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2017: Aosta

Nach vier Jahren mal wieder ein Motorradurlaub. Das war schon im Sommer der Plan und im Nachhinein bin ich froh, daß die einwöchige Variante mit Eisenarschanreise durch die Schweiz nicht geklappt hat. Wahrscheinlich wäre meine schlimmste Befürchtung wahr geworden: Daß Annette endgültig keinen Bock mehr auf Motorradreisen hat. In vielerlei Hinsicht kam es anders.

Sonntag, 17.09.2017 Abreise

Der schwierigste Schritt, quasi. Schon seit Tagen ist die Wetterprognose zwischen schlecht und beschissen. Der Rest der Reise soll ja besser werden, aber wir überlegten ernsthaft, mit dem Auto zu fahren und mehr zu wandern als geplant. Aber der innere Schweinehund wurde rechtzeitig besiegt, wir sitzen auf dem Motorrad. Und das springt nicht an. Was für ein Start. Völlig egal, daß ich noch vor zwei Tagen problemlos gefahren bin. Sauer krame ich den Starthilfeakku aus dem Tankrucksack, zwinge die KTM zum Laufen und packe wieder zusammen. Das muß doch werden…
Wie im Blog beschrieben ist die Fahrt ansonsten ereignislos. Annettes Rucksack stört sie dann doch auf dem Rücken. Er wandert in einen wasserdichten Packsack und aufs Topcase für den Rest der Reise. Mit ihrem Helm kann Annette den Trinkschlauch eh nicht nutzen. Ich wiederum bin von meiner ausgemotteten Ribz-Tasche begeistert. Rücken frei für Sozia, alles wichtige am Mann inklusive Getränk. Die zusätzlich über die wasserdichten Tourenklamotten gezogenen Regenjacken helfen warm zu halten und vor allem sicher trocken. Sie verrichten auch einen guten Dienst beim Fußweg zum Abendessen, als es endgültig regnet. Montbéliard ist sonntags wohl ziemlich verlassen und viele Restaurants haben da zu. Ungewohnt, hierzulande würde man sich hüten, ausgerechnet am Wochenende den Ruhetag einzulegen. Wir finden jedoch ein leckeres Galetterestaurant. Mit der Aussicht im Hinterkopf, daß sich das milchfreie Leben im Urlaub nicht halten lassen wird und weil es auch die Gegenprobe sein soll, sündige ich gleich am ersten Abend.

Fazit: Verlegungsfahrt halt. Wir kamen an, das Material hält. Und lieber eine kleine Stadtbesichtigung als noch mehr Kilometer abzureißen.

268km in 4h39 abzüglich 1h42 Pausen.

Montag, 18.09.2017

Eigentlich wieder eine Verlegungsetappe und das auch noch bei bescheidenem Wetter. Wobei in den Regenklamotten, wenn man sich erst mal reingepellt hat, es sich ganz gut aushalten lässt. Wir orientieren uns an der Doubs, die leider nicht so gut zu sehen ist, wie man sich wünschen könnte. Der Versuch, die Wasserfälle zu finden, führt durch einsame schweizer Wirtschaftswege und durch Wald. Am Ende des Rätsels Lösung: Wasserfälle samt Ausflugslokal werden per Boot erreicht. Dafür haben wir weder Zeit noch Lust. Letztere fehlt auch den Betreibern wohl in Anbetracht des Wetters. Morteau, Pontarlier. Letzteres ist in der Gegend kaum zu vermeiden. Ein mental wärmender Duft zieht dort durch die Nase und als ich es als Kakao identifiziere, sehe ich auch schon das Nestlé-Logo am Werksgelände. Alles klar.

Kurz vor der erneuten Fahrt in die Schweiz dann noch Sprit und Brotzeit bunkern. Wobei Brotzeit unterwegs bei dem Wetter eine saublöde Idee ist und wir steuern praktisch das erste Restaurant am Wegesrand an, kaum daß es Mittag ist. Die Erfahrung zeigte, daß langes Suchen eh nichts bringt und viel falsch machen kann man nicht. Zwar nichts für Sparfüchse, aber sein Geld wert ist es immer, was man mittags serviert bekommt. Darüber schrieb ich dann auch mal im Blog. Sollte sich dann als perfekte Lösung herausstellen. Außerdem konnte man nur durch eine Glastür getrennt vom Tisch parken.

Der Lac de Joux war als nette Geste geplant. Annette hatte immer wieder von einem Urlaub dort in ihrer Jugend erzählt, konnte ihn aber nie auf einer Karte finden. Er war eine Routenoption und ich wollte sie überraschen. Koinnte aber wie immer vor Vorfreude meine Klappe nicht halten. In natura ist das ganze unspektakulär und wir rollen geradeaus zu einem letzten Highlight: Noch mal eben den Col de la Faucille hoch. Das Hotel dort ist eigentlich ganz ok und hätte bei besserem Wetter Blick auf den Mont Blanc. Nur das WLAN ist etwas seltsam. Dort lese ich auch dann die SMS, die mich in der Schweiz roamingtechnisch willkommen hießen. Hmpf, Schweiz ist nicht EU, kein kostenloses Roaming, was aber natürlich den ganzen Tag über eingeschaltet war. Früher waren die Kosten für die Schweiz die selben wir fürs EU-Ausland bzw. im gebuchten Auslandspaket drin, darum hatte ich nicht drauf geachtet. Davon leben wohl die Anbieter. 7ct klingt nicht viel, allerdings ist die Abrechnungseinheit nicht wie früher das MB, sondern 10kB! Und natürlich ist das einzige stabile Netz oben am Paß aus der Schweiz. Es wird sich rausstellen, daß die Nachlässigkeit gut 6€ Lehrgeld gekostet hat.

Kein Lehrgeld gekostet hat uns dann das Abendessen. Dank unangetasteter Vespervorräte können wir das teure Hotelrestaurant mit der kleinen Auswahl ignorieren, holen den Tisch vom Balkon rein und genießen ein lecker Abendbrot. Käse für Annette, Wurst für mich, lecker Baguette und den Wein trinkt auch der Franzose auch mal aus dem Einwegbecher.

Fazit: Mit guter Kommunikation dank Bordfunk kann man auch tristeres Wetter überstehen, wenn man gut eingepackt ist.

219km in 6h43 abzüglich 2h40 Pausen

Dienstag, 19.09.2017 Es wird alpin

Endlich soll es toll werden. Landschaftlich, aber auch das Wetter soll aufgehen. Zwei Haken: Es nieselt immer noch am Paß. Und ich hatte ein ganz besonderes Highlight geplant: Den Col d’Iseran. Einen der höchsten Alpenpässe. Gut, es ist warm an den Etappenorten, doch vergangene Nacht kam ich mal auf die Idee, nach dem Wetter auf dem Paß zu sehen. Trocken gemeldet, wie hier. Hier ist es nicht trocken. Tageshöchsttemperatur 4 Grad. Minus. Nö, da muß Plan B her.

Und der besagt, daß es ab Albertville eben nicht ostwärts gehen darf, denn dann gibt es nur noch diesen Paß. Südwestlich führt die Autobahn andersum um das Vanoise. Länger, aber schneller. Aussicht dürfte es auch da geben. Und pfeif auf die Maut! Außerdem gibt es zum Aufbruch eine britische Showeinlage, die aus Top Gear stammen könnte. Eine Truppe nicht mehr ganz junger Briten in locker genau so alten britischen Roadstern macht sich auch startklar. Beim Packen unterhalte ich mich mit einem und es ist schnell klar, daß einer von ihnen sich um die komplette Organisation kümmert. Nicht mein Gesprächspartner. Aber Iseran, ja, der könnte bei ihnen auch auf dem Plan stehen. Ich verkünde die Wetterprognose und er gibt sie gleich an den frisch hinzugestoßenen Kumpel weiter. „Minus 4? Bollocks, it’s freezing here already!“ Wer auch immer der Planer war, er sollte wissen, wo die Unterkunft ist und Alternativen finden, denke ich. Auch sonst sind die Jungs krass unterwegs. Starten kurz vor uns und schon können wir den ersten Einsammeln. Tank leer, hofft er und kippt seinen Reservekanister rein. Zurecht gehofft, denn weiter unten bremst er schlitternd in uns rein, als wir seinen wartenden Kumpels bescheid geben wollen. Die sind aber dank Handfunkgeräten schon auf dem Laufenden.

So, genug verzettelt. In Gex lassen wir den geplanten Tankstop sausen, da er primär auch als Vespereinkauf dienen sollte. Nicht bei dem Wetter, da wird drinnen warm gegessen! Am CERN vorbei stürzen wir uns in die Schweiz. Übrigens es hat auch einige Gebäude auf französischer Seite. War mir so nicht klar. Durch den Speckgürtel Genfs ist es unendlich öde. Ständig aufpassen, daß man nicht versehentlich auf die Autobahn gerät, auf den Tacho achten und überhaupt. Ich bin froh, als sich die Häuserreihen lichten und dann auch uns Frankreich wieder hat. Ganz nebenbei haben wir auch noch die Rhône überquert.

Kurz vor elf dann eine willkommene Abwechslung: Eine schöne alte Brücke neben der von uns befahrenen. Annette nutzt erst mal die Chance auf Büsche und will zurücklaufen, während ich die KTM wieder auf die andere Seite der Schlucht bringe. Schaut schon beeindruckend aus, wenn man genauer hinsieht. Nebenbei gibt es außer einem geräumigeren Parkplatz auch ein (geschlossenes) Besucherzentrum mit (offenem) WC. Auch eine kleine Plattform, die in die Schlucht reinragt, gibt es. Ganz nett und wir vertreten uns ingesamt eine knappe Stunde die Beine. Gorge de la Caille, wenn jemand auch mal hin will. Auch wird das Wetter besser. Abgesehen vom Mikroklima im wasserdichten Packsack, in dem Annettes Rucksack weilt: Ihr Trinkblase im Rucksack ist nicht dicht verschlossen und marinierte den Rucksack. Was ein Glück, daß ich sie am morgen dazu gedrängt habe, Geldbörse und Telefon greifbarer in meinem Koffer zu deponieren…

Gleich drauf dann Tankstopp und weil es grad Mittag wird, lassen wir uns kurz danach von einem Schild den Weg zu einem Restaurant weisen. Sieht erst mal im positiven Sinne abschreckend aus. Einlaß mit fettem Reservierungsbuch, alle irgendwie doch etwas feiner gekleidet als wir und ich meine dazu noch, daß aus meiner Regenjacke langsam ein etwas herberes Aroma entströmen würde. Egal, wir kriegen einen Tisch und das Mittagsmenü ist angemessen bepreist und lecker. Daß bei meinem großen Salat Putenbrust mit drauf ist, ist mir heute auch egal genug, um nicht umzubestellen. Wenn schon Allergien ignorieren, dann richtig. (Nachtrag: Dafür musste ich auch nicht büßen. Am Ende doch nur eine Kreuzwirkung oder verstärkung der Milchunverträglichkeit?) Allerdings dauert das mit der Rechnung wieder ewig, obwohl wir an den anderen Tischen sehen können, daß auch mit Karte am Tisch bezahlt wird. Gestern hatten wir das Prozedere ja einfach dadurch abgekürzt, daß wir (wie die anderen) an der Bar in Sichtweite des Tisches zahlten.

Frisch gestärkt geht es dann auf kleiner Straße großräumig um den Lac d’Annecy erst mal weiter bis Ugine, um dort vom geplanten Weg abzuzweigen. Albertville hätte man eleganter umfahren können, wenn man auf dem Laptop feiner geplant hätte. Aber das ist ja in der Werkstatt. La Léchère und Col de la Madelaine bringe ich irgendwie mit dem zu weit südlich liegenden Col de Larche/Colle di Maddalena durcheinander und ignoriere dadurch die eigentlich ganz nette Alternative zu einem guten Stück Autobahn. Allerdings läuft uns auch die Zeit davon. Ab auf die Autobahn, hinter Albertville auf die E70 einschwenken und die erst wieder verlassen, wenn der sackteure und nicht zielführende Tunnel von Fréjus in Sicht ist. Naja, bis auf einen kurzen WC-Besuch an einem Rastplatz. Immerhin verkündet ein Schild, daß die Paßstraße zum Mont Cenis offen ist. Und der Iseran wird als geschlossen gemeldet. Alles richtig entschieden. Wir denken kurz an die Briten und hoffen, daß auch sie bei ihrer Unterkunft ankommen.

Ich überrasche mich selbst und komme noch an einer markierten Tanke für diese Richtung vorbei, wir müssen nicht den kleinen Umweg zum eigentlich geplanten Tankstop machen. Bis Susa würde noch der Sprit reichen, aber Italien ist da deutlich teurer. Dann der Endspurt: 5 Kehren hoch zum Paß, weiße Gipfel rundherum. Fotostop am See, es fliegen seltsame Flocken. Schnee? Bei schönstem Sonnenschein? Dann die Ankunft am Hotel Malamot, von Annette liebevoll „der Bunker“ genannt gegen halb sechs. Ja, es ist ein Zweckbau. Aber drinnen ganz heimelig, wenn auch in einem kruden Stilmix, ausgebaut. Wir werden die einzigen Gäste für die Nacht sein, bekommen aber ein leckeres Abendessen im ofengeheizten Restaurant. Das Zimmer ist auch ordentlich, passt alles. Wir sind so zufrieden und geschafft, daß ich keinen Tagesbericht schreibe!

Fazit: Langer Tag, war aber gut zu bewältigen. Endlich tolle Aussichten und Annette findet spontan auch die Westalpen toll.

260km in etwas über 8 Stunden abzüglich 3h21 Pausen.

Mittwoch, 20.09.2017 Hoch und tief

Der Tag zerfällt eigentlich in drei, wenn nicht gar vier Teile. Die Nacht hatte uns schon mit heulendem Wind in der Einsamkeit auf den Start vorbereitet. Gut eingepackt stapfen wir durch den fast frostigen Wind zum Motorrad, daß ich um Koffer und Topcase erleichtert habe. Die bleiben im Hotel, wir gehen Spielen am See! Doch plaudernd verpasse ich die geplante Abfahrt, nehme in Straßenfahrermanier einfach die nächste und habe den Salat: Statt eben zum Staudamm geht es ordentlich bergab mit entsprechenden Auswaschungen. Annette steigt ab, um mir das Fahren zu erleichtern und zu Fuß die Lage zu sondieren. Doch schon nach der nächsten Biegung winkt sie ab: Tiefe Rinnen, die ich im spitzen Winkel queren müsste. Was für ein miserabler Start! Ich wende die KTM und während Annette zu Fuß das kurze Stück zum Damm geht, fahre ich außen rum. Ganz anderer Schnack, das ist das einfache Eingewöhnungsstück, das ich wollte! Natürlich hatte ich beim Wenden unbemerkt meine Brille verloren, die durfte ich noch zu Fuß suchen. Es stellt sich raus, daß die Abfahrt mit einem kleinen Umweg solo wohl machbar gewesen wäre, aber heute ist nicht die Zeit für Risiken. Der Rest war auch unkritisch, mit laufender Kamera ging es im Sonnenschein um den See.
Gepäck aufnehmen am Hotel und runter Richtung Susa. Mit jedem Höhenmeter, den wir den Paß runterrollen, klettert das Thermometer. Kaum an Susa vorbei, wollen wir uns an einer Tanke der warmen Klamotten entledigen und ich wieder die Reifen aufpumpen. Fürs Gelände hatte ich Luft abgelassen. Da dann der Schreck: Risse an den Koffern! Waren mit vorher nicht aufgefallen, wirken aber direkt mal bedrohlich für die Weiterfahrt. Klarer Plan: Stabile Spanngurte müssen her! Ach, eigentlich steht alles im Blog: Lange ergebnislose Suche, vor Frust beinahe ausgefallenes und zur Versöhnung miteinander und mit der Welt doch noch nachgeholte Mittagsvesper, kurz darauf der Zufallsfund eines Eisenwarenladens, der Bezug des wirklich tollen B&Bs. Am Abend dann noch mal ein klein wenig Frust, weil es in den Ort rein keinen richtigen Gehweg gibt. Dafür ist dann das Abendessen wirklich lecker! Wobei wir erst mal zu früh dran sind, noch eine Runde spazieren gehen, dabei eine Art Wasserspenderautomat als Dorfbrunnen entdecken1 und dann beim Bestellen so lange Überlegen müssen, daß die Kellnerein zwei Mal unverrichteter Dinge abziehen muß.

Fazit: Miteinander reden (Kommunikationssystem) kann den Urlaub retten. Und nicht panisch werden, die Hilfe findet sich auch so. So bot uns ein älterer Herr sogar eine Wäscheleine aus seinem Kofferraum an, als wir ihn danach fragten, wo man Zurrgurte kaufen könne.

Nachtrag: Die Koffer haben es nicht nur am Stück nach Hause geschafft, sondern wurden vom Hersteller für schmales Geld top repariert. Kann ich also nach wie vor empfehlen!

Mit der Schotterrunde 187km in 7h44 abzüglich 2h56 Pausen.

Donnerstag, 21.09.2017 Im Paradis

Gran Paradiso heißt der Berg, sein Massiv und der Nationalpark drumherum. Letzterer ist auch ein Grund dafür, warum die Paßstraße am Colle de Nivolet nie zuende gebaut werden wird. Die Südrampe soll so toll sein und die Bilder mit den beiden Seen Serru und Agnel drauf sind quasi Ikonen der Reiseberichte. Im Ursprungsplan wäre dieser Abstecher eine ziemliche Gurkerei von Aosta her gewesen. Hin und zurück an einem Tag, zwei Mal die Po-Ebene streifen. Blöd, darum läuft der aktuelle Plan größtenteils auch deshalb drauf heraus, Aosta von Süden her zu erreichen und mit den zwei Übernachtungen hier eine kurze Tagestour draus zu machen. Mit Zeit für eine Wanderung.

Der Aufbruch ist nicht all zu früh. Es gibt Frühstück und wir nehmen es wahr. Nicht nur wegen „bezahlt ist bezahlt“2, sondern man fragte schon im Vorfeld wegen Unverträglichkeiten und Wünschen. Spätestens, als der selbstgebackene vegane Kuchen präsentiert wird, kann man schlecht aus Prinzip alles unangetastet stehen lassen. Gibt es halt keine Mittagsvesper. Und lecker ist der Kuchen dann auch noch!

Gleich am Anfang mal Tanken. Ich finde keinen richtigen Stand, Annette ist jedoch von dem Automaten überfordert. Ich bekomme das Motorrad abgestellt und wir füttern die Säule mit einem Zehner in bar, das reicht auf jeden Fall für die Tagestour. Das erste Stück der Fahrt zieht sich dann ein wenig. Beschränkung auf 50 oder 30, kleine Ortschaften Häuseransammlungen und ein größerer Ort am Wegesrand. Doch dann, ja, die eigentliche Paßstraße fährt sich traumhaft. Die Seen funkeln im gegebenen Licht nicht so toll wie auf den Bildern und vorher dran vorbei zu fahren ernüchtert eh ein wenig. Dennoch traumhaft. Dolomitenliebhaberin Annette ist schon wieder von den Westalpen angetan.

Da im Blog nur wenig stand: Die Wanderung startete an der Empfehlung von der Unterkunft. Meine OSM-Karten im Oregon hatten zum Lago Rosset hoch einen Weg gefunden, Annette folgt dem Fingerzeig eines Einheimischen (?) an der Hütte. Immerhin markiert ist der Weg und führt uns auch an einem Wasserfall vorbei. Na gut, das lohnt einen Umweg. Den Kamm erreichen wir so nicht, aber ich weiß auch nicht, ob sich die Aussicht wirklich lohnt. Wir klönen beim Wandern und ein Wanderurlaub hier in der Gegend ist beschlossene Sache. Sogar Vergleiche mit norwegischem Fjell werden gezogen auf den Hochebenen. Später werden wir den Schwerpunkt verlegen, aber es passt. Es passen auch die Sidi-Endurostiefel. Da es sonnig, aber auch recht kühl und zugig ist, ließ ich die winddichte Motorradhose und somit auch gleich die Stiefel an. Nach dem Ablegen des Protektorenhemds kam die Motorradjacke wieder drüber. Ungewöhnlich, aber bei dem Wetter fast perfekt. Softshell und Regenjacke/ -hose überflüssig. Mit den zwei Paar Wollsocken drin3 läuft es sich auch gut. Tierchen sehen wir unterwegs auch noch. Entspannte Murmeltiere, die mich mein 600er vermissen lassen und eine sehr abgemagerte Gemse4.

Details zum Abendessen sind schon geschrieben.

Fazit: Rundum gelungener Tag bei kühlem Kaiserwetter. Mehr davon! Endlich Urlaub!

94km gefahren in 2h35 abzüglich 12min Tank- und Fotostopp. Wanderung 7,8km in 3h40.

Freitag, 22.09.2017 Verlegung nach Aosta

Gressan genauer, ein Vorort auf der anderen Flußseite. Ist aber eh lückenlos aneinander gereiht. Wie im Blog beschrieben dehnen wir die Anfahrt ziemlich aus. Bis Pont Saint-Martin Geschrubbe in der (Po-)Ebene, dann ein Ausbruch von Fahrfreude, als wir uns in den Anfang des Gressoney-Tals hochschrauben. Die Ausblicke sind interessant, aber es bietet sich kein Fotostop an. Zwei Pausen später wird die Fahrt aus dem zweiten Seitental raus noch mal interessant. Was wir bei der Fahrt den Col de Joux runter sehen, sollte bei Kaiserwetter doch glatt der Mont Blanc sein! Die Fahrt das Tal entlang bis nach Aosta zieht sich dann. Auf dem Weg zur Unterkunft sehen wir dann noch einen Carrefour, der 7 Tage die Woche 24 Stunden am Tag geöffnet ist. Verhungern dürften wir also nicht.

Die Unterkunft ist dann erst mal eine Enttäuschung. Auf der Karte wirkte es auf mich wie ein Gebäude und ich hoffte auf eine Wohnung nach hinten raus. In Wirklichkeit ist alles irgendwie näher, vor allem die Durchgangsstraße. Nun gibt es ja Durchgangsstraßen, auf denen man ein ausgiebiges Nickerchen halten kann, ohne überfahren zu werden. Diese ist das Gegenteil. Und die Anlege besteht aus etlichen Häuschen. Unseres soll das direkt an der Straße sein. Annette wirkt mordfähig und ich frage mich, wie ich die nächsten Tage überleben soll. Sie inspiziert die Wohnung und schickt mich noch mal los, um einen Umzug zu erfragen. Andere Wohnungen in der Größe wären nicht frei und zudem auch nicht besser gelegen. Es gäbe aber noch die im Haupthaus, die nicht regulär vermietet würde5. Die könnten wir auch haben. Nehmen wir, weil etwas weiter von der Straße weg und Annette hat auch keine Lust, nachts zum Bad eine Treppe runter steigen zu müssen. So bekommen wir reichlich Platz, ein großes Futonbett und eine begehbare Dusche6. Wir richten uns ein, duschen und füttern die Waschmaschine. Ich verliere die Zeit etwas aus den Augen, als ich noch einkaufen will. Somit kommen wir eine halbe Stunde nach Öffnung erst am Restauran Bon Plat an, das einen knappen Kilometer Fußmarsch an der Durchgangsstraße entlang entfernt liegt. Wir kriegen einen Tisch, essen lecker, aber irgendwie sind wir anfangs unentspannt.

Aber ich will nicht zu viel wiederholen. Wir schlafen dann entgegen aller Befürchtungen gut, da der Verkehr nach der nachmittäglichen Betriebsamkeit doch deutlich nachlässt. Ehrlich gesagt, im Sommer daheim bei offenem Fenster ist die Straßenbahn und die Lärmposerfraktion nerviger.

Fazit: Eigentlich unnötig und erlebnislos länger als nötig unterwegs gewesen, deshalb etwas dünnhäutig. Aber alles wird gut.

243km in 6h32 abzüglich 1h33 Pausen

So, fast eine Woche ist rum, es drängt sich ein Seitenumbruch auf. Nach der Anreise der Aufenthalt in Aosta und dann die Rückreise, das gibt es im zweiten Teil.

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  1. für wenige Cent bekommt man einen Liter Trinkwasser, wobei das Leitungswasser nicht verdächtig wirkte []
  2. weil im Übernachtungspreis inklusive []
  3. wegen der Kälte bei der Anfahrt []
  4. könnte aber auch doch nur eine Ziege gewesen sein []
  5. aber auf booking.com mit Bildern vertreten und bezugsfertig ist []
  6. „open shower“ auf Englisch, offene Dusche klingt aber irgendwie undicht []

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