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Back in Town

Wenn auch mit gelegentlichem Motorruckeln, so lief die Rückfahrt zügig ab. Keine ewig langen Kolonnen osteuropäischer LKWs und bestes Wetter. Frau goofposer wundert sich ein wenig über den etwas höheren Verbrauch, allerdings ist sie auch eher selten mit konstant 160-180km/h unterwegs.

Abschließend billigtanken an der WalMart-Automatentankstelle und ein Eisbecher in der Fußgängerzone. Quasi mit Einstimmung auf die kommende Nordstadtbahn, denn in Karlsruhe kommt man in den Genuß, daß die Bahn drei Meter am Tisch der Eisdiele vorbeirumpelt. Eigentlich an sämtlicher Aussenbestuhlung der in der FuZo angesiedelten Gastronomie.

Reiterhof, zweiter Abend

Ich gebe zu, ich schummle. Ich speicherte Stichworte als Drafts, heute ist eigentlich der 17.05. und die Erinnerung nach stressigen Tagen ist nicht mehr so dolle.

Heute gabs dann das ausgiebige Menü. Sehr ausgiebig. In Anbetracht der locker über anderthalb Stunden, die wir zum Durchfuttern gebraucht haben, ist dann verständlich, daß wir gestern das Menü nicht mehr nehmen konnten, obwohl uns die Menükarte vorgelegt worden war – falls wir das Hauptgericht, daß nicht auf der normalen Karte war, hätten haben wollen, wie sich herausstellte. So genau weiß ich (siehe oben) garnicht mehr, was es gab. Lecker wars. Bemerkenswert war, daß Annette beim Salatgang auf Carpaccio umbestellte, dies aber nicht als Upgrade quasi berechnet wurde, denn im Menü war ein etwas schlichterer Salat vorgesehen. Und zusammenfassend für die gesamte letzte Woche kann man sagen, daß hier mit viel Anspruch gekocht wird. Immerhin trägt das Hotel vier Sterne zur Schau und der Juniorchef verwirkliche sich in der Küche heißt es. Aber die Franzosen haben da mit ihrem Engagement auch in den kleinen Küchen doch das beeindruckendere Ergebnis erzielt.

Nach dem Menü gönnte ich mir eine Zigarre. Von gönnen kann ich deshalb reden, weil ich vor Ort im Restaurant einkaufen musste, obwohl meine Vorräte daheim beträchtlich sind und dies auch noch eine Weile bleiben mangels Gelegenheit, sie aufzubrauchen. Irgendwie habe ich immer reichlich bestellt und habe selten die Muse dafür. Sozusagen wie mit leerem Bauch Lebensmittel einkaufen, da quillt der Wagen auch regelmäßig über. Nun denn, es war wieder ein Bild von Anspruch und Wirklichkeit im Etablissement.
Gereicht wurde neben der Zigarre – die ich dann auch lieber in der Bar konsumiert habe, weil es da noch einen leckeren Cocktail dazu gab – ein kleine Päckchen kurzer Streichhölzer mit Werbeaufdruck des Hauses. Der des Lieferanten wohl prangte auf dem Plastik des Billigstcutters. Ich weiß nicht, ob da schlechte Erfahrungen gemacht worden waren, aber man weiß doch, wem man den ausgeliehen hat und ein für ein paar Euro mehr aufgelasterter Schriftzug vom Restaurant würde auch Misverständnisse verhindern. Warum da also nicht im Sinne des Ambientes und zuguterletzt auch für einen besseren Anschnitt etwas solideres in der auch nicht mal so teuren Mittelklasse angeschafft worden war, bleibt mir rätselhaft. Zumal das Billigteil auch von der Kellnerin gehütet wurde wie ein Augapfel. Gekrönt wurde das ganze mit einem Zigarettenascher. Ja, so ein Ding mit den für Zigarren viel zu kleinen Kerben.

In der Bar wurde es dann besser. Nicht nur wegen Cocktails und den dazu gereichten Nüssen und Oliven. Nach dem anfänglichen Zigarettenascher fand tatsächlich ein Zigarrenascher – die historischen mit „Asbach Uralt“-Schriftzug – Verwendung. Und es lief per Beamer ein Musiksender, der ununterbrochen Hits aus unserer Jugend spielte.

Sehr angenehm. Ein schöner Ausklang.

Sex and the Zone

Also für Kegelschwestern waren sie dann doch etwas zu bonzig, wenn auch ähnlich laut. Abgehalfterte Trophy Wives trifft es wohl eher. Mit der Kohle des (Ex-)Mannes sich im Wellnesshotel betüddeln lassen, so klang es.

Jedenfalls eine fröhliche und breitest sächselnde Gruppe Weiber(!) zwischen geschätzten 30 und schon-viel-zu-oft-vierzig-geworden im angeregten Gespräch über Scheidungsrecht Ost und West und artverwandten Themen. Ach ja, Jugend-Forscht-Projekte der eigenen Kinder und wie sie selber damals mit 14 die Jungs entdeckt haben. Fazit: Alles Samanthas. Zum Glück haben sie es unterlassen, Weißwürste zu essen. Die hätten sicher nicht gepellt.

Ankunft Reiterhof

Uff, Punktlandung.

Ja, 10 vor 10 bekommt man noch was Warmes aus der Küche. Allerdings kein Menü mehr. Blöd deshalb, weil das Menü (oder zumindest der Gegenwert?) als Mindestverzehr ausgelobt ist dafür, daß wir mit Gutscheinen übernachten. Das Zimmer ist übrigens eine geräumige Junior-Suite in einem ruhigen Teil des Hotels.

Nachtrag: Es wurde mal wieder Fisch, ich bin da wohl gerade auf dem Trip. Interessant und liebevoll dekoriert, wohlschmeckend und auch sonst gut. Vielleicht war nur meine Entscheidung, mich in Franken dann auch durch die regionale Brauereikunst zu probieren etwas unpassend.

A Gwand vom Sepp

.. mach aus a jedem an Dressman.

Vorgeschichte: Irgendwann muss man doch mal aufs Örtchen. Und Frauen brauchen da gerne mal länger. Mittlerweile ja schon in Bayern, findet sich ein fast 100seitiges Büchlein in der Gegend, in der offenbar gerne gewartet und dann gestöbert wird. Irgendwo zwischen kitschig – nein, den Erwartungen nostalgischer Traditionalisten entsprechend bis hin zu bavarian Rednecks. Besonders krass die stylischen Jungen Leute in den ach so tollen Posen, das zieht insbesondere der werbemittelgestaltenden Holden die Schuhe aus.
Online finde ich leider nicht die Gruppenfotos aus dem Prospekt. „Festdamen Schützenverein St. Hubertus Gundelshausen“ (natürlich in Sütterlin) und so Sachen, das ist zum schreiend [lachen|davonlaufen].

Achja, das läuft unter „Romantische Nachtwäsche“. Nuff said. TomTom schätzt die Ankunftszeit mittlerweile auf 21:45Uhr

ADAC

Ja, wir haben ihn gebraucht. Nach dem Fahrerwechsel wurde der Fehler ganz deutlich. Leistungseinbrüche, wie wenn beim Roller die Drossel einsetzt oder so. Kein vernünftiges Fahren mehr möglich also zurück zum Autohof, bei dem wir gerade getankt hatten und nach dem Anruf warten auf den gelben Wagen.
Innerhalb einer Stunde wäre jemand da, weswegen ich dann nach 80 Minuten sicherheitshalber nochmal angerufen habe. Fahrer wäre bei der Anfahrt und nach 10 Minuten war er dann auch da.
Ein Franke mit hoher Laufleistung schwang sich aus der gelben Kiste, kramte nach kurzer Fehlerbeschreibung nach seinem Toughbook und – brauchte erstmal selbst Hilfe. Mit der Technik kennt er sich nicht so aus, das Display wäre so dunkel, daß man nichts erkennen könne, ob ich denn Ahnung hätte… Naja, die Funktionstasten waren schnell gefunden, die Icons sind wohl überall gleich.
Schön aufgemacht übrigens die Oberfläche, immer mit Hilfe griffbereit. Nein, unser Franke benötigte sie nicht, aber im Zweifelsfall könnte damit wohl so ziemlich jeder klarkommen. Nice. Nur bekam das Laptop keine Verbindung zum Fehlerspeicher des Audi. Grosses Rumgefummel an den Einstellungen seinerseits. Irgendwann erdreistete ich mich, ihn zu bitten, als Schnittstelle mal die anzuwählen, an der er beim ersten Versuch mit dem Pen knapp vorbeigetippt und somit eine andere gewählt hatte. Und die so bezeichnet war wie die Kiste, die zwischen Laptop und Auto hing, aber das sagte ich nicht laut.
Bingo! Drehzahlmesser. Oder Nockenwellensensor. Oder irgendwas. Sehr hilfreich, so ein Fehlerspeicher. Aber immerhin war der Fehler weg, nachdem er den Stecker vom Nockenwellensensor mit reichlich Kontaktspray behandelt hatte. Einen halben Liter Motoröl gabs noch obendrauf, damit war der Stand dann mittig zwischen Maximum und Minimum. Hatte ich mich heute schon gewundert, wieviel Öl in so ein Auto geht?
Eine Ausfahrt weit begleietet er uns noch zur Sicherheit, dann Abschied per Handzeichen. Uff!
Der TomTom zeigt inzwischen eine geschätzte Ankunftszeit von 21:20 Uhr an. Wenn wir nicht vor 20:00 Uhr einchecken können, sollten wir anrufen. Das hatten wir sicherheitshalber schon in der Wartezeit gemacht, aber so langsam stellt sich die Frage, ob wir noch was zu essen bekommen. Aber das wäre kein Problem, selbst kurz vor zehn würde man noch was Warmes aus der Küche bekommen. Na denn, GAS!

Öl!

Der erste Stop kam dann doch früher als geplant. Nach einem Mordsstau auf der A6, vor dem gewarnt wurde, als wir an der letzten Ausfahrt davor gerade vorbei waren, wunderte die Holde sich über das seltsame Verhalten des Motors. Die Nothaltebucht kam gerade recht. Ich befürchtete schon einen Fresser, obwohl alles gut ausgesehen hatte.
Naja, Ölstand war dann doch gerade noch messbar und der restliche halbe Liter Öl brachte ihn gerade mal so über Minimum. Aua, geht doch viel rein im Vergleich zu einem Motorrad.

Kommunikation bei ATU

Wichtiger Hinweis, wenn man mal schnell bei ATU was erledigen will und die Nummer im Telefonbuch bzw. telefonbuch.de anruft: Wie die fürs Ortsnetz unnötige 01805-Nummer vermuten lässt, landet man in einer überregionalen Zentrale. Und die haben nur bedingt Ahnung.
Termine können sie wohl vergeben (in dem Fall in zwei Wochen), aber wie es vor Ort ausschaut, davon haben sie keine Ahnung. So wie heute.
Vor den 360km gen Franken war mir doch wohler, die Winterreifen runterzumachen. Annettes Hofschrauber war nicht zu erreichen und ich hatte wenig Lust, mich mit den von ATU per Druckluft festgebollerten Radmuttern rumzuplagen. Drum der Anruf bei ATU, ist ja nicht weit weg. Sofort ginge nicht, anderthalb Stunden Wartezeit müsse man kalkulieren. Nein, Termin für in ner Stunde könne man nicht vereinbaren, Termine gäbe es erst wieder in zwei Wochen. Einfach vorbeifahren.
Haben wir getan, nachdem ich die Sommerreifen aus dem Keller in den Kofferraum gewuchtet hatte. Das heißt, ich bin mit dem Piaggio später losgefahren, muß ja nicht auf die Formalitäten warten.
Tja, vor Ort war die Hölle los. Nicht erst seit kurzem, also nach unserem Anruf, sondern schon seit Tagen. So wurden wir dann über die tolle Telefonzentrale aufgeklärt. Abholen am nächsten Morgen wäre machbar. Klar doch. Mist. Die Holde kam als hilfloses Frauchen gut rüber, ich war offen angenervt und als wir die direkte Telefonnummer vom zweiten ATU in der Stadt haben wollten, bewegte sich was. Man könne uns irgendwie dazwischenschieben, wann wir denn das Auto bräuchten. So haben wir 13:30 vereinbart und das hat dann auch geklappt. Sie hatten sogar noch genug Zeit, um einen geringen Ölstand festzustellen. Drum habe ich eben mal ein Viertele vom guten Yacco, das der Tigger einfach nicht verbrauchen will, reingeschüttet. Ölkontrolle nochmal beim ersten Stop, so im Stand bringt das ja eher nichts. Die restliche Dose pack ich mal ein.

Noch ein Kurztrip

Oder: Zurück aus Franzockistan, Teil 2

Annette ist ja ein echter Schatz. Nicht nur, daß sie am Dienstag die für den Vortag angedachte Motorradtour nachholen wollte, nein, es wurde Übernachtungsgepäck mitgenommen. Und weil das dann auch nicht mehr ins Gewicht fällt, gleich für zwei Nächte. Ich kann kein zu hohes Lied über sie singen, denn was für mich, der auch mal eben knapp 800km an einem Tag runterreisst, nix Wildes war, müssen für sie Strapazen gewesen sein, die ich gar nicht wirklich nachvollziehen kann. Wir reden hier von rund 750km in zweieinhalb Tagen.

Zweieinhalb Tage deshalb, der der Dienstagvormittag noch mit Packen und Besorgungen verging. Am Ende gabs sogar noch Mittagessen. Verzögerungen sollten bei der Reise ein ständiger Begleiter werden. Doch dann war Ross und Reiterpaar gewandet und gestärkt. In die Koffer passten sogar noch „zivile“ Schuhe für die Dame. Gefahren wurde in Wanderstiefeln. Und die neue Technik hielt Einzug. Die Gegensprechanlage wurde zwar bald links liegen gelassen, da das Kehlkopfmikro in meinem Crosshelm nicht taugte, dafür war das die erste richtige Tour mit Ansagen des TomTom Rider im Helm. Tres chique, wie die Westnachbarn so sagen.

Doch die neue Technik zeigte auch bald ihre Tücken: Ohne Übersichtskarte erwischte mich der von der Hinterbank geäusserte Wunsch nach einem Eis in Haguenau im falschen Moment. Geradeaus statt rechts abzubiegen, nundenn. Immer den Schildern nach. Doch blöderweise war das eben in dem Moment, als die penibel geplante Umfahrung der strunzlangweiligen Ebene ausnahmweise mal genau Richtung Stadt zeigte. Und so fuhren wir von Woerth aus rein – mitten ins Chaos. Irgendein Markt blockierte die komplette Innenstadt. CDs mit schrecklicher Musik und Billigfummel befüllten den Großteil der Stände, seltsames Volk verstopfte den Rest der Strassen. Ein Eis gabs dann auch irgendwann. Die Aktion dürfte uns anderthalb Stunden Fahrzeit gekostet haben, die uns später gutgetan hätten. Aber Pausen müssen auch sein.

Der tückischen Technik zweiter Teil: Der nächste Wegpunkt lag bei Dossenheim auf der D133 (solche Details schreibe ich für die, die auf einer Karte den Weg nachvollziehen wollen). Routen liess ich mich immer über den schnellsten Weg, was die gewünschten Strecken ergab. Wenn man nicht allzusehr von der Planung abweicht. So aber führte der Rider uns nicht über die unspäktakuläre Route über Bouxwiller, sondern über die feierabendverkehr(?)geplagte D421 und dann wie geplant nördlich um Saverne herum – statt einfach südlich. Tücken der Technik und ihrer Fehlbediener.
Ab Phalsbourg ging dann aber die Kurvenhatz so richtig los zum geplanten Tageshighlight: Rocher de Dabo. Eine alte Kirche, die auf einem riesigen Sandsteinbrocken auf dem Berggipfel erbaut wurde. Sehr nett und vor allem sehr schöne Aussicht.

Da fing dann auch schon die Aussicht auf ein Abendessen und ein Bett an, gut auszusehen. Es war schon nach sechs Uhr abends und nichts in Aussicht. Das änderte sich in der umliegenden Gegend auch nicht. Wir waren völlig außerhalb der Saison. Tagesgerichte vom Vorjahr gabs bei den Aushängen zu bewundern und Ähnliches – aber geschlossen waren die Hotels und Herbergen durch die Bank. Dazu dann noch, daß mich mein Navigationsgerät einen Forstweg hochschickt (Forstwege bzw. Route Forrestiers sind in Frankreich durchaus legitim befahrbar, wenn nicht anderweitig untersagt. Sie sind halt nicht so gepflegt wie „richtige“ Strassen), der zu einer riesigen Kreuzung mit etlichen Wegen führt – allesamt mindestens gesperrt bis unbefahrbar. Ein nachträglicher Blick auf die Karte beim Tippen dieser Zeilen wirft auch die Frage auf, wo das ganze hätte hinführen sollen. Selbst die Eselspfade stellen keine Abkürzung dar, weder zeitlich noch streckenmäßig.

So dann im Schnellgang an den Wasserfällen von Nideck vorbei, wo Annette dann erfuhr, wie es sich anfühlt, wenn die BMW über beide Räder etwas wegrutscht. War aber unkritisch und förderte nur den Zusammenhalt der Fahrzeugbesatzung. N420 und A35 brachten uns dann zügig nach Andlau. Kurze Sichtung vor Ort brachte uns zurück zum ersten Hotel. Kastelberg ist wirklich nett. Nach einer schnellen Dusche konnten wir gerade noch vor Küchenschließung futtern. Annette delektierte sich an dem Elsässer Menü in der Gewissheit, daß ich ihr weder vom Zwiebelkuchen noch vom Huhn was wegesse dank Allergie. Bei mir reichte dafür ein Viertele Riesling zum Fischfilet für reichlich Müdigkeit.

Der zweite Tag begann dann gleich ganz positiv – es gab deftiges Frühstück. In quasi beliebiger Menge vom Buffet mit Ziegenkäse, Salami, Schinken, dunklem Brot, Müsli und allem was stark macht. Das Petit Pain au chocolat ist da bestenfalls Nachtisch. Dazu gab der Wirt noch Streckenvorschläge. Und Gérardmer sollen wir auf jeden Fall mitnehmen, bei schönem Wetter wäre ein Cafe am See wie am Mittelmeer. Dafür würden er und sein 74-jähriger Nachbar da durchaus mal hinfahren.

Zuerst ignorierte ich die Vorschläge aber. Nach St. Martin gings nicht über Villé, sondern über Le Hohwald und Breitenbach. So bekam die Holde dann die schöne Strecke zu sehen, auf der ich mit der CBR den Koffer angeschliffen hatte. Und das gemäßigte Tempo reichte dennoch, um einen alten Boxer, wenn auch gehandicapt mit formatfüllenden Soziusballast, deutlich herzubrennen. In Breitenbach dann noch ein kleiner Abstecher zu dem Campingplatz, an dem wir schon diverse Parties bei Firmenausfahrten gemacht hatten.

Col de Steige, Col de Urbeis – eine malerische Gegend. Bei la Petite-Fosse dann ein Abstecher zum Hotel-Restaurant Spitzemberg, das uns der Wirt auch empfohlen hatte. Aber trotz Mittagszeit und regem Betrieb gabs für uns mangels Hunger und Zeit nur flüssige Erfrischungen.

St. Dié-des-Vosges hätte ich weiträumiger umfahren sollen. Damit ist über dieses verkehrsüberlsatete Kaff alles gesagt.
So ging es dann die D31 südwärts, um „hintenrum“ über die Vallee de Gradges aka D423 in Gérardmer einzufallen. Und gleich wieder rauszufallen. Ich hatte das Mittelmeer anders in Erinnerung. Es lag nicht nur am mittlerweile etwas trüberen Wetter, daß dieser Ort als „Wintersportkaff mit erschreckend viel Verkehr“ abgespeichert wird.
Die Auffahrt zum Col de la Schlucht war dann auch noch gesperrt – dafür gab es dann eine reizvolle Nebenstrecke. Oben dann Schneereste, üble Wintersportbauten und ein motorradfreundliches Restaurant. Das besuchten wir aber nur zum Wasserlassen, Müsliriegel reichen mir tagsüber und die Sozia hat sich nicht beklagt.
Die Routes des Cretes drohte damit, gesperrt zu sein. Allerdings war das bekannte weiße runde Schild mit dem roten Ring drumrum mit viel Text verziert, dem ich unterstellte, daß er Weiterfahrt auf eigenes Risiko nicht verbiete. Also einem Auto hinterher und mal kucken, was geht, die ersten 6km sollten eh frei sein.
In der Tat wurde hemmungslos, aber nicht zu zahlreich durchgefahren. Ein bißchen Rollsplit vom Winter noch, gelegentlich ein Frostaufbruch, dafür aber durchaus auch mal über 2m Schnee am Wegesrand, dazu die grandiose Aussicht. Dafür wäre ich wohl auch um eine geschlossene Schranke rumenduriert. Gekrönt wurde das ganze vom Grand Ballon. Coke für den Fahrer und ein geteilter Blaubeerkuchen (die Sozia erzählte schon seit Tagen andächtig von Blaubeerpfannkuchen) für horrendes Geld vom lokalen Touristennepper versüssten das Päuschen dort.
Die Route verliert sich irgendwo bei Cernay und wir sind dann über die Schnellstrasse nach Thann rein. Thann. Häuser. Viele Thannhäuser. (Sorry, der musste sein.) Aber wenig Hotels. Zumindest keine abseits der reichlich genutzten Hauptverkehrsstrasse, die von dieser aus wie sonst üblich per Hinweisschild zu finden gewesen wären. Bis Willer trug es uns wieder hinaus, dann haben wir uns in die Büsche geschlagen. Wenigstens gabs Sprit in dem Moloch.
Die Büsche jedoch, so hatte uns ja der Vorabend gelehrt, sind nicht unbedingt wohnlich. Keine Hotels und schon gar keine offenen, was wir ja in Thann vermeiden wollten. So landeten wir über Goldbach wieder auf der Route de Cretes. Die kannten wir ja schon und unseren Wunsch, nicht zu viel doppelt zu fahren, unterstützte auch die biestige Technik. Das angepeilte Ziel Guebwiller sollte über eine Strasse durch Rimbach erreicht werden. Nach 3km holprigstem Waldweg mit Schotter, Wurzeln und allem, was nervt wurde die Enduroeinlage beendet. Was der Rider als befahrbaren Weg ansah, war auf der Papierkarte nur ein schwarzer Strich, also die niedrigste Kategorie Weg, die man überhaupt noch einzeichnete.
Kurz vorm erneuten Erreichen des Grand Ballon lernten wir dann, daß „Auberge“ nicht unbedingt Übernachtungsmöglichkeit heißt. Und das, wo es aus der Küche so gut roch! Bis le Markstein mussten wir die Route zurückfahren, um dann in das Lauchtal einzuschwenken. Immerhin brachte uns jeder Kilometer, den wir bei der Suche fuhren, auch wieder näher an die Heimat, was der Rückfahrt am Folgetag noch zugute kommen sollte.

In Linthal an der D430 wurden wir dann fündig. Und wie! Wie sich später rausstellte besteht das Hotel aus 3 Zimmern mit 6 Betten und dem Restaurant; das Personal aus einem Ehepaar. Wie man es schafft, mitten im Wald nicht nur eine umfangreiche Speisekarte auf den Tisch zu legen, sondern auch ohne mit der Wimper zu zucken jedes beliebige Gericht daraus frisch auf den Tisch zu zaubern, wird mir ein Rätsel bleiben. Wir waren die einzigen Gäste soweit wir sehen konnten. Das Spanferkel vom Tagesmenü, das Annette genoß, hatte sie beim Einchecken in der Küche gesehen – wie es gerade vorbereitet wird. Die Küche war übrigens sehr korsisch geprägt, da der Koch ein großer Fan der Insel ist. Ich hatte eine Art Gulasch und den vom Chef empfohlenen Rotwein. So war dann zumindest kulinarisch der allererste Urlaubsplan doch wieder erfüllt, denn es sollte ja ursprünglich nach Korsika gehen. Sehr herzlich, das ganze, mit leckerem wenn auch französischem Frühstück. Da wäre die Salami- und Schinkenplatte, die ich abends als Vorspeise hatte, wieder willkommen gewesen.
(Achtung Werbung! Wen es interessiert: Auberge Lamoriniere, 17 rue du Markstein, F68610 Linthal, 03 89 74 04 00)
Die Fahrt begann dann prächtigst. Ohne Klagen von der Hinterbank ging es recht zügig die D40 hoch zum Col du Firstplan. Durch Munster (ja, das mit dem Käse!) durch wieder Richtung Col de la Schlucht, dann aber wieder durch die Prärie nordwärts am Lac Blanc vorbei über den Col du Calvaire zum Nordende der Route de Cretes und „quer“ über den Col du Bonhomme runter nach Ste. Marie-aux-Mines. Ein malerischer Ort. So malerisch wie ein abgehalfterter Bergwerksort sein kann. Aber zum Glück nicht so nah am Verkehrsinfarkt wie St. Die oder Thann in den Tagen davor.
Der Schlenker gen Rheintal endete in Lièpvre, wo Kurs auf den Col de Fouchy genommen wurde. Auf der Paßhöhe eine knappe Stunde Mittagspause in der Mittagssonne für die, die einen Sonnenbrand wollten. Ab Villé dann die vom Wirt in Andlau vorgeschlagene Strecke, die für die Gegend wirklich nett war.
In Barr dann die erste ernsthafte Begegnung des Tages mit dem neuen Franzosenhobby: Strassenbau. Überall buddeln die rum. Und in Barr auch noch mit nicht ganz eindeutiger Umleitung, die einem erst mal im Kreis rumschickt. Nach der Baustelle ging es dann aber ganz gut hoch zum Mont Ste. Odile, dem eigentlichen Tageshighlight. Und wider Erwarten einer Riesenbaustelle. Da war das Kloster schon etwas weniger besinnlich. Wen es interessiert: Odile war im Jahre 10xx eine blind geborene Adelstochter, die bei der Taufe das Augenlicht erlangte (Ein Wunder!) und somit von ihren Eltern als Dank an Gott ein Kloster auf dem nun nach ihr benannten Berg gebaut bekam, in das sie sodann gesteckt wurde. Heute ist es ein Wallfahrtsort (mit Quelle, klar), hauptsächlich für (wer hätte es gadacht?) Leute mit Augenleiden. Weniger Gläubige genießen einfach die großartige Aussicht auf die Rheinebene, wenn es nicht allzu diesig ist.
Bei Molsheim ließen wir den Wald entgültig hinter uns. Die Route du Vin sollte noch ein wenig versöhnlich sein, beglückte uns aber mit 4 Baustellen auf 16km. Ab Wasselone dann quer durch die Ebene Richtung Brumath. Keine tolle Idee per se, aber den Bogen durch den Norden hätten wir an dem Tag nicht geschafft. Annette war eh am Ende ihrer Belastbarkeit und die langweilige Gegend half da nicht. So zog es nach Bischwiller auf die Autobahn, da die Blase zu drücken begann und der Einkauf beim Aldi France in Sessenheim keine Priorität mehr hatte.
Zum ersten Mal auf der Tour musste ich dann auf Reserve schalten. Immer ein ungutes Gefühl in einem Land, in dem man nicht an jeder Tanke Sprit bekommt ohne französische Kreditkarte. Zumal auf der Autobahn der Verbrauch höher ist und somit die bisherige Reichweite trügerisch sein kann.
So verhieß ein Schild mit der Aufschrift „Airie“ (oder so ähnlich, ich kann die Sprache wie gesagt nicht) neuen Lebenssaft für den Eintopf. Jedenfalls versprach es das immer bei Strasbourg an einer Stelle, an der mir irgendwie immer der Sprit knapp wurde. Allerdings ist es nicht mit der bundesdeutschen Tank- und Rastanlage vergleichbar. Es kann auch nur eine Rastanlage sein wie im vorliegenden Fall. Aber auch gut. Das Häuschen war verlockend und auf dem Parkplatz stand ein kleiner Imbißwagen. Annette aß sogar Pommes während ich mit einem Rudel Merguez im Baguette einen ganz passablen Abschied von der französischen Küche nahm.
Rheinüberquerung dann über die kleine ehemalige Eisenbahnbrücke zwischen Beinheim und Wintersdorf. Die Umfahrung von Rastatt fiel wegen Spritmangel aus, wir mussten mitten durch. Und haben an der ersten greifbaren Tanke etwa 0,4l weniger Sprit gefasst, als in den Tank reingeht. Uff!
Die B36 nach Karlsruhe war dann reine Routine. Motorrad abrödeln, Kleinigkeit essen, Bad und Bett… irgendwie spürt man dann doch eine gewisse Anstrengung, auch wenn ich nochmal locker 250km abreissen könnte.

Schwarzer Peter

Ich hatte ja hier schon angedroht, von meinen Errungenschaften zu berrichten. Unter www.rhoener-bier.de wird zwar derzeit nur auf die Bionade verwiesen, aber die Privatbrauerei Peter braut auch wieder alkoholisch. Und mit Bio-Siegel. Somit ist das Bier bei 79ct/0,33l im Alnatura kein Schnäppchen ala Oettinger vom Walmart, aber durchaus lecker. Zumindest „Schwarzer Peter“, das Schwarzbier des Hauses. schwarzerpeterDas Pils werde ich noch testen.
Von den Biermixgetränken werde ich Abstand halten. Außer dem klassischen Radler bin ich da ja eh kein Fan von und meine Lieblingsbionade Ingwer-Orange wird auch nicht gemixt angeboten.

Jaja, der Peter und Bio-Bier, jetzt wirds seltsam… Zumal ich in letzter Zeit eher Wein trinke. Keine Kohlensäureeruptionen aus den Tiefen des Magens und der bevorzugte Rotwein braucht keine Kühlung.