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2013: Kroatien

Die Reise nach Kroatien war irgendwie nie so richtig geplant. Da das aber noch der sinnvollste mögliche Urlaubstermin war, reichten wir ihn ein und ließen auf uns zukommen, was wir so machen könnten. Die Schwiegereltern wollten auch mal wieder einen Urlaub mit uns zusammen verbringen. Doch wo ist das Wetter noch angenehm Ende Oktober und eine Unterkunft quasi erst spät buchbar bzw. leicht stornierbar, wenn zwei Wochen Dauerregen angekündigt sind? Die Antwort ergab sich einfach: Kroatien, genauer Rovinj. Meines Schwagers Schwiegereltern haben dort eine Wohnung, die familienintern wohl gern für die Ferien verwendet wird. Warum also nicht? An dieser Stelle schon mal Danke an die Eigentümer!

Die Sache hatte noch einen zweiten Aspekt: Zu viert in einem Auto mit Gepäck wäre auch beim Octavia grenzwertig. Warum also nicht mit dem Motorrad fahren? Mal größere Tagesetappen wieder versuchen, ohne sie Annette zumuten zu müssen und dennoch abends immer zusammen sein? Feine Sache. Und vor Ort hätten wir ein eigenes Fahrzeug. Alles in allem ein guter Plan. Da die Heidenau K60 noch immer nicht wirklich runter waren, kam noch ein weiterer Punkt dazu: Im „Servicemobil“ konnte ich den neuen Reifensatz transportieren lassen, um ihm nicht gleich über 400km Autobahn aufzubürden.

13.10.2013 Aufbruch gen Süden

Das Wetter war nicht das Beste, aber es regnete nicht mehr, als die Schwiegereltern vorfuhren. Ich hatte schon alles Gepäck vorm Haus bereitgestellt und begonnen, die LC8 zu bepacken. Koffer und Tankrucksack waren kein Problem, ebenso der kleine Rucksack mit dem Trinkbeutel. Die Frage, ob ich die Reifen oder den Wanderrucksack mitnehme, wurde auch zu meinen Gunsten beantwortet: Die Reifen passten in den Kofferraum und der Rucksack im Packsack behinderte längs verzurrt nicht die Kofferdeckel. Im Textilanzug mit dick Wolle drunter ging es dann kurz nach 9Uhr endlich los.

Erste Pinkelpause mit Rostbratwurststulle. Der Anruf mit Positionsmeldung ergab erwartungsgemäß, daß ich noch vorne lag. Die Scheibenerhöhung, an die ich endlich mal gedacht hatte, bringt echt was. Tacho 160 kein Problem und die Reifen kommen eh bald runter, die dürfen ruhig noch eckiger werden. Wie es der Zufall so wollte, steuerte das Begleitfahrzeug den selben Parkplatz an, als ich gerade aufbrechen wollte. Ich lag somit immer noch vorne und der Verkehr war völlig hindernisfrei. Ein Traum, zumal der Himmel immer blauer wurde! Zweiter Stop dann in Adelzhausen. Kleine Automatentankstelle unweit der Autobahn. Superschneller Boxenstop! Am Chiemsee dann die zweite Semmel, Klo und ein Positionsanruf: Die Autofahrer machen hinter mir bereits Mittagsrast!

Kurz darauf war für mich Autobahnende. Mittags um kurz nach 13 Uhr mit 400 Autobahnkilometern in den Knochen begann ich eine Landstraßentour, die zu zweit an der Obergrenze für einen Tag liegt. Na denn! Das gute Wetter, der Sonnenschein und ein Schild, daß die Großglocknerstraße offen wäre, machten mich übermütig. Ich biege nicht gen Tauernschleuse oder Tauernpässe ab, sondern halte auf die bis zu 2504m hoch verlaufende Straße zu. Doch bis zum Mauthäuschen hoch liegt abseits der Straße schon reichlich Schnee und der Mauteintreiber fragt mich, ob ich narrisch wäre. Immerhin spendierte er Prospekte und Aufkleber. Ich erreichte den Bahnhof für die Tauernschleuse zeitig. So zeitig, daß ich darauf warten musste, mir ein Ticket kaufen zu können. Wo die Autofahrer grad stecken, lässt sich nicht erörtern. Man kam ja ohne Navi aus und ich habe so keinen Track 🙁

Das samstagabendliche Spittal an der Drau und die Villacher Vororte waren kein Hindernis mehr. Nach einem letzten Tankstop in Österreich erwies sich der Wurzenpass als herrlich unspektakulär für die Tageszeit. Den Stelvio hätte ich nicht mehr fahren wollen! Fast 9 Stunden nach der Abfahrt landete ich punktgenau neben dem Skoda auf dem Hotelparkplatz. Die Schwiegereltern winkten bereits aus dem Zimmer, während ich Annette in unserem Zimmer beim SMS verfassen antraf. Ich kam wohl wirklich kaum nach ihnen an und sie rechnete noch nicht mit mir.

Duschen war eh klar, danach leckerstes Abendessen im Hotelrestaurant. Das Vitranc in Podkoren steht seither definitiv auf unserer Liste für einen zu planenden Slowenienurlaub. Die Forelle sah sehr lecker aus und mein Gebratenes mit Bratkartoffeln und angebratenem Weißkraut war einfach köstlich.

Fazit: Geht doch noch, auch wenn das Wetter die Höhenlagen vermieste. Bis auf die Zugfahrt aber auch keinen nennenswerten Aufenthalt.
660km, davon gut 400km Autobahn, in insgesamt 8h50min. Das Navi spricht von 1h07min Pause, da ist aber neben der Zugfahrt auch jede Wartezeit an einer Ampel drin.

14.10.2013 Schotter!

Das gemeinsame Frühstück war nicht übertrieben üppig, machte mich aber fit für den Tag. Nur Landstraße war angesagt, wobei ich dem Navi im Raum Triest freie Hand lassen wollte, lediglich mit der Einschränkung, mautpflichtige Straßen zu vermeiden. Wenige Kilometer vom Hotel entfernt, angeblich in Kransjka Gora, real aber zwischen ein paar lose versammelten Häusern, zweigt die Straße zum Werschetz1-Paß ab. Und dieser Paß ist echt eine Nummer! Schön zu fahren, auch wenn das Kopfsteinpflaster in den Kehren zusätzlich zum gefallenen Herbstlaub schnell das Mütchen kühlte und ausbremste. Dafür gab es herrliche Blicke in den Triglav-Nationalpark und in der Sonne leuchtende herbstliche Wälder. Der berüchtigte Parkplatzwächter auf der Paßhöhe war wohl nicht zugegen, doch die Höhe selbst auch so schnell vorbei, daß ich erst etwas weiter an einem Aussichtspunkt stoppte. Pullern, Knipsen, Trinken, Videokamerakku tauschen. So sah so ein Boxenstop aus. Wenig später dann die angeblichen Soca-Wasserfälle. Ich ignorierte den plätschernden Wildbach direkt neben dem stillen Hotel und stürzte mich auf die erste Schotterpiste. Nach kurzer Strecke wurde ich an einr Campingwiese angehalten. Man wollte wohl was anderes von mir, konnte mir aber sagen, daß ich an den Wasserfällen schon vorbei wäre. Ja, die seien direkt am Hotel. Ok, so einen Wasserfall stellt man sich halt anders vor. Kann aber sein, daß unterhalb etwas mehr ging, da hätte man halt ein wenig zu Fuß gehen müssen. Aber nix da, an diesem Tag sollten irgendwas zwischen 295km und 330km Landstraße und Piste bewältigt werden!

So wie die Straße an Meereshöhe verliert, so wird das Tal drumherum auch weiter und ich fuhr darauf südwärts. Immer wieder mit Blick auf die herrlich türkise Soca und ganz egoistisch: Bilder gibt es keine. Irgendwie konnte ich mich nicht zum Anhalten motivieren. Zu sehr war ich im Flow und genoß die Liveversion, ohne an das Konservieren für die Daheimgebliebenen zu denken. Filmen war auch nicht wirklich drin. Ständig war der Akku leer und das Gehäuse hat eh beschlagen2.

In Idrsko ging es dann wieder bergauf Richtung Slowenische Grenzkammstraße. Die SLGKS wurde im Ersten Weltkrieg erbaut, um die Stellungen auf den Anhöhen des Soca/Isonzo-Tals zu versorgen. Zudem soll sogar Ernest Hemingway soll damals mit seinem Rotkreuz-Laster hier langgefahren sein. Daß nach Livek erst mal auch keine Ortschaft mehr kommen sollte, bewies eindrucksvoll ein Reh, das direkt neben der Fahrbahn graste. In so einem Moment fragt man sich dann auch ganz kurz, was man da eigentlich anstellt. So allein auf einer so einsamen Strecke. Wie lange es wohl dauert, bis man gefunden wird? Gegen Mittag wurde es aber fast touristisch mit einem Freilichtmuseum. Nicht, daß zu dieser Jahreszeit trotz bestem Wetter jemand außer mir zu sehen gewesen wäre. Aber immerhin kommt hier auch der „Friedensweg Alpen-Adria“, ein Fernwanderweg, durch. Hier verband ich dann die Mittagspause mit ein wenig Fotografieren, wollte aber auch nicht all zu weit vom Motorrad weg. Und der Höhepunkt des Tages stand noch bevor.

Kurz nach dem Rastplatz verschwand dann plötzlich der Asphalt unter den Rädern und die angekündigte Schotterpiste begann. Für gut dreißig Kilometer gab es nun Schotter vom Feinsten. Mal mit schrägen Rinnen, mal voller Schlaglöcher, mal topfeben und speziell im Bereich von Brücken auch mal wieder von Asphalt unterbrochen. Speziell der letzte Teil im Tal eines kleinen Baches, der die heutige Grenze zu Italien bildet, war recht zügig zu fahren. Allerdings auch einsam. Wobei der Eindruck trügen mag, parkten doch immer wieder Autos der lokalen Bevölkerung am Wegesrand. Nur gesehen habe ich bewusst keinen Menschen.

Wieder zurück in der Zivilisation nutzte ich eine kleine Tankstelle, um noch vor dem angekündigt teuren Italien aufzufüllen. Die angezeigte Reststrecke bis Rovinj war da schon klein genug für eine Tankfüllung. Der unerwartet hohe, aber immer noch gute Preis erklärte sich schnell: Kaum wieder losgefahren, war ich auch schon über der Grenze und in Italien! Irgendwie plangemäß dann um Gorizia herumlaviert, um dann doch die Autobahn zu nehmen. Küstenstraße muß nicht sein, wenn man fast zwei Wochen in einem Küstenort wohnen wird, die Zeit drängt und ich wollte nicht unbedingt quer durch Triest fahren müssen. Außerdem hatte ich es so geplant und die Autobahn ist mautfrei.

Nicht jedoch in Slowenien, auf das ich mich durch eine falsche Abfahrt3 fälschlicherweise west- statt südwärts und auf der Autobahn zubewegte. Welche ab der Grenze per Vignette zu zahlen ist. Welche ich nicht hatte und man weiß ja, daß gerade an Grenzen gerne und sicher nicht billig kontrolliert wird. Auf einer Art Raststätte kurz vor der Grenze konnte ich quasi wenden und fand wieder auf meine Route. Genauer gesagt lautete der aktuelle Befehl ans Navi: Bring mich ohne Mautstraßen schnellstmöglich nach Rovinj! Keine Viertelstunde später, inzwischen vollständig um Triest herumgekommen, verriss ich wieder: Statt die schnellstraße zu wechseln, fuhr ich weiter. Mein an dem Tag unzulänglicher Orientierungssinn, schlecht beraten durch die grobe Karte leiferte sich einen heftigen Kampf mit dem Navi. Leidtragender war ich, der lustige Kringel durch Gewerbegebiete fuhr. Auch wird die Straßenvariante „Aus dem Kreisverkehr raus, dann aber doch links halten und auf die Schnellstraße drauf“ im Navi nur ungenügend (schnell) angezeigt. Noch eine Ehrenrunde und rauf auf die Schnellstraße. Pikanterweise hatte ich ursprünglich geplant, just hier die Schnellstraße zu verlassen, hätte also einfach im Kreisverkehr eine Ausfahrt weiter fahren müssen… Naja. Ich will nicht meckern, die Straße war gut zu fahren und unter den Umständen wollte ich ja nicht gerade auf Eselspfaden nach Slowenien einreisen.

Genau genommen traf ich recht bald wieder auf die geplante Route, auch wenn nach wie vor „direkter Weg nach Rovinj“ der Navigationsauftrag war. Der Grenzübertritt nach Kroatien stand ganz im Zeichen des frischen EU-Beitritts: Sowohl bei Aus- als auch Einreise waren die Häuschen besetzt und ich befolgte brav das Stopschild. Und wartete. Irgendwann erbarmte sich jeweils jemand meiner und kontrollierte meine Papiere. Beide Male mit einer Körpersprache, die ich verstand als „Na wenn Du unbedingt willst, schau ich mir das halt an. Oder hätte ich Dich etwa durchwinken sollen, damit Du einfach weiterfährst?“

Kroatien also. Ex-Jugoslawien, bürgerkriegsgeplagt noch vor kaum mehr als 10 Jahren, Perle der Adria, neustes EU-Mitglied und nach Verständnis der Bewohner nicht auf dem Balkan. Heißt es. Ganz besonders in Istrien mit seiner italienischen Geschichte fühle man sich als Mitteleuropäer. Ich sehe nur trübes Wetter, eine fies späte geschätzte Ankunftszeit und habe im Hinterkopf die Warnung, daß bei Feuchtigkeit die Straßen glitschig wären wie Schmierseife. Zudem sind mir die Hände in der Wärme etwas angeschwollen, weil ich Trottel nach dem kalten Vortag sämtliche Handschuhe bis auf die getragenen Winterhandschuhe ins Begleitfahrzeug abgegeben hatte. In Buzet dann unbemerkt die Trennung von der daheim geplanten Route. Grad wundere ich mich noch darüber, daß der Ucka-Tunnel ausgeschildert ist, der sich quasi am Rovinj gegenüberliegenden Ende von Istrien befindet, da stehe ich navigeführt vor der Autobahnzufahrt Lupoglav und dem Mauthäuschen. Krasse Sache, das drei Jahre alte Kartenmaterial meines Garmins befindet die Autobahn als nicht mautpflichtig und hat mich brav auf den Umweg zur Autobahn geschickt. Aber da half alles Fluchen nichts mehr, Ticket ziehen und lächeln. Die Zeit drängt. Später sollte ich just auf der geplanten Route noch die kreativen kroatischen Tempolimits kennenlernen, die Autobahn war also kein Fehler4. Aber erst einmal schimpfte ich wie ein Rohrspatz in meinen Helm hinein: Die Mautstrecke hatte nur eine Spur in jede Richtung und war auf 80km/h beschränkt. Tolle Autobahn, und dafür nehmen die Geld? Etwas ruhiger wurde ich, als diese E751 tatsächlich zweispurig wurde und nur noch das generell Tempolimit galt. Mit einsetzendem Regen wollte ich dann eh keine Landstraßen mehr. Versöhnt war ich dann, als ich beim Verlassen ganze 7 Kuna5 zu zahlen hatte und ohne einheimisches Bargeld auch die Kreditkarte verwenden durfte.

Die Ankunft verlief etwas holprig. Zwar fand ich im Gegensatz zu den Autofahrern die Wohnung und den Parkplatz zügig, hatte aber keine Fernbedienung für die Tiefgarage und da niemand meine Ankunft trotz SMS bemerkt hatte, durfte ich erst mal im Regen abrödeln. In die Tiefgarage kam ich dann auch irgendwie, weil eh grade jemand rausfuhr. Die Fernbedienung fand sich anderntags dann übrigens im Schlüsselkasten der Wohnung. Ich hatte nicht reingeschaut, weil das die anderen selbstverständlich schon getan haben mussten. Aber an diesem offensichtlichen Platz hatte man nicht gesucht…

Zuguterletzt fuhren wir gemeinsam mit dem Auto runter zum Hafen. Bargeld hatte ich schnell und kostenneutral aus dem Automaten gezogen. Schwiegerpapa bemühte den Bankschalter, um bare Euros zu wechseln. Insgesamt war der erste Eindruck zwar nett, aber das Drumherum versteckte das wunderbar. Jedoch war mir klar, daß der Ort nur schöner sein kann als bei Regen im Dunkeln, wenn vor jedem Restaurant jemand steht, der einem reinquatschen will. Üppig und halbwegs gut haben wir dann in so einem Tourifuttertrog gegessen. Heimfahrt zur Wohnung wieder mit dem Wagen und erst mal einrichten. Der Tag war eh lang.

Fazit: Super Piste, leider zu wenig gefilmt und fotografiert. Bis auf dieVerfahrer bei Triest rückblickend optimal gelaufen. Ich sollte meiner Sturheit mal ausreichend detailliertes und übersichtliches Kartenmaterial zur Seite stellen.
333km Landstraße, Schotterpiste und „Autobahn“ in 7h13min, davon gut eine Stunde Pause.

15.10.2013 Bummeln in Rovinj

Über diesen Tag gibt es nicht viel zu berichten. Das Wetter war nicht prickelnd, so daß Annette sich nicht vehement für eine Motorradtour einsetzte. Ich war nach den vergangenen zwei Tagen auch nicht all zu scharf drauf, auch noch bei schlechtem Wetter rumzufahren. Wobei es nicht mal so schlecht war. Wir richtteten uns halt ein an diesem Montag. Kauften mit dem Wagen beim dortigen Lidl und dm ein, schauten nach den Rädern für die Schwiegerelten,erkundeten die Innenstadt zu Fuß und natürlich prüfte ich die Internetanbindung in der Wohnung. Insgesamt ein träger Tag. Immerhin hatten wir fürs Mittagessen die leckerste Pizzeria der Stadt gefunden und das einheimische Bier ist gut trinkbar. Abends fuhr ich dann noch mal kurz mit der KTM los, um die vom ADAC empfohlene Werkstatt zu finden und vielleicht einen Termin auszumachen. Die angegebene Adresse führte mich jedoch zu mehreren Punkten. An einem gab es sowas wie eine Werkstatt, jedoch geschlossen. Beim VW-Händler, der Empfehlung unseres „Gastgebers“, war leider auch schon zu. Immerhin habe ich gleich mal vollgetankt, das spart schon wieder Zeit auf der nächsten gemeinsamen Tour.

Fazit: Ein Pausentag ist immer wieder schön. Auch wenn ich manchmal ein wenig Hummeln im Hintern habe, wenn zu sehr gebummelt wird.
14km im Ort rumgegurkt in 23min.

16.10.2013 Küste und Künstler

Heute sollte es also die erste gemeinsame Tour geben. Vollgetankt hatte ich schon, aber wir klapperten erst noch die Werkstatt ab. Um zu erfahren, daß die ADAC-Empfehlung schon lange geschlossen hatte. Bei VW verwies man auf den Laden um die Ecke. Über den hatte ich beim Einkaufen schon gesagt, daß der sicher nicht in Frage käme, denn da stünden ja nur Roller rum. So kanns kommen. Man hätte die KTM sogar sofort drangenommen, aber wir wollten heute ja fahren. Termin für den Folgetag also ausgemacht. Gleich morgens als erstes. Fein.

Die „Küstenstraße“ war dann erst mal eine Enttäuschung. Bis auf ein paar Aussichtmöglichkeiten am Limski Fjord gabs erst mal nichts zu sehen. Und die haben wir ausgelassen, weil der Fjord als eigenes Tagesprogramm schon verplant war. Ansonsten rechterhand das Landesinnere und kinkerhand statt Meer auch nur Land und die Zufahrten zu den Ferienanlagen. So fuhren wir nordwärds. Gut, man hätte die Innenstadt von Porec abklappern können, da wären wir ans Wasser gekommen. Aber von Rovinj her dachten wir uns, daß man mit dem Fahrzeug da nicht so durchkommt. Kurz vor Novigrad bot eine flache Brücke über der Mündungsbucht der (des?) Mirna noch eine schöne Aussicht, aber das wars dann mit Landschaft. Enttäuscht brachen wir in Novigrad dann ab. Statt bis hinter Umag dem Küstenverlauf zu folgen schwenkten wir direkt gen Groznjan landeinwärts.

Bei der A9 nahmen wir blasendruckbedingt eine Abzweigung auf einen Schotterweg. Da kein Verbotsschild rumstand, sparten wir uns das Wenden und folgten grob der Piste. Annette ist da inzwischen nicht nur ohne Berührungsängste, sie motiviert mich sogar wie in Frankreich oft, wenn ich mich alleine nicht traue6.Enttäuschenderweise führte der Weg aber nur in den nächsten Ort und dort wieder auf die reguläre Straße. Naja, war ein Versuch. Hinter Buje dann auf kleiner Straße nach Groznjan. Am Ortseingan finden sich Parkmöglichkeiten, der Ort selbst darf nicht befahren werden. Kann größtenteils nicht befahren werden. Eine Ansammlung kleiner Gäßchen mit mittelalterlichen Häuschen, bevölkert von Kunsthandwerkern und Malern7, die in kleinen Lädchen ihre Kreationen feilbieten. Sehr hübsch und sehr ruhig, wir befanden uns ja außerhalb der Saison. Nach viel Stöbern und Fotografieren landeten wir zu Beginn der Mittagszeit bei einem Lokal. Auf der Bank davor räkelte sich ein Hund in der Sonne und alles war sehr ruhig. Die Außenbestuhlung auf dem Platz war hochgeklappt und angeblich auch nicht sauber, drum bat man uns in den winzigen Gastraum. Zufällig wählten wir beide Pasta mit der selben typsich istrischen Soße, so daß wir eine große Schüssel und zwei Teller serviert bekamen. Der Ort draußen füllte sich wohl allmählich und man richtete dann doch den Außenbereich her. Naja. War aber dennoch oder gerade deswegen urig. Der sich räkelnde Hund wurde auch geschäftig und machte immer wieder einen Kontrollgang zu uns. Könnte ja was runtergefallen sein. Zwischendurch begrüßte er draußen seine vierbeinigen Nachbarn auf deren Rundgang, Touristenhunde oder verschaffte sich bei unbelibten Artgenossen Respekt. Wir haben uns köstlich amüsiert, obwohl wir alles nur durch die schmale Tür mitbekommen konnten. Nach dem Palatschinken zum Nachtisch rafften wir uns dann auf zum Motorrad. Wir hatten ja noch eine weitere Städtetour vor uns.

Die Durchgangsstraße am Ort vorbei hatte wenige hundert Meter nach dem Parkplatz noch eine kleine Überraschung für uns: Schotter. Einfach so, keine Baustelle, sondern normaler Straßenzustand. Aus der Karte nicht weiter ersichtlich. Spitzkehren bergab durch Spurrillen gehören nicht zu meinen Favoriten, speziell mit Mehrgewicht. Aber das Mehrbewicht klagte auch nicht über vermeintliches Rumgestocher. Im breiten Tal der Mirna ging es dann gegen Motovun, die zweite Künstlerstadt, die man uns empfohlen hatte. Schon eingangs war es offensichtlich touristischer. Vorm neuen Ort im Tal gibt es einen Parkplatz samt Shuttlebushaltestelle. Ignorierten wir natürlich, denn mit dem Motorrad könne man ja doch bis hoch fahren. Oben gab es dann aber einen netten jungen Mann, der die Weiterfahrt auf den Parkplatz des Friedhofes lenkte, welcher als Sackgasse eindeutige Signale gab. Ok, hier anhalten. Parkschein ziehen, na toll. Noch wärend ich das Geraffel sicherte und die Kameraausrüstung auspackte, fragte Annette nach, wie das mit dem Zahlen klappen soll. Antwort den oben erwähnten netten jungen Mannes: Gar nicht, passt schon, Viel Spaß! – Dankeschön!

Motovun bzw. dessen Altstadt ist dann schon ein etwas größerer Ort als Groznjan. Mit Anliegerautoverkehr. Und deutlich mehr Gastronomie. Darüber hinaus scheint hinter jeder zweiten Tür ein Laden mit Grappa, Wein und Olivenöl zu stecken, der mit Verkostung lockt. Aber nicht uns. Wir klapperten alles ab und genossen von der Stadtmauer aus die Aussicht. Richtig locken konnte uns aber nichts. Verlockend waren eher meine Waden für einen kleinen Kläffer Hund des Kalibers Trethupe. In einer Gasse abseits des Touristenstroms wachte er über sein brennholzsägendes Herrchen und machte bedrohlichen Radau. Ich nahms gelassen, schließlich hätte er hüpfen müssen, um mich oberhalb der Hartschalen meiner Motorradstiefel beißen zu können. Ihn frustrierte es um so mehr, daß ich seine ambitionierten Attacken völlig ignorierte, Annette lachte sogar. Herrchen hatte ein Einsehen und pfiff ihn zurück, so konnte er unter Wahrung seiner Würde ablassen. Da es recht diesig war, hatte ich übrigens schnell das Tele auf die ortsansässigen Kleintiere gerichtet, während Annette mit meinem Weitwinkel auf dem Marktplatz rumspielte.

Über Landstraßen fuhren wir dann zügig zurück nach Rovinj. Den am Vortag ausgelassenen Supermarkt der einheimischen Kette besuchten wir noch und kehrten mit etwas Beute zurück in die Wohnung. Insgesamt ein schöner Tag, wenn auch die Fernsicht an den entsprechenden Stellen gelitten hatte.

Fazit: Ein schöner Ausflugstag, auch wenn die Küstenstraße hinter den Erwartungen zurückblieb.
153km Landstraße in 3h5min, insgesamt waren wir 8h unterwegs.

17.10.2013 Ucka und die Ostküste

Wie am Vortag vereinbart stand ich pünktlich bei der Werkstatt. Im Blog hatte ich da schon alles geschrieben. Dennoch wird eine Bastelei auf Tour wohl Tradition werden, besser kann man Land und Leute kaum kennenlernen 🙂 Ansonsten kann man wenig hinzufügen, ohne zu labern. Nur noch ein wichtiges Detail: Die Straße hoch zum Vojak ist offiziell gesperrt mit einer Ausnahmenliste8 so groß wie ein Autobahnwegweiser. Auf Anraten eines Anwohners ignorierten wir das Verbot ebenso wie etliche andere. Das kann in der Saison aber ganz anders aussehen!

Fazit: Eigentlich ein schöner Tag und wenn der Werkstattaufenthalt so kurz wie erwartet gewesen wäre, hätten wir bei der Rückkehr auch noch Tageslicht gehabt. War schattig in der Kevlar-Jeans.
195km Landstraße in 3h42min.

18.10.2013 Noch ein Tag in Rovinj

Ein Ruhetag. Den Vormittag verbrachten wir in der Wohnung, gingen dann zu viert runter in die Altstadt, wo Annette und ich noch bis zum Abend bummelten. Abendbrot wieder in der Wohnung, alles ganz gemütlich. Ich hatte nicht einmal die Kamera mit, nur die Actioncam. Dafür gibt es für heute ein Bild mit der Aussicht aus der Wohnung.

Fazit: Was für ein Fazit? Hey, es ist Urlaub!

19.10.2013 Pula

Heute war eine gemeinsame Autofahrt nach Pula angesagt. Kurzfassung auch hier im Blog. Die Damen wünschten sich beide einen Besuch eines Handarbeitsmarktes, wo istrische Künstler ihre Werke präsentierten. Das ganze fand in einem Gebäude statt und war entsprechend dicht gedrängt. Unsere Holden sahen uns Männern schon am Eingang an, daß wir uns nicht wohlfühlen würden. Drum durften wir ins angegliederte Cafe flüchten. Der schwarze Elexier dort war lecker und fachgerecht mit einem Glas stillen Wassers serviert. Österreichische Prägung. Nach dem Essen folgte ein kleiner Stadtbummel. Die Markthallen waren schon geschlossen und die Zitadelle schauten wir uns umrundenderweise von außen an. Auch im Amphitheater konnten wir nichts von außen sehen, was einen Eintritt bei unserer inzwischen knappen Zeit gerechtfertigt hätte. Da der Wagen außerhalb bei den Supermärkten geparkt war, richteten sich die Altvorderen in einem Cafe beim Amphitheater ein und ich lief mit Annette los, um den Wagen zu holen. Das Einsammeln der Zurückgelassenen war unproblematisch, da man beim Theater überraschenderweise kostenlos parken durfte. Tip für die Zukunft, es ist oberhalb, quasi auf der Seite, die dem Eingang gegenüberliegt. Auf dem Rückweg kehrten wir noch zum Einkauf bei Kaufland ein und dann chauffierte ich die Familie zum Abendbrot zur Wohnung.

Fazit: Genug gesehen, auch wenn mit Planung mehr möglich gewesen wäre.

20.10.2013 Gemeinsames Schottern

Sonntag, Ruhetag. Oder doch nicht? Nach dem Mittagessen überkam uns die Abenteuerlust. Den Limski Kanal wollten wir uns eh noch ansehen und der ist ja nicht tagesfüllend weit weg. Auf dem Weg die Küste entlang hatte ich zudem gesehen, daß in der Talsohle der Verlängerung des Fjords ins Landesinnere hinein kein befestigter Weg ist. Auch die per GoogleMaps bzw. Luftbildern gesuchten Aussichtspunkte waren nicht asphaltiert erschlossen. So kam einiges an Schotterstrecke zusammen. Dazu ein Kaffee in einem Restaurant am Fjord, die Entdeckung Dvigrads von der Feldwegseite her9 und die Feststellung, daß sonntagabends in Rovonj recht viele Supermärkte geöffnet haben. Ansonsten ist dem Blog nichts hinzuzufügen.

Fazit: Schottern geht zu zweit, Annette war von meinen Fortschritten angetan.
51km Landstraße und viel Schotterfeldweg in 1h14min. Insgesamt waren wir 3h30min unterwegs.

21.10.2013 Zu den Plitvicer Seen

Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte. Der ursprüngliche Plan, eine Tagestour zu den Seen zu machen, sie einen Tag lang zu besichtigen und wieder einen Tag auf anderer Strecke zurückzutouren, ging sich in der verbliebenen Zeit wettertechnisch nicht aus. Spätestens an der Ecke Ucka/Rijeka hätten wir wohl immer Regen gehabt. Neuer Plan: Mit dem von Schwiegerpapa dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Wagen an einem Schlechtwettertag hinfahren, tags drauf besichtigen und auch gleich wieder zurückfahren. Heute also Teil 1 dieses Plans.

Das Wetter ging sogar so weit, lediglich im Gebirge um Rijeka stauten sich die Wolken. Drüber Sonnenschein, drunter Regen und drinnen keine 50m Sicht. War im Octavia aber doch erträglich. GPS, Papierkarte und GoogleMaps-Planung waren sich erfreulich uneinig und so landeten wir auf der landschaftlich schöen Strecke. Zumindest stand immer wieder was von Touristenstraße und zum Ende hin gings noch mal durch den Plitvicer Nationalpark. Die Suche nach der Unterkunft war knifflig, da der Ort quasi nur aus der Durchgangstraße bestand und vielen Häusern, die großräumig entlang kleiner Feldwege an den Hügel gebaut wurden. Da half es auch nicht, daß irgendwie alle gleich hießen, wohl der ortsübliche Familienname. Der Unterschied bestand darin, ob vor dem Namen Hotel, Pension, Guest House oder was auch immer stand. Oder noch ein Vorname. Irgendwann fanden wir aber die richtige Hausnummer. Nur wurden wir nicht erwartet, auch wenn wir glücklicherweise jemanden antrafen. In der Nebensaison würde man eben nicht mehr täglich Mails lesen und wusste so nichts von unserer zwei Tage alten Buchung. Aber man würde uns was richten bis nach dem Essen. Gut. War sogar eher die Ferienwohnung, die wir aber nicht ausgiebig nutzen konnten. Dafür gabs wegen Nebensaison auch kein Frühstück. Immerhin war es sauber und wir wollten ja nur eine Nacht pennen.

Mittags gabs dann eine Kleinigkeit im Restaurant Degenja unten an der Durchgangsstraße. Das zugehörige Hotel war übrigens ausgebucht. Wir sollten noch erfahren, warum. Und apropos Kleinigkeit: Die kleine Pizza dort ist schon riesig, Keine Ahnung, wie die dort eine große Pizza servieren wollen. Dann schauten wir uns schon mal die Modalitäten am Nationalpark an, beschlossen nach Beratung die Tour für den nächsten Tag, beschnupperten den örtlichen kleinen Supermarkt und tankten voll. Nach Sichtung von Supermarkt und Cafe am Nationalpark beschlossen wir übrigens, in letzterem direkt morgens bei Öffnung zu frühstücken. Als wir beim Tanken als beste Einkehr für Fisch wieder das Degenja empfohlen bekamen, landeten wir zum zweiten Mal dort. Übrigens begrüsste uns unser Telefonanbieter schon in Bosnien. Die Grenze liegt auf den Hügeln auf der anderen Seite des Tals…

Dort erklärte sich auch das trotz Nebensaison ausgebuchte Hotel: Eine Busladung Asiaten war abgestiegen und machte das Abendessen recht kurzweilig. Kulturstudien, ohne so weit reisen zu müssen. Schlußendlich plumpsten wir ins Bett und bis ich mein Absackerbier getrunken hatte, schlummerte Annette schon wieder.

Fazit: Kleine Privatunterkünfte in der Nebensaison können tückisch sein. Wenn man schon einen großen Kofferraum hat, sollte man auf alles vorbereitet sein.

22.10.2013 Plitvicer Seen

Was soll man zu den Seen sagen? Ein Traum, auch gerade im bunten Herbstlaub. Hinfahren, unbedingt. Und die große Tour machen. Ist eh alles im Eintritt enthalten.

Doch der Reihe nach. Wir waren früh auf und konnten noch schnell genug unser Geld für die Übernachtung loswerden um rechtzeitig wie geplant am Cafe zu stehen, als es öffnete. Dort gabs Strudel und Tee bzw. Kaffee zum Frühstück, auch wenn man über den frühen Andrang verwundert verwundert war. Einen anderen Drang konnte Annette grad noch rechtzeitig mildern, bevor die Busladung Asiaten eintraf und die Sanitäreinrichtungen für geraume Zeit blockierte. An der Kasse bekam ich für meinen Ausweis immerhin 50% Ermäßigung und so machten wir uns auf den Weg. Es gibt verschiedene Touren unterschiedlicher Länge durchs Seengebiet. Verlaufen kann man sich dank der Bohlenwege kaum. Die Nutzung des Bähnchens und der Fähren ist inklusive. Erste Attraktion am Eingang 1 ist der große Wasserfall. Und dort die Attraktion für den aufmerksamen Individualtouristen: Ein Gestell vorm Wasserfall, damit sich die ganze Busladung fürs Gruppenfoto davor aufstellen kann, ohne daß jemand im Hintergrund verschwindet. Na super. Zu dem Zeitpunkt hatten wir auch schon ein neues Hobby: Asiaten veräppeln. Durch Zufall haben wir festgestellt, daß die Herrschaften mit dem naturgegebenen 16:9-Format andere Touristen auch beobachten. Besonders wenn sie ausgiebig ihre Kameras auf etwas richten, wo sie selbst kein Motiv sehen. Um dann grob in die selbe Richtung zu halten und sicherheitshalber ein paar Mal abzudrücken. War uns eine Freude, in Asiatennähe immer wieder mal ganz aufmerksam in eine Richtung zu peilen, in der nun wirklich nichts zu sehen war. Und jedes Mal haben sie sicherheitshalber geknipst. Bunch of muppets!

So folgten wir also dem Pfad zwischen den Seen entlang, querten den großen See mit dem Boot, beobachteten und fotografierten unzählige Fische und gelangten schlußendlich zum Cafe am Ende des Universums Nationalparks. Dort bauten wir uns je einen leckeren hausgemachten Cheeseburger in die Figur, begleitet in meinem Falle von leckeren Fritten und der Imperialistenbrause. Die Fahrt vorbei an Eingang 2 vorbei zurück zum Eingang 1 dauerte dann eh lang genug, um eine weitere Stunde Parkzeit entrichten zu dürfen. Wie versprochen ohne Gram, aber dennoch erwähne ich hier, daß Motorräder kostenlos parken dürfen.

Gemäß der Empfehlung am Nationalpark nahmen wir für den Rückweg nicht die E71, sondern fuhren auf der 1 nordwärts. In der Tat kamen wir gut voran, LKW behinderten nur kurz und auch ein übel aussehender, aber wohl glimpflich verlaufener Unfall mit entsprechendem Aufgebot an Rettungskräften hielt uns nur kurz auf. Weniger Hilfreich war dann eher das Navi in Karlovac. Statt um den Ort rum und auf die angepeilte Autobahn führte es uns in den Ort rein, um unter der Autobahn zu fordern, daß wir in diese nun abbiegen sollten. Haha! Doch erst mal auf der Bahn war dank Tempomat wieder alles ganz einfach. Um Rijeka dann wieder Nebel/Wolken, aber dunkel war es eh schon inzwischen. So kurz nach 20 Uhr kamen wir wieder in Rovinj bei der Wohnung an für ein spätes Abendbrot.

Fazit: Ich wiederhole es noch einmal: Wenn man auch nur in der Nähe der Seen ist, muß man einen Tag dort einplanen und sie sich ansehen. Die große Tour ab Eingang 1 machen!

23.10.2013 Noch mal Rovinj

Es sollte wieder ein gemütlicher Tag in Rovinj werden. Bewegung hatten wir am Vortag genug. Die Schwiegereltern hatten zwischenzeitlich noch einmal das alte Haus unseres Gastgebers besucht und wollten uns das auch zeigen. Zumal man dort auch ein wenig in einem Park in Stadtnähe mit Aussicht auf die Altstadt und die Hotelanlagen der Bucht spazieren könnte. Gesagt, getan. Sehnsüchtig betrachtete ich unterwegs diverse topropevorbereitete Kletterfelsen, überwand frei selbst eine kleine Wandstufe als Abkürzung und freute mich an dem, was so zwischen den Steinen am Ufer wimmelte. An einer Stelle war ich so vertieft, daß mich die Kaffepause der anderen nicht weiter kümmerte. Man zog dort Vergleiche mit einem jungen Hund, der in Sichtweite bleibend, aber ohne auf Zurufe zu hören herumspielt. Schwiegerpapa tippte sogar ganz richtig auf eine Krabbe zwischen Felsen als Grund für mein Interesse. In der Tat war die Quadratkrabbe sehr fotogen. Die heutige Eidechse war auch deutlich flinker als die kältegelähmte gestern bei den Seen.  Zurück im Ort gabs erst noch mal Kaffee bzw. Radler. Während die anderen schon zur Wohnung zurückkehrten, schlenderten Annette und ich wieder ein wenig im Hafen herum und schauten noch mal nach dem Rochen. Den hatten wir im Hafenbecken tot auf dem Rücken liegend entdeckt und beobachteten nun sein langsames Dahinschwinden. Dann gabs wieder Abendessen in der angeblich besten Pizzaria der Stadt.

Fazit: Urlaub, immer noch. 🙂

24.10.2013 Packen

Viel gibt es nicht zu schreiben. Wir waren mit Packen beschäftigt, Kauften noch Mitbringsel ein, bummelten noch ein letztes Mal bei mildem Wetter durch Rovinj und wurden von Schwiegerpapa zum Abendessen eingeladen. Ein ansonsten ereignis- und deshalb auch bilderloser gemütlicher Urlaubstag.

25.10.2013 Heimreise, erste Etappe

Hute hieß es also Abschied nehmen von der schönen Wohnung in Rovinj. Ich startete wie immer etwas später als geplant, aber immer noch zeitig und vor den Autofahrern. Kurz nach neun Uhr gings los, erst mal zur Tanke. Irgendwie fand sich am Vortag nicht die Zeit. Annette nahm noch die Fernbedienung des Tiefgaragentors in Empfang, das war dann auch für uns der Abschied bis zum Abend.

Leicht nebelig war es noch auf der Autobahn Richtung Ucka. Auf der Hinfahrt noch Anlaß für Frust, so zeigte sich, daß es die beste Strecke für den Heimweg war. Zwar sollte es heute keine Abstecher auf Schotter geben, dafür lag das Tagesziel nicht in Slowenien, sondern im Norden Österreichs! ABer ich kam gut voran, die Einreise nach Slowenien war wieder unterhaltsam, da man sich noch für die EU-Außengrenze hielt10. Der Tankstop in Kobarid war mit einem kleinen Verfahrer garniert, ansonsten war navigationstechnisch alles bestens. Bis zu dem Punkt. Bei Bovec, als ich von der Soca abzweigte Richtung Mendelpaß, fiel mir auf, daß meine geschätzte Ankunftszeit unverschämt früh sein soll. Das letzte Argument für die Befahrung der Mangartstraße! Die gestaltete sich auch dank fahrbahndeckendem nassen Laub als anspruchsvoll, aber traumhaft. Insofern muß ich dem GPS für die Fehlinformaton danken. Und das Sperrschild auf dem letzten Abschnitt habe ich erst auf dem Video gesehen, ehrlich! Keine Ahnung, warum ich ausgerechnet dort kurz gezögert habe!

Fehlinformation? Ja, irgendwann wunderte ich mich, daß die verbliebene Reststrecke kaum mehr sein sollte als die Strecke, die ich gegebenenfalls die Tauernautobahn nehmen wollte, falls die Pässe verschneit wären. Ein genauerer Blick aufs Navi ergab, daß es irgendwann einen Punkt auf der Route „Partial“ genannt hatte und diesen als Ziel ansteuerte. Fiel mit meinem Abbiegen zum Mendelpaß zusammen und ich dachte, das Navi hätte den Paß vermeiden wollen und einen seltsamen Umweg gerechnet, der mir entgangen war. Super Sache. Plötzlich hatte ich zwei weitere Stunden Fahrtzeit gewonnen. Der Verkehr in Spittal an der Drau am Samstagnachmittag half da auch wenig. Sonntags auf dem Hinweg war mir das riesige Gewerbegebiet nicht mal aufgefallen. Statt der Tauernautobahn wählte ich dennoch die Landstraße, nun wollte ich es wissen. Die beiden Tauernpässe waren unkritisch und praktisch verkehrsfrei. Bis auf die Holländer, die einen einsamen Parkplatz ausgerechnet dann nasteuerten, als ich dort die Büsche flüssig düngen wollte. Aber dann ließ ich so wie sie bei ihren Hunden der Natur ihren Lauf. In Radstadt war ich dann endgültig runter von der Höhe und somit gewissermaßen in Sicherheit. Alles mit Sommerhandschuhen, die Straßenverhältnisse waren deutlich besser als bei der Hinfahrt. Wir erinnern uns, da war 600 Höhenmeter tiefer schon alles verschneit. Hinter Eben im Pongau nahm ich dann einen kleinen Feldweg zum Biobauernhof, der unser Übernachtungsstop war. Die Befürchtungen, als Endurist kritisch beäugt zu werden, waren vergebens. Biobauerns gewähren auch durchreisenden Motorradfahrern gerne Quartier.

Nach der Begrüßung und Dusche fuhren wir zu dritt noch mal in den Ort, um zu Abend zu essen. Die Empfehlung fanden wir zuerst nicht. Lag auch etwas außerhalb am anderen Ortsende und ich hatte es auf der Fahrt zwar gesehen, aber schon im Nachbardorf verortet… Lecker war es dennoch, auch ohne Reservierung am Samstagabend. Dafür hatten wir quirlige Kinderchen mit in der Stube.

Fazit: Eine schöne Tagestour, auch wenn sich der Schluß ein wenig zog, weil ich mental zu der Zeit schon in der Unterkunft war.
457km Landstraße und vernebelte kroatische Autobahn in 7h57min, davon 50min Pause.

26.10.2013 Schlußspurt nach Karlsruhe

Nach einer angenehmen Nacht und einem sehr leckeren Frühstück „aus eigenem Anbau“ brachen wir gemeinsam auf. Die Verabschiedung dauerte etwas, drum war es schon deutlich nach halb zehn. Aber ich kann das Windbachgut nur noch mal empfehlen. Kaum auf der Landstraße, musste ich auch direkt den Octavia überholen. Notgedrungen, quasi im Standgas. Kurz danach löste ich mich auch von der Streckenführung der Tauernautobahn, da ich nicht bei Salzburg, sondern bei Rosenheim nach Deutschland wollte. Und so auch südlich um den Hochkönig rum. So nahm ich noch ein paar kleine Pässe mit, schwamm gut durch den Ausflugsverkehr und wandelte sogar kurz auf den Pfaden vom letzten Oktober. Nördlich von Kiefersfelden traf ich dann auf die A93. Ab hier sollte alles über die Bahn laufen.

Am Münchner Ring überholte ich die dort rastenden Autofahrer und lag weit in Führung, als ich in Dasing in den Autohof einbog, um zu Tanken. So weit, daß ich mir davor sogar einen Besuch beim Burger King statt Müsliriegel gönnte. Und das, obwohl ich auf dieser Strecke nicht so reifenverachtend unterwegs war wie beim Hinweg. Wie die GPS-Tracks später zeigten, lag ich sogar noch ca. 5min in Führung, als ich wieder auf die Bahn fuhr. Und kein weiterer Tankstop!

Doch das Schicksal schlug wenig später bei der AS Burgau zu. Stau bis zum Stillstand kurz vor der Ausfahrt. Klar, daß ich die Bahn verließ. Ohne Radio oder TMC konnte ich nur von einer Vollsperrung ausgehen. Ohne Karte schlug ich mich irgendwie auf die B10 durch Richtung Ulm, das müsste schon passen. In Günzburg stocherte ich dann herum, weil ich über die B16 zurück zur Autobahn wollte, aber eine Unterführung wegen Rettungsmaßnahmen gesperrt war. Schließlich kam ich in Leipheim wieder auf die Bahn. Aber weit abgeschlagen. die Autofahrer hatten den kurzen Stau einfach durchgestanden und waren so deutlich schneller. Dichter Verkehr bei Stuttgart und Pforzheim verschlimmerte das noch, die anderen waren da noch locker durchgekommen. Dennoch hatte ihr Vorsprung gerade mal gereicht, um das Auto auszuladen. Etappensieg knapp verfehlt.

Fazit: Bahn musste halt mal wieder sein und irgendwann zieht das Heimweh und es zählt jede Minute. Der Schlenker durch Österreich am Anfang kann nur empfohlen werden, besser als Autobahn von Salzburg bis München ist das allemal.
532km größtenteils Autobahn, aber auch anfangs Landstraße in 6h43min, davon 53min Pause.

Fazit der gesamten Reise: Zugegeben waren wir schon weit außerhalb der Saison, dafür war alles ruhiger und irgendwie anders schön. Vielen Dank nochmal an unseren Gastgeber in Rovinj! Ansonsten haben wir die Julischen Alpen und Slowenien als neues Urlaubsgebiet für uns entdeckt.

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  1. Ich verwende konsequent jetzt die deutsche Schreibweise, die slowenische kann man sich kaum merken und die Sonderzeichen sind hier eh untippbar []
  2. Der Akku war deswegen so schnell leer, weil ich am Tablet Wifi anhatte, so daß es sich mit der Kamera verband, die wiederum nicht in den Stromparmodus einschlief. Das mit dem Beschlagen werde ich wohl mit der Anschaffung feuchtigkeitsabsorbierender Einlegepads gelöst haben. []
  3. Oder eben nicht Abfahrt, versehentlich draufgeblieben? Ich weiß es nicht mehr! []
  4. Ich sollte sogar auf dem Rückweg bewusst die selbe Strecke nehmen []
  5. knapp1€ []
  6. Korrekter: Wenn ich mich alleine trauen würde, aber es Annette nicht zumuten will. Oder Bammel hab, stecken zu bleiben. Aber da habe ich ja Annette, um mich rauszuschieben 😉 []
  7. sowie den entsprechenden -innen natürlich []
  8. u.a. Telekom wegen der Fernmeldeanlagen []
  9. dem Hinweisschild in Kanfanar wären wir sicher gelangweilt nicht gefolgt []
  10. bis hin zu den Willkommensschildern []

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