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Fahrradbasteltag

Mir hatte es vor den anstehenden Arbeiten gegraut, weshalb ich im Februar die vorderen Zahnräder nicht getauscht hatte. Dabei ist das dann doch ein Klacks verglichen mit dem Aufwand, den ich hinten betrieben hatte. Da hatte ich ja auch noch gleich die Radlager auseinander genommen, gesäubert, neu gefettet und eingestellt. Mordsaufwand.

Erschwernis heute: Dank viel Altpapier im Zählerraum1 und recht leerem Fahrradraum bastelte ich halt in letzterem, der aber komplett am anderen Ende des Ganges liegt. Da läuft man mal ein paar Meter. Merken: Werkzeugwagen endlich mal aus der Pfalz holen bzw. erst mal im Keller Platz dafür schaffen. Dafür gabs gute Lüftung. Die Schrauben der Kurbelgarnitur wehrten sich erst mal ordentlich, gingen mit etwas Kraft aber auf. Hoffentlich hilft die Montagepaste beim nächsten Demontieren. Hier kurz eine Erklärung für die nicht-Fahrradschraubenden: Die Hebel der Pedale2 werden auf einen leicht konischen Vierkant gesteckt. Eine Schraube drückt diese beim Anziehen dann so weit auf den Vierkant, daß das ordentlich klemmt. Dementsprechend braucht es bei der Demontage eine Abdrückschraube. Auch hier anfänglicher hoher Widerstand, aber lösbar. Die vorderen Zahnräder waren tatsächlich in einem erbärmlichen Zustand, einem Mix aus verschlissen und “mach ich nicht mehr sauber, kommen eh bald raus”. Und mir fiel auf, daß ich bei der neuen Kurbelgarnitur 5mm längere Hebel geordert hatte. Zwischenzeitlich vergessen, dabei war ich doch gespannt, wie sich das auswirkt.

Übrigens war eine Demontage des Kettenschutzes völlig überflüssig. Pedale weg, Abdeckkappen raushebeln, Schrauben raus, Abdrücken, Reinigen und Schmieren, neue Teile dransetzen, neue Schrauben3 anziehen und Pedale wieder anschrauben. Stück Kuchen, wie der Angelsachse sagt. Das alles mit dem Fahrrad umgedreht auf dem Boden. Das Schaltwerk verlangte dann nach dem Montageständer und etwas Lauferei. Die Einstellung war erschreckend. Schraube gelöst, Umwerfer wieder so gedreht, daß er mit den Zahnräder in einer Flucht läuft, Schraube angezogen, alle Gänge mal durchgeschaltet und festgestellt, daß es keinen weiteren Handlungsbedarf mehr gibt. Schaltete sich schon lange nicht mehr so butterweich.

Dann kam noch das Tern schnell ran. Da lief die Schaltung auch nicht mehr ganz so cremig. Motorradkettenfett aus der Tube ist am Fahrrad großer Mist. Verhärtet wie eine Kunststoffbeschichtung. Zahnräder und Kette hatte ich schon bearbeitet gehabt, heute fielen mir die Schaltröllchen auf. Da musste ich noch bei, bevor das Justieren Sinn hat. Mir wurde schon Bange, daß einzelne Zähne abgebrochen wären. Dann merkte ich, daß das die Originalform ist und die Spitzen der anderen Zähne purer Kettenfettdreck. Nach dem Ptzen lief die Schaltung schon besser, nach wenigen Drehunngen am Einsteller praktisch perfekt.

Probefahrt gabs fürs große Rad dann in Form einer Einkaufstour. Alles wunderbar. Die Knarzgeräusche stammen übrigens nicht vom unauffälligen Tretlager, sondern von der einfachen Sattelfederung. Wenn ich mich jetzt noch bei der Gabel mal bemühen würde…

  1. der unserem Kellerkabuff am nächsten gelegene Gemeinschaftsraum, den ich gerne als temporäre Werkstatt nutze []
  2. mal vereinfacht benannt []
  3. mit integrierter Abdeckkappe []

Mit dem Fahrrad nach Frankreich

Geht. Ab der Haustür.

Gut, wir haben nur kurz den großen Zeh ins Meer gestippt, sinnbildlich. Über Knielingen ging es zur Wörther Rheinbrücke, da dann südwärts und leider nicht so sehr am Rhein entlang wie gewünscht. Wobei wir den Weg direkt am Rhein entlang vom Frühjahr in übler Erinnerung haben. An der Rheinfähre in Neuburg dann noch ein Stück weiter flußaufwärts, an der Stelle, an der letztes Mal pandemiebedingt gesperrt war, vorbei und plötzlich gab es französische Schilder zu lesen. Die iegentlich Grenze konnte ich erst im Nachhinein auf der Karte ausmachen, so grün ist die da: Es ist die Alte Lauter, in natura ein kleiner Bach, der den Fahrweg auf dem Damm kreuzt bzw. da durch den Damm fließt. Recht unscheinbar, da man gefühlt nicht mal eine Brücke quert.

Ansonsten Ganz nett, in Neuburg/Neuburgweier mit der Fähre übern Rhein, Mittagessen im Biergarten des Zollhauses und dann heimwärts. Nicht wie ber der anders herum gefahrenen Runde zuletzt mit der S-Bahn ab Forchheim, sondern komplett aus eigener Kraft durch die Stadt. War an sich gar nicht so schlimm wie befürchtet. Mag ich aber als regelmäßiger Innenstadtradler anders sehen als Annette. Blöd war dann nur meine runtergesprungene Kette auf der Kaiserallee. Beim rückwärts Rangieren verkeilte sie sich noch dermaßen im voreren Umwerfer, daß es diesen verdrehte. Waidwund konnte ich aber auch das letzte Stück fahren. Übermorgen habe ich frei, da wird dann gleich noch mehr gerichtet.

Karlsruhe

Nachtrag vom 25.07.2020 22:00 Uhr

Wenn die Tagesbreichte schon nach den Zielorten benannt sind, dann muß auch mal die Heimatstadt herhalten. Eigentlich logisch auf der letzten Etappe. Der Plan war simpel. Heimkommen, dieses Mal wie gewohnt über die französische Autobahn und mit einem Abstecher für den Wochenendeinkauf in einem grenznahen französischen Supermarkt. Wobei entlang der Strecke alle grenznah genug sind, um von Deutschen zahlreich besucht zu werden, so daß es der nächstgelegene an der Heimat sein sollte. Wegen Kühlung.

Aber erst noch ein Frühstück, das wir deutlich ausgiebiger als die Franzosen und Italiener unter den Gästen zelebrierten. Schließlich soll ja das Mittagessen wegfallen. Die Auchan-Tanke nahe Belfort ist inzwischen ein Fixpunkt. Eine Tankfüllung von daheim entfernt ist sie die erste Anlaufstelle beim Start in den Urlaub1 und der Punkt auf dem Heimweg, ab dem jeder weitere Stop optional ist. Wie der an der Koenigsbourg-Raststätte. Nicht wegen des halbwegs brauchbaren Restaurants, sondern wegen der blitzsauberen sanitären Einrichtungen. Das reichte dann auch bis Lauterbourg. Dort neben dem Einkauf das schon beschriebene Wiedersehen mit der deutschen Mentalität. Das Abrödeln daheim war dann routiniert, die Helme schneller sauber und geladen als die erste Waschladung durch war. So werden wir den Sonntag noch als Ruhetag haben. Als Abschluß haben wir uns dann aber noch einen Restaurantbesuch gegönnt im Holzhacker unweit von daheim.

  1. in diese Richtung []

Belfort

Nachtrag vom 24.07.2020 22:30 Uhr

Belfort war das erklärte Ziel, weil “unser” Hotel in Montbéliard mangels Buchungen länger geschlossen blieb und unsere Buchung stornierte. Mit dem Hotel-Restaurant in Belfort schien die Wahl auch gut und so wollten wir diese Stadt auch mal kennenlernen. Doch wie kommt man hin? Drei Routen hatte ich ausgearbeitet. Da wir immer früh dran waren in diesem Urlaub, entschieden wir uns für die längste. Bis Besancon quasi direkt ohne den nahegelegten Abstecher nach Arbois, welches wir auf der ausgebauten Nationalstraße passierten. Dann so direkt wie möglich am Doubs entlang bis kurz vor Mömpelgard. Das ist mit Belfort zusammen fast schon ein Ballungsraum und am besten auf der mautfreien Autobahn durchquert.

Klappte auch alles prima inklusive der Tankerei. Und da es wieder kein Mittagessen gab, war die Pausenwahl auch recht frei. Wir hatten uns beim Bäcker Frühstück besorgt und im Zimmer gefuttert. So kamen auch die Käse- und Wurstreste weg. Zudem haben wir beim Start schon getrödelt und erst mal den Wochenmarkt in Moirans besucht, was unseren Nachbarn ein Mitbringsel bescherte. Am Stausee bei Moirans machten wir auch noch einen Abstecher. Ebenso in Baumes-les-Dames, bekannt aus unserer Cevennenreise. War aber leicht enttäuschend. Die Aussicht oben war immer noch schön. Unten stauten sich am Fereinfreitag die Touristen, wie wir es noch nicht kannten. Und der Wasserfall war ausgetrocknet. Wenden, nicht anhalten, war da die Devise. Haben dadurch Zeit vertrödelt, hätte man aber anderswo schöner verbringen können.

Richtig getrödelt, sprich Annettes geliebte Mittagssiesta gemacht, haben wir dann in L’Isle-sur-les-Doubs auf dem verschlafenen Parkplatz der Gemeindeverwaltung direkt am Fluß. War nett, aber die Kerne der am Boden liegenden Kirschen verteilten wir nicht nur abends im Hotel, sondern brachten welche bis nach Hause. Am Hotel waren wir prompt wieder sehr zeitig, weil eben alles so glatt lief. Bis dahin. Im Detail: Einchecken war kein Problem, die Reservierung im angegliederten Hotel stand auch schon. Und eine Garagenbuchung. in der “Großstadt” wollte ich nicht unbedingt das aufgerödelte Motorrad auf der Straße parken und alles hochschleppen auch nicht. Die Garage war ums Eck. Eigentlich kein Problem. Eigentlich. Das Hotel liegt auf dieser Ecke, angekommen sind wir auf einer zweispurigen Einbahnstraße. “Ums Eck” hieße, die nächste Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung zu befahren. Als ich nach einer Wegbeschreibung – schließlich preist man das kleine Garägle nicht nur für Fahrräder, sondern auch für Autos an, gab es ein schulterzuckendes “auf dem Gehweg schieben” als beste Option. Kann man jenseits der 30°C machen, will man aber nicht. Speziell dieser man, der hier schreibt. Autos werden auch nicht ums Eck geschoben, drei mal links abbiegen sollte doch auch gehen. 20km später1 wusste ich, daß ein Navi auch für die paar Meter zur Garage hilfreich sein kann2, meine Halterung für die Kamerafernbedienung vermeintlich3 zu schmal fürs Mobiltelefon ist, dieses ausgerechnet für die Sprachansagen einer beliebten Navi-App nicht mit meinem Helm reden will, “drei Mal links” dank Einbahnstraßen knifflig werden kann und bei einem organisch gewachsenen Straßennetz ein Blick aufs Telefon zwischendurch am Straßenrand wenig hilft, wenn er in einer Einbahnstraße nach der Kreuzung getätigt wird, an der man hätte anders abbiegen müssen. Als Trostpreis gab es drei Runden druch den weniger schönen Teil der Stadt.

Bis ich aus der Dusche kam, war der Tag nicht mehr so jung und der Abstecher in die Innenstadt entsprechend kurz. Wobei man außer einer tagesfüllenden Besichtigung sämtlicher Festungsanlagen wenig mehr hätte machen können. Die Aussicht beim berühmten Löwen haben wir kurz genossen, ein wenig im schönen Park rumgesessen und sind dann ins Restaurant eingelaufen. Überpünktlich natürlich.

Ich fühlte mich in meinen kurzen Wanderhosen ein wenig underdressed, aber alles andere war tief vergraben im Gepäck in der Garage. Les Capuzins heißt übrigens sowohl das Hotel als auch das Restaurant, fährt groß auf und ist mal so richtig schick. Menü, Fixpreis, fertig, könnte man denken. Gut, es gibt Abstufungen. Nur Hauptgericht, 2 Gänge, alle drei, alles möglich. Und Fixpreis ist relativ, wenn bei den meisten Gerichten noch ein Aufschlag mit angegeben ist. Aber egal, es war es wirklich wert. Auch wenn die Rechnung dann mit Getränken, Apero etc knapp am Dreistellien schrammt. Kann man sich mal gönnen, Butterbrot4 gibt es daheim wieder. Das Frühstücksbuffet haben wir dann doch auch gleich noch gebucht. Zum Ausgleich war das Zimmer erstaunlich günstig, sehr gut renoviert und auf eine kitschige Art modern. Und ruhig. Dementsprechend dürfen bald die Augen zufallen.

  1. um die Pointe vorwegzunehmen []
  2. so es nicht im Zimmer liegt []
  3. merkte ich am nächsten Morgen []
  4. für mich ohne Butter []

Moirans-en-Montagne

Nachtrag vom 23.07.2020 22:30 Uhr

Die nächste Etappe der Heimfahrt. Ich wollte mal die Gegend etwas weiter westlich der alten Route erkunden. Könnte ja sein, daß man bei Kurzreisen da mal hin will. Muß aber nicht.

Nach einem brauchbaren Frühstück im U’Fredy ging es los. Wieder hat das Mädchen für alles im Hotel mit ihrer netten Art alle sonstigen Unzulänglichkeiten ausgebügelt. Auch zickte die KTM anfangs etwas rum, ging immer wieder während der Fahrt aus. Irgendwie bekommt ihr der Franzosensprit nicht immer. Und weil wir schon gemütlich unterwegs waren, passierte uns auch das eine oder andere flotte Handwerkerle in seinem weißen Kastenwagen. Wir genossen die Aussicht.

Die ist an der Straße entlang des Lac d’Annecy gar nicht mal so gut. Egal, wie handtuchschmal das Grundstück am See neben der Straße ist, irgendeine Datsche wird mindestens draufgeklatscht. Verwunderlich bei dem starken Verkehr, erholen würde ich mich da nicht. Irgendwie eine ungute Mischung und so setzten wir uns planmäßig nach der Hälfte der Seelänge ab in die Berge. Hier dann wieder der Fluch der landschaftlich schönen Rückfahrt statt der Direttissima: Ja, irgendwie hübsch, aber nach den bereits gesehenen Highlights dann doch fad.

Kurzer Supermarkttankstop in Rumily, bei Seyssel wieder über die Rhône. Was beinahe zu kurz kam, war eine Pause. Da ja die Mittagsvesper ausfällt, vergisst man das leicht und irgendwie kämen wir viel zu früh an. Ein Wegweiser zu einem See schaffte da Abhilfe. Der entpuppte sich trotz der kleinen Zufahrtsstraße als touristisch1 gut erschlossen mit Liegeweisen, Badestrand, Restaurant und und und. Da warfen wir auf der Weise mal die Motorradklamotten von uns und genossen die Sonne bei ganz akzeptablen Temperaturen.

Zu früh kamen wir dennoch an. Aber man war sehr hilfsbereit. Die Brasserie vorne im Gebäude gehört wirtschaftlich nicht zum Hotel, aber man erfragte telefonisch den Zugangscode und die Zimmernummer. Hätte man eigentlich auch per Mial bekommen sollen für den Fall einer frühen Anreise. Faktisch, wenn auch zur Verwirrung des Betriebs, hätte man aus einigen Zimmern auswählen können, die offen standen. Aber unseres gefiel uns eh auf Anhieb. Ruhig hintenraus zum eigentlichen Parkplatz, wie sich rausstellen sollte. Denn schon während ich das Gepäck hoch trug, war die Rezeptionistin da und wir parlierten ein wenig. Fazit: Ja, der geschotterte Platz im Hotel ist der Parkplatz und ich solle lieber dort parken statt bei dem an der Straße geparkten Auto mit dem seit zwei Jahren abgelaufenen deutschen Exportkennzeichen2. Und am allerbesten direkt am Hotel. Das war allerdings recht steil und gefiel mir nicht sonderlich. Alternativ könne ich das Motorrad auch in ihre Garage in der Nähe stellen, was mir auch nicht gefiel. Schließlich durfte ich nach Rücksprache mit dem Betreiber der benachbarten Fahrschule oben auf dem Plateau parken. Mein Eindruck: Geteiltes Grundstück, jeder hat seinen (unmarkierten) Bereich und der nette Nachbar drückte ein Auge zu.

Nach dem Frischmachen schlenderten wir durch den Ort, der in Sachen morbider Charme Florac übertreffen will. Viel zu, viel Leerstand, aber im Zentrum auch viel Leben. Am Spielzeugmuseum, DEM Touristenmagneten laut den Prospekten, war tageszeitlich und pandemiebedingt nichts los. Die drei in Frage kommenden Einkehrmöglichkeiten waren schnell abgeklärt und wir reservierten formlos kurz vor Öffnung an dem leckersten mit der Terrasse Richtung Museum. Wobei direkt daran auch ein Schotterparkplatz grenzte. Die Wahl war kulinarisch sehr gut. Neben dem Konzept “Leckeres Bier3 als Aperetiv, Wein zum Essen” hatte ich in einem Risotto die leckersten und am besten gegarten Jakobsmuscheln überhaupt. Annette war mit ihrem Perlhuhn nicht ganz so zufrieden, da es trockener als erwartet war. Und weil wir im Jura waren, sollte es noch mal regionalen Wein geben. Savagnin bzw. den Cuvee mit Chardonnay hatte ich mangels breiter Verfügbarkeit bei uns schon wieder verdrängt. Böser Fehler, der Stoff ist einfach nur lecker.

Im ruhigen Hotelzimmer wird der Schlaf schnell kommen. Morgen noch eine Nach in Belfort, dann sind wir daheim!

  1. oder zumindest naherholungstechnisch []
  2. nur mal am Rande erwähnt []
  3. man würde es heute Craft-Beer nennen, was lokales jenseits des Reinheitsgebots []

Mont Blanc

Nachtrag vom 20.07.2020 22:00 Uhr

Wir haben ihn uns nur angesehen, natürlich war der Gipfel nicht unser heutiges Ziel. Nicht mal ein Gipfel gegenüber, boten doch der Aufstiegsweg und die Hütte an der Bergflanke schon ein schönes Panorama. Und endlich kein Wochenende mehr, der Andrang war überschaubarer. Gerade in der aktuellen Situation soll man sich die Menschenmengen bitte nicht so vorstellen, daß man da dicht gedrängt unterwegs war. Es reicht ja schon, wenn einfach permanent immer irgendwer in Sichtweite ist, auch wenn das 200m entfernt ist.

Start war am Parkplatz eines Hotelrestaurants, in den auch jemand mit einer gelben Weste einwies. 800m die Straße entlang bis zum eigentlichen Wanderweg ließen die Sozia maulen, doch der nähere Parkplatz gehört zum Campingplatz, ist nur für dessen Gäste und da bin ich auch mal stur. Zumal wir ja schon umgezogen waren. Der Campingplatz heißt Grand Jorasses, wie das Massiv hinter ihm, das optisch beeindruckender daherkam als der höhere Mont Blanc, der aus dem Blickwinkel aber kleiner wirkte. Jedenfalls schöne Aussichten, wieder mal ein Bombenwetter und sogar etwas sportlicher. Anfangs bedauerten wir zwei Kühe am Wegesrand, die voller Bremsen hingen. Diese jedoch freuten sich über die Abwechslung. Zweibeiner mit weniger störendem Fell und dünnerer Haut werden da gerne genommen. Nicht nur wir sind da etliche Meter gerannt, bis die hartnäckigen Viecher nicht mehr hinterherflogen.

Das Rifugio Bertone, unser Ziel, war auch wieder gut gefüllt. Was aber auch an der ausklingenden Mittagszeit lag. Wir wollten nur eine kühle Kleinigkeit trinken. Am Selbstbedienungstresen gab man sich ruppig. Bargeld bitte passend, Kartenzahlung erst ab einem Betrag, den wir auch mit den hohen Getränkepreisen nicht erreichten.

Der Rückweg war unspektakulär, zumal sich die Kühe samt Bremsenentourage in den Schatten weit weg vom Weg verzogen hatten. Auf der Rückfahrt dann ein kleiner Tankstop. Seltsame Sache, der Italiener tankt wohl gerne nur für fixe Beträge statt voll. Die Säule war auf 20€ eingestellt. Hätte ich ändern können, war mir aber zu blöd und der Tank eh voll genug um nach Frankreich mit seinem günstigeren Sprit zu kommen. In der Unterkunft bewährte sich der neue Scrubba-Bag erneut. Ein wasserdichter Packsack mit Rollverschluss und Ventil, aber auch einem integrierten Waschbrett. Allemal besser, als im Handwaschbecken zu waschen. Und es gab einen guten Tip unserer Gastgeberin, als Annette wieder über die Hitze klagte: Einfach mal früher frühstücken und aufbrechen, wenn es noch kühler ist. Werden wir morgen umsetzen.

Abendessen gab es ein letzes Mal in der liebgewonnenen Osteria. Morgen haben die Ruhetag und wir sind dann weg.

Rifugio Benevolo

Nachtrag vom 19.07.2020 22:00

Eigentlich eine relativ unspektakuläre und nicht all zu sportliche Wanderung von der Karte der Touriinfo. Ab zum Parkplatz, hoch zur Hütte, wieder runter und zurück. Was ist da noch erwähnenswert? Nun, zuvorderst die schöne Anfahrt. Fahrerisch geben die Seitentäler einiges her, wenn man das richtige erwischt. Da waren wir beim letzten Besuch wohl schlicht falsch gelegen. Und just, wenn der Drehwurm einsetzt von den vielen Kurven, ist man am Start der Wanderung. So weit, so gut.

Weniger gut: Wie am gestrigen Samstag ist auch an einem Sonntag alles auf den Beinen und unser Ziel sehr populär. Was die ganzen anderen Wanderer mit dem getrunkenen Wasser, das sie nicht ausschwitzen, machen, ist mir immer noch rätselhaft, denn es gibt keine stillen Ecken. Dafür aber beeindruckende1Wasserfälle am Weg, anfangs sogar mit Tiefblick in eine kleine Schlucht. Beim Aufstieg legte Annette sich unfreiwillig noch mit einer Kuh an und hielt sich auf dem Rückweg endlich mal wie stets geraten fern. Die Kuh hatte wohl Interesse am Salz und Annette erst mal ihren Spaß. Ein kleiner versehentlicher Rempler, ein Fehltritt mit hektischen Bewegungen von Annette, eine Schreckreaktion der Kuh und schon gibt es aufgrund eines Hornstoßes einen blauen Fleck.

Besagte Hütte am Endpunkt der Wanderung war dann auch natürlich hoffnungslos überlaufen, auch die Wiesen drumherum. Dank unseres üppigen Frühstücks benötigen wir auch keine Mittagsrast, also drehten wir direkt um und nahmen auf dem Rückweg so manche Schleife des Fahrwegs statt des steileren Wanderwegs. Auf dem Rückweg dann noch ein Stop in Rhêmes-Notre-Dames. Markt war da tatsächlich gewesen, aber am Vormittag. “Den ganzen Tag”, wie wir unsere Gastgeberin verstanden hatten, gab es da eine etwas schräge Handwerker- bzw. Künstlerausstellung. Und viel Volk auf der Gass. Da hielt es uns dann nicht lange.

Abendessen dann wieder in der Osteria ein Stück die Straße runter. Man kennt sich inzwischen und die berührungslose Karte – QR-Code zum Abscannen, Speisekarte online – hat den Vorteil, daß man sich schon vorher überlegen kann, was man essen will.

  1. und inspirierende 🙁 []

Assietta

16.07.2020 22:00

Colle Assietta ist sowas wie der zentrale Punkt, das ganze wird auch Assietta-Kammstraße (AKS) genannt und ist eine alte Militärstraße, die inzwischen als unbefestigte, aber recht gut erhaltene Piste beliebt ist. Beliebt genug, daß in der Zeit der Sommerferien an mehreren Wochentagen die Strecke gesperrt ist.

Einstieg ist der Colle delle Finestre, der im oberen Teil auch unbefestigt ist, was ich vergessen hatte. Wohl auch der Holländer im SUV, der wohl feststellte, daß es halt doch kein Geländewagen ist und er weniger Fahrpraxis hat als ich. Was ihn nicht davon abhielt, staubend und dieselnd die komplette Wegbreite für sich zu beanspruchen. Da sollten ganz andere Fahrzeuge später noch kooperativer sein. Nicht nur E-Klassen, sondern auch regelrechte Expeditionsmobile.

Wobei mir gerade einfällt, daß an der Einfahrt zur eigentlichen AKS ein Schild steht, das eine Maximalbreite von 2m erlaubt. Und da weiß man aus diversen Autobahnbaustellendiskussionen, daß es da für so manchen PKW eng wird. Wie da diese Geländewohnmobile im wahrsten Wortsinne reinpassen, weiß ich nicht. Aber egal, nach der Abfahrt auf der befestigten Südrampe des Finestre begann als Abzweigung die eigentliche AKS. An die 30km/h Höchstgeschwindigkeit hielten sich längst nicht alle und ich ließ sie ziehen, so wie auch alle Zweispurigen Platz machten, sobald wir auf sie aufliefen. Geht doch, ist schön.

Schön waren auch die Aussichten und auch hier lauerte wie am Iseran ein Photograph auf Beute. Anstrengend war es, aber die positive Art von Anstrengung. Wo man sich hinterher über das Geleistete freut. Am namensgebenden Colle die Assietta gab es einen kleinen Fotostop und Smalltalk mit einem Schweizer. Der trug eine Leihjacke wie nur Louis sie ausgibt und sein Motorrad eine Züricher Nummer. Da konnte ich mir nicht verkneifen, ihn in der Walliseller Filiale Grüße ausrichten zu lassen.

Die viel erwähnte Baustelle am Abstieg nach Süden hin scheint es nicht mehr zu geben, aber um den langen Weg im Tal um den Gebirgszug herum zu vermeiden fuhren wir wie geplant nordwärts durchs Skigebiet. Auch gut machbar und die Gastronomie war auch zu vorgerückter Mittagsstunde noch bereit für Gäste. Ich parkte dann auch prompt in einer Gruppe Enduros direkt im Blickfeld des Außenbereichs.

Entgegen meiner Befürchtungen hatte ich doch keinen zugeparkt, als die Jungs aus Frankreich aufbrachen. Wahr wurde jedoch die Ahnung, daß so eine Skibutze nicht die billigste sein wird. Das Essen auf der Karte war akzeptabel bepreist, Getränke bestellten wir auf Verdacht. Was die genau kosteten, bleibt ebenso wie die Höhe des in Italien üblichen “Brot und Gedecks”1 im Dunkeln. Die Rechnung bestand nur aus dem einen Posten “Divers” in einer Höhe, der noch vertretbar war. Da hatte man wohl den Logenparkplatz eingepreist oder es ist ein Steuersenkungsmodell. Egal. Rückfahrt.

Die hatte es vom Start weg in sich. Beim Wenden vom Parkplatz runter über eine Art Feldweg kippte mir erst mal die KTM um. Dann drängelte ein Rettungswagen – ohne aktives Blauchlicht! – dermaßen, daß ich ihn durchwinkte. Prompt bedankte der sich mit dem Versuch, in einer engen, abschüssigen Gasse sich an einem abgestellten Postlieferwagen durchdrücken zu wollen. Es blieb beim Versuch, die Gasse war zu schmal und der Rettungswagen setzte mit Schmackes zurück, bis mein Gehupe ihm Millimeter vorm Vorderrad Einhalt gebot. Ich schrieb schon, daß die Gasse abschüssig ist?

Mit Hilfe des nachfolgenden Autofahrers bugsierten wir das Motorrad rückwärts und die beiden großen Wägen mogelten sich irgendwie aneinander vorbei. Warum nur hatte ich der Besatzung des Rettungswagens etwas mehr Pause auf der Wache gönnen wollen? Wir hätten längst etliche Kilometer weiter sein können… Oder beim Tanken, den der Stop musste kurz drauf auch noch sein.

Da wir nun schon eine warme Mahlzeit – es war übrigens ein großes, geteiltes Schnitzel Wiener Art mit Pommes und großem Salat gewesen – holten wir auf dem Rückweg noch was für eine Brotzeit ein und gönnten die uns auf dem Bänkchen im Garten. Oder besser in dem Unterstand, in dem auch die KTM unterschlüpfen durfte. Duschen, Heia. Morgen geht es wieder über den Mont Cenis, Iseran und kleinen St. Bernhard nach Aosta.

  1. auch als Servierpauschale gedacht und somit das Trinkgeld ersetzend []

Lustige Bahnspielchen

Da bin ich auf dem Rückweg von meinem Einsatz in Weil, komme gerade am Bahnsteig an, um auf den Regionalexpress zu warten, der mich nach Freiburg bringen soll. Da fährt auch schon was ein. Zwanzig Minuten vor der geplanten Abfahrt, RE mit Ziel Freiburg. Zugnummer auf dem defekten Display unleserlich.

Wird schon passen, denkt man sich. Hat hier wohl Aufenthalt oder ist schlimmstenfalls der verspätete Vorgängerzug. Kann ja nicht falsch sein.

Tja, falsch gedacht. Der Regionalexpress entpuppte sich als Regionalbahn, in der ich an jeder Milchkanne haltend gen Freiburg schleiche. Meinen Anschluss-ICE mit Zugbindung werde ich wohl knapp erreichen. Danke, Deutsche Bahn!

Merken: Wenn der vermeintlich richtige Zug früh ankommt, wird er deshalb nicht auch zu früh abfahren und die Zeit reicht locker, um sicher zu gehen. Aber da war die Gier auf einen Happen Wegzehrung bei einem längeren Aufenthalt in Freiburg und ein frühzeitig ergattertes gutes Sitzplätzchen zu groß. Ich doof.

Dahoam is daheim

Wieder zurück in Karlsruhe. Gemütliches Rollen über die französische Autobahn, da war der Einkauf im grenznahen Supermarkt noch das Anstrengendste. Die dort eingefallenen Deutschen haben uns gezeigt, daß das bißchen Pandemieleugnen, das wir auf der Reise erlebten, nicht im Vergleich zu dem ist, was uns in Deutschland erwartet.