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Neues Ticket

Lang war die Liste der Tickets, die ab Bremen im IC nicht mehr gelten und verlesen wurden, damit der Zug in Bremen verlassen werden kann. Zum Schmunzeln war dann das zuletzt aufgeführte „Hab-ich-nicht-gewusst-Ticket“. Ob die Bahn als solche Humor hat, vermag ich nicht zu sagen, ihre Mitarbeiter aber immer wieder. Erfrischend!

Und dann war da noch…

… der Sponsor eines Sportvereines, dessen Schriftzug vorne auf den Trikots prangt. Welche zwei junge Mädels, offenkundig vom Land und eher aus den Höhenlagen, mit nicht nur stolzgeschwellter Brust in Karlsruhe am Bahnhof trugen. „Schwarzwaldmilch“ – sehr amüsant in dem Zusammenhang…

Marokkanische Kuriositäten: „Hasse mal nen Dirham?“

Ein Dauerbrenner. Schuljungs vor allem kamen immer wieder an und nuschelten einen Satz, der mit Dirham endete. Die Absicht war klar und führte zu unserer gemutmaßten Übersetzung, die den Titel des Artikels ergibt. Mädchen waren da deutlich zurückhaltender. Nicht scheuer, auch in jungen Jahren ist die marokkanische Frau für ein islamisches Land überraschend selbstbewusst. Nur ging es denen eher um ein scheues Hallo oder den Versuch, etwas zu plaudern. Unsere Mitreisende war da wohl auch ein Türöffner. Eine Frau(!) aus der Fremde, die ein großes1 Motorrad bändigt und durchs Land reist, das ist schon was! Bonbons wurden dann aber gerne abgestaubt. Und ich hatte da einiges eingepackt. Die Jungs nahmen sie auch, hätten aber sichtlich Bares bevorzugt. Doch es gibt einen Hintergrund.

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  1. für die Landesverhältnisse []

Marokkanische Kuriositäten: Tankstellen

Alle von uns besuchten Tankstellen sahen mehr oder weniger „westlich“ aus. Im Atlas, auf dem Weg von Todra nach Imilchil, haben wir mal wahrgenommen, daß Spritpreise angeschrieben waren, aber keine Tankstelle erkennbar. Das waren dann wohl die berühmten Flaschentakstellen, bei denen man den Sprit aus irgendwelchen Flaschen und Kanistern reingekippt bekommt.

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Marokkanische Kuriositäten: Parkwächter

An sich ein geniales System, um als Selbstständiger eine sinnvolle Dienstleistung anzubieten. Oder verkappte Schutzgelderpressung? Irgendwie war ich mir da nicht immer sicher. Schlußendlich kann nman nur sagen, daß es die Parkplatzwächter gibt, das System wohl etabliert ist und man eben mitspielt. Zumal es funktioniert. Das Folgende spiegelt meine persönlichen Eindrücke und kann von der Wahrheit abweichen.

Parkplatzwächter gibt es in vielen Ausprägungen. Vom alten Mann, Modell Rentner, der sich als Wachmann was (dazu)verdient bis zum korrekten Kollega, der krass korrekt die Lage checkt. Um ja nicht unerkannt zu bleiben, waren gelbe Warnwesten beliebt, die auch versuchten, Authorität und Legitimität auszustrahlen. Faktisch wirkte es aber so, als habe jemand seinen Claim abgesteckt und sorgt dort dafür, daß nix passiert. Darum der Schutzgeldvergleich. Fast immer ist der Ansprechpartner erkennbar. Wenn er einen nicht schon in einen Stellplatz einweist, sollte man ihn kontaktieren. Wie wenn man beim Parkscheinautomaten hierzulande liest, was denn die Stunde so kostet, erfährt man hier, was man denn gerne so nehmen möchte. Großer Unterschied: Diese Parkgebühren sind verhandelbar, ja es sollte sogar gefeilscht werden. Ausnahme: Der Wächter ist unauffällig, aber dann doch immer wieder zu sehen, wie er nach dem Rechten schaut. Seine Forderung, eher eine höfliche Bitte am Ende der Parkzeit ist dann auch so bescheiden, daß er die paar Dirham diskussionslos bekommt.

Insgesamt sind wir so gut gefahren bzw. gestanden. Gut, Navi und Kamera wurde immer mitgenommen. Geld, Karten und Papiere waren eh immer am Mann. Aber auch beim Rest, sprich Tankrucksack, Gepäckrolle und Hamsterbacken, hatte ich dann nie ein ungutes Gefühl. Beim ersten Mal sicherten wir die Rolle noch mit einem Kabelschloss, was vom Wächter schon fast als Beleidigung aufgefasst wurde.

Kurzum: Den Service nutzen und sich dem Konzept nicht verschließen. Parken ist in jeder europäischen Kleinstadt teurer.

Marokkanische Kuriositäten: Hunde und Esel

Ich habe mir das Stichwort notiert, weiß aber nicht mehr, was genau ich schreiben wollte. Aber es gibt einiges zu schreiben, keine Sorge.

Hunde. Hundehaltung an sich ist im Islam wohl eher unüblich bis überflüssig. Klar hat ein Hirte auch den einen oder anderen Hütehund, aber ich sag mal so einen Chihuahua-Hype kann ich mir nicht vorstellen. Aber auch so hat es Hunde. Halbwild, möchte ich es mal nennen, weil ohne Herrchen im Schlepptau und selten alleine. Am Jaffar sind mir drei auf die Pelle gerückt, die auch Hütehunde gewesen sein können, denn es waren Ziegen in der Nähe. Praktisch überall gab es abends ein Mordsgeheule und Gekläffe. In Merzouga sind morgens mal drei Hunde übers Gelände gehetzt und und bei Bin-el-Ouidane sind auch immer wieder welche auf dem Gelände rumgerannt, die eigentlich wohl zum Nachbargrundstück gehörten. Insgesamt zwar nicht wirklich bedrohlich, aber irgendwie unangenehm und überflüssig. Will ich auch mal gesagt haben.

Esel. Auch die gibt es überall. Das Moped des kleinen Mannes. Aber von den typischen Klischeebildern ab sind mir zwei Dinge aufgefallen. Die Viecher stehen oft1 irgendwo „geparkt“ rum. Bei genauerem Hinsehen dann doch nicht, weil sie es dort so toll finden, sondern weil irgendwo am Bein ein Strick dran ist. Nicht am Hals, wie man vermutet hätte und eben wegen dem am Hals fehlenden Strick war ich anfangs verwundert, warum die an den unmöglichsten Orten so brav stehen bleiben. Gemein ist ihnen – vermenschlicht gesehen – ein etwas grimmig-genervter Blick. Oder wie bei einem trotzigen Kind. Bezeichnenderweise ist dieser Blick bei den frei rumlaufenden oder rumstehenden Eseln nicht aufgefallen.

  1. nicht gerne []

Marokkanische Kuriositäten: Badarchitektur

Offene Duschen allenthalben, also Klopapier in Sicherheit bringen. Duschvorhang ist quasi gehobener Standard und eine regelrechte Duschkabine (der der Versuch) bestenfalls in Unterkünften nach „Weststandard“ zu finden. Einen Dübel in einer Wand festzubekommen ist für einen Marokkaner wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Alles wackelt, ob Duschkopfhalter1 oder Klorollenhalter. Letzterer, also der Blechdeckel davon, wird übrigens aus Prinzip nie geputzt. Könnte ja das wertvolle Klopapier2 nass werden. Am besten sind aber die Fensterchen. Der Schnitt der Zimmer ist der auch daheim bekannte: Tür rein, gleich abzweigen zum Bad und das eigentliche Zimmer liegt vom Flur entfernt. Statt einer aufwändigen elektrischen Lüftung gibt es ein Fensterchen zum Flur3, der recht groß ausfällt. Fiel besonders in Asilah auf: Durch das Fensterchen kann man nicht nur im Flur hören, wie die Befindlichkeit auf dem Pott ist, sondern auch in den umliegenden Badezimmern. Wie in einer öffentlichen Toilette ist man so besser als erwünscht darüber informiert, ob es gerade noch gereicht hat oder gedrückt werden muß.

  1. so vorhanden []
  2. Hygieneartikel sind hier wohl vergleichsweise teuer []
  3. oder nach draußen bei den kleinen Hütten []

Auf halbem Wege

Grob gesehen trafen Annette und ich uns da. Luzern und Arbeit ist das Stichwort, aber erst morgen.

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Der erste Seetag

70km vor Barcelona, 04.10.2019 07:00 Uhr MESZ

Das Wesentliche habe ich schon gestern erwähnt. Netzanbindung ist schlechter als auf der Hinfahrt und als wir mal nahe genug an Land waren, freute ich mich so sehr über die automatisch gesendeten und empfangenen Mails und Kurznachrichten, daß ich nicht daran dachte, den letzten Bericht manuell zu senden. Aber bald kommt Barcelona.

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Der längste Tag…

… des Urlaubs.

Irgendwo vor Almeria, 03.10.2019 10:45 MESZ (glaub ich)

Notiz an mich und Tip an andere Reisende: In Zeiten sich automatisch umstellender Uhren, bei denen man aber nicht weiß, nach welchem Mond sie gerade gehen wollen, ist auf Reisen durch mehrere Zeitzonen eine gute alte Analoguhr sehr hilfreich!

Wie geplant begann der Tag spät. Frühstück haben wir dann doch vorgezogen, um ohne Unterbrechung das Gepäck richten zu können. Nette Anlage eigentlich, das Hotel. Nur in den Details dann doch wieder etwas vernachlässigt. Um 12 Uhr mussten wir dann draußen sein und schafften es gerade so. 😉 Gemütlich die Nationalstraße nach Norden genommen und dann im Bogen um den Großraum Tanger. Auf das man immer wieder einen Blick hatte. Schon ein Moloch, gut, daß wir da nicht durch mussten. Da ist der neue Hafen Tanger Med außerhalb doch praktischer.

Aber es gab auch schöne Aussichten, auch auf Europa auf der anderen Seite der Meerenge. Da steuerten wir mal ein Cafe an. Entpuppte sich als rustikal, Fernfahrer- und Handwerkerkneipe mit ordentlichem Geräuschpegel. Alles eher spanisch geprägt. Nach einem Getränk war dann trotz schöner Aussicht gut, weiter Richtung Fähre. In einem kleinen Örtchen etwa 10km davor konnten wir die Motorräder noch mal gut parken und genehmigten uns auf der Terrasse ein spätes Mittagessen. Marokkanische Pizza ist auch lecker. Europa rückt immer näher. Wasservorräte aufgestockt und dann endgültig zur Fähre.

Erster Anlaufpunkt ist da ein großer Parkplatz. Hier gibt es nochmal ein Cafe, das eher ein Kiosk ist, Toiletten für die Wartezeit und vor allem die Check-In-Schalter. Da wird das ausgedruckte Onlineticket dann gegen die Bordkarten getauscht. Und hier kann man schön rumtrödeln, bis man endgültig ausreist. Reisetipp hier: Vor der Weiterfahrt noch mal das Gepäck prüfen, ob nicht jemand was dazugepackt hat und man unfreiwillig zum Schmuggler wird.

Irgendwann wird man dann doch nervös. Jeder, der vom Parkplatz losfährt, ist ja vor einem in der Schlange für die Formalitäten. Also dann doch mal weiter. Kleines Häuschen, netter Grenzbeamter, Stempel im Pass. Ausgereist. Gleich darauf eine Schlange vor einem Häuschen. Gruppenweise werden die Kärtchen mit der temporären marokkanischen Zulassung für die Fahrzeuge eingesammelt, abgestempelt und wieder ausgegeben. Dann durchgewunken. Damit wäre dann das Fahrzeug auch ausgereist, Zollprobleme ade. Wir hatten einen Bus gesehen, der auf einem Pannenhilfstransporter angeliefert wurde. Verzollen ist teuer, auch für ein Schrottfahrzeug.

Und wieder eine Warteschlange.

Hinweis: Habe den Tag etwas verbummelt, es ist jetzt 18:40 Uhr und wir fahren bald an Alicante vorbei.

Ja, Warteschlange. Dieses Mal sollte man seine Fahrzeuge in einer Reihe aufstellen und dann fuhr ein LKW mit einem Röntgengerät an der Reihe lang. Das haben sie sich später gespart und nur gefragt, aber bei uns nahm man sich wohl die Zeit. Dann endlich, die Parkstreifen am Anleger. Aufreihen zum Verladen.

Aber wo ist die Fähre? Noch zwei Stunden entfernt verriet eine einschlägige Webseite. Warten. Man kann auch auf dem Motorrad schlafen, ich war aber umtriebig. Noch ein paar letzte Eindrücke sammeln. Zwei schlaue Geschäftstüchtige hatten einen Grillstand neben den Warteschlangen aufgebaut. Und wohl schon Nachschub geordert. Für die ist eine verspätete Fähre natürlich ein Riesengeschäft. Umgerechnet 4€ für ein mit Kefta belegtes Baguette sind natürlich noch günstig im Vergleich zu den 5€ in Karlsruhe, aber im Landesvergleich schon heftig.

Irgendwann legte die Fähre an, war erstaunlich schnell geleert. Wobei die Containerauflieger noch ausgeladen wurden, als wir vom Achterdeck aus das Beladen beobachteten. Die werden mit kleinen Zugmaschinen rangiert, damit nicht der ganze LKW die Überfahrt machen muß.

Genau, Beobachten des Beladens. Motorräder wurden zum Glück wieder reichlich nach vorne gewunken. So waren wir flott an Bord, konnten unser zurechtgepacktes Gepäck nehmen und in der Kabine Einchecken. Noch praktisch ohne Warteschlange. Sah später anders aus. Damit war der entscheidende Schritt geschafft: Gepäck in der Kabine, raus aus den Motorradklamotten1 und nach der Aufregung mal ein wenig auf dem Achterdeck rumlungern. Mal nachschauen, wie lande das noch dauern könnte. Und als Belohnung für alles erst mal gegen die Unterhopfung ankämpfen. Da war dann deutlich nach ein Uhr Ortszeit. Um zwei fielen wir dann in die Kojen. Feierabend. Das Ende der Fahrzeugschlange war auch gerade in Sicht gekommen.

Entsprechend voll ist auch die Fähre, gut was los. Rechtzeitig vorm Frühstücksende klingelte der Wecker, aber alle waren schon wach. Ich hatte es geschafft, mich noch zwei mal umzudrehen und weiter zu schlafen, obwohl ich um kurz nach fünf und um sieben schon wach war.

Frühstück war wie immer italienisch knapp2. Der Fisch vom Mittagessen war nicht so toll, dafür sind die Fritten hier an Bord genießbar. Gegrilltes Gemüse als Antipasti war so lala. Ich hatte das Öl nicht gefunden… Bald geht es schon wieder zum Abendessen. Die Zeit dazwischen vertreiben wir uns mit Plaudereien und gemütlichem Rumsitzen im Schatten auf dem Sonnendeck (ja, genau so). Wir haben noch ein paar andere Motorradfahrer kennengelernt und erzählen uns so unsere Erlebnisse und Pläne für künftige Reisen.

Bis Barcelona soll wohl von der Verspätung wieder einiges aufgeholt sein, wir sind dann wohl noch zwei bis drei Stunden hinterher. Mal sehen, wie es in Genua aussieht. Den Kapitän beim Käptensdinner am letzten Abend fragen fällt hier ja leider (?) aus.

  1. die bei mittlerweile 21°C aber nicht zu warm waren []
  2. ein Winzbrötchen, ein süßes Teil, eine Marmelade oder Honig, eine Butter, ein kleiner Becher Saft und ein Becher Kaffee []