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Anderes plattes Land

Obwohl die Überschrift täuscht. Hier würde ich durchaus auch Motorrad fahren. Im Bild die Aussicht seit gestern. Die nicht sichtbaren Kühe sind aber zu hören.

Schulter ist besser, aber das gibt sicher noch lange Theater. Ist ja nicht das erste mal.

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Landungsküste und Bayeux

Ziel des heutigen Tages war die Verlegung in die Nähe von Bayeux, wo wir die nächsten Tage uns der Landungsküste und der mittealterlich-normannischen Geschichte widmen wollen. Erstere beginnt quasi am Wegesrand der Verlegungsfahrt, deshalb gab es heute schon ein wenig D-Day-Programm.

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Eingetrübt

Nicht das Wetter, sondern die Aussicht: Meine linke Schulter schmerzt seit gestern wieder mal, diesmal wieder heftiger. Das offene Autofenster kann den Verdacht nicht von sich weisen.

Honfleur und die Badestrände

Nach einem weiteren Frühstück mit Geplauder in der herrlichen Unterkunft brachen wir heute morgen relativ zeitig auf, um zuerst zum ca. 30km vom L’Escapade entfernten Honfleur aufzuschlagen. Das ist ein kleines Hafenstädtchen an der Seinemündung gegenüber von Le Havre.

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Immer noch plattes Land

Die Aussicht von unserem Badezimmerfenster. Dürfte alles sagen. Inklusive Wettermeldung.

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Schlossbesichtigung

Heute soll das Wetter sonnig und geradezu heiß werden. Vielleicht ein guter Strandtag? Peter wiegelt ab, er hat für heute die von mir so dringend gewünschte Schloßbesichtigung von Champ de Bataille gelistet, tja dann … Frederice, die zu den landesüblichen Croissants und Baguette mit selbst gemachter Marmelade und Joghurt auch ein hausgemachtes Küchlein für jeden bereit hält, bestätigt diese Wahl. Der malerische Ort Le Bec-Hellouin läge da auch auf dem Weg, den sollten wir nicht verpassen.

In einer knappen 3/4 Stunde durchs Hinterland erreichen wir das Schloß. Wo aber ist der Besucherparkplatz. Unschlüssig stellen wir das Auto neben einem Waldweg ab – hier ist es wenigstens kühl. Dann latschen wir zur Orientierung die paar Meter vor zum Schloss. ÖFFNUNGSZEITEN: 10:00 – 18:00 und zwar der GARTEN. Das Schloss selbst öffnet seine Pforten erst ab 14:00! Hätte man vielleicht auch zuhause im Internet recherchieren können? HättehättePerlenkette. Vier Stunden in der Sommerhitze im Park rumstapfen kommt nicht in die Louis Vuitton Tasche! Sicherheitshalber werfen wir einen Blick auf das Schlossrestaurant, das zur Mittagszeit aber auch nichts von Interesse zu bieten hat.

Plan B kommt ins Spiel. In der Nähe von Champ de Bataille soll es nämlich auch eine lohnende Burg aus dem 11. Jahrhundert geben. Peter programmiert das Garmin um und wir fahren weiter zur Burg Harcourt. Diese liegt in einem Arboretum, also einem Wald mit exotischen Bäumen, was natürlich extra kostet, auch wenn wir einen (kleinen) Mammutbaum sogar zuhause vor unserer Hintertüre haben. Die Burg selbst ist schnell besichtigt. Sie hat 3 Stockwerke mit ein paar Infotafeln auf französisch und eine Vorburg mit Zugbrücke. Zum Glück habe ich ein deutsches Prospekt zum Ticket mitbekommen, damit ich auch ein bischen mitlesen kann. Das Arboretum gibt für unser Wilhelma-verwöhntes Auge nicht viel her. Lustlos wandern wir eine Weile darin herum. Für Kinder, die ja gerade Sommerferien in Frankreich haben, sind ein paar Spiele aufgebaut, da scheint eine Art Pfadfinderfreizeit stattzufinden.

Zur Mittagszeit könnte man ja immerhin im Ort einkehren, dann hat man auch noch ein wenig Zeit totgeschlagen, bis sich die Pforten von Champ de Bataille auftun. Doch der Ort gibt auch nicht viel her. Wir erinnern uns an die Empfehlung von Frederice und machen uns auf den Weg nach Le Bec-Hellouin, das uns zwar ebenfalls nicht vom Hocker reist, aber wenigstens ein paar Restaurants zur Auswahl hat. Peter möchte partout in ein Creperie und bekommt seinen Willen. Gerade noch so erhalten wir ein Mittagessen – der Franzose ist ein Frühesser und hat für den späten Touristen nichts als Verachtung übrig.

Satt aber bildungshungrig können wir endlich zurück nach Champ de Bataille und finden diesmal sofort den Besucherparkplatz (in der prallen Sonne).

Da Annette seit Wochen nicht mehr an dem Artikel geschrieben hat, bringe ich (Peter) ihn ab hier zu einem Ende. Damit wäre auch der letzte Tagesbericht fertig.

Der Schloßgarten ist zwar recht groß und geometrisch interessant, aber das war es irgendwie auch schon. Praktisch blütenfrei. Grüner getrimmter Rasen und Kieswege. Die Becken der nicht springenden Springbrunnen voller Algen, Pavillions und Lauben eher zerfallen und unrestauriert. Offensichtlich ist der Garten nicht das Hauptineresse des Eigentümers. Dafür zeugt der Text des Audioguides von seiner wahren Leidenschaft. Denn am Ende ist das ganze Schloß dann doch nur die Kulisse für die Möbel des leidenschaftlichen Sammlers. Was alles mal in welchem französischen Schloß rumstand, von wem gearbeitet und von wem veräußert und überhaupt, hier geht es dann ans eingemachte. Jo mei, schöne alte Möbel. Da braucht es dann doch Begeisterung. Um es kurz zu machen: Im Nachhinein hätten wir den heutigen Tag doch besser am Strand verbracht. Auch wenn es dem Schloß vielleicht nicht ganz gerecht wird. Aber für das ganze Tamtam, was wir heute deswegen hatten, bot es doch zu wenig. Da waren dann die Crepes beim Mittagessen und das erneute Picknick auf der Terrasse der Unterkúnft noch die Höhepunkte des Tages.

Über Land ans Blumenmeer

Da uns die Tour de France den Weg nach Le Havre versperrt, planen wir den Weg durch das Hinterland zu nehmen, das laut meines Reiseführeres von erlesener Schönheit sein soll, während er von dem modernen Neuentwurf der kriegszerstörten Stadt Le Havre sehr reservierte Töne anschlägt. Nun haben wir ja eh keine Wahl und für Peter springt mit dem morgentlichen Besuch einer Cidrefarm auch noch ein schönes Extra heraus. Im Dumontbildband extra erwähnt, soll uns der Besitzer alles über die Kunst des Cidermachens verraten können, nun ja, man hält zumindest einen Audioguide in verschiedenen Sprachen bereit, das uns durch das muffig-verstaubte „Museum“ führt und den Weg zum Gänsegehege und Apfelbaumwiese weist. Immerhin erbeutet Peter neben einer Kiste Cidre auch eine weitere mit Cidere zum Kochen. Dieser ist über dem offiziellen Verfallsdatum aber keineswegs schlecht, sondern besonders geschmacksintensiv und daher dem einen oder anderen sogar lieber. Günstiger ist er auf jeden Fall und das erfreut meinen Pfälzer Sparfuchs natürlich auch. So rechtfertigt sich ein weiteres Mal die Wahl des Fortbewegungsmittels Auto. Mit Urlaubsgepäck für 2 Wochen bei Wind & Wetter + Sozia wäre die KTM ein wenig überfrachtet worden.

Must have ist bei Weiterfahrt die Hochbrücke von Tancarville, ein architektonischer Meilenstein, der die beide Seineufer kostenpflichtig miteinander verbindet. Also halte ich gespannt die Kamera im Anschlag. Hmmm ja, mit Golden Gate oder Brooklyn Bridge kann man hier nicht mithalten. Es hätte noch eine weitere, möglicherweise deutlich spektakulärere Brückenverbindung gegeben, die in meinem Reiseführer anno 1995 noch nicht materialisiert und folglich nicht beschrieben war 😎

Auch sonst erweist sich das hochgepriesene Naturschutzgebiet Marais Vernier als laaangweilig. Das Mittagessen in einem rustikalen Landgasthof mundet allerdings vorzuglich. Ich lasse mir das wahrscheinlich namentlich bekannte Perlhuhn vom Nachbargarten schmecken und Peter ist auch sehr zufrieden mit seinen Calamares. Einzig weiterer besetzter Tisch ist eine Geburtstagsgesellschaft von 3 Personen. Die ältliche Jubilarin wird wohl von Sohn und Tochter zum Essen ausgeführt. Die Wirtin bringt den Nachtisch mit brennenden kleinen Kerzchen gespickt und intoniert mit Raucherstimme „Happy birthday“.

Nachmittags kommen wir in unserer Unterkunft „L’Escapade“ wartet hinter einer beeindruckend weiten Kiesauffahrt auf uns. Das B&B liegt in einem liebevoll gepflegten Garten voller Rosen, Obstbäumen, und allem schönen Grün & Blüh, das das Auge erfreut. Schon hat uns Frederice entdeckt und führt uns stolz das prächtig restauriertes Haus vor. Unser Zimmer ist ein urgemütlicher Antiquitätenladen, das Bett wirkt wie das Munitinonslager einer friedensgefährdenden Kissenschlacht und muß vor dem Zubettgehen erstmal von uns freigeräumt werden.

Der Abend ist sonnig und ich zücke schnell die Kamera, um ein paar schöne Aufnahmen von Haus und Garten zu machen. Frederique steht auf der Leiter am Kirschbaum und bietet mir gleich von den süßen Kirschen an, ich bewundere die Artischocken, die wie gemalt aussehen und essbar seien, wie mir versichert wird. Gerade ich kniee zum Fotografieren vor dem Klatschmohn, da spritzt der Kies unter den Reifen eines zügig gefahrenen  Autos auf, dem vor dem Haus der freundlich lachende Herr des Hauses entsteigt. Patrice wirkt mit seinen weißen Haaren älter als seine Frau, ist aber  mindestens genauso agil und neugierig. Seine Kenntnisse in Englisch und Deutsch machen die Verständigung leicht und der Schalk blitzt aus seinen Augen, wenn er in einen deutschen Satz den Namen seiner Frau einfließen zu läßt, die kein Deutsch spricht, nur um sie zum Narren zu halten. Frederice erträgt das Spiel ihres Mannes mit gespielter Verzweiflung. Man kennt sich, man versteht sich.

Am Abend sitzten wir zusammen auf der gemütlichen Terasse und Patric fordert ungeduldig von seiner Frau, den Gästen endlich die Spezialität der Region zu servieren. Peters Einwand, dass er bereits Cidre kenne und meinen, dass ich keinen Alkohol trinke, dringt nicht bis in die Küche vor und bald stehen vier Gläser auf dem Tisch, von denen nur zwei berührt werden, weil Patric heute lieber seinen eisgekühlten Weißwein trinken möchte. In der freundlichen Abendsonne schauen wir den Katzen beim Spielen zu und plaudern. Dann ziehen sich die beiden zum Abendessen ins Haus zurück, aus dem es bald verführerisch nach gebratenem Fleisch duftet. Wir müssen allerdings auch nicht darben und richten uns mit der mitgebrachten Vesper auf der Terasse ein, wo das lustige Katzentreiben keine Langeweile aufkommen läßt.

Abends in Fécamp

Geografisch im Hinterland näher an Fécamp denn an Etretat gelegen, bietet sich ersteres als Abendprogramm mit Essen und Strandspaziergang an. Zumal es da ja auch Neuland zu entdecken gibt. Ausgerüstet mit 4 Visitenkarten von Restaurantempfehlungen unserer Gastgeberin im B&B und Navi on bord wagen wir uns in die Stadt.

Angestrebt werden soll ein zentraler gelegener kostenloser Parkplatz in der Innenstadt, den es hier im Gegensatz zum Touristenmagneten Etretat reichlich geben soll. Kaum ist der Stadtkern erreicht ist Steuermann Peter genervt und überfordert von den vielen Entscheidungen, die im Bruchteil von Sekunden gefällt werden müssen, wenn man an sich in einer Stadt nicht auskennt und ein nur vage definiertes Ziel hat. Doch schließlich finden wir in Hafennähe das Gesuchte. Inzwischen lacht auch die Sonne und mit Navi und Visitenkarten vesuchen wir eines leckeren Abendessens habhaft zu werden.

Für die erste Empfehlung befinden wir uns sogar in der richtigen Straße. Hausnummern sind leider nur selten zu erkennen … ok, wir sind zu weit, also retour. Oh, jetzt müssen wir es verpasst haben, arrrg nochmal umkehren… Oh, wir parken ja unmittelbar vor der Lokalität, die wegen Betriebsferien geschlossen hat! Das gleiche Spiel unter ähnlichen Umständen wiederholt sich so oder ähnlich bei Empfehlung zwei und drei. Joker wird Nummer vier, das tatsächlich offen hat, nett aussieht, noch zwei freie Tische hat und einen Blick auf das Meer bietet. Nennen wir es also Fügung und nehmen, was wir kriegen können.

Das Essen schmeckt uns sehr gut. Mir wird nur leider furchtbar warm, denn durch die großen Glasscheiben des Restaurants brennen sich fast senkrecht die Strahlen der tief stehenden Abendsonne. Eine größere Tischgesellschaft in Eingangsnähe scheint dagegen zu frieren, denn jedesmal, wenn die Tür nach Benutzung nicht hermetisch geschlossen wir, springt man auf und versiegelt die Lokalität mit bösem Blick. Schließlich kann ich es kaum noch erwarten frische Luft zu bekommen, zum Glück verzichtet Peter auf Nachtisch und die Rechnungsbegleichung lässt auch nicht lange auf sich warten.

Draußen erwartet uns in der inzwischen untergehenden Sonne das Kontrastprogramm: sehr sehr viel frische Luft, die sich mit heftigem Brausen in jede Ritze zwischen Körper und Kleidung pressen will. Wir erklimmen die Stufen zur Strandpromenade, wo der wütende Wind die Wellen zu Bergen auftürmt, die unter grollendem Rollen mit den Kieselstienen boulen. Kitesurfer in Neopren nutzen die Gunst der letzten Tagesstunde und ziehen stecknadelgroß zwischen Küste und Horizont ihre Bahn. Ansonsten ist fast kein Mensch zu sehen.

Im Norden zeichnen sich zwei Leuchttürme ab, die scheinen ein lohnendes Ziel für einen kleinen Spaziergang zu sein, auch wenn ich langsam zu frieren beginne. Einigermaßen zielstrebig halte ich auf die Türme zu, während Peter anscheinend völlig kälteresistent Belichtungsexperimente mit dem Fotoapparat von der Brandung macht. Doch schnell hat er mich wieder eingeholt. Die Leuchttürme flankieren die Einfahrt zum Hafenbecken, die von mächtigen und hohen Stegen aus Holz gesäumt werden. Im Licht der untergehenden Sonne und dem Einsetzen der Leuchtsignale ein magischer Moment – die blaue bzw. violette Stunde… Wie viel schöner hätte mir alles in Erinnerung bleiben können, wenn ich nicht die ganze Zeit verzweifelt nach einem Klo ausschau gehalten hätte!

Ein freundlicher Schnellrestaurantbesitzer erlöst mich schließlich und will noch nicht mal das Trinkgeld annehmen, das Peter ihm zustecken will. Wobei Trinkgeld in diesem Fall eher eine negativ reziproke Bezeichnung ist 😉

Fauler Tag

Wenig passiert, früh zurück, also viel Zeit, um wenig zu schreiben.

Frühstück war sehr nett. Die Unterkunft ist nicht nur wunderhübsch, sondern entgegen unserem gestrigen Eindruck auch voll. Alle an einer großen Tafel, zumindest so , wie sie mal ankommen, ist auch ganz gemütlich.

Erster Zwischenstop dann eine Ziegenfarm oberhalb von Etretat. Der Cheffe, der sich zum Abschluß als Filou outete, was sonst auch ü-ber-haupt niemand gemerkt hätte, hat eine sehr kurzweilige zweisprachige Führung gemacht. Gut, Ziegenkäseherstellung ist dank Wikipedia kein Geheimnis und Ziegen habe ich dann auch schon mal in echt gesehen, aber spaßig war es eben. Nach Einkauf im Hofladen und beim Bäcker im Nachbarort dann rüber zum Leuchtturm am Kap Antifer. Das war wiederum eine sehr windige Nummer und die Mittagsbrotzeit etwas umständlich. Und der Trick mit den Büschen wird nicht einfacher, wenn der Wind in Böen sich mal eben um 120° dreht!

Etwas weiter soll es einen Aussichtspunkt über die Bucht und das Ölterminal geben, auf das man hier wohl recht stolz ist. Es gehört zum 20km entfernten Hafen von Le Havre, in den Supertanker nicht einlaufen können. Schiffe in nennenswerter Größe gab es keine und der ausgeschilderte Strand, den wir zuerst fanden, war natürlich fast ausgestorben. Nur in einem gut geschützten Lokal tummelte man sich. Wir schritten den groben Kiesstrand ein Mal ab, entdeckten Sepia-Gehäuse, tote Möwen und Quallen, ließen uns den Wind um die Ohren blasen und ließen uns von dem Seegang bei auflaufender Flut faszinieren. Aber so wenig es vormittags geregnet hatte, so wenig klarte es um die Mittagszeit auf. So viel zur Wetterprognose.

Hungrig machte das auch noch, so daß wir nicht aufs Abendessen warten wollten und kurz vor Ladenschluß in dem (einen offenen) Strandlokal einliefen. Vorspeisen gäbe es nicht mehr, aber wir wollten eh einen Salat und ein Omlette, passte. Nicht ganz. In Annette passt der viele Speck beim Salat mit warmem Ziegenkäse nicht ganz rein und ich ließ auch ein Drittel der üppigen Frittenportion meines Omlettes liegen. Und mein alkoholfreies Bier kam zum Glück aus der Flasche. Hatte ich doch beim Händewaschen vorm Essen entdeckt, daß die gefüllten Bierfässer im Klo lagern! Kritikern der französischen Braukunst gibt das sicher viel Angriffsfläche.

Auch der zwischenzeitlich gefundene Aussichtspunkt brachte nix außer Wind. Auch hier wackelte das Auto auf dem Parkplatz, als wäre dieser einsam gelegen und Frischverliebte des Nachts darin. Wir jedenfalls hatten von dem Geschüttel genug und zogen uns zurück in die Unterkunft.

Immerhin wurden wir von zweien der drei Hunde des Hauses nicht wie gestern vom Tor bis zum Haus eskortiert. Heute morgen schienen sie uns schon nicht gehen lassen zu wollen. Mag niedlich klingen, aber es ist furchtbar anstrengend, wenn man fahren will und nicht weiß, wo vorm oder unterm Auto außerhalb des Blickfelds gerade ein Hund rumhüpft.

Apropos Hunde. Der dritte, ein Flokati mit Beinen, ist zu alt für Albernheiten und eher gemütlich. Die beiden Jungspunde, ein zweijähriger Border Collie und ein einjähriger Jackrussel oder umgekehrt)), machen hier auf dem Gelände ganz schön Party. Abgesehen von der beschriebenen Eskorte kommen sie auch mal für ein paar Streicheleinheiten vorbei oder fetzen sich mit einer der beiden ansässigen Katzen. Die hatte sich gestern ein Mal gerade so noch auf einen Zaunpfahl geretten und leise davongemacht, während der Border unterhalb dösend drauf wartete, daß sie doch mal wieder runterkommen müsse. Das „idyllische“ Foto von gestern war im Prinip auch wieder nur der abwartende Hund und die Katze, die sich auf dem Schoß eines Menschen sicher fühlte. Später auf der Fensterbank musste sie sich dann mal kurz mit allen Krallen wehren, weil das dann doch nicht hoch genug für den Border war und er sie sich schon geschnappt hatte!

 

Meersehen

Heute verlassen wir Rouen und halten uns Richtung Küste, wo wir im Hinterland von Fécamp unser nächstes Domizil aufschlagen werden. Der Wetterbericht für morgen ist nicht berauschend, zwar nur wenig Regen, aber ohne große Hoffnung auf Sonnenschein. Und das, wo die Küste des nahen Etretat so spektakulär sein soll. Der bessere Tag für eine Klippenwanderung erscheint heute. Darum packen wir unsere Habseligkeiten schon früh am morgen zusammen.

Den Markttag will ich aber trotzdem nicht verpassen, die kleine Halle liegt eh in Sichtweite unseres Hotels. Dort kann ich nicht nur mein Frühstück mit dem ersehnten Käse aufbessern, sondern wir haben auch gleich Proviant für den Mittag am Meer. Vor Ort ist man noch nicht so recht auf Besuch eingerichtet. Der Obst- und Gemüsehändler muss das Wechselgeld erst noch gesucht werden, die Käsetheke ist zum Teil noch mit einem Tuch bedeckt. Aber ich kenne kein Erbarmen, schließlich bin ich extra für den Käse hergekommen. Käse, Melone und Cocktailtomaten habe ich schließlich, aber Peter zum Kauf der verführerisch aussehende Pasteten und Terrinen am Fisch- oder Wurststand zu bewegen, gelingt mir nicht.

In Rouen lacht schon wieder die Sonne und es ist trotz des frühen Morgens schon warm genug für einen Platz vor dem Bistro. Man staunt nicht schlecht, als ich den mitgebrachten Käse auf das Baguette streiche und Marmelade und Croissant stehen lasse. Ein letztes Mal genießen wir die schöne Aussicht auf den prächtigen Justizpalast und beobachten die Franzosen auf ihrem Weg zur Abeit. Viele lassen sich erstmal einen Milchkaffe im Straßencafe schmecken oder bleiben bei Bekannten stehen, die bereits  dort sitzen. Coffe-to-go ist hier noch ein Fremdwort, der Tag beginnt laaangsam. Doch für uns wird es Zeit das Gepäck zu holen aufzubrechen. Diesmal ist das Parkhaus schnell gefunden. Peter weiß noch das Stockwerk, ich die Richtung wo unser Mazda steht.

Zur Küste hin trübt sich das Wetter bereits merklich ein und es wird windiger. Auf der Suche nach einem kostenlosen Parkplatz bemerken wir die Hinweisschilder: Ortsdurchfahrt am 09. 07. wegen der Tour de France geperrt. Verdammt, das ist unser Abreisetag Richtung Le Havre und somit eventuell unser Weg, der blockert wird. Etretat ist nicht groß, aber eine Touristenhochburg. Die Innenstadt scheint hauptsächlich aus Souvenierläden und – zugegeben – oft sehr schnuckligen Restaurants zu bestehen, dazwischen drängen sich die Urlauber. Die Promenade ist auch gut bevölkert, doch baden sehen wir keinen. Nur die Pimpfe der Segelschule lassen unter dem prüfenden Blick der Segellehrer ihre nußschalengroßen Seegelbooten zu Wasser. Alle tragen Rettungwesten und Neopren, alle Spaziergänger lange Kleidung. Hier scheint der Sommer noch nicht so recht angekommen zu sein.

Über den Kiesstrand stakst alles in eine Richtung: Unter der spektakuläre Klippenformation „Porte d’Aval“ zur Rechten kann man durchgehen.  Sie sieht aus wie ein trinkender Elefant. Wir sind erstmal so sehr mit Fotografieren und Gucken beschäftigt, dass wir nicht auf die steigende Flut achten1. Bis wir uns auf den Weg machen, werden bereits die ersten von den „Strandmeistern“ zurückgeschickt. In einer halben Stunde stehe hier alles unter Wasser, prophezeit uns der Offizielle in seiner neongelben Weste. Nja, der Weg über die Klippen soll laut Reiseführer ja auch sehr schön sein. Auf unserem Rückweg werden wir noch Zeugen eines Modefotoshootigs. Das männliche Modell bekommt soeben das windzerzauste Haare mit algigem Meerwasser geglättet, das der Stylist aus der Gumpe zwischen den Felsen schöpft – lecker! Peter interessiert sich mehr für ein paar halb geflutete Mauerreste, die im Reiseführer als aufgelassene Austernzuchtanlage ausgewiesen werden und unserem ersten deutschen Bunker, der in die Klippen über uns eingelassen ist.

Von den Klippen hat man auch einen schönen Blick auf die Felsnadel „Aiguille d’Aval“ und nach der ersten Steigung lassen wir die Riemchensandalenträgerinnen schnell hinter uns. Schon lockt in der nächsten Bucht eine ähnlich bizarre Felsformation. Um die „Chambre des Demoiselles“ rankt sich eine Legende, die besagt, dass hier 3 Jungfrauen vom Herren von Fréfossé entführt und versteckt gehalten wurden. Da sie sich ihm verweigerten, wurden sie bei lebendigem Leib eingemauert. Nach 3 Tagen sah eine Frau von dort 3 Engel zum Himmel aufsteigen.

Auch „La Manneporte“, ein weiterer felsiger Brückenbogen wird von uns nicht ausgelassen. In der Ferne lockt der Leuchtturm vom Cap d’Antifer, aber bis da hin wäre es denn doch zu weit, überzeugt mich der Mann mit dem Garmin in der Hand. Die Aussicht auf verspätete Mittagseinkehr in einem der netten Lokale vermag mich endgültig zur Umkehr zu überreden. In Etretat vergleichen wir hungrig die Speisekarten, doch die meisten bieten nur noch Cafe an. Schließlich werden wir doch noch fündig und Peter erfreut sich an den ersten „moules frites“ des Urlaubs und ich gönne mir ein Galette mit Speck und Käse. Erfreut stellen wir hinter den schützenden Pergolascheiben des Restaurant fest, dass die Sonne sich endlich den Weg durch die Wolken gebahnt hat. Die riesigen Sonnenschirme über unseren Köpfen reißen zwar immer noch von heftigen Windböen geschüttelt, an ihren Leinen, aber für einen Nachmittagsspaziergang ist das kein Hindernis.

So erkunden wir auch noch die Ostküste von Etretat mit der Kapell „Notre-Dame-de-la-Garde“, die seit den 1950er Jahren über das Heil der Seeleute wachen soll. Zwischen Kirchlein und der Gedenkstätte der verschollenen Flugpioniere Nungesser und Coli liegt übrigens ein kostenloser Parkplatz mit bester Aussicht. Dahinter wandern wir noch zur „Porte d’Amont“, dem kleinsten der 3 Felsentore, dann kehren wir wieder zum Auto zurück. Ab 17:00 darf man im in den „Chambres d’Hôtes Aux Ecuries du Chateau“ einchecken 2.

Die ehemaligen Stallungen eines Schlosses, das wir nirgendwo sehen können, liegen irgendwo in einem Wäldchen hinter Fecamp. Aufgeregt begrüßt uns ein Bordercollie mit seinem Kumpel dem Jack Russel Terrier. In Begleitung der Gastgeberin humpelt auch ein altersschwacher verfilzter Wischmop herbei, der ebenfalls begrüßt werden möchte. Es gebe auch noch zwei Katzen, lacht die freundliche Dame um die 60, und ja, das Pferd und die Ziege gehören auch zur Menagerie.

In der großzugige Empfangshalle steht auch der große Frühstückstisch und den Kühlschrank dürfen wir auch benutzen. Jetzt bekommen wir das riesige Zimmer gezeigt. Schon das Bad ist 4x so groß wie unserers zuhause. Hinter einer großen Schrankwand verschwindet unser Gepäck mit Leichtigkeit. Zum Abendlichen Vesper setzen wir uns noch drinnen an den Tisch, den Tee genieße ich aber in den letzten warmen Sonnestrahlen auf unserer Terrasse. Statt zu Hause in die Kiste zu glotzen, lausche ich Hund & Katz beim Streiten und beobachte, wie sich diese gerade noch auf einen Zaunpfahl rettet. Ein wütender Bordercollie setzt ihr schwungvoll nach, und bekommt einen Satz heißer Ohren verabreicht. Während die Katzte von ihrem Hochsitz herunteräugt, setzt sich der Collie vor den Pfosten und behält die Missetäterin scharf im Auge. Minuten vergehen, der Collie legt sich schließlich ermattet hin, den Rücken zur Katzte. Diese sieht die Chance ihrem Belagerungszustand zu entkommen und schleicht auf leisen Pfoten über den schmale Zaun zum nächsten Pfosten, um sich dort endgültig vom Acker zu machen. Jetzt bemerkt der Collie den Ausfall der Katzte und hechtet hinter der flüchtenden Katzte her, die sich schließlich mit einem eleganten Sprung auf meinen Schoß rettet, wo sie mir unschuldig ins Gesicht schnurrt. Der Hund kommt verwirrt vor mir zum Stehen und legt sich schließlich zu meinen Füßen, während sich das Katzentier wohlig auf mir räkelt. Irgendwann haben die beiden genug und trollen sich wieder. Doch noch in der Nacht höre ich von irgendwo die Katze fauchen und den Hund herumrennen. Was sich liebt, das neckt sich halt 😉

  1. Einwand Peter: Madame kümmert sich weder um die Flut noch um meine Hinweise diesbezüglich. Aber da bin ich schon drüber raus, da noch drängen zu wollen []
  2. Anmerkung Peter: War dann ja auch schon 18:30Uhr durch []