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Yamaha DT50MX

Eigentlich ja kein Motorrad, sondern „nur“ ein Mokick mit 50ccm. Aber ein Fahrzeug, mit dem ich mich unabhängig von Busfahrplänen und Mutti frei bewegen konnte. Mein erstes Fahrzeug!

Genauer genommen waren es sogar zwei. „Die Weisse“ bekam ich zum 16. Geburtstag von meinen Eltern geschenkt. Ich weiß nicht, ob ich im Lauf der Jahre ihnen genug dafür gedankt habe. Vielleicht hatten sie es zwischenzeitlich auch mal bereut, infizierten sie mich doch so mit einem Virus, der mich bis heute noch bafllen hat. Der Deal war einfach: „Hier ist das Fahrzeug, das Taschengeld wird um den Betrag erhöht, den die Busfahrkarte kostet. Sorge so für den Unterhalt der Kiste oder fahr halt wieder Bus.“

Anfangs fuhr ich leider auch noch eine Menge Bus. Der Händler, von dem das Fahrzeug gekauft war, ist ein Fahrradhändler und hatte entsprechend wenig Ahnung von der Materie. Ich weiß nicht, wie oft ich mein heißgeliebtes Mokick dort stehen ließ in der Anfangszeit, um „den Vergaser zu reinigen“. Die Prozedur verschaffte aber nie Abhilfe, immer wieder drehte der Motor unkontrolliert hoch ohne Last und ging selbst bei abgezogenem Zündschlüssel nicht aus. Doch irgendwann war der Fahrradhöker in Urlaub und ich ging trotz Aussicht auf eine Werkstattrechnung (bisher war alles Kulanz) zum nächstgelegenen Yamaha Motorradhändler. Der lachte, machte ein paar abfällige Bemerkungen über den „Kollegen“ und drehte kurz mit dem Schraubendreher aus seiner Latzhose am Vergaser. Mit richtig eingestelltem Leerlaufgemisch lief mein Schatz dann tadellos. Bis zum Februar, also ein halbes Jahr vielleicht. Dann erwischte mich am Rand meines Heimatortes ein Auto. Nahm mir einfach die Vorfahrt und ich konnte nur noch einschlagen.

Da stand ich dann da und fuhr erst mal wieder Bus. Geld hatte ich reichlich. Die gegnerische Versicherung nannte es wirtschaftlichen Totalschaden, zog ein wenig Restwert und Gebrauchswert ab und zahlte brav eine Summe, die nah am Neupreis war. Aber Geld allein macht nicht glücklich.

Dann kam „Die Schwarze“. Ein unglaublicher Glücksgriff. Einer aus der Klasse eines Kumpels an der Nachbarschule wollte seine DT50 loswerden. Ich habe ihn in Erinnerung als Mamasöhnchen mit 10 linken Daumen ohne jegliches technisches Verständnis. Irgendwelche Fieslinge hätten ihm Zucker in den nicht abschließbaren Tank gekippt und nun sei der Motor fest. Für ihn sei damit das Thema einspuriger Individualverkehr gelaufen und er wollte „das Wrack“ loswerden. Mit so einer Einstellung verlangt man dann auch wenig Geld. Ohne lange nach dem Fehler zu suchen – später sollte ich feststellen, daß der Öltank der Getrenntschmierung furztrocken war – riss ich einfach den intakten Motor aus der verbogenen Weissen raus und implantierte ihn in die kraftlose Schwarze. Schon hatte ich wieder einen fahrbaren Untersatz und immer noch mehr als die Hälfte der Kohle von der Versicherung. Ich steigerte meine Coolness, indem ich wild Teile der beiden Kisten kombinierte. Wer konnte denn schon eine schwarze DT mit roter Sitzbank vorweisen?

Die Schwarze habe ich dann noch einmal gecrasht. Die krumme Gabel – warum musste auch ausgerechnet was kaputtgehen, das an meinem Teileträger auch im Eimer war – ließ ich in der Werkstatt instandsetzen. Ansonsten legte ich mit ihr schon den Grundstein für meine Hamsterbackeritis, indem ich Bierbüchsen in Crushed Eis in Munitionskisten transportierte oder gleich ganze Bierfässer (aka 5l-Partydose). Irgendwie eine schöne Zeit, damals. Auch wenn die Mädels in meinem Umfeld unverständlicherweise überhaupt nicht auf wilde freie Kerle mit eigenem Fahrzeug, olfaktorischer Zweitaktaura und Schmodder unter den Schrauberfingernägeln standen. Verkauft habe ich Die Schwarze erst ungefähr ein halbes Jahr nachdem ich bereits den Autoführerschein und Zugriff auf das elterliche Zweitfahrzeug hatte. Zweiradfahren war einfach zu schön, aber irgendwann ist man mit knapp über 18 einfach zu alt, um sich auf der Geraden von schnöseligen 16jährigen 80er-Fahrern abhängen zu lassen. Es musste was richtiges her.

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