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Mal wieder die nette Nachbarschaft

Es ist ja ein alter Hut, daß die Bewohner dieses Hauses gerne auf tolles nachbarschaftliches Verhältnis machen. Speziell die Alteingesessenen. Oder sollte ich sagen die Alten und die vermeintlich eingesessen Habenden? Egal, alles nur vordergründig, hintenrum hetzt jeder von denen gegen jeden.

Bezeichnend auch, daß ausreichend vielen Nachbarn das Meiste am Allerwertesten vorbeigeht. So ist zum Beispiel die Kellertür seltenst abgeschlossen und das Hoftor gerne mal in der offenen Position verriegelt, auf daß es nicht zufällt.

Nun gab es wohl die Quittung dafür.

Lt. Aushang der Polizei seit heute an der Außenseite des Hoftores wurde irgendwann zwischen dem 21.02. und dem 26.02. in Räume unseres Kellers eingebrochen, weswegen die Polizei Hinweise sucht. Schön.

Auf der Innenseite des Hoftores ein weiterer Aushang. Der Unterzeichner ist mir nicht mal dem Namen nach bekannt, geht aber dafür umso deutlicher auf das offene Wesen (was Türen anbelangt) der Hausbewohner ein. Datiert ist dieses Schreiben auf den 27.02. und hing gestern abend aber noch nicht aus.

Schön. Wie damals, als die Gülle vom kaputten Abwasserkanal im Keller stand, hält es niemand für nötig, uns zu informieren. Zugegeben, eine Überprüfung unseres Kellerraumes ergab keine offensichtlichen Einbruchsspuren und keine fehlenden Gegenstände. Wo das wohl garnicht mal so billige Fahrrad des Mitbewohner stehenblieb, hat auch keiner gebrauchte Motorradteile in schäbigen Kartons mitgenommen. Aber dennoch, die Tür ist manipuliert worden. Ich werde mal ein Foto machen und hier mit reinhängen. Jedenfalls sind die Nägel, mit denen die Beschläge am Türrahmen befestigt sind, derart manipuliert, daß es zwar nicht auffällt, man aber den Beschlag leicht abnehmen kann und so in Sekundenschnelle ohne Schlüssel die Tür öffnet.

Mal sehen, was der Baumarkt so hergibt, aber mein freier Tag ist auch so schon wieder ausgebucht.

Wenigstens hat sich jemand erbarmt und ist nach nur anderthalb Tagen der Schneeräumpflicht eines anderen Nachbarn nachgekommen. Ich konnte nicht, weil ich arbeiten war und wollte nicht, weil ich schon mehr geschippt habe als die ansonsten recht leere Liste an Spalten für diese Wohnung parat hält.

Motorrad-Gruß

Nichts besonderes. Motorradfahrer grüßen sich nunmal oft, wenn sie sich begegnen. Ein kleines Handzeichen meist, nichts überschwengliches. Manchmal auch mit „internationalen Grußzeichen“.

Aber wie kommt es zustande, daß an einer Ampel zwei im Winkel von 90° zueinander stehende Motorradfahrer wohl quasi zeitgleich gleiches denkend sich einen hochgestreckten Daumen zeigen?

Am Motorrad nicht, könnte man denken. Schließlich fahre ich sowas wie einen Golf GTI unter den Motorrädern und keinen exotischen Oldtimer.

Aber ich habe heute das vierte dieser Motorräder mit diesem speziellen Farbschema gesehen. Zwei davon gehör(t)en mir.

Schwergewichts-Racing

Nicht nett, das Wetter, das mich am Bahnhof begrüßt, als ich aus Fulda zurückkomme. Denn statt wie dort am Boden liegend bereits kräftig wieder zu tauen fällt er als übler Nieselschnee gerade frisch runter. Doch die Wartezeit scheint sich in Grenzen zu halten. Der KVV hat keine technischen Wunder gescheut und läßt die Abfahrtszeit der Bahnen elektronisch an ausgewählten Haltestellen anzeigen. Kein schnöder Fahrplan, der mit einer Uhr gekoppelt ist, sondern tatsächlich mit Sendern und Sensoren, die dem System mitteilen, wo die Bahn wirklich aktuell gerade steckt.

Genial.

Und spannend.

Linie 6: 4min
Linie 2: 4min

Ok, daß zwei Bahnen innerhalb einer Minute am selben Bahnsteig abfahren können, soll vorkommen. Aber am Hauptbahnhof mit quasi komplettem Fahrgastaustausch? Das wird spannend!

Linie 6: 2min
Linie 2: 3min

Ok, jetzt ist zumindest klar, wer vorne liegt.

Linie 6: 2min
Linie 2: 1min

Was war passiert? Keine Ahnung. Ich war abgelenkt. Eine nette junge Dame mit deutlichem osteuropäischem Akzent war auf der Suche nach dem richtigen Bahnsteig der Linie 4. Straßenbahn 4, nicht Stadtbahn S4. Sie bekam natürlich die posertypische Teilantwort. „Da drüben, da wo die schwarze 4 auf gelbem Grund ist.“ Nein, der nicht ausgesprochene Teil lautete nicht „Du doof, lern lesen!“ sondern eher „… und nicht die weiße 4 auf rotem Grund, das ist die Stadtbahn.“ Naja, so wird das nix mit dem Nettsein.

Linie 6: sofort
Linie 2: 1min

Mal abgesehen davon, daß ich bei einer solchen Aussage und einer Passagieraustauschzeit von locker einer Minute gerne mal die Bahn, die sofort abfahren soll, zumindest gerne sehen würde, mach ich mir langsam Gedanken. Weit außerhalb der Sichtweite treffen die Bahnen sich aus verschiedenen Richtungen an einer Kreuzung. Das löscht die Bilder von riesigen Lastzügen, die sich auf einer zweispurigen Straße ein mühsames Rennen liefern. Denn es gibt auch nur ein Gleis in diese Richtung.

Spielt nun die Ampelschaltung dem Bahnfrühwarnsystem einen Streich? Immerhin sind seit der Aussage „in 4min“ schon 6 Minuten vergangen. Kann ich aber bei der Karlsruher Maxime, daß sich jeglicher Verkehr der Bahn unterzuordnen hat, inklusive der Fußgänger, die eben jene Bahn erreichen wollen, um Fahrgäste zu werden, nicht wirklich glauben. Genausowenig kann es sein, daß der Hauptbahnhof die andere Sorte ausgewählter Haltepunkte darstellt: Die, an denen doch einfach nur das Kursbuch zeitgesteuert heruntergebetet wird. Das würde die Sprünge und Differenzen nicht erklären.

Ich lasse mich überraschen. Von der Linie 2, die um die Ecke kommt.

Linie 6: sofort
Linie 2: 2min

Vielleicht ist ja nur der Transponder falsch eingestellt. Ich fahr jedenfalls heim.

Eine Lebenszeit geht zuende

„Die Mailadresse für ihr ganzes Leben“ oder so ähnlich, so hat damals die Post geworben. Eine kostenlose eMail-Adresse konnte man sich holen. Jetzt schnell, solange Einprägsames wie vorname.nachname@epost.de noch frei ist. War ja schließlich damals echt die Hölle mit den ständig wechselnden Adressen, die sich keiner merken konnte. Angeblich.
Und eine schöne neue Welt sollte es werden. Etwas, was man später neudeutsch „Integrated Messaging“ nennen sollte, nur noch extremer. Schließlich weiß Yahoo! zum Beispiel ja garnicht erst, daß in der zuständigen Paketstelle eine Sendung eingetroffen ist, die nun am nächstbesten Arbeitstag ausgeliefert werden soll. Ich freute mich schon auf Mails wie „Soeben wurde ein Paket für Sie dem Zusteller übergeben. Er wird dies heute zu der gewohnten Uhrzeit [also irgendwann zwischen 10:00 und 17:00, danke, sehr hilfreich, Anm. d. Red.] zustellen“. Vielleicht noch gleich mit einem tollen Automailerservice? „Hallo Chef, ich komm heut nicht zur Arbeit, ich bekomme irgendwann ein Paket.“ Naja, jetzt nicht übertreiben.

Doch dann begann der Verfall.
Weiter kostenlos epost nutzen? Gerne, kein Problem.
Aber pop/smtp kostet. Ok, mit dem Webinterface kann ich leben.
Spamfilter kostet aber! Gut, Spam bekam ich eh nie an diese wohlbehütete Adresse. Der kam erst, als ich kein Schutzgeld äh nicht für einen Spamfilter bezahlte.
Automatische Mailweiterleitung? Für Geld kein Problem.
Von langen Haltezeiten und begrenzter Mailanzahl reden wir nicht, das braucht ja kein Problem sein. Schade nur, daß von den vielen ursprünglich in Aussicht gestellten Features kein einziges je implementiert wurde. Auch nicht für Geld und schon garnicht für gute Worte.

Und was grinst mich der Tage an, als ich zugegeben nach etwas längerer Zeit mal wieder reinschaue? epost macht zu. Aber man könne kostenlos zu Lycos abwandern. Schön, denke ich mir, ob jetzt die Post meine Adresse hostet oder Lycos… doch was hat es mit diesem Vermerk auf sich? „Kostenlose Mailweiterleitung bis zum 28.02.“?

Ja genau. Man bekommt eine neue Adresse bei Lycos. Aus die Maus mit vorname.nachname@epost.de

Ende des Monats werde ich wohl besonders vorsichtig sein. Nicht daß die Post noch wenigstens eines ihrer Versprechen einlösen will. „Ein ganzes Leben lang eine Mailadresse“ – wo ich doch schon seit Monaten kostenlos und ohne meine Adressdetails preiszugeben 1GB Speicherplatz bei GMail habe.

Nachtrag: Inzwischen hat sich der Name eh geändert und ich habe meine eigene Domain. Passt schon. Irgendwie.

WG-Freuden

Falls ich es noch nicht habe durchblicken lassen: Ich wohne in einer Dreier-WG. Das ist an und für sich ne feine Sache. Man hat Unterhaltung, kann was gemeinsam unternehmen und ist selten alleine. So viel zu einem der beiden Mitbewohner.

Der andere sorgt auch dafür, daß mir nie langweilig wird. Sei es durch Hinterherputzen oder ordentliches Aufregen, weil ich eben auf ersteres keine Lust mehr habe. Er kann den Vorteil einer Dreier-WG nicht nutzen, es ist recht eindeutig, wer jeweils der Verursacher eines jeden Ungemachs ist. Dafür habe ich einen kleinen Vorteil. Ich kann mich hier auskotzen, ohne daß er mich dafür belangen kann. Es sei denn, er zieht sich den Schuh an. Sieht man gerade mein feistes Grinsen?

Wieso ich gerade drauf komme? Nunja, weil sich gerade ein passendes Beispiel ereignet hat. Und um am Vorabend des neuen Jahres quasi als Guten Vorsatz hier zu geloben, daß ich ihm nach Jahren endlich mal auf die Fresse hauen werde, wenn er sich nicht bessert. So wahr mir der Staatsanwalt aus diesen Zeilen hier einen Strick drehen wird.

Silvester ist heuer wieder von extremer Lustlosigkeit geprägt. Wenn ich mir vom Datum vorschreiben lasse, wann ich zu feiern habe, dann kann ich ja gleich mich der organisierten Fröhlichkeit, auch Rheinischer Karneval genannt, hingeben. No fucking way. Auf ein letztjähriges Dinner for One (inklusive Verfolgung jeder Ausstrahlung eben dieses Fernehstückes in den Dritten Programmen) mit selbst zubereiteten Leckereien hatte ich keine Lust. Und irgendwie alles verpeilt. So blieb es bei improvisierter Bruscietta zu frisch aufgebackenem Vinschgauer Anis-Kümmel-Brot, Antipasti (die zufällig noch im Kühlschrank lagen) und, weil es ja gemischt sein darf, schwäbischem Rotwein. Bodenständig, aber lecker und ohne großen Aufwand. Daß ich dazu mit Anzugshose und Hemd im leidlich aufgeräumten Zimmer sitze während vom mp3-Rechner Reggae läuft, versteht wahrscheinlich nicht mal, wer mich persönlich kennt. Ist so. Wird nachher gekrönt von kubanischem Tabak, der in der Dominikanischen Republik aufgezogen wurde.

Achso, ich drifte ab? Nicht wirklich, schließlich bedingt auch minimaler Kochaufwand, daß man die Küche betritt. Welche ein Mitbewohner quasi auf der Durchreise heimgesucht hat. Nicht daß sie zuvor blitzeblank gewesen wäre, aber das Zubereiten und Vertilgen eines Salates reicht bei ihm aus, um Salatbrocken auf den Fliesen breitzutreten, einen Topf (hartgekochte Eier!) unzureichend abzuspülen, den Herd erst einzusauen und dann durch vermeintliches Putzen den Schmutz gleichmäßig zu verteilen und um Milch(?)-Pfützen im Spülbecken zu hinterlassen. Ich denke, die Salatfitzelchen auf der Arbeitsplatte sind auch nicht von mir.

Da macht die Küchenbenutzung doch gleich Spaß. So bilden sich Vorsätze zum Jahreswechsel.

Auf zur zweiten Hälfte der Rotweinflasche! Und wenn ich doch mal längere Zeit nichts schreibe, sitze ich wohl ein. Naja.

Wünsche zum Jahresende

Nein, nicht von mir, ich spar mir das.

Aber wenn der Chinese mit kulturtypischem Sprachproblem einem zum Mittagessen noch einen Guten Rutsch wünscht, klingt das ilgendwie schwul.

Nachtschicht

Mal wieder was zum eigentlichen Thema des Logs.

Dinge gibt es ja, da macht sich der Laie keine Vorstellung von. Oder schonmal dran gedacht, wie es ist, wenn man nach einem Tag im Laden im tollsten postWeihnachtsgeschäft (und in unserer Branche werden eher nach Weihnachten Geld- und Gutscheingeschenke verfeuert als vorher groß eingekauft) und schöner Putzaktion wohlig erschöpft den Laden abschließen will und sich die Alarmanlage nicht scharfschalten läßt?

Kurzer Blick auf den Kasten führt zu Ratlosigkeit. Chef anrufen? Klar, aber der ist nicht erreichbar. Dafür darf sein Anrufbeantworter wiederholt ackern. Gebietsleiter? Im Urlaub. Sicherheitsfirma? Ratlos. Technischer Kundendienst der Anlage? Noch ratloser. Geschäftsführer? Hat sein Handy um inzwischen 22:00 auch aus.

Klarer Fall. Ungesichert, wenn auch abgeschlossen, bleibt der Laden nicht alleine. Dante-Mode. I am not even supposed to be here tonight!

Doch das kann ja ein flexibles Team nicht schocken. Die Kollegin holt von der nahegelegenen Verwandschaft eine DVD, Tee aufsetzen, DVD-Player aus dem Kinderkino plündern und an den Fernseher, der im Eingangsbereich üblicherweise vom Videorekorder endlos Werbefilmchen zeigt angeschlossen, Campingstühle aufgebaut (natürlich die mit der Fußstütze) und dann soll nochmal wer behaupten, die Extended Version von „Lord of the Rings – Return of the King“ wäre zu lange.

Ist sie. Der Rückruf des Chefs eine knappe Stunde nach Filmbeginn ist seltsamerweise nicht wirklich erlösend. Gerade weil er das Alarmanlagenproblem löst. Wo es doch diesmal deutlich angenehmer war als beim letzten Mal vor Jahren im Kassentresen auf der Luftmatratze mit randalierenden Punks vor der Tür.

Rehrücken

Nicht so laut wie Stühlerücken

(aus der Reihe: Unser schönes Weihnachtsfest)

Rudi das faule Rentier

Oder so ähnlich. Keine Angst, das wird nicht wirklich eine Weihnachtsgeschichte.

Jedes Jahr am Heiligmittag das selbe. Und doch jedesmal anders. Auf dem Parkplatz eines Ausflugrestaurants in der Nähe, der einer größeren Anzahl Motorradfahrern als Wanderern als Treffpunkt bekannt ist, versammeln sich mal mehr mal weniger große Gruppen von angenehm Verrückten. Und das Wetter hatte in den letzten Jahren auch einiges zu bieten. Neuschnee mit Streuwagen-Verfolgungsfahrt, laues Lüftchen und Sonnenschein, Tauwetter und seit diesem Jahr auch ekligen Regen wechselnder Intensität.

Aber ich war ja im Trockenen.

Doch der Reihe nach. Da mein Motorrad immer noch teilzerlegt und arg reparaturbedürftig in der Garage steht (Ich würde ja auf den Eintrag hier verweisen, hätte ich damals schon dieses Blog gehabt. Andererseits waren die ersten Schilderungen meiner Bastelabenteuer auf Mailinglisten auch ein Stein in der Waagschale proBlog. Aber zurück zum Thema.) und ich unbedingt standesgemäß zweirädrig auftauchen wollte, musste mein kleiner Roller für den Innenstadtverkehr auf große Tour. Entsprechend der humorvollen Einstellung der Versammelten aufgehübscht. Schließlich sieht man dort komplette dekorierte Weihnachtsbäume in Gespannbeiwagen, Nikolausmäntel und -mützen allenthalben, weihnachtlich geschmückte Motorräder und so weiter.

Die Idee von Rudi dem Rentier (Rollertier?) war geboren.

Rudi, das Rollertier mit der roten Nase

Rudi, das Rollertier mit der roten Nase

Voll reisetauglich mit GPS und Thermoskanister voll Eintopf

Voll reisetauglich mit GPS und Thermoskanister voll Eintopf

Aber Rudi glänzte mit Leistungsverweigerung. Vielleicht war der Kanister mit dem Eintopf zu schwer. Hektisches Umsteigen ins Auto und am Ziel angekommen fiel mir direkt auf, was noch peinlicher ist, als auf diese Art anzureisen: Mit voller Thermomontur auszusteigen, als wolle man den Eindruck erwecken, man wäre als ganz Harter einspurig angereist.

War aber doch noch lustig. Familienstreß gabs später.

Und zwei neue Erkenntnisse fürs Blog: Nie eine lange Pause beim Schreiben machen, am Ende weiß ich sonst nicht mehr, worauf ich rauswollte. Und irgendwie ist das mit den Bildern nicht so einfach. Irgendwie ist nach den Bildern die Schrift anders und ich krieg nicht raus, warum.

Nachtrag: Das Problem mit dem Schriftbild hatte sich mit WordPress schnell erledigt

Jeden Penny wert

… war die DVD, die ich heute gekauft habe. Beziehungsweise die Show dabei. Zumindest wenn es sich dabei um einen relativ wertfreien Penny handelt wie den, in dem ich sie gekauft habe.

Wie erwartet liegen DVDs bei solchen Angeboten nicht im Markt aus, sondern man erhält sie an der Kasse. Prinzipiell auch ok, wenn die dort auch sichtbar sind. Und da hegte ich ja in dem kleinen Innenstadtsiffladen wenig Hoffnung, aber vor der Arbeit reichte mir die Zeit nicht, um die neue schöne saubere (vergleichsweise…) Stammfiliale auf der Grünen Wiese heimzusuchen. Immerhin gelang es mir vor der hektischen Ansage der Kaufsumme des sonstigen Einkaufs, mein Begehr zu äußern.

Aus den Tiefen des Krimskrams, der im Kassentresen rumvegetierte, angelte daraufhin die bemühte Verkäuferin, naja, eigentlich nur Kassiererin, eine Karton hervor. Frisch geöffnet und noch vollgestopft mit DVDs. Natürlich so reingepackt, daß man nicht erkennen konnte, welche.

„Ist sie noch dabei?“

„Wohl schon“ dachte ich mir, fehlen ja noch keine. In Anbetracht der ellenlangen Schlange einigten wir uns fix, daß ich die bereits gescannten Artikel direkt zahle, mir dann in Ruhe meine DVD ausgrabe und direkt zahlen darf, immerhin, aber eigentlich auch natürlich ohne nochmal anzustehen.

Blöde Idee.

Der ältere Herr hinter mir hatte nichts auf dem Band liegen. Wohl zum Ausgleich dafür, daß er zuvor seine Einkäufe auf dem Band hatte verweisen lassen und einfach nach Hause ging, um seine vergessene Geldbörse zu holen. Dies führte wohl zu erheblichen Mißverständnissen und wüsten Stornoorgien, wie ich den bruchstückhaft schimpfend vor sich hergemurmelten Schilderungen der jetzt noch weniger gut gelaunten Kassiererin entnahm.

Aber er war steigerungsfähig. Sein Einkauf wäre das, was da hinter der Kassiererin läge. Die hat das dann brav und flink eingescannt. Zu flink für unseren Geriatrie-Flüchtling.

„Die Rosinen sind aber nicht mir! Und ach, ne Packung Milch hätt ich noch gebraucht…“

Schlagartig sinkt die harmonisch-hektische gute Laune von geschätzten zwölf Leuten dramatisch. Jeder ist sich wohl des sich anbahnenden Dramas bewußt.

„Stornoschlüssel!“

Ja, nach dem darf die kompetenzbeschnittene Standardkassiererin eines Discounters erstmal rufen. Oder klingeln. Gerne auch beides und wiederholt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Chefin/Schichtleiterin/Oberkassiererin/wasauchimmer schaffte es diesmal, ganze sieben grob gestoppte Minuten ihr Erscheinen hinauszuzögern.

Aber irgendwie habe ich es doch noch pünktlich in den eigenen Laden geschafft und war bei der Arbeit auf irgendeine seltsame Art glücklich.

Handlungsfreiräume seitens des Arbeitgebers sind doch was Feines.

Und vielleicht hat unser Held auch inzwischen erfolgreich Milch erworben und muß nicht mehr im Dreißigsekundentakt vor sich hinbrummeln, daß er ja noch nen Packen bräuchte.