommen hatten.

Fürs Mittagessen überließ Annette mir die Entscheidung. Im Cafe Laie waren wir schon gewesen und ich wollte keine Verzögerungen durch langsamen Service riskieren und verwarf deshalb auch das noch unbekannte Cafe Zurich. Den Zuschlag erhielt die Cafeteria im Obergeschoss des riesigen Kaufhauses Cort Ingles am Catalunya-Platz. Selbstbedienungstheke wie bei IKEA, nur leckerer. Wenn auch keine Schnäppchen. Dafür gibts beim Essen aber reichlich Aussicht, vom Montjuic und dem Olympiagelände bis weit hinter die Sagrada Familia spannt sich das Panorama.

Dann bimmelte auch schon der Wecker. Zurück zum Hotel, Koffer und Annettes Handgepäck abgreifen2 und wieder zurück bis zur Haltestelle Universitat. Drei Haltestellen bis zum Arc de Triomph und wieder ans Tageslicht. Die Sucherei von der Hinreise entfiel, der Busbahnhof ist weithin zu sehen und wir kannten nun auch den Weg. Dankbar für die dort vorhandenen Toiletten machten wir uns auch schon startklar. Annette kaufte noch was Süßes für die Fahrt und schon saßen wir in einem von drei Bussen, der auch schon nach kurzer Wartezeit um 15:45Uhr statt 16:00Uhr abfuhr. Kein schlechter Plan, dachte ich mir während der Fahrt. „Wenn halt um 16:30Uhr kein Bus fährt, buchen wir eben den um 16:00Uhr“ hatte ich damals noch gedacht. Nun passte die angegebene Zeit, wann das Gate schließt, nicht mehr in das empfohlene Zeitfenster von 1,5 Stunden. Aber Girona ist ja ein kleiner Flughafen.

Was auch gut ist. Denn gleich hinter der Zahlstelle der Autobahnabfahrt Girona/Flughafen fuhr der Fahrer rechts ran, lief um den Bus und erklärte was auf Spanisch von heißem Wasser und fünf Minuten. Nach dieser Zeit fuhr er aber nicht weiter, sondern wir durften in den nächsten Bus der Gesellschaft umladen und -steigen. Immerhin passten die Passagiere von zwei Bussen in einen. Die Fahrt dauerte eh nur noch wenige Minuten und wir plumpsten direkt vom Abflugterminal aus dem Bus.

Einchecken bei RyanAir kann immer wieder lustig sein, heute war die Show sehr ausführlich. Unsere Busladung verstopfte die beiden offenen von fünf Schaltern, als die Passagiere für Dublin aufgerufen wurden, doch mal endlich zu Potte zu kommen. Daß die dann nach vorne kamen, entrüstete wiederum mindestens einen mutmaßlichen Karlsruhe-Passagier, der sein eigenes Stündchen auch schon schlagen zu hören glaubte. Dazu noch eine ältere fußlahme Dame in unserer Schlange, die mit einigen Verwaltungsaufwand deutlich länger für die Kofferabgabe bzw. das Einchecken brauchte als die anderen. Warum man da allerdings, wenn man auch noch mit einem kleinen Kind reist, sich zwei wuchtige Stücke Handgepäck antun muß statt einfach mal einen Koffer aufzugeben, ist mir auch schleierhaft. Annette ist zwar anderer Meinung wie ich und ist dafür, daß man die Spielregeln mal etwas lockerer auslegen sollte, aber ich finde, Grenzen müssen einfach respektiert werden und wenn man Überschreitungen toleriert, werden sie Gewohnheit und vor allem immer weiter überschritten. So gabs vor uns ein deutsches Ehepaar, daß noch mal schnell denn Koffer umpackte, weil er gut 2kg zu schwer war, während ein Handgepäckstück grad mal 3kg3 wog. In der Nachbarschlange explodierte ein Asiate förmlich, weil sein Handgepäckstück4 300g zu schwer war, während er in der Hand noch ein Netz Orangen, eine Wasserflasche und einen Helm hielt – mindestens. Zudem war sein Rucksack auch zu hoch. Wie gesagt, die Spielregeln sind hinlänglich bekannt und es ist dann absolut überflüssig, die ganzen Leute damit aufzuhalten, daß man rumblökt, man wäre ja zahlender Kunde5, man solle mal nicht so sein und das Personal noch beinahe mit den Orangen bewirft. Als dann noch direkt bei uns das System ausfiel, wurde immerhin vom reichlich rumlaufenden Personal noch ein dritter Schalter für die Dublinpassagiere in Zeitnot aufgemacht. Ach ja, Koffergewicht 14,8kg6 und das Handgepäck unauffällig. So reisen Profis 🙂

Im Obergeschoß bei der Sicherheitskontrolle gabs noch eine kleine Schlange. Kurzes Umpacken der Kleinigkeiten aus den Hosentaschen in die Jacke, die dann gesammelt in der Schale für den Scanner landen sollte. Ring und Anhänger hab ich unbeanstandeterweise ganz vergessen, fällt mir gerade ein. Dafür fehlte mal wieder das Brillenetui. Und man meckerte meinen kontrollenoptimierten Plastikgürtel an, der nicht einmal in den Vereinigten Staaten beanstandet worden war. Gesetz und so. Naja, man ist dem Humbug ausgeliefert. Immerhin musste ich nicht wie in Karlsruhe die Schuhe ausziehen.

Somit waren wir doch noch zeitig am Gate, konnten Wasservorräte anlegen und uns allmählich auf die Schulklasse einstimmen, die wohl mitfliegen wollte7. Pubertierende südländische Hühner. Der Rest ist Standard. Und die Zeit schnell um. Annette wollte noch ein wenig Bilder kucken, ich schreibe diese Zeilen und bin grad so fertig damit, da will man schon zur Landung ansetzen.

  1. in dem aber auch einiges anderes rumlag wie Putzzeugs und Verbrauchsmaterialien []
  2. mein Handgepäck war bis auf das im Koffer zwischengelagerte Laptop eh der Fotorucksack, wie immer []
  3. von erlaubten 10kg []
  4. in das alles rein muß, auch Handtaschen, Duty-Free-Einkäufe etc. []
  5. Wäre es unsere Reihe gewesen, hätte ich ihm wohl zugerufen, daß die in der Schlange hinter ihm das auch sind und auf ihren Flieger wollen []
  6. von erlaubten/gebuchten 15kg []
  7. und es auch tut []

Olympische Verwirrung

Wenn 5000m Verlaufen olympische Disziplin wird, werden wir Favoriten für die Goldmedallien sein.

Unser dritter Tag in Barcelona. Frühstück war wieder ausgiebig. Auch wenn der Schinken heute die etwas ranzelige Note hatte. Da wir gestern beträchtliche Teile des Stadtplans zu Fuß durchmessen hatten, wollten wir den Hausberg Montjuic zu Fuß erklimmen. Das leckere Abendessen will ja abtrainiert werden. So zogen wir frohen Mutes durch die Wohnviertel von Sant Antoni, imm er schön im Slalom um die Sonntag morgens gassigegangenen Hunde und ihre Hinterlassenschaften. An der Placa d’Espanya gabs dann Futter fürs Tele: Die Verursacher des papageienartig klingenden Krachs entpuppten sich als papageienartig aussehende grüne Vögel. Sind wohl mal ausgebüxt und fanden das Klima ganz angenehm. Am großen Brunnen vorbei zum Palau Nacional und links dran vorbei. Denn links ist Schatten, rechts Sonne und die Rentnerrolltreppen führen rechts auch verlockend nach oben. Links rollen sie bergab. So kam es dann auch, daß wir den eigentlich rechts hinter dem Palau liegenden Eingang zu dem angesteuerten Garten weiträumig verfehlten und sehr zielfern in der Gegend rumstolperten. Daß wir bereits vorher bemerkt hatten, daß im Reiseführer sämtliche Karten eben nicht genordet sind, sondern Norden in der oberen rechten Ecke liegt1, half wenig. Zu oft hielten wir die – dann doch wieder ungedrehte- Papierkarte neben das Oregon und versuchten, unseren Weg zu finden. Schwamm drüber.

Der Garten, der nur wenige Stunden in der Woche am Sonntag für die Öffentlichkeit zugänglich ist, entpuppte sich als ausgesrochen wenigsagend. Immerhin hatten wir bei der Suche schon eine Runde ums Olympiastadion gedreht und den futuristischen Funkturm auf dem Gelände gesehen. Dann gingen wir den Weg – jetzt also den richtigen, direkten, zurück zum Pavello Mies van der Rohe. Nach Gaudi gestern ein wenig Bauhaus zum Runterkommen. Vort Ort entpuppte sich der ehemalige Pavillion der Weltausstellung als wirklich klein und war uns dann den Eintritt doch nicht wert. Zudem zwickte die Leere im Magen.

Diese Empfehlung des Reiseführers lohnte sich dann mal. CaixaForum ist eine umgebaute alte Textilfabrik und beherbergt neben diversen Ausstellungen auch eine Cafeteria, welche eher ein kleines Restaurant ist. Mit kleinem Stehpult im Eingangsbereich, Tischzuweisung und einem Tagesmenü für 12,70€. Hierbei kann man neben einem Getränk auch je eine Vorspeise, ein Hauptgericht und einen Nachtisch aussuchen. Was sich auch als ganz lecker erwies. So gestärkt ging es auf die Suche nach dem Botanischen Garten. Der liegt eigentlich in direkter Luftline hinter Palau Nacional und Olympiastadion. Sprich, erst mal wieder den ganzen Berg hoch. Hier spielte uns dann der Oregon einen Streich: Der kannte den Garten als Sehenswürdigkeit und führte uns ans westliche Ende des Olympiageländes, während wir eigentlich nur das Stadion knapp streifend östlich hätten vorbeigehen müssen. Naja, der Placa de Europa war zwar noch ganz nett und die Aussicht auch, aber im Endeffekt nur wieder ein Riesenumweg, der nicht hätte sein müssen. Der Botanische Garten ist dann auch noch dermaßen im Aufbau, daß man zumindest jetzt im Vorfrühling auf Eintritt verzichtet. Das Konzept allerdings ist witzig: Aus jeder der mediterranen Klimazonen weltweit2 wurden Pflanzen zusammengetragen und nach Herkunft sortiert in verschiedenen Bereichen eingepflanzt. Sieht ganz nett aus, aber reißt nicht vom Hocker.

Immerhin fanden wir die Bergstation der Standseilbahn halbwegs problemlos und ohne Umwege. Ein kleiner Kulturschock: Anders als die Karlsruher Turmbergbahn3 ist diese Bahn hier keine Extrawurst, sondern mit dem normalen Ticket zu benutzen. Bis hin zur Umsteigemöglichkeit in die Metro. Somit leisteten wir uns dann doch eine 10er-Karte, denn die können wir gemeinsam nutzen4 und allein für den Rückweg zum Busbahnhof werden wir noch mal Metro fahren müssen. Auch der Preis ist erschreckend niedrig: Für 9,25€ kriegt man in Karlsruhe bestenfalls eine 4er-Karte. Wir werden das Ticket noch ein wenig mehr nutzen, denke ich.

Schlußendlich liefen wir noch ein wenig durch die Altstadt auf der Suche nach der im Reiseführer unerwähnten Brücke, die sich an der Kathedrale fand. Immerhin ist sie berühmt genug, um auf Postkarten und nun auch in unserem Fotoalbum gefunden zu werden. Dazu gabs noch einen Fußgängerzonenauftritt eines Opernsängers(!). Schnell fand sich dann auch noch der Weg zum Los Torreros, wo wir nicht nur beide einen Nachtisch verputzten, sondern auch eine Tapas-Portion mehr schafften als letztes Mal. An dieser Stelle muß ich auch eine vermeintliche Gaunerei richtigstellen, von der ich vorgestern berichtet hatte: Ein Zeile über dem Hauswein steht der servierte Wein mit richtigem Preis und Flaschengröße. Auch stimmte meine Rechnung nicht. „1/2“ heißt hier nicht 0,5l sondern „halbe Flasche“ bzw. komplette „halb so große Flasche“, was auf 0,5×0,75l, also 0,375l rausläuft.

Im zweiten Anlauf fanden wir auch den Heimweg zum Hotel. Gute Nacht!

  1. die Karte als um 45° gedreht ist []
  2. ja, das gibts in Chile, Südafrika, Australien, Californien und eben rund ums Mittelmeer: Gleiches Klima und gleiche Bodenbeschaffenheit []
  3. auch von den Verkehrsbetrieben betrieben []
  4. sprich 2x abstupfen für eine gemeinsame Fahrt []

Viel Gaudi in Barcelona

Hier erscheinen bald die Eindrücke unserer Architekturtour in Barcelona…

Über sieben Hügel mußt du gehn …

30.09.2011 22:00 PDT

Der Tag beginnt schon wieder so trüb. Da es gestern entgegen der Wettervorhersage nicht aufgeklart hatte, sind wir unschlüssig, was wir mit unserem letzten Tag in San Francisco anfangen sollen. Auch ein Frühstück zwingt uns nicht aus dem Bett, die Reste des Vorabends wollen noch verzehrt werden. Um morgens kalte Pizza und Caneloni essen zu können, haben wir mit Unmengen von Eiern in jeglicher Zubereitung, mexicanischen Burritos (inklusive Bohnenmus), Kartoffelspalten in Bechamelsoße mit Bratwurstscheiben, Veganen Currytofu auf Reibekuchen usw. experementiert. Trotzdem, das Zeug will nur schwer zu mir und ich denke sehnsüchtig an das gestrige Frühstück bei Thad’s zurück: einfach nur ein aufgetoasteter Vollkornbeagel mit Creamcheese und Lachs. Na gut, es hilf nichts, das Zeug muß weg. Immerhin hat das Wetter ist inzwischen deutlich besser geworden und wir können das Asia Museum getrost auf einen nächsten Aufenthalt in San Francisco verschieben.

Zum ersten mal verlassen wir unser Hotel in westlicher Richtung. Schräg gegenüber wird der erste Boxenstopp beim Jerusalem Market eingelegt – nur so interessehalber. Das ist wohl das andere Jerusalem, das arabische. Entäuscht schlendern wir durch die Regale mit Hülsenfrüchten in Dosen, Gewürzen, … nix für uns dabei.

Weiter geh’s Richtung St. Mary’s Cathedral. Gerade mal 100 Meter vom Hotel fragt schon die erste Person nach Geld. Die ca 60-jährige Frau mit langem blonden Haar sieht zwar verlebt aus, aber nicht ungepflegt. Sie ist geschminkt und ordentlich gekleidet. Schimpfen kann sie aber ganz undamenhaft, wenn man sich auf ihre Frage hin taub stellt. Als nächstes würde sich die Gemeinde von St. Mary über eine Spende zu Erhaltung ihrer Kathedrale freuen, so erfahren wir, als wir das interessante Gebäude von außen abgelichtet haben und den fantastischen Innenraum betreten. $5 Dollar ist uns das auf jeden Fall wert! Hochmodern und doch so ergreifend ist dieser Innenraum, der auf 4 asymetischen Sockeln ruht, bis er über einer Fensterfront mit der Kuppel verschmelzt. Der Clou ist ein schmales Bundglasband das sich von West nach Ost, und ein zweites, das sich von Süd nach Nord durch den Beton zieht und sich genau im Zenit der Kuppel kreuzt. Die Mosaiksteinchen des Buntglases haben Farbverläufe wie in einem Regenbogen, der ja das Bündnis zwischen Mensch und Gott bekräftigt. Die Farben stehen aber auch für das Blau des Wassers, das Grün der Pflanzen, dem Gelb der Sonne, usw. Ganz zauberhaft macht sich aber auch ein überdimensionales Windspiel über dem Altar. Diese dünnen Silberstäbe klingen zwar leider nie wirklich im Wind, aber wen sie es könnten, käme das den Stimmen der Engel bestimmt ganz nahe. Für die Töne sind in der Kathedrale eine ebenfalls hochmodern aussehende Orgel aufgestellt, die wie ein abstraktes Kunstwerk im Raum steht und diesen mitgestaltet. Sie soll über 4000 Pfeifen haben, wenn das noch richtig im Kopf behalten haben. Die Gemeinde feiert in diesen Tagen auch ein Blumenfest und so werden wir gebeten auch die unteren Räume zu besuchen, wo auch ein Frühstück und Kaffe gereicht werde. Gefrühstückt haben wir bereits, da möchten wir die Stärkung lieber bedürfigeren Leuten überlassen, aber nachdem wir von Wand zu Wand auch die figürlich gehaltenen Bronzerelieffe angesehen haben, die auch mit modernenm Blumenschmuck verziert wurden, gehen wir auch in die untere Etage, die allerdings trotz Blumenschmuck wie ein altes Flughafenterminal wirkt. Auch die „secret treasures“, also geheime Schätze genannte Ausstellung wirkt ein wenig verloren. Zwar hat man Leihgaben anderer Kirchen bekommen, wie das älteste taernakel aus der Mission Dolores, die als ältestes Gebäude San Franciscos gilt, aber das wirkt alles sehr armselig, wenn ich an die Kirchenmuseen von Sienna oder Wien denke, die ich gesehen habe. Hier liegt die Faszination eindeutig bei der Architektur!

Interessante Architektur erhoffe ich mir auch von Japantown, auch wenn diese vom Reiseführer als nüchtern bezeichnet wird. Das könnte zu dem übertriebenen, hektischen Chinatown doch eine wohltuende Abwechslung sein. Unter dem Begriff „Japan Center“ hatten wir uns allerdings doch etwas anderes als eine Einkaufsmall vorgestellt. Aber, das muß man dann halt einfach mitnehmen. Na gut, das meiste stellt sich dann als die Japanische Version von Rudis Resterampe heraus. Aber essen soll man in Japan Town laut Reiseführer gut. Tatsächlich gibt viele Restaurants oder Imbisstuben, wir tun uns schwer, da wir mit den Namen der warmen Gerichte nichts anfangen können. So verbleiben wir beim Sushi, das wir ja auch von zuhause kennen. Kleinen Bambusboote sind mit je 3 Tellerchen beladen und schwimmen an einer Kette hintereinander festgemacht in ständiger Rozation in einem miniaturisierten Wasserkanal. Das sieht schon mal sehr nett und appetitlich aus. Wir bekommen ein heißes Tuch zur Erfrischung und grünen Tee aufs Haus, dann legen wir los. Zuerst halten wir uns an bekanntes wie die Tamago oder Algensalat, denn die Schaubilder mit den Zutaten, die wir vor uns haben, stimmen nicht mit dem Inhalt der Tellerchen überein. Da es sich bei diesem Sushiessen nicht um ein „all you can eat“-Arrangement handelt, möchte man natürlich schon wissen, wofür man nachher bezahlen muß, auch wenn es nicht geschmeckt hat. Doch probieren geht über studieren und so greifen wir schließlich auch bei unbekanntem zu und tatsächlich schmeckt uns alles. Ganz exotisch aussehendes „Gach“ lassen wir aber an uns vorüberziehen. Mit $45 schlägt unser Mittagsmahl zu (Scheck-)Buche, aber da war auch ein Schälchen mit Dungeon Krabbenfleisch dabei. Das geht also schon in Ordnung. Für den Nachtisch habe ich auch schon eine Idee: um’s Eck habe ich eine japanische Creperie entdeckt. Da teilen wir uns Ein Crep mit Banane, Cornflakes, Banane, Schokolade, Sahne und einer Kugel Vanilleeis. Und da sich der Laden „Happy Face“ nennt, wird die Eiskugel mit gespritzer Sahen, Schokoklecksen, etc. zu einem im wahrsten Sinne des Wortes süßen Hundegesicht, das wir mit Genuß verspeisten. Also nicht nur in China essen sie Hunde 😉

Das Wetter ist immer noch sonnig und es weht ein kühler Wind, also spricht nichts gegen eine Fortsetzung unserer letzten Sightseeintour in San Francisco. Als weiteres touristisches Highlight preist uns der Reiseführer die bereits erwähnte Mission Dolores, die Wiege der heutigen Stadt, und den dazu gehörigen Mission District mit seinen Wandmalereien, den Muros an. Auf dem Weg liegen noch die Seven Sisters genannt Häuserzeile aus viktorianischer Zeit, die man am besten vom erhöht gelegenen Park fotografiert, da dann die Skyline von San Francico den Hintergrund bildet. Ansonsten sind in dieser Gegend nämlich auch andere Häuschen in diesem Zuckerbäckerstil allerliebst anzusehen, nur eben ohne den Skylinehintergrund nicht so beliebt bei Fotografen.

Auch Richtung Mission Distrikt gehend, sind die Häuser schmuck und liebevoll gepflegt, aber das Viertel wirkt allein schon wegen seinen Bewohnern etwas beägstigender. Man steht in Gruppen beieinander, lacht dröhnend oder handelt irgend etwas aus. Peter hält meine Hand fester! Für die nur noch eine halbe Stunde geöffnete Mission wollen wir keine $4 pro Person mehr berappen und wollen statt dessen die kostenlosen Wandmalereien ansehen. Die auf der Karte ausgewiesene Gegend ist aber dafür keine gute Adresse, die ganze Gegend eher ein Flopp. (Nachtrag Peter: Nicht zu vergessen aber der Poser mit freiem Oberkörper und Zylinder, der von seinem Balkon aus bedeutungsvoll die Straße rauf und runter schaute!)

Wenigstens das letzte Abendessen in unserem Urlaub soll aber nochmal etwas besonderes sein, daher laufen wir zur Straßenbahnlinie vor und fahren nochmal raus an die Wharf. Die Wagons dieser berühmten Linie F sind alle historisch und stammen ursprünglich aus den verschiedenen Städten. Unsere ist aus Mailand, die italienische Beschriftung ist einfach nur bei wichtigen Informationen durch Englisch ergänzt. Richtung Market Street, Haupteinkaufsstraße der Stadt mit den teurersten Läden füllen sich die 2 Abteile mit allerhand Volk. Vom Penner bis zur Dame ist alles vertreten. Jeder muß beim Fahrer $2 für die Fahrt bezahlen, egal ob er die ganze Strecke mitfährt, oder nur eine Station. Unser Geld ist gut angelegt, wir fahren beinahe die ganze Strecke und steigen bei Fisherman’s Warf aus. Bald stehen wir unter der berühmten Lichtreklame mit dem roten Taschenkrebs, die ich nicht ansehen kann, ohne die Titelmusik von „Die Straßen von San Francisco“ im Ohr zu haben. Doch diesmal gibt es dort ein Gratisauftritt von einem beinamputierten Countrysänger, der seine CDs zum Verkauf ausgelegt hat. Mir gefällt das Stück ganz gut, vielleicht wären vielleicht was für Stereonlage zuhause, aber Peter mag nicht so recht. Noch ist mein Appettit nicht so groß, darum schauen wir uns noch ml bei den vielen Lokalen hier um, nur um doch wieder bei Nick’s Lighthouse einzukehren. Dort bestelle ich erneut die leckere Crab chowder in a bread bowl (Krabbeneintopf in einem ausgehöhlten Brot serviert), Peter entscheidet sich für die Clam chowder, also Muscheln statt Krabbe zu seinem Bier und ein Cesar Salat mit Krabben ist für uns beide gedacht. Die Belegschaft dreht gerade jetzt zur besten Dinnerzeit auf Hochtouren. Noch bevor Peter vom Örtchen zurückkommt, stehen Suppen und Salat auf dem Tisch. Bei der Rechnung ist man dann allerdings genauso verblüffend flink: wir haben die Suppe kaum angerührt, liegt das Büchle schon zur Unterschrift bereit. Das Trinkgeld ist, wie in Touristenlokalen durchaus üblich, schon als Fixposten vermerkt. Zu den 15% schlägt Peter aber auch keinen Cent drauf, denn mehr ist der heutige Hopplahopp-Service nicht wert.

Die Nacht ist noch jung, so beschließen wir uns diesmal die teuren $6 pro Nase für die historische Powell-Hyde Linie zu sparen und zu Fuß ins Hotel zurück zu laufen, immerhin haben wir diese unbeding erlebenswerte Touristenattraktion bereits 2x für den Rückweg genutzt. Indem wir die Taylor Street immer weiter nach Süden entlanglaufen, kommen wir auf den Nob Hill, die teuerste Wohngegend der Stadt, denn von dem Hill (=Hügel), den für den man wirklich eine gute Kondition braucht, hat man einen sagenhaft schönen Blick auf die größten Attraktionen wie Transamerican Pyramid, Coit Tower und die Bay Bridge. Und für uns erstrahlt die nächtliche Schönheit nochmal in vollem Lichterornat. Nachteil für die betuchten Bewohner des uch als Snob Hill verballhornten Stadtteils: Ein Gang zum Bäcker benötigt die Kondition eines Marathodläufers und Busse, bzw. längere Autos können auf diesen starken Steigungen denen sofort wieder ein starkes Gefälle folgt, nicht fahren. Sogar das ortsübliche Autoparken mit gegen den Bürgersteig eingedrehten Rädern, die ein Wegrollen des Fahrzeuges verhindern, ist hier zu wenig: die Parkplätze werden daher quer zum Gefälle ausgerichtet, was die eher schmalen Straßen für den Verkehr zusätzlich einschränkt. Daher gibt es hier viele Einbahnstraßen.

Nolens volens passieren wir auch noch die Grace Cathedral, die praktische Weise noch auf unserem Weg liegt. Ihrem Pariser Vorbild, der berühten Notre Dame, kann sie aber gewiß nicht das Wasser reichen, fehlen doch schon äußerlich wichtige Details wie die Gargeuls, also die wassersperenden Ungeheuer. Die Flügeltüren des Hauptportals unterziehen wir wegen der Dunkelheit keiner näheren Betrachtung, auch kennen wir bereits das Original: die Paradiestüren des florentiner Baptisteriums. Peter stimmt mit mir überein, das gleiche ist eben nicht das selbe. Da loben wir uns doch die eigenwillige Schönheit von St. Mary’s Cathedral, die wir heute morgen bestaunen dürften!

Schließlich trifft die Taylor auf die Sutter Street, der wir bis zu unserer Unterkunft im Hotel Carlton folgen. Eigentlich sind wir jetzt schwer geschafft und bettreif, aber leider müssen wir uns noch mit den Abreseisevorbereitungen beschäftigen. Es geht gegen Mitternacht, bis wir endlich ins Bett gehen können.

Guggenheim

16.09.2011 20:30EDT

Viel gibt es von heute nicht zu berichten. Nach unserem inzwischen schon fast traditionellen Frühstück am Union Square achten wir uns auf zum Guggenheim Museum. Das hatte plangemäß geöffnet und zeigte neben ein paar Dauerexponaten primär eine Ausstellung von Lee Ufan. Fotografieren war jenseits des Foyers natürlich nicht gestattet. Wobei sich das bei den Installationen sehr gelohnt hätte. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir dann im Südosten. Wir wollten noch Little India einen Besuch abstatten und fanden es auch. Kurz vor Ende der Lunchzeit1 landeten wir dann auch noch in einem kleinen indischen Restaurant mit einem leckeren „Mittags“menü.

Der Rest ist Packen. Morgen  um zehn soll der Mietwagen abgeholt werden und dann gehts ab zur Verwandtschaft.

  1. die hier generell wohl bis zum frühen Abend geht []

Uptown

15.09.2011 23:30 EDT

Die europäische Bettflucht kommt um die übliche Zeit wieder mal zum Zuge, aber diesmal gelingt mir das Rumdrehen und Weiterschlafen ganz gut. Daher sind wir diesmal erst gegen 9 Uhr unterwegs. Unsere nächstgelegene Subwaystation Unionsquare ist auch heute Ausgangspunkt unseres Tagesprogrammes. Hier stärken wir uns in einem Deli für den Tag. Die mit Käse und Bacon überbackenen Toasts decken zweifellos den Fettbedarf einer Woche – was wird wohl meine Hose dazu sagen! Immerhin ist der Orangensaft direkt gepresst und daher gesund. Wir finden auf dem Union Square ein Sonnenplätzchen und dann geht es in den Untergrund. Weiterlesen

Zweiter Tag New York

13.09.2011 22:30EDT

Es ist Dienstag, die Leuchtanzeige des Radioweckers bestätigt die Abwesenheit des Sonnenlichtes: 4:30! Tja, das ist hier wohl die Europäische Krankheit – daheim wäre es jetzt 9:30 und eine angemessene Urlaubstag Aufstehzeit. Aber nicht hier, also nochmal rumdrehen. Das ist dann irgendwann auch nicht mehr gewinnbringend und da wir nun zu zweit wach sind kann der Tag gegen 5 Uhr mal in Angriff genommen werden. Der Wetterbericht versichert uns eines heißen und trockenen Tages, doch trotzdem sind Jacke und Unterhemd Pflicht, denn der US-Amerikaner beeinflußt das Klima gerne wo er kann, also auch bei diversen Innenraumtemparaturen und so drohen Schnupfen und Halskathar jede, der nicht glauben kann, daß ein Temparaturunterschied von 10°C hier von den Eingeborenen als angenehm empfunden wird. Solange das Wetter so gut ist, spricht alles für Outdooraktivität. Wir entscheiden uns geografisch für die entgegengesetzte Richtung zu gestern, also für den Süden von Manhatten, wo Soho, Brooklyn Bridge, Staten Island usw. locken. Die jüngst erworbene U-Bahnkarte bringt uns schnell in die gewünschte Richtung und zwar erstmal zum Frühstücken in die Lower East Side. Dort preist der Reiseführer mehrere Lokalitäten an: Yonah Schimmel’s macht wohl die besten Knishes, also Kartoffelkrapfen der Stadt, hat aber noch geschlossen. Also weiter zu Katz’s Delicatessen, ein jüdischer Deli von 1888. Es fällt auf, daß diese Gegend nicht die Schokoladenseite der Stadt ist, was hat man da von einem Delikatessengeschäft zu erwarten? Äußerlich fügt sich das langgestreckte Gebäude nahtlos in die etwas heruntergekommene Gegend ein. Beim Betreten fragt der junge Mann von Service, ob man das Bezahlsystem von Katz kenne und erklärt dem Uneingeweihten, daß das ausgehändigte Ticket bei jeder Bestellung an der langgestreckten Theke mit dem entsprechenden Betrag beschriftet wird und zum Schluß an der Kasse abgerechnet wird. Dann überläßt er uns dem Studium der altertümlichen Tafeln, die eine Speisearte ersetzen. Viele Worte sind jiddisch und daher dem Deutschen verwandt. Was eine Liverwurst ist, muß also nicht weiter erklärt werden. Dennoch ist meine Überraschung groß, als die Kartoffelpfannkuchen 3 knusprige Kartoffelpuffer mit einem Schälchen Apfelmus bzw. Sauerrahm darstellen. Eigentlch logisch, aber so vertraut, so deutsch wie daheim bei Mama, eben doch ganz unerwartet. Peter tut sich an klassisch britisch-amerikanischer Kost gütlich, doch eine würzige gebratene rote Rindswurst bildet ein wilkommenes upgrade zu den scrambled eggs und den Toastscheiben. Obwohl Katz’s eine New Yorker Berühmtheit ist, sitzen wir einigermaßen verloren an einem der vielen Tische. Abgesehen von den Fotos unzähliger Berühmtheiten, unter denen wir nur die die wenigsten wie Clinton oder Streisand erkennen, fällt auch ein Deckenhänger mit einem Pfeil auf: „That’s were Harry met Sally. We hope that you have what she had“. Ok, an diesem saugewöhnlichen Würstelstandtisch fand also eine der witzigsten Begegungen der Hollywood-Filmgeschichte statt … und die Geschichte geht weiter: Ein paar Beschucher entpuppen sich als Filmteam, die vor unseren erstaunten Augen einen Kamara auspacken und Puschelmikrofone auspacken. Ein Filmregisseur instruiert zwei sehr schlanke hübsche Mädchen, die ihre Filmgardarobe in den Händen halten. Im Hintergrund werden die alten Leuchtreklamen von Budweiser und Co in die genauso alten Steckdosen gesteckt. Das Personal macht von all dem keinerlei Aufhebens. Ungerührt werden riesige Pakete mit Lebensmitteln gepackt und halbe Rinderhälften zu Roastbeef tranchiert. Man hat eher zu wenig als zu viel zu tun und es kann noch ein bissl geblödelt werden, indem man den Vordermann von hinten an der Wampe packt und daran rüttelt. Wir sind mit unserem Frühstück fertig und bezahlen unsere Tickets wie geheißen. Draußen erwarten uns nebst weiter gestiegenen Temperaturen, die einen heißen Sommertag ankündigen auch der „Rest“ vom Filmteam. Die haben wohl noch Großes vor, denn weitere 10 Personen sind gerade erst im Abrödeln begriffen. Sogar ein Polizeiwagen mit der Aufschrift „movie-tv“1 vervollständigt die skurile Szenerie. Wir machen ein paar Fotos von der ungewöhnlichen Szenerie und gehen dann zwecks sightseeing „the long way down“ zur übernächsten Subwaystation. Dieser zufällig gewählte Weg, die Ludlow Street führt uns durch eine überaus sehenswerte Gegend voller alter Brownhouses mit Stuckverzierungen und den eisernen Fluchtleitern, die man aus Film und Fernsehn kennt. Hier ist es alles andere als schick oder auch nur aufgeräumt, aber alles strahlt die Atmosphäre eines uralten von Generationen geliebte englischen Pubs aus. Man fühlt sich sofort heimisch oder möchte es zumindest. Schließlich erreichen wir die Subwaystation und entscheiden uns für die falsche Richtung, wie wir bemerken, als wir nicht Richtung downtown Manhatten zur Staten Island Fähre, sondern nach Brookelyn fahren. Wir kommen über die Wiliamsburg Bridge und jetzt erkennen wir im Abstand zu Manhatten, daß die Fernsicht trotz des heißen sonnigen Tages alles andere als gut ist – die Häuser verschwinden im Dunst. So hat es sogar ertwas Gutes, daß wir den falschen Zug genommen haben, den wir können umdisponieren und entscheiden uns für Chinatown, Little Italy und das Lower East Side Tenement Museum, das in einer interessanten Führung die Lebensumstände der Einwanderer in einem rekonstruierten Brownhouse beleuchtet. Doch nach einem kurzen Fernblick auf das Justizviertel lockt erstmal das überaus fremdländische Chinatown. Hier könnte man die Gassen getrost nach den vornehmlich ansässigen Berufsgruppen benannt werden, denn der Chinese hat wohl gerne Beerdingungsinstitute, Friseureure, Restaurants, Frischwaren und Gemischtwaren nach Straßen getrennt. Vielleicht lassen sich so die Angebote besser vergleichen?! Ich stolpere staunend und fotografierend hinter Peter durch das Straßengewirr, die Hitze macht mir zu Schaffen und so gibt es endlich eine willkomme Verschnaufpause bei erfrischendem Wassermelonensaft und leckerlockerer Zitronenbisquitrolle für mich und kaltem Grüntee und Kokosmilchmuffin für Peter. Seeehr empfehlenswert, im Gegensatz zu dem daneben liegenden Buddahschrein, der sich im Reiseführer doch deutlich interessanter las! Wer möchte, darf beim Chinabäcker übrigens gerne die internationale Spezialitäten wie Schwarzwälder Kirschtorte oder ähnliches testen. Gegenüber findet sich ein vom Reiseführer wärmstens empfohlenes Restaurant „Big Wong King“ und ein Aushang empfielt 2 Hummer für $20, da die Hummerhochsaison diesen überaus günstigen Preis für die Kundschaft möglich mache. Das wollen wir uns doch gleich mal für den Abend vormerken! Doch erstmal klappern wir den nächsten Programmpunkt der Wellerschen Sightseeingliste ab: einen Laden mit „frischem“ Jerky, also getrocknetem Fleisch. Wir gedachten uns dort einen Vorrat für die Nationalparktouren zuzulegen, gar als Mitbringsel für Schwager Patrick, aber müssen feststellen daß auch dem haltbar gemachten Fleisch erstaunlich kurze „Verfallswerte“ gesetzt sind – nur 5 Tage ohne Kühlung sind empfohlen. Einen kleinen Beutel läßt sich Peter trotzdem packen, obwohl einem in New York das Verhungern – zumindest mit Geld – unmöglich sein dürfte, denn an allen Ecken gibt es die leckersten Dinge zu kaufen. Kaum hat man die eine Leckerei verdrückt, lockt schon die nächste und macht Lust auf’s Probieren – kein Wunder ähneln hier die Menschen oft wandelnden Fleisch, bzw. Fettbergen. In einem kleinen Park um die Ecke finden wir eines der raren Schattenbänkchen und verdrücken ein wenig von Peters spicy Jerky. Ja, doch, lecker … deutlich besser als die aus der Tüte beim Metro daheim. Um uns herum sitzen die älteren Chinesen zum Lesen oder Kartenspielen. Die Zeitung ist in chinesischer Schrift, man hört kein verständliches, sprich englisches Wort. Es stimmt, dieses Viertel ist einen chinesische Exklave mit Wahlrecht. Wir gehen weiter Richtung Tenemetmuseum und nehmen an besagter Führung teil. Die junge Dame2 leitet die Führung sehr engagiert, man merkt, das Publikum ist interessiert, stellt viele Fragen. Zum Glück bekomme ich schriftlich auch eine deutsche Übersetzung, ich kann dem Gesagten oft nicht folgen. Obwohl es in dem Tenement nie ein Wasserklosett und lange kein Licht gab oder fließendes (kaltes) Wasser gab, wirken die Wohnungen doch netter und anheimelnder, als ich erwartet hatte. Zurück im Museumsshop findet sich zwar kein Souvenir, aber ein sauberes WC, das man nach dem Erzählten doppelt zu schätzen weiß und treffen draußen unsere Museumsführerein apfelkauend auf dem Pausenbänkchen. In jedem von uns löste der Besuch der alten Wohnungen alte Erinnerungen an die Kindheit, an die Großeltern aus und das sprudelt einfach so aus uns heraus, als wir vor ihr stehen. Interessiert hört Keren uns zu, ist solche Reaktionen auf die Konfrontation mit der Vergangenheit wohl gewohnt, deutet ähnliche Erfahrungen bei sich selbst an – rührend!3 Schließlich bekommen wir noch eine Empfehlung, wie wir am besten nach Little Italy kommen, doch das verdummbeuteln wir wohl irgendwie und gelangen in eine langweilige Gegend. Endlich gibt die Karte ein wenig Orientierung, zumal ich mich erinnere, auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Chinatown eine italienische Girlande gesehen zu haben, die für das Fest des heiligen Gennaro aufgehängt wurde. Also suchen wir die Mullberry Street und werden schließlich fündig. Am 15.9. beginnt das Heiligenfest und die Straße eine einzige Baustelle! Überall werden Bretterbuden aufgestellt oder dekoriert und eine vorfreudig gestimmte Italienergemeinde strömt durch das stark verengte Sträßchen. Aus den Restaurants duftet es verführerisch und erinnert mich daran, daß einen Bisquitkuchen und ein Melonensaft am frühen Mittag nicht als vollwertige Mahlzeit betrachtet werden kann. Peter ist skeptisch – er sicht das Hummerabedessen in Gefahr. Ich verspreche mich zurückzuhalten, führe ihm aber die Gefahr eines mir demnächst bevorstehenden Schwächeanfalls deutlich genug vor Augen, um sein Einlenken zu erwirken. Das S.P.Q.R. ist tatsächlich eine gute Wahl – die Bolognese schmeckt lecker und Peter ist mit den Penne in Pilzsahnesauce auch zufrieden, so daß er den um sich tobenden Krach der Aufbauarbeiten verdrängen kann. Gestärkt und erfrischt ziehen wir weiter und beschließen die Zeit vor dem Abendessen mit der am Morgen geplanten Fährfahrt zu nutzen, da die Luft inzwischen nicht mehr so trüb wirkt. An der U-Bahnstation macht Peter noch unliebsame Bekanntschaft mit der Barriere, die verhindern soll, daß ein gerade eben genutzes Ticket nochmals (z.B. für den Kumpel ohne eigene Karte) genutzt werden kann. Das Drehkreuz akzeptiert fälschlicherweise seine U-Bahnkarte nicht und auch alle anderen Schranken blockieren seinen Durchgang! Ich bin bereits auf der anderen Seite des Gitters, also ist meine Karte auch nutzlos für ihn. So muß ich wieder herauskommen und draußen auf der Straße 15 Minuten abwarten, bis Peters Karte wieder ihre Gültigkeit erreicht hat.4 Wer schon einmal in den unglaublich stickig-heißen und höllen-lauten U-Bahnschächten wer, weiß, warum wir lieber draußen an der vielbefahrenen sommerheißen Straße warten. Auch der nächste Versuch stellt uns eine Gedultsprobe – anscheinend sind die 15 Minuten noch nicht ganz vergangen – dann könen wir endlich passieren. Da von Chinatown aus nicht direkt an den Pier der Fähre zu kommen ist, müssen wir uns erst noch vom Bankenviertel den Weg suchen. Dank GPS ein leichtes Spiel für Peter. Es ist Feierabend für die New Yorker und die Fähre ist kurz vor der Abfahrt, da bekommt man schon Angst um einen Platz an Deck, aber dann ist das Schiff doch so riesig, daß sich die Masse fast schon verflüchtigt. Sogar Festerplätze sind noch zu haben, denn die Einheimischen haben die Show ja jeden Tag und wolen einfach nur nach Hause. Hinter uns wird Manhatten imer kleiner und die Abensonne spiegelt sich in den Glitzerfassaden der Wolkenkratzer – ein tolles Bild! Doch für Lady Liberty kommt das Licht nun leider von der falschen Seite 🙁 Wir beschließen, am nächsten Tag auch die grüne Dame ins rechte Licht zu rücken und die kostenlose Fährfahrt im Morgenlicht zu wiederholen. Einstweilen begnügen wir uns mit Gegenlichtstudien und steigen auf Staten Island in die nächste5 Fähre zurück nach Manhatten. Das Timing für das Abendessen in Chinatown ist perfekt, bei angehender Dunkelheit finden wir einigermaßen zügig das gesuchte Restaurant Big Wong King wieder und ergattern glücklich einen der letzten Tische im brechend vollen Lokal. Drinnen sind die Temperaturen gefühlte 20°C niederer und zum ersten mal freue ich mich heute über das Unterhemd, das ich trage und schnüre die Jacke um meinen Bauch fester. Das Studium der Speisekarte festigt die Entscheidung für den Hummer – ja, bestätigt uns die freundliche Bedienung, der Hummer ist für 2 Personen, ja, das Ganze für $20. Na denn! Während wir auf das Essen warten fällt wieder einmal auf, wie laut die Stadt ist. Diesmal ist es eine chinesische Großfamilie die lautstark und keinesfalls in der sonst üblichen Landessprache parliert, gepaart mit dem schwungvollen Abräumen der Tische, die ebenso schnell, gründlich und geräuschvoll auch von einem Hurrican abgetragen worden wären. Sehr schnell steht auch das bestellte Krustentier vor uns. Umhüllt von einer lecker duftenden Sauce und kurz angebratenen Lauchstücken wartet es nebst gedämpftem Reis für mich und gebratenem Gemüsereis als Sideorder für Peter auf Verzehr. Gespannt nehme ich die kleine Gabel in die Hand um den ersten Hummer eines Lebens zu kosten und stelle fest, daß das Tier wohl keinesfalls freiwillig gegessen werden wollte – selbst nach seinem Tod wehrt es sich mit einem Panzer von der Härte einer Kokusnuß und die Fleischstückchen verstecken sich in kleinen Gliedern und Höhlen aus Schale, daß selbst das zerlegte Tier schwer zu essen ist. Irgendwann lege ich die Gabel beiseite und arbeite mit Zähnen und Fingernägeln weiter. Etikette hin oder er, ich will ja die $20 nicht verschenken. Am Nachbartisch grinst man wohlwollend herüber, so quasi: „Na also, geht doch“. Wir werden gerade noch rechtzeitig mit unserem Mahl fertig und entkommen so einer Zwangsumsiedlung, die aus unbekannten Gründen an den Nachbartischen vorgenommen wird und die Rechnung weist außer den besagten $20 für den Hummer nur einen weitern Posten aus, vermutlich den Gemüsereis6. Können wir aber mangels chinesischer Schriftkenntnisse7 nicht verifizieren. Jedenfalls geben wir der netten chinesischen Bedienung ein sattes Trinkgeld und verlassen das Lokal. Draußen erwartet uns eine tropische Nachtluft, die unseren tiefgekühlten Körper im nu zum schwitzen bringt. Die U-Bahn leistet diesmal keinerlei Gegenwehr beim Betreten und so kommen wir satt und müde zurück in unser Hotel in der East 17. Die abendliche Dusche im Gemeinschaftsbad bringt nur kurze Abkühlung, dann sinken wir in wohlverdienten Schlaf.

  1. Ergänzung von Peter: Am Heck der Polizeiwagen steht immer deren Zugehörigkeit. Also Reviernummer, Verkehrslenkung, Antiterror oder hier eben „Movie-TV“. Es gibt wohl eine eigene Abteilung zur Absicherung von Dreharbeiten. Denn gefilmt werden sollte der Wagen anscheinend nicht. []
  2. Keren []
  3. Noch ne Anmerkung von Peter: Sie fand es interessant, daß wir so eine Beziehung zu solchen Wohnsituationen hatten. Ich bin auf dem Land ja auch mit einem Plumpsklo im Hof aufgewachsen. Die anderen Tourteilnehmer, allesamt Amis und deutlich älter als wir, hatten da überhaupt keinen Bezug, für die war das einfach nur kurios. []
  4. Anmerkung von Peter: Die Karte wurde beim ersten Mal akzeptiert, aber ich habe das mit dem Drehkreuz versaubeutelt. Jede Dauerkarte ist nach Benutzung 15min gesperrt, um zu verhindern, daß sie einfach durchs Gitter an den Kumpel gereicht und für mehrere Leute kurz hintereinander genutzt wird. []
  5. also eigentlich die selbe wieder (Peter) []
  6. Eistee wurde hier wohl nicht berechnet. Auf Nachfrage meinte die Kellnerin, daß das schon ok wäre. Sie könne ja mehr draufschreiben, wenn wir unbedingt wollen, meinte sie mit einem Lächeln. Ich erklärte ihr, daß ich sie ja nur nicht um ihren wohlverdienten Lohn bringen wollte, wenn sie fehlende Posten von ihrem Trinkgeld bezahlen müsste. (Peter) []
  7. oder waren es eher sehr krakelig lateinische Buchstaben? (Peter) []
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