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20080930-Langkofelrunde

Länge: 16,8km

Dauer: 8:20h

Anstieg: 1220m

Abstieg: 1220m

Track: 20080930_Langkofelrunde

Wir standen mal wieder auf Kriegsfuß mit unserem Wanderführer. 600m rauf und runter behauptete er, meine Aufzeichnung besagt über das Doppelte. Dafür ignorierten wir die Ansage „Nur bei sichrem Wetter gehen!“ und zogen bei bedecktem Himmel los. Bis wir von Canazei aus oben am Sellpaß (und etwas drüber raus am Parkplatz) waren wurde es 10:45Uhr bis wir zu dieser langen Wanderung aufbrachen. Aussicht gab es maximal nach unten, scheinbar wenige Meter über unseren Köpfen hingen die Wolken, der Langkofel versteckte sich.

Zuerst gings tendenziell leicht bergab auf und nieder entlang des Weges Nr. 526 durch die Steinerne Stadt. Bis zum Rifugi Comici (2153m, 2,3km, 0:45h) verlief der Weg dann auch recht eben. Eine Wanderung, die man durchaus auch mit leichterem Schuhwerk oder in höherem Alter bewältigen kann. Die geöffnete Küche des Rifugio konnte uns aber um die Zeit nicht locken, bestenfalls die Damentoilette. Immerhin lagen wir auch sehr gut im Zeitplan.

400m weiter teilen sich dann die Wege oberhalb eines kleinen Sees, der dadurch auffällt, daß in ihm ein großer Felsen liegt, auf dem ein Baum wurzelt. Die Stelle ist auch ein guter windgeschützter Rastplatz und gut besucht. Es war aber eh windstill und Hunger hatten wir noch keinen. Wir nahmen den Weg 526a statt mit dem 528 bzw. 526b abzusteigen und einen Umweg zu laufen. Daß wir durch das Geröllband laufen würden, schreckte uns nicht ab. Es dauerte keine weiteren 400m und wir hatten den Weg schon verloren. Wir merkten es gar nicht, da wir in einem Geröllfeld einfach den erkennbar abgelaufenen Steinen folgten und die Wegmarkierungen eh nur sporadisch waren. Erst als wir plötzlich direkt in den Hang ansteigen mussten, einen guten Weg erreichten und zurückblickend sahen, daß er markiert und gut begehbar ist, merkten wir unseren Irrtum. Aber nicht weiter schlimm.

Dann schafften wir 700m fehlerfrei. In einem Waldstück waren die Markierungen erst wieder lückenhaft, dann ganz weg. Aber der Pfad war ausgetreten. Hatte ich beim Warten an der Comici-Hütte noch erfolgreich mit meiner BluetoothGPSLogMaus und dem PDA mit Pathaway rumgespielt, versagten mir die beiden an seit dieser kritischen Stelle die Kommunikation. Da wir uns aber in begehbaren Gelände im Dreieck zwischen unserem Weg und der zurückkehrenden Variante 526b befinden mussten, fand ich es eher unkritisch. Auf einer Weide stießen wir dann auch wieder auf einen größeren Pfad, der uns zum 526b führte und kurz darauf standen wir an der Kreuzung mit unserem geplanten Weg – wo auch immer der lang verlief.

Nun umrundeten wir langsam den Langkofel weiter und erhielten immer mehr Einblick in den tiefen Taleinschnitt, der Langkofel und Plattkofel trennt. Auch hier hingen die Wolken zwischen uns und den Gipfeln, aber die oben am Hang klebende Langkofelhütte war gut zu erkennen. Und daß es einen ordentlichen Anstieg dahin geben würde. Der schlängelt sich dann als Weg 525 nach oben. Überhaupt gibt es dort auf engem Raum einige Wege, sogar einen Fahrweg bis zu einer Materialbahn unterhalb der Hütte. Man erwischt aber garantiert den richtigen, wenn man im Zweifel bergauf geht. Dankenswerterweise riss auch kurz die Wolkendecke auf und gab einen Blick auf den sonnenbeschienenen Langkofel frei.

Die Langkofelhütte bzw. Rifugio Vincenza (2253m, 6,3km, 3:45) war proppenvoll und mollig warm. Wir setzten uns an einem Tisch mit dazu und bekamen so mit, daß dies der letzte Öffnungstag der Hütte war (die damit die Öffnungsangabe „Ende September“ zum Glück tagesgenau nahm) und der Andrang die Motivation der Bedienung dergestalt überstieg, daß einfache Anwesenheit nicht als Wunsch bewirtet zu werden ausreicht. So bestellten wir etwas nachdrücklicher. Ich machte mit dabei so meine Gedanken. Wir hatten 3:45h gebraucht für eine Strecke, die im Wanderführer mit 2:30h angegeben war. Würden wir für die lt. Wanderführer verbleibenden 3:30h auch nur anderthalb Stunden länger brauchen, würden wir um 20:00Uhr bei Dunkelheit am Parkplatz ankommen! Oberflächlich betrachtet sollte der Weg aber nach dem Abstieg von der Hütte und einer Kammüberschreitung kaum noch Höhenlinien kreuzen. Dadurch motiviert wollte Annette es sich nicht nehmen lassen, die Runde die meiner Namensgebung zum Trotz ja auch noch um den Plattkofel gehen sollte, zu vollenden. Obwohl wir Leute herunterkommen sahen, schlossen wir die „Abkürzung“ durch die Langkofelscharte aus, da sie einen heftigen Anstieg darstellte und wir nicht wussten, ob die Seilbahn noch fahren würde. Dann lieber auf einfachem Gelände mit Stirnlampen rumstolpern als bei einem steilen Abstieg. Unsere Tischnachbarn waren aber auch zurecht skeptisch. Den selben, kürzeren Weg zurück wollten wir aber auch nicht gehen.

Nach einer dreiviertel Stunde Aufenthalt gings dann entlang des Weges 572 los. Den Abstieg schlitterten wir zügig runter (hier gilt im Weggewirr: bergab und im Zweifel links halten) bis sich die Hütte hinter dem Plattkofel versteckte. Tücke hier: Der Weg ist an einer Stelle durch einen Geröllrutsch weggerissen gewesen. Der war zwar ganz gut zu durchqueren, aber ich behielt den Berg im Auge und bestand auch darauf, daß wir einzeln durchgehen. Denn hier und da polterte noch ein Stein rum.

Der Anstieg zum Kamm beim Piz da Uridl führte dann fast zur Meuterei. Immerhin knapp 150m Höhenunterschied waren da auf kurzer Strecke zu überwinden! Und es sollten nochmal über 100m mehr werden, als wir oberhalb der Murmeltierhütte und einiger Almhöfe den Hang zur Plattkofelhütte (2297m, 10,8km, 6:15h) entlangliefen. Die versteckt sich übrigens hinter einer Kuppe, also nicht verzweifeln, wenn man sie nicht sieht, obwohl man fast dort sein müsste. 1:45h hatten wir für knapp die Hälfte des Rückwegs gebraucht. Ich wurde optimistischer. Um 19:00Uhr, just wenn es dunkel wird, sollten wir am Parkplatz sein. Auch sollten jetzt mehrere Hütten am Weg liegen und zumindest diese hier war noch offen.

60% des Rückwegs lagen noch vor uns. Also munter los, auf dem Weg 4 bzw. 557 unterhalb der Felsen südlich um den Plattkofel rum. Eben war der Weg keineswegs, immer wieder ging es einige Meter rauf oder runter. Meist steil. Das Rifugio Sandro Pertini passierten wir flott. Noch etwas über dreieinhalb Kilometer, das sollte in einer Stunde zu schaffen sein. Musste.

Doch mit dem Rifugio Friedrich August vor Augen gabs noch mal etwas Anstrengung: Nochmal runter und steil hoch durch einen kleinen Taleinschnitt. Und am Rifugio (2298m, 15km, 7:50h) war die Steigung nicht zuende… Echte Yaks auf der Weide neben dem Weg munterten uns dann aber nochmal auf trotz der Dämmerung. Ein Sherpa in Norwegen, Yaks in den Dolomiten – wozu sollten wir in die Ferne schweifen? Im Rifugio brannte auch Licht und ab da verläuft der Wanderweg auch auf dem breiten geschotterten Fahrweg. Auch gings jetzt wirklich nur noch bergab bis zum Parkplatz unterhalb des Sellajoch. Die Rifugios Salei und Valentini waren da nur noch Statisten. 19:00Uhr! Noch während wir im Auto unseren restlichen Tee aus der Thermoskanne schlürften, wurde es endgültig dunkel. Gerade noch so geschafft!

Gut, daß wir zu Mittag was Warmes hatten. So konnten wir uns im Hotel nach dem Duschen im Bett über unseren Rucksackproviant hermachen und mussten nicht mehr raus.

Annette kämpft sich durch die Steinerne StadtWas man so als Aussicht hat...Abzweigung mit markantem BaumTypische Wegführung im Norden/Westen des LangkofelsSchmal aber steilDie Sonne gibt sich kurz die EhreLangkofelhütteWolken und Schnee - wir steigen nicht höher!Sorgen wegen dem Rückweg“Ab hier gehts fast nur noch bergab” - Denkste!PlattkofelhütteSelbst bei dem Wetter wurde der Col Rodela noch umschwärmt

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1 comment to 20080930-Langkofelrunde

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